Infobriefe

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Info 17-07 "Wer hat das Sagen, wenn wir bei den Eltern sind?"

Ich hoffe, du weisst noch, dass es bei der Vertrauenspädagogik nicht darum geht, welche Haltungen «richtig» und welche «falsch» sind. Es geht vielmehr darum, auf welche Weise wir unsere Kinder prägen sollen und dürfen. Dennoch lohnt es sich darüber nachzudenken, wie die Hierarchien laufen, wenn du mit deinen Kindern in deinem Elternhaus oder im Haus deiner Schwiegereltern bist. Wie soll ein Kind das sehen dürfen? Soll es dich als oberste Autorität wahrnehmen oder deine Mutter? Hier gibt es erfahrungsgemäss viele Missverständnisse. Vor allem dann, wenn bei dir Autorität immer noch etwas mit Mehrwert oder Minderwert zu tun hat.
Welcher der beiden folgenden schwiegermütterlichen Gedanken gefällt dir besser?
  • «Sie soll selber zu ihren Kindern schauen! Ich sage da gar nichts, aber ich denke mir meinen Teil!»
  • «Ich gebe hier meinen Tarif durch, wie ich es immer gemacht habe. Meine Schwiegertochter kann sich ja wehren, wenn es ihr nicht passt.»
Wenn es dir geht wie mir, dann findest auch du beide nicht unbedingt friedensstiftend. Dennoch gefällt mir der zweite besser. Schön wäre es, wenn man darüber offen sprechen könnte. Bei Töchtern ist es einfacher, hier stimmt die gefühlte Hierarchie eher überein.
Ich schlage vor, dass wir als Eltern unseren Kindern nie besser vorleben können, was es heisst, die Eltern zu ehren, als durch die Art, wie wir selber unsere Eltern ehren. Das kann dann etwa so tönen:
«Mein Papa mag es nicht, wenn jemand anders am Tisch ein Gespräch beginnt, wenn gerade eines am Laufen ist. Also wollen wir das respektieren. Wenn er euch abstellt, dann nehmt es ihm nicht krumm. Er liebt euch, auch wenn er mal zornig wird.» (Dass es hier natürlich Grenzen gibt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.)
Wenn du in einer solchen Situation deine Kinder verteidigst, zum Beispiel sagst: «Er hat gemeint, wir seien fertig mit dem Gespräch!», dann meinst du vielleicht im Grunde:
«Papa, du kannst dich nicht in Kinder einfühlen! Du hast kein Verständnis für Kinder! Du bist kleinlich!» Vielleicht hast du das damals als Kind schon deshalb gedacht, weil deine Mutter dich so in Schutz genommen hat, wie du es eben getan hast.
Kinder vertragen gut mehrere Erziehungsstile und deine Autorität ist in keiner Weise in Gefahr, wenn du dich im Hause deiner Eltern weiterhin an ihre Anweisungen hältst - im Gegenteil: Du ehrst sie damit und hilfst deinen Kindern, dich in gleicher Weise zu ehren.
 
Livesendung vom 31. Juli 2017
 

Fragen und Inputs

  • Wie ist das Infobriefthema zu verstehen? Sind Grosseltern gegenüber den Eltern generell im Alpha oder handelt es sich um eine situative Hierarchie, die sich ändert, sobald die Grosseltern ihre Kinder und Enkel besuchen?
    Es handelt sich ganz klar um eine situative Hierarchie, weil die Eltern mit ihren Kindern bei den Grosseltern zu Besuch sind. Ich würde vorschlagen, dass die Regeln der Grosseltern aber auch gelten, wenn sie die Kinder alleine im Elternhaus betreuen. Sobald die Eltern zurückkehren, werden die Grosseltern zu Gästen und die Eltern übernehmen das Alpha wieder. Empfehlenswert ist es, solche Situationen zu klären und im Vorfeld darüber zu sprechen.

  • Die Enkel werden während der Arbeitszeit der Mutter von den Grosseltern betreut. Wenn die Mutter die Kinder abholt, hat sie anfangs jeweils keinen Einfluss auf die Kinder. Ihre Anweisungen werden ignoriert. Erst, wenn wieder alle zu Hause sind, kann die Mutter das Zepter wieder übernehmen. Die Mutter hat mit den Grosseltern vereinbart, dass die Oma die Führung bis zum Aufbruch behält: «Jetzt ziehen wir die Schuhe an und dann...» Ist das eine gute Lösung?
    Solche Übergänge sind typischerweise problematisch und für kleine Kinder schwierig, weil sie nicht gleichzeitig zu zwei Personen eine direkte Bindung aufrechterhalten können. Wenn die Mutter nach dem Arbeitstag eintrifft, halten die Kinder an der Bindung zur Grossmutter fest - sie ist dann die primäre Bezugsperson.
    Die Vereinbarung, dass die Grossmutter bis zum Aufbruch im Alpha bleibt, ist gut. Hilfreich ist es, wenn solche Übergänge generell «kurz und schmerzlos» gehalten werden, auch wenn man das vielfach eigentlich nicht möchte. Sobald der Entscheid zum Aufbruch gefällt ist, ist es wichtig, dass die Grossmutter mitzieht. Noch besser geht es, wenn die Kinder schon auf die Übergabe vorbereitet werden, bevor die Mutter kommt: «Bald kommt eure Mami. Wir ziehen jetzt schon die Schuhe an...» Hilfreich ist auch - wie immer - wenn die Kinder wissen, dass die Mutter und die Grosseltern einander vertrauen.

  • Wie kommt es, dass Kinder nach einer Rückkehr von den Grosseltern, nach einem besonderen Tag oder auch nach einem Schulanlass meistens so frustriert und «geladen» sind?
    Eine Rückkehr ist immer auch eine Trennungserfahrung. Die Kinder halten innerlich noch an der anderen Bezugsperson fest. Nach Schulanlässen könnte auch die Gleichaltrigenorientierung mitspielen. Das muss aber nicht zwingend so ablaufen.

  • Könnte es sein, dass die Kinder tatsächlich frustriert sind, weil der schöne Tag oder auch das Verwöhnen durch die Grosseltern ein Ende hat? Die Grossmutter bekocht die Enkel nach Wunsch, die Mutter kocht, ohne die Kinder nach ihren Wünschen zu fragen. Bei der Grossmutter dürfen die Enkel ohne Grenzen fernsehen, zu Hause wird die Zeit eingeschränkt usw.
    Möglicherweise sind die Kinder deswegen frustriert. Es könnte aber auch sein, dass sie die Unsicherheit der Mutter spüren. Vielleicht hat sie ein latent schlechtes Gewissen, weil sie den Kindern nicht in gleichem Mass entgegenkommt wie die Grossmutter. Vielleicht hat sie auch Angst, weniger geliebt zu werden, wenn sie streng führt.

  • Die Mutter konnte als Kind erleben, welche negativen Folgen ein Laisser-faire-Erziehungsstil haben kann. Sie und ihre Geschwister rebellierten in der Pubertät stark gegen die Eltern. Deshalb entschied sie sich bewusst, die Kinder klarer zu führen und konsequenter zu erziehen.
    Es ist wichtig, vom eigenen Erziehungsstil überzeugt zu sein. Es ist aber auch hilfreich sich zu hinterfragen: «Wie direktiv bin ich? Wie viel Spielraum lasse ich meinen Kindern?»

    Als mögliche Entlastung wäre auch denkbar, dem Kind nach der Rückkehr einen «Oma-Style-Tag» zu gewähren. An diesem Tag könnte man sich ganz bewusst auf die Bindung statt auf das Verhalten konzentrieren. Auch wenn man vom Führungsstil der Grosseltern nicht überzeugt ist, sollte man die Autorität von Oma und Opa nicht untergraben: «Weisst du, Menschen sind verschieden und gehen verschieden miteinander um. Damit dir die Umstellung ein bisschen leichter fällt, handhaben wir es heute so wie bei der Grossmutter. Ab morgen gelten wieder unsere Regeln.» Wenn die Beziehung stimmt, muss man kaum Angst haben, dass einem die Kinder entgleiten könnten. Kinder sind von Natur aus stark an die Eltern gebunden.


    Ein wichtiger Schlüssel ist, wie das älteste Kind funktioniert. Wenn das Älteste vertrauenspädagogisch gehorcht und führt, fungiert es in dieser Stellung als Assistent der Eltern.

  • Was kann man unternehmen, wenn das älteste Kind nicht vertrauenspädagogisch führt, obwohl man es coacht und obwohl man selbst ein Vorbild gibt?
    Möglicherweise folgt das Kind einem anderen Vorbild.

 
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Info 17-06 "Aufschauen"

Gehörst du auch zu den Menschen, die sich ständig überlegen, ob sie auch alles richtig machen mit ihren Kindern? Die sich ständig hinterfragen und sich häufig bei ihren Kindern entschuldigen, wenn sie zum Schluss kommen, dass nicht alles korrekt war?

Wenn du diese Haltung im Umgang mit deiner Partnerin oder deinem Partner hast, dann mag das edel sein, solange du es nicht übertreibst.

Kinder hingegen haben ein anderes Bedürfnis. Sie wollen zu dir aufschauen, wollen glauben, dass du die beste Mami, der beste und erst noch stärkste Papi bist. Sie wollen zu dir aufschauen dürfen. Nur so fühlt sich Gehorsam gut an, nur so sind deine Ermutigungen wertvoll und deine Ermahnungen relevant.

Sei vielleicht ein bisschen weniger selbstkritisch, ein bisschen gnädiger und lockerer mit dir selber, ein bisschen entspannter. So fällt es deinen Kindern leichter zu dir aufzuschauen. Ja, und vielleicht solltest du selber zu jemandem aufschauen, der dich liebt und ein ganzes Ja zu dir hat.

Und vergiss eines nicht: Es geht Kindern selten besser als ihren Eltern. 

 

Livesendung vom 26. Juni 2017

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Info 17-05 "Teenies brauchen nicht weniger Bindung, sondern eine andere"

Viele Menschen denken, dass sich Teenager von ihren Eltern lösen müssen, um selbständig und erwachsen zu werden. Das ist etwa ähnlich, wie wenn man einen Baum aus der Erde zieht, damit er ja eine schöne Höhe erreicht. Nein, je tiefer unsere Kinder in ihrer Familie verwurzelt sind, desto mutiger werden sie sich aufmachen, sich selber zu werden.
Viele Jugendliche, die sich von den Eltern lösen, werden weder freier noch selbständiger, sondern sie geraten in die Abhängigkeit von den Meinungen der Gleichaltrigen und fühlen sich auch gedrängt, Zeitplan, Freizeitaktivität und Vorlieben den Gleichaltrigen anzupassen bzw. anzugleichen.
Je mehr Jugendliche sich in einer tiefen und deshalb freilassenden Beziehung mit ihrer Familie verbunden fühlen, desto weniger verlieren sie sich selbst und ihre Identität, wenn sie sich aufmachen, Freundschaften zu schliessen und sich Vereinen und Gruppen anzuschliessen.
Was zeichnet diese tiefen Beziehungen aus? Sie tragen nicht nur dem Bedürfnis der Jugendlichen Rechnung, sich selber ans Steuerrad ihres Lebens zu setzen, sondern sie rechnen auch damit, dass Jugendliche dennoch Schutz, Nähe und Zärtlichkeit brauchen und viel Vertrauen in ihren guten Willen. Und wenn sie das Vertrauen nicht verdienen? Dann gilt das alles umso mehr!
Diese Gedanken haben uns an der Frühlingstagung beschäftigt. Daneben haben wir auch dem Begriff «Safer Sex» eine erweiterte Bedeutung gegeben. Nicht nur unser Körper soll ja sicher sein, auch unser Herz.

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 29. Mai 2017

Teenies brauchen nicht weniger Bindung, sondern eine andere

  • Die Adoleszenz ist eine Zeit der Umwandlung vom Kind zum Erwachsenen.
  • Das Kind nimmt diese Transformation in sich wahr. Es gehört zum Wesen dieser Umwandlungszeit, dass Teenager manchmal fast schon erwachsen sind und manchmal wieder Kind. Ihre Selbstsicht, ihre Identität, ihr Selbstwert ist immer wieder verändert - und das ist für das Kind bzw. den Teenager und für uns nicht so einfach.
  • Kinder sollten in dieser Zeit nicht vermehrt Abneigung, sondern vermehrt unsere Nähe und Zuneigung spüren. Sie brauchen es in dieser Zeit genauso wie früher. Ein Teenager braucht weniger unsere Kritik, sondern Zuwendung und Zuspruch.
  • Zärtlichkeit in dieser Zeit ist wichtig. Das hat sich verändert zu früher. Früher wollten die Teenager gar keine Zärtlichkeit.
  • So wie es im Natürlichen eine Veränderung vom Kind zum Erwachsenen gibt, so gibt es diese auch im geistlichen Bereich. Jesus ging seinen Jüngern voran und diese folgten ihm. Danach gab Jesus ihnen Autorität und sandte sie aus. In dieser Lehrzeit mussten sie es selber tun, wurden durch Jesus aber noch betreut. Dann, als Jesus in den Himmel zurückkehrte, gab er ihnen einen Auftrag und die Rollen veränderten sich. Genauso ist es bei den Eltern und Kindern. Am Anfang gehen wir ihnen voran, danach (wenn sie Teenager sind) lassen wir sie los, sind aber noch da. Wir ermächtigen unsere Kinder bzw. «senden sie aus», auch wenn wir wissen, dass sie noch nicht alles können.

 

Fragen und Inputs

  • Die Freundin vom Sohn hat Schluss gemacht. Wie geht sie als Mutter damit um?
    Sie kann nicht mehr tun, als ihm das Angebot zu machen, dass sie da ist. Innere Haltung: Ich traue meinen Sohn zu, dass er mit diesem Verlust, dieser Frustration klarkommt. Vielleicht den Sohn nach einem Monat fragen, wie es ihm geht.
  • Was ist mit der erweiterten Bedeutung von Safer Sex gemeint?
    Viele Eltern haben Sorgen, dass ihr Kind zu früh ein eigenes Kind bekommt, oder Angst vor Aids. Es gibt aber auch die seelische Dimension, wo ein Kind vielleicht noch mehr verletzt werden kann. Durch die Pille hatten früher viele Teenager das Gefühl, dadurch wären sie geschützt. Warum ist das so tragisch, wenn Teenager mit verschiedenen Partnern schlafen? In dem Moment wo man mit jemandem schläft, sollte man auch die innerlichen Hüllen fallen lassen können. Sex verbindet mehr, als viele meinen. Sex ist wie Sekundenkleber. Jungs gehen viel gepanzerter in solche Situation hinein, Mädchen weniger. Darum sind Mädchen häufig verletzter. Wenn man die Sexualität nicht im geschützten Rahmen erleben kann, ist das gefährlich.
  • Zärtlichkeit zwischen Kleinkindern und Eltern gilt als normal. Bei Teenagern hat man das Gefühl, das passe nicht. Wenn aber die Beziehung in Ordnung ist, wie können Eltern Körperkontakt bzw. Nähe geben?
    Stundenlange Diskussionen mit Kindern können ein Gefühl der Nähe geben. Das zeigt, dass die Eltern die Kinder ernst nehmen und sich Zeit für sie nehmen. Auch das Fernsehsofa ist ein guter Ort für körperliche Nähe zwischen Kindern und Eltern. Auch wir Eltern müssen unsere eigenen Grenzen spüren. Wenn das Kind sich uns in erotischer Weise nähert und wir uns nicht wohlfühlen, dann müssen wir es nicht abstellen, aber verändern.
  • Was ist mit «Fusion» gemeint?
    Wenn ein Jugendlicher zu früh ein Erwachsener sein muss, dann lebt er zwar in der Erwachsenenwelt, aber weiss noch nicht, wer er ist - die Reife fehlt. Wenn die Reife fehlt und man eine Beziehung startet, dann ist es schwer, den Platz in der Beziehung einzunehmen. Wenn ein Jugendlicher reif genug ist, dann weiss er, wer er ist. Wenn er so in eine Beziehung startet, dann muss er sich nicht unnatürlich dem Partner anpassen. Ein Angleichen ist okay, das passiert automatisch - aus Liebe zueinander.
    Die Jugendlichen brauchen ein sicheres Umfeld, wo sie sich getrauen, sich zu entfalten. Ein Teenager sollte sich auf keinen Fall von den Eltern freistrampeln, um alles von den Gleichaltrigen zu übernehmen und deren Einfluss ausgeliefert zu sein. Was können wir Eltern tun? Wir können es ihnen ermöglichen, dass sie in Freiheit erwachsen werden, weil wir sie aussenden, weil wir sie ernst nehmen, weil wir ein Gegenüber sind, das lebt und auf positive liebende Art - wenn nötig - Widerstand leistet.
  • Eine Tochter braucht viel Nähe, die andere weniger. Ist das ein Ausdruck der Beziehung oder gibt es Menschen, die einfach weniger Nähe brauchen?
    Die Liebessprache ist nicht bei allen gleich. Es kann aber auch sein, dass es Ausdruck einer gewissen Distanziertheit ist. Vielleicht liegt ihr das nicht gleich wie der anderen Tochter. Eine andere Form der Nähe zu finden, vielleicht durch Geschenke, Anteilnahme, das Anbieten kleiner, nicht eingeforderter Dienste. Wir sollten den Kindern unsere Liebesdienste schenken, ohne dass die Teens sie einfordern müssen (meistens passiert das dann eher auf schroffe Art).
  • Wie können wir die Nähe zu den Teenagern fördern, ohne sie zu nerven?
    Teenager gehen ganz unterschiedlich mit Zärtlichkeit um. Eine neutrale Form von Körperkontakt ist zum Beispiel das Kräftemessen mit den Eltern (ohne Streit). Man kann sie z. B. spielerisch in der Gegend herumschieben. Gleichzeitig sollten die Eltern den Kindern die Freiheit schenken, die sie brauchen, und sich dabei bewusst sein, dass es ein Stück weit normal ist, wenn das Kind z. B. gerne lange im Zimmer ist. Man kann auch mit dem Kind darüber sprechen, dass man es gerne umarmen würde. Das ist eine zärtliche Aussage. Und vielleicht sagen die Jugendlichen: «Ja, ist okay, einfach nicht vor Kollegen.» Die heutigen Teenager sind viel offener im Umgang mit diesem Thema wie früher, auch untereinander.
  • Könnte das Suchen nach Nähe einer Dreizehnjährigen auf eine unsichere Bindung zurückgeführt werden?
    Ja, es ist zwar seltener bei Jugendlichen. Jede Suche nach Nähe kann die Wurzel darin haben, dass das Kind sich nicht so sicher ist und dauernd die Bestätigung sucht. Aber meist ist es ganz normal und schön, wenn Jugendliche die Nähe der Eltern suchen.
  • Man sollte die Bedürfnisse von Kindern und Eltern gut auseinanderhalten.
    Eltern dürften zeigen, dass sie auch gerne einmal ihre Kinder umarmen wollen. Mein Kind darf spüren, dass ich selber Freude habe an einer Umarmung vom Kind. Ich muss nicht nur umarmen, weil es dem Kind guttut, sondern auch den Eltern - natürlich, ohne dem Kind zu nahe zu treten. Die Volksmeinung ist, dass die Teenager keine Zärtlichkeit wollen, deshalb geben wir sie ihnen nicht. Diese Meinung ist aber falsch.

 

 

 

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Info 17-04 "Komfortzone verlassen"

«Philipp, ich möchte, dass du die Spielsachen im Wohnzimmer aufräumst!» - «Wieso ich? Lara hat mit diesen Sachen gespielt.» Vielleicht kennst du diese und ähnliche Situationen, in denen Kinder nicht bereit sind, eine Aufgabe für andere zu übernehmen oder Verantwortung für andere zu tragen. Vielleicht geht die Geschichte so weiter: Philipp gehorcht zwar widerwillig, schleudert die Spielsachen seiner kleinen Schwester aber achtlos und unsortiert in eine grosse Kiste. Einzelne Teile zerbrechen oder verbiegen und alles landet irgendwo im Kinderzimmer anstatt am richtigen Ort.

«Was ist daran falsch», wirst du vielleicht denken, «wenn jeder in der Familie Verantwortung für seine eigenen Sachen übernimmt?» Im normalen Leben ist es doch auch so. Wer die Küche benutzt, räumt sie nachher auf. Wer einem Mitmenschen den Kaffee über das teure Jackett leert, bezahlt die Reinigung. Wer einen Unfall verursacht, kommt für den Schaden auf. So ist das Gesetz!

Es gibt aber weit Grösseres als das Gesetz. Jesus hat es uns vorgelebt. Er, der König der Welt, kam, um uns Menschen ohne Eigennutz zu dienen. Wie können wir unseren Kindern helfen, ihm ähnlich zu werden? Wie können wir ihnen Werte wie Liebe, Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein vermitteln? Wie können wir ihnen helfen, das freudlose «Verursacherprinzip» zu überwinden?

Zum einen haben Kinder ein Recht darauf, dass wir ihnen etwas zutrauen und zumuten. Sie dürfen und sollen die «Komfortzone verlassen». Zum zweiten haben Kinder - wie auch wir Erwachsenen - jeden Tag neu die Wahl, wie sie ihr Leben in den Dienst anderer stellen wollen: mit ständigem Jammern und dem stetigen Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, oder mit einem Gefühl der Freude. Ich wünsche uns allen, dass wir uns für die Freude entscheiden!

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 24. April 2017

Komfortzone verlassen

  • Es gibt Situationen, in denen wir als Eltern den Kindern Anweisungen geben oder sie bitten: «Könntest du bitte den Tisch decken?» und ein Widerwille vonseiten der Kinder kommt zurück.
  • Wie gehen wir als Eltern mit Widerwille um?
  • Als Eltern erledigen wir viele Arbeiten, welche wir wegen der Kinder tun müssen - sie haben z. B. die Unordnung verursacht - und das kann uns frustrieren.
  • Teilweise haben wir das Gefühl, dass wir den Kindern nicht zu viel zumuten dürfen und wollen ihnen Freiheit geben.
  • Wir haben oft Hemmungen, unsere Kinder einzubeziehen und ihnen eine Aufgabe zu geben, die sie erledigen können.
  • Wo fängt der Bereich an, wo das Kind die Komfortzone verlassen soll, wenn es eben eine Arbeit tun sollte, die ihm keinen Spass macht?
  • Wir müssen uns häufig selber dazu entscheiden, gewisse Arbeiten gerne zu erledigen. Denn wenn wir das nicht schaffen und auch unsere Kinder nicht, dann ist es schwierig, Dinge, die einfach zum Alltag dazugehören, zu erledigen. Dann haben wir ein Leben, wo wir ständig Dinge erledigen müssen, die wir nicht gerne machen.
  • Die Entscheidung, die Arbeit gerne zu machen, weil sie einfach zum Leben gehört, ist wichtig.
  • Wenn wir es schaffen, unseren Kindern zu vermitteln, dass sie ein Teil des Kollektivs bzw. der Familie sind und nicht einfach ein Gast oder Zuschauer, dass sie gebraucht werden, dann haben wir viel erreicht.
  • Wenn Kinder die Gemeinschaft spüren und wir ihnen Aufgaben anvertrauen, die sie auch erledigen können, dann erleben sie, dass sie ein Teil der Familie und wichtig für die Familie sind.

 

Fragen und Inputs

  • Wie findet man die Balance zwischen Dem-anderen-Dienen und Sich-selber-nicht-Vergessen?
    Jeder muss sich in der Familie wohlfühlen. Jeder hat aber auch seine Grenzen. Gerade als Eltern verzichten wir auf vieles und haben ein bisschen den Dienstmodus. Ich kann dem anderen keinen guten Dienst erweisen, wenn ich nicht auch zu mir schaue. Das müssen wir auch bei den Kindern beachten. Aber es gibt Raum, wo es jedem wohl sein muss. Wenn alle die Freiheit haben, zu tun und machen, was sie wollen, dann kann ich als Elternteil frustriert oder sogar gekränkt sein, es kann mir zu viel werden. Auch wir als Eltern brauchen Balance. Es geht nicht um Druck ausüben, sondern darum, ein Gefühl von Kollektiv weiterzugeben. Man kann nicht immer Spass haben bei allen Aufgaben, dann wird es schwierig, vielleicht auch später in der Arbeitswelt.
  • Teenager macht Aufgaben «oberschludrig». Wie kann man damit umgehen?
    Diese Thematik kommt ja häufig auch bei Kleinkindern vor. Was ist uns als Eltern wichtig? Die Schule nimmt einen wichtigen Platz ein. Die Eltern spüren Druck und geben ihn auch den Kindern weiter. Der Schuldruck kommt häufig nicht von den Lehrern, sondern vor allem von den Eltern. Den Eltern ist oft die Schule sehr wichtig. Sie wollen, dass die Kinder die Hausaufgaben erledigen. Und wenn dann das Kind kommt und sagt: «Oh, ich kann nicht helfen, ich muss noch Hausaufgaben erledigen!», dann kommen wir dem Kind oft entgegen und es entkommt der Aufgabe. Die Kinder nutzen das auch schnell aus, und so entkommen sie Aufgaben, die ihnen nicht besonders Spass machen. Hier müssen wir als Eltern überlegen, was uns wichtig ist. Was wollen wir unseren Kindern vermitteln? Wichtig ist, dass das Kind weiss, dass es ein Teil der Familie ist und es seinen Teil beiträgt. Es ist nicht nur Gast und alle anderen kümmern sich darum, dass es dem Kind gut geht. Wir wollen Kinder, die Verantwortung übernehmen können und fähig sind, auch Verantwortung für andere zu übernehmen. Wir sind es den Kindern schuldig, sie an Arbeiten heranzuführen, die sie ein Stück weit freiwillig und gerne machen, weil sie ein Teil der Familie sind und es zu einer Selbstverständlichkeit wird, dass jeder seinen Beitrag leistet. Es darf nicht demütigend sein. Wenn etwas «oberschludrig» gemacht wird, dann ist es meistens so, weil es eben gemacht werden muss, und nicht, weil es das Kind machen will, weil es sich als Teil des Ganzen sieht. Es geht dann einfach um Gehorsam. Wir sollen den Kindern zeigen, dass es schön ist, etwas miteinander zu machen. Es ist keine Strafe, sondern es ist schön, etwas zusammen zu erledigen und es gerne zu machen. Es wäre eine Illusion, dass es immer harmonisch und schön ist, aber das Ziel sollte sein, als Familie eine gute Zeit zu haben - auch bei Arbeiten, die weniger toll sind.
  • Macht es Sinn, einem Vierjährigen ein Ämtli zu übergeben? Oder ist das zu früh?
    Für ein vierjähriges Kind ist es noch schwierig, ein selbständiges Ämtli auszuführen. Es kann die Verantwortung dafür noch nicht tragen. Aber das Kind kann gut mit den Eltern zusammen Aufgaben erledigen. Dann kann man dem Kind punktuell Aufgaben geben.
  • Als Eltern sind wir ein grosses Vorbild, wie wir mit Aufgaben umgehen. Wie gehe ich mit meinen Aufgaben um? Was gebe ich meinen Kindern weiter? Wie sinnvoll sehen wir unsere Aufgaben? Jesus hat all seine Aufgaben aus Überzeugung gemacht. Was macht wirklich Sinn? In welchen Aufgaben können wir auch aufgehen? Welche Aufgaben machen wir aus Überzeugung?

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Info 17-03 "Zwei Nabelschnüre"

Die erste der beiden schneiden wir heutzutage eher zu früh als zu spät durch. Aber es gibt da eine zweite, eine mentale, die sich manchmal zwischen Eltern und Kind einrichtet, die so eigentlich nicht gedacht ist. Naturgemäss geht es meist um die Mutter-Kind-Beziehung. Oft ist diese Beziehung so intensiv und eng, dass Mütter Schmerzen, Ängste und Freuden ihrer Kinder fast so wahrnehmen, als wären es ihre eigenen. Das ist nicht unproblematisch, denn Kinder sollten in ihren Eltern eigentlich ein Korrektiv haben für ihre eigene Wahrnehmung, jemanden, der den Überblick hat und die Dinge einordnen kann. Viele Kinder spüren aber anstatt dessen die Resonanz ihrer eigenen Gefühle. Ihre Wut auf den Lehrer überträgt sich auf die Eltern, ihre Sorge um die Anerkennung in der Klasse ebenso und manchmal sogar der Liebeskummer.
Kinder haben ein Recht auf ihre eigenen Probleme und auf Eltern, die wie Felsen in der Brandung sind und die nicht mit ihnen in den Problemen untergehen.

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 27. März 2017

 

Zwei Nabelschnüre

Viele Eltern - besonders Mütter - verschmelzen mit den Emotionen und Gefühlen ihrer Kinder. Leiden die Kinder, leiden die Mütter in gleicher Weise mit. Das Gefühl des Kindes spiegelt sich in der Mutter und umgekehrt - es schaukelt sich auf.

Natürlich ist es unsere Aufgabe als Eltern, empathisch zu sein, das Gefühl der Kinder zu sehen und zu benennen - Kinder haben ein Recht auf ihre eigene Schwarz-Weiss-Betrachtung - aber wir sollten nicht selber von diesem Gefühl überwältigt werden.

Wir haben die Möglichkeit, andere Aspekte und Ansichten miteinzubeziehen. Wir sehen, wie die Lehrperson oder die Schulkameraden die Situation gesehen haben könnten. So können wir einem Kind helfen (zum Beispiel durch Fragen), das Geschehen richtig einzuordnen, wir können ihm Orientierung geben in einer schwierigen Welt und es trösten.

 

Diese Gedanken lassen sich gut auf die Beziehung zu Gott übertragen: Natürlich nimmt Gott Anteil an meinem Leben, aber er ist nicht Teil meines Problems. Er steht über der Sache, behält den Überblick und ist nicht selbst überfordert. Bei der Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist es genau gleich. Die Kinder sollen spüren: Die Eltern verstehen mein Problem, aber werden deswegen nicht aus der Bahn geworfen.

 

Nächsten Monat werden wir eine im Grunde ähnliche Thematik behandeln: Viele Eltern bringen es nicht über sich, Kinder «aus der Komfortzone zu schicken», weil sie selbst leiden, wenn das Kind leidet.

 

Fragen und Inputs

Denise: Sie reagiert selbst stark auf mobbingähnliche Szenen, obwohl sie sich zwischen fremden Menschen abspielen. Dies hat einen Zusammenhang mit ihrer eigenen Geschichte. Sie erlebt eine Art Wiederholung mit. Je besser sie die eigene Geschichte aufgearbeitet hat, desto besser kann sie in ähnlichen Situationen reagieren. Müssten erwachsene Personen nicht reagieren anstatt nur zuzusehen?

  • Empathie hat den Sinn, dass wir mit anderen Menschen mitfühlen können. Das ist etwas sehr Schönes und soll nicht angeprangert werden - im Gegenteil. Es gilt, mitzuschwingen und gleichzeitig unsere integrativen Funktionen zu behalten und auch andere Aspekte noch einbeziehen zu können: Was geht in den Kindern vor, die andere mobben usw.
  • Als ehemals Betroffene läuft man Gefahr, dass die eigenen alten Schmerzen auftauchen, dass man sich in der eigenen Geschichte wiederfindet. Aber wir Erwachsenen sollten vor allem die Emotionen der Kinder aufnehmen, spiegeln, den Kindern helfen, sie einzusortieren und damit umzugehen. Wenn die eigenen Gefühle aus der Erinnerung hochkommen, kann ich das nicht. Dann schaukeln sich die Gefühle - im Sinne der Resonanz - hoch.

 

Boris: Sohn (6) spricht respektlos: «Papi-Dummkopf, Mami-Dummkopf». Der Vater antwortet äusserlich ruhig: «Das stimmt nicht. Papi ist kein Dummkopf und fertig!», aber innerlich wird er zornig.

  • Es gilt, zwei verschiedene Situationen zu unterscheiden: Unwissenheit und Respektlosigkeit.
  • Weiss das Kind überhaupt, was ein Dummkopf ist? Hilfreich ist eine Erklärung, welche das Wirgefühl stärkt: «Weisst du, was du da sagst? Ich erkläre dir, was ein Dummkopf ist. Ich würde dieses Wort nie zu dir sagen. Es gibt Familien, die das Wort benutzen, aber wir möchten das nicht tun...»
  • Weiss das Kind, dass es ein Unterschied ist, ob Kinder dieses Wort untereinander oder gegenüber den Eltern verwenden? Auch unter Kindern ist es nicht in Ordnung, aber dass der Vater Dummkopf genannt wird, ist ein No-Go. Jedes Kind respektiert von Natur aus ältere bzw. erwachsene Menschen. Ist ein Kind aggressiv, kann es üble Wörter verwenden. Dadurch ehrt es seine Eltern aber nicht, wie es sollte. In solchen Situationen sollte man sich überlegen, wo man dem Kind falsche Signale sendet.
  • Ein letzter Gedanke - passend zum heutigen Thema: Wenn wir einem Kind eine schlechte Rückmeldung zu seinem Verhalten geben, riskieren wir, dass das Kind darunter leidet und unglücklich ist. Das dürfen und sollen wir zulassen. Kinder haben das Recht, auch mal frustriert und traurig zu sein.

 

Regula: Wie sollen Eltern damit umgehen, wenn einzelne Kinder - im Vergleich zu den Geschwistern - sehr viel häufiger korrigiert werden müssen?

  • Warum ein Kind häufiger korrigiert werden muss als andere, kann viele Ursachen haben. Wir alle wissen: Ab einer gewissen Häufigkeit nützen Korrekturen immer weniger und man sucht besser andere Wege.
  • Eine Korrektur aus dem Vorwurf bzw. der Anklage heraus löst in der Regeln nur Verteidigung und Gedanken der Abwehr aus.
  • Es ist generell besser, Kinder aus der Situation herauszunehmen und unter vier Augen zu versuchen, ihre Mitarbeit und ihr Mitdenken zu gewinnen. Besonders wichtig ist es, ältere Geschwister nicht vor den Ohren der jüngeren zu korrigieren (umgekehrt ist es weniger tragisch, aber dennoch nicht hilfreich). Das löst Scham und Gegenwille aus. Je häufiger Kinder öffentlich kritisiert werden, desto krasser ist der Effekt. Je intimer und privater die Situation ist bzw. je ruhiger Eltern sind, desto eher hat die Intervention Erfolg.

 

Regula: Es ist nicht möglich, das Kind (10) aus der Situation herauszunehmen.

  • Da die Situation nicht weiter bekannt ist, kann nur sehr allgemein auf diesen Umstand eingegangen werden: Wenn sich ein Kind nicht aus der Situation nehmen lässt, müssen wir warten.
  • Solange Eltern keine Kontrolle über das Kind haben, nützt auch die Intervention nichts.
  • Es sollte überlegt werden, wie solche Situationen vermieden werden könnten.

 

Kathrin: Die Tochter (4) hat diesen Sonntag von Gleichaltrigen das Wort «Scheisse» gelernt. Sie fand es spassig, das Wort immer und immer wieder zu gebrauchen. Sie weiss nicht, was es bedeutet.

  • Eine Erklärung könnte man ähnlich handhaben wie bei Boris’ Sohn (Erklärung verbunden mit einem Wirgefühl bzw. einer Identität).
  • Es gibt Wörter, die einfach Einzug in unsere Sprache halten. Früher waren Erwachsene zum Beispiel hell empört, wenn Kinder «Seich» sagten, heute ist es ein ganz normales Wort. Man muss unterscheiden können: Ein Wort, das in aller Munde ist, als unschicklich zu erklären, ist nicht ganz ohne. Man muss abwägen, ob sich ein Kampf dagegen lohnt.
  • Alternativ kann man das Wort gewichten bzw. ihm den richtigen Platz zuweisen: «Das Wort ‹Scheisse › braucht man, wenn man fest frustriert ist, aber nicht alle paar Minuten. Was sollen Leute, die das tun, sagen, wenn mal wirklich etwas schlimm ist?» Es kann quasi als «Extremwaffe» geduldet werden.
  • Bei Wörtern, die nicht so schlimm sind, haben manchmal selbst die Eltern gemischte Gefühle - einerseits sind sie etwas verblüfft oder lächeln darüber, wenn ein kleiner Kerl schon so ein «grosses» Wort verwendet, andererseits finden sie die Ausdrucksweise nicht ganz passend. Die Kleinen spüren dann diese heimliche Erheiterung. Kinder geniessen eine solche Form der Interaktion mit den Eltern. Meist verliert dieses Spiel mit der Zeit an Reiz.

 

Kathrin: Tochter (4) war den ganzen Tag mit anderen Kindern zusammen. Es wurde ihr zu viel und sie schlug zuerst ein gleichaltriges Kind, dann ein jüngeres.

  • Schlagen ist ein natürlicher Ausdruck von Aggression bei unreifen Kindern, also nichts Ungewöhnliches.
  • Kindern das Schlagen auszutreiben versuchen, macht keinen Sinn. Viel wichtiger ist es, dem Kind ein Ersatz-Tool anzubieten, z. B. so: «Mir ist lieber, wenn du schreist statt schlägst.»
  • Dem Kind soll vermittelt werden: Wut ist normal und richtig, aber du solltest so und so darauf reagieren.

 

Bettina: Das Kind lügt, z. B. wenn es ums Händewaschen oder die Schule geht.

  • Kleine Kinder sagen grundsätzlich die Wahrheit. Der Volksmund meint dazu: «Kinder und Narren sagen die Wahrheit.»
  • Erst wenn Kinder lernen, die Konsequenzen ihrer Handlungen auf weitere Sicht hinaus abzuschätzen, dann beginnt das Lügen.
  • Lügen ist auch eine Frage der Beziehung. Je vertrauensvoller die Beziehung ist, desto weniger wird das Kind versucht sein zu lügen.
  • Lügen dient in den meisten Fällen dazu, Scham zu vermeiden.
  • Es gibt eine Phase im Leben der Kinder, wo sie Lügen als «Problemlöser» einsetzen: Das Lügen empfinden sie weniger schlimm als das Getrenntsein von den Eltern bzw. die Vorwürfe, Beschämung oder Strafe. Kurzfristig verbessert eine Lüge deshalb scheinbar die Situation. Solche Kinder können noch nicht voraussehen, dass es auf lange Sicht schwierig ist und Konsequenzen hat.
  • Besser, als mit Strafen das Lügen zu verhindern, ist es, Druck wegzunehmen und das Schuldbewusstsein der Kinder zu entwickeln. «Es ist wichtig, dass ihr zu einem Fehler steht!»
  • Erst später, wenn das Schuldbewusstsein der Kinder vorhanden ist, kann eine Strafe dieses Schuldbewusstsein bedienen.

 

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Info 17-02 "Wahrhaftigkeit"

In einer Zeit, wo die Mächtigsten der Welt mit «alternativen Fakten» operieren, lohnt es sich zu fragen, ob denn Ehrlichkeit etwas ist, was anerzogen wird, oder ob es zum Menschen gehört. Was wir alle wissen: Wir mögen es nicht, angelogen zu werden. Das ist unabhängig von Glaube und Kulturkreis. Es ist aber ein grosser Unterschied, ob wir von den «Unseren» angelogen werden oder von den «Anderen». Deshalb wohl schmerzt es uns, wenn ein Kind uns belügt. Und es ist für ein Kind auch besonders schlimm, wenn wir seinen Aussagen nicht trauen und es der Lüge bezichtigen und wohl auch, wenn es von den Eltern belogen wird. Unser natürliches Gewissen sagt uns nämlich: Unter uns sagen wir die Wahrheit - nach aussen hin je nachdem… Unehrlichkeit im engsten Kreis ist deshalb eine grosse Verletzung. Sie hat die Qualität von Verrat.

Wenn du also feststellst, dass dein Kind dich belügt, dann erkenne dahinter, dass die Beziehung bedroht ist. Das fehlende Vertrauen untereinander sollte dann beklagt werden, nicht nur das Defizit des Kindes. Wenn wir einem solchen Ereignis schwerwiegende Bedeutung zumessen, und dazu rate ich entschieden, dann sollte es weniger um Schuldzuweisungen gehen als um eine Erneuerung des Vertrauens. Die Wahrhaftigkeit ist manchmal schmerzhaft. Das sollten wir unseren Kindern vorleben. Nach innen sowieso und als Christen auch den «Anderen» gegenüber. 

Der Infobrief im nächsten Monat könnte etwa so heissen: «Zwei Nabelschnüre». Vielleicht hast du Lust zu raten, welche es da noch zu durchtrennen gilt. 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 27. Februar 2017

 

  • Verhalten ist Beziehungssache! Die Beziehung wird auch deutlich bei der Wahrhaftigkeit.
  • In Bezug auf die Eltern oder andere Bezugspersonen ist es wichtig, wie die Beziehung zum Kind ist. Noch wichtiger aber ist, wie die Beziehung vom Kind zu seinen Bezugspersonen ist!
  • Wenn das Kind auf der tiefsten Bindungsstufe an mich gebunden ist (mit frühestens sechs Jahren möglich), dann fühlt sich das Kind gedrängt, es ist ihm ein grosses Anliegen, dass ich es kenne. Es hält es fast nicht aus, vor mir kein offenes Buch zu sein. Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Kinder fühlen sich dann gedrängt, die Wahrheit zu sagen.
  • Die Verletzung durch Unwahrheit - hindert das Kind.
  • Eine Ehrlichkeits-Kultur in der Familie ist wichtiger Punkt. Wie geht man in der Familie mit Ehrlichkeit um? Wenn innerhalb der Familie Wahrhaftigkeit nicht gelebt wird, wird es sehr schwierig.
  • Ein Kind neigt eher dazu, die Wahrheit zu sagen, aber Eltern müssen feinfühlig mit dem Kind umgehen, wenn es die Wahrheit sagt. Und wir müssen als Eltern darauf achten, dass die Beziehung nicht unter unserer Reaktion leidet.
  • Frage vom Chat: Müsste das Kind nicht immer die Wahrheit sagen, auch wenn die Beziehung nicht so tief ist? Antwort: Bei einigen Familien wurde die Wahrheit sehr eingeprägt - allerdings geht es oft mehr um textliche Wahrheit als um Wahrhaftigkeit. Dann kann man die Wahrheit verdrehen. In unserer Kultur sind gewisse Dinge sehr schlimm und andere weniger. Diejenigen, die man sieht, sind schlimm (textliche Lüge) und diejenigen, die man nicht sieht, sind weniger schlimm.
  • Teilweise lügt ein Kind, damit es nicht gedemütigt wird.
  • Wie kann man Kind vermitteln, dass es nicht lügen soll? Antwort: Bei kleinen Kindern kann man eine emotionale Geschichte erzählen und aufzeigen, wie schmerzhaft eine Lüge sein kann, bzw. aufzeigen, wie wichtig die Wahrheit ist. So spricht man über andere Menschen (Verfremdung) und Kinder können sich hineinfühlen, ohne gedemütigt zu werden.
  • Wie kommt man aus der Lügenspirale heraus, wenn die Kinder viel lügen? Antwort: Eine Join-up-Intervention wäre hier eine Möglichkeit. Dass man mit dem Kind in einem guten Moment dieses Thema bespricht und Abmachungen diesbezüglich trifft.
  • Telefonanruf: Der Sohn (8-jährig) hat einen imaginären Freund und eine rege Fantasie. Er kann zwischen Fantasie und Wahrheit keinen Unterschied machen. Er ist der Jüngste und hat fünf Geschwister. Antwort: Kinder möchten hin und wieder etwas Besonderes sein, und wenn sie das Gefühl haben, sie könnten nichts vorweisen, dann erfinden sie vielleicht etwas. Der Junge könnte ein tiefes Bedürfnis haben, etwas Besonderes zu sein, und es aber nicht fühlen, dann kann es sein, dass das zu einem Druck wird, im Zentrum zu stehen. Es sollten Möglichkeiten geschaffen werden, wo er etwas Besonderes ist und heraussticht.
  • Ein Kind hört eine Lüge von einem anderen Kind und das glaubt sie. Die Eltern wissen, dass das nicht stimmt. Wie geht man damit um? Antwort: Grundsätzlich ist es wichtig, dass wir Eltern ehrlich, wahr, wahrhaftig sind. Und dann kann man das der Tochter auch so vermitteln. Zum Beispiel folgendermassen:  «Ich glaube dir, dass dir deine Freundin das so erzählt hat, aber mich dünkt das komisch. Vielleicht irrt sie sich oder hat das falsch verstanden. Mir ist einfach wichtig, dass du weisst, dass mir das komisch vorkommt.» Vielleicht ist es schwierig für das Kind, aber wir können das Kind nicht vor allen Schwierigkeiten bewahren.

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Info 17-01 "Tschuldigung"

Soll man - oder soll man nicht - die Kinder dazu erziehen sich zu entschuldigen, wenn sie sich schuldig gemacht haben? Die Meinungen gehen weit auseinander.
Ich schlage folgenden Gedanken vor: Kinder sollten sich nur ent-schuld-igen, wenn sie sich schuldig fühlen. Wird ein Kind gezwungen sich zu entschuldigen, könnte es sein, dass es auf eine - je nachdem beabsichtigte - Demütigung hinausläuft. Ein Kind soll so lernen, was die Erwachsenen als schuldhaft empfinden. Aber wollen wir unsere Kinder wirklich dazu erziehen zu heucheln bzw. zu lügen, einfach um uns und andere zufriedenzustellen? Aus meiner Sicht wäre es weniger schädlich, eine Wiedergutmachung zu verordnen als eine Entschuldigung.
Ich glaube, dass der Schöpfer einen anderen Weg vorgesehen hat:
Bei reifen Kindern - im Idealfall ab etwa sieben Jahren - dürfen wir auf Empathie hoffen. Ein Kind kann seine eigene Sichtweise auftun und jene eines anderen einbeziehen, sich also in sein «Opfer» einfühlen, freilich erst, wenn die aggressiven Gefühle abgeklungen sind. Ein Schuldbewusstsein stellt sich je nachdem fast von alleine ein. Sonst können wir ein Kind, das uns vertraut, in diese Richtung führen. Aber es gilt, dieses Schuldbewusstsein zu fühlen, bevor man über die Bewältigung nachdenkt.
Bei kleineren Kindern gilt es, ihre fürsorglichen Gefühle zu wecken, eine Art Trauer über das, was seinem Opfer passiert ist. Kleinere Kinder empfinden das Sich-Entschuldigen dann zunächst als eine Art des Tröstens. Ebenso die Wiedergutmachung, beispielsweise durch eine Zeichnung oder durch das Überlassen eines Spielzeugs. Auf einer verbalen Entschuldigung zu beharren, halte ich für wenig hilfreich. Je kleiner Kinder sind, desto schneller verlieren sie ihre Verantwortung aus den Augen, wenn sie sich auf den Schmerz des anderen einlassen.
Wenn es dir geht wie mir, dann lässt dieser Text viele offene Fragen zurück. Einer wollen wir - wenn nichts dazwischen kommt - im nächsten Infobrief nachgehen, der Frage nämlich, wie sich das Gewissen eines Kindes formt.

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Livesendung vom 30. Januar 2017

Diverse Themen

  • Das erste Videoseminar stiess auf Begeisterung und wird allen empfohlen. Vor und während des Seminars schauen sich die Teilnehmer die Seminarvideos an. An drei Skype-Sitzungen werden die Erkenntnisse dann vertieft und in die Praxis übertragen. So werden die Vorteile von DVD-Seminar (Lernen zu Hause) und Live-Seminar (Austausch) vereint.
  • Situation von Silvia: Sie und ihr Mann versuchten, mit ihren Kinder anhand des selbständigen Anziehens eine Join-up-Intervention durchzuführen. Bei der Neunjährigen funktioniert es super, beim Siebenjährigen ist es sehr schwierig. Ist der Jüngere zu jung für eine Join-up-Intervention? Ihr siebenjähriger Sohn könnte noch zu unreif sein. Die Ältere kann sich an Regeln halten, weil sie schon reifer ist. Sie versteht es schon besser. Als die neue Regeln vorgestellt wurden, fand es die Ältere toll, der Jüngere war nicht so begeistert, er wollte sich einfach weiterhin in der Nähe der Mutter anziehen. Vermutlich war es für ihn zu wenig einleuchtend, und dass er es auch will, ist für ihn nicht so relevant. Beim Join-up geht es in erster Linie um die Beziehung. Vermutlich kommt es ihm eher als Strafe vor, dass seine Eltern ihm nicht mehr beim Anziehen helfen wollen. Und Silvia sollte darauf achten, ob er wirklich schon genug reif ist dafür. Je grösser die Sache, desto schwieriger für ihn.

 

Tschuldigung

  • Ein Kind tut etwas, was es nicht soll, und die Erwartung der Eltern ist, dass das Kind sich beim anderen entschuldigt. Das Kind macht das meistens sehr widerwillig. Wenn das Kind sich nicht schuldig fühlt und sich einfach entschuldigt, dann kommt die Entschuldigung auch nicht beim Gegenüber an.
  • Meistens ist es für ein Kind nur eine Blossstellung, wenn es sich so entschuldigen muss. Löst etwas anderes aus, als wir wollen. Löst Schamgefühl (Peinlichkeit) aus und zeigt dem Kind nicht, dass es das andere Kind vielleicht verletzt hat.
  • Dem Kind aufzeigen, was es mit dem anderen Kind gemacht hat, wie sich das andere Kind dabei fühlt - das können wir als Eltern machen.
  • Wenn das Kind wirklich spürt, dass es einen Fehler gemacht hat, und es ihm leid tun, dann ist die Entschuldigung echt.
  • Wenn ich vom Kind eine Entschuldigung einfordere (es beschäme), dann löse ich beim Kind zuerst eine Verteidigungsposition aus. Je mehr ein Kind unter Druck kommt, desto weniger wird es diese weichen Gefühle - Schuldbewusstsein, Empathie, Fürsorglichkeit - für sein Opfer empfinden.
  • Darum ist es wichtig, dass wir nicht mit aggressiven Gefühlen auf ein Kind losgehen, sondern tendenziell mit Besorgnis. Keine Anklage oder Beschimpfung.
  • Wie können wir Kinder dazu führen, die Verantwortung zu übernehmen? Nicht als Reaktion aus Angst vor einer Strafe, sondern weil sie Verantwortung spüren und diese Verantwortung nicht beschämend ist. Wichtig ist, dass das Kind spürt, dass Eltern von der Situation betroffen sind.
  • Situation von Michal: Wie reagieren, wenn ein jüngeres Kind (hier 2 ½) etwas vom älteren Geschwister kaputt gemacht hat und dabei kein Schuldgefühl empfindet? Das Grössere nahm die Entschuldigung nicht an. Es ist wichtig, dass die Ältere ihrer Trauer Raum geben kann. Am besten weinen. Nicht einfach auf gestellte Forderungen eines wütenden Kindes eingehen, sondern es das Gefühl durchleben lassen. Der Jüngere sollte die Schwester zuerst in Ruhe lassen und die Eltern sollten mit ihm zu einem späteren Zeitpunkt die Situation noch einmal aufgreifen.
  • Chatnachricht: “Was hält man von Bestrafung?”:  Eine Strafe sollte immer mit dem Schuldbewusstsein des Kindes übereinstimmen. Wenn das nicht so ist, dann versteht es das Kind nicht. Heinz rät tendenziell davon ab. Situation lieber offen lassen. Eher von Wiedergutmachung sprechen.
  • Situation von Corina: “Wie kommen wir zur Trauer?” Ihr vierjähriger Sohn reagiert auf Frustration mit Wut. Die Wut muss raus, und sie versucht ihm zu helfen die Wut abzubauen. Müsste einfach die Trauer raus? Kommt die später? Er ist noch zu klein, um seine Wut zu kontrollieren. Wenn er älter wird, könnte Corina mit ihm darüber sprechen und ihm erklären, dass er die Wut nicht einfach in der Öffentlichkeit ausleben kann und seine Mutter ehren sollte. Aber erst mit ihm reden, wenn sich die Situation beruhigt hat. Er kommt zur Trauer, wenn die Aggression ausgedrückt worden ist. Das braucht Zeit und unter Anklage findet er die Trauer nicht.

Teil 1

Teil 2

 

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Info 16-12 "Traditionen"

Hast du auch schon gestaunt darüber, dass Kinder Geschichten manchmal x-mal hören wollen? Ich glaube, dass Kinder es einfach geniessen, wenn in unserer flackernden, grellen und schwer zu durchschauenden Welt etwas vorhersehbar ist. Scheue dich deshalb nicht, die Weihnachtsgeschichte jedes Jahr zu erzählen. Erzähle sie so wie beim ersten Mal und du wirst staunen, wie alle davon berührt werden. Jedes Jahr dürfen wir neu mit Maria erschrecken über die Ankündigung. Und wie jedes Jahr dürfen wir mit den Hirten staunen darüber, dass es ausgerechnet sie waren, denen der Engel die Geburt Jesu ankündigte. An Weihnachten braucht es keine Abwechslung, auch nicht so sehr kreative neue Einfälle, sondern die schlichte Besinnung auf das immer gleiche Wunder, an das wir denken wollen - auch wenn wir wissen, dass das Datum so wenig damit zu tun hat wie der Tannenbaum.
Ich möchte uns deshalb ermutigen, dem Zeitgeist, der nach Abwechslung schreit, mutig die Stirn zu bieten und deinen Kindern eine immer wiederkehrende vorhersehbare Weihnachtstradition zuzumuten. Besinne dich auf deine eigenen Kindheitserfahrungen. Wie traurig wäre es, wenn man plötzlich neue Weihnachtsguetzli entwickeln würde. Ich bin überzeugt, es braucht weder neue Lieder noch ein anderes Menü als letztes Jahr.

In diesem Sinn wünsche ich dir und deinen Lieben ganz «gewöhnliche» Weihnachten.

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Info 16-11 "Schneller, besser, klüger, schöner..."

«Wer zuerst im Badezimmer ist, dessen Zähne werden zuerst geputzt!» Konkurrenzsituationen sind dynamisch, und es ist sehr verführerisch, diese Dynamik in der Schule, im Familien- oder Erziehungsalltag als Motivation und Antreiber zu benutzen.
Wenn ein Kind oft genug hört, wie toll und gut es Lego bauen kann, stehen bald nicht mehr das Interesse am Spielen selbst und die Faszination an den verschiedenen Möglichkeiten im Vordergrund, sondern der Wunsch, für das Tun gelobt zu werden und besser zu sein als die anderen.
Leider sind wir uns oft nicht bewusst, dass Konkurrenzsituationen - oft ausgelöst durch Lob - nicht nur die edlen Beweggründe der Kinder hin zu egoistischen Motiven verändert, sondern auch eine Form von Druck auslöst: Das Kind spielt nicht mehr unbeschwert und mit Freude, sondern möchte es das nächste Mal mindestens ebenso gut machen, um ein Lob zu erhalten oder um wenigstens nicht schlechter zu sein als die Kinder um es herum. Dieser Druck behindert unsere Kinder in ihrer Reifung. Um sich optimal zu entwickeln und ihr volles Potenzial auszuschöpfen, brauchen sie ein warmes Nest voller Ruhe, Sorglosigkeit und Unbeschwertheit oder - anders ausgedrückt - ein Leben voller Kooperation.
Im freien Spiel entdecken Kinder ihre Welt, entwickeln ihre Fähigkeiten und erweitern das persönliche Denken. Im Alltag und - sobald Kinder ein Gefühl für Regeln entwickeln - in kooperativen Spielen können wir unseren Kindern die Vorteile der Zusammenarbeit und das Schöne und Gewinnbringende am Miteinander vor Augen zu führen.
Aber wie sollen unsere Kinder fähig werden, mit Wettbewerbssituationen umzugehen und den Konkurrenzdruck auszuhalten, wenn wir sie davor bewahren? Die Frage ist hier nicht, ob sie in Konkurrenzsituationen kommen werden, sondern nur wann. Im Umgang mit anderen Kindern, spätestens aber in der Berufs- oder Partnerwahl werden sie mit «Knappheit» konfrontiert werden und damit verbunden der Konkurrenz nicht mehr ausweichen können.
Sobald Kinder gereift sind und auch verlieren können - etwa ab dem Schulalter - gilt es deshalb, Kinder spielerisch auf den «Ernstfall Leben» vorzubereiten. Im Spiel können sie gefahrlos ihre Fähigkeiten erproben, sich mit den eigenen Vorzügen und Kompetenzen, aber auch mit ihren Grenzen auseinandersetzen. Sie müssen lernen, Niederlagen auszuhalten. Sie sollen fähig sein zur Konkurrenz, aber - keine Lust dazu verspüren!

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Livesendung vom 28. November 2016

Offene Fragen aus der letzten Sendung
Junge (5 ½) kommt nach Aufforderung oft nicht an den Esstisch.

  • Kind bereits ins Kochen und Tischdecken einbeziehen. Dabei dem Kind etwas zutrauen, so fühlt es sich als nützlicher Teil der Familie.
  • Alternativ das Problem proaktiv angehen: einerseits durch Aktivieren der Bindung, andererseits durch Vorankündigung des Essens.

Junge (2) tritt, beisst, kneift und schlägt regelmässig Eltern, Bezugspersonen und andere Kinder:

  • Kleinkinder planen nicht, sondern handeln instinktgesteuert. Aggressive Kleinkinder sind frustrierte Kinder.
  • Auf Trennungsstrafen (stiller Stuhl) verzichten. Sie vermehren Frust und Aggression.
  • Kind in die Betreuung des dreimonatigen Geschwisters einbeziehen.
  • Bei Angriffen Hände des Kindes festhalten: «Das dürfen die Hände nicht!» Klare Grenzen setzen, ohne feindlich aufzutreten.
  • Schreien, «stämpfele» usw. sind angemessene Formen, um Frust auszudrücken, ohne jemandem zu schaden.
  • Die bessere Alternative zur Wut ist das Weinen. Vielfach neigen wir dazu, das Weinen zu unterdrücken anstatt es gemeinsam auszuhalten.
  • Je schlechter ein Kind sich benimmt, desto näher soll es die Bezugsperson zu sich nehmen.
  • Alle Kinder (und Erwachsenen) brauchen Aufmerksamkeit. Das Verhalten von Kindern generell als Einfordern von Aufmerksamkeit zu deuten, ist respektlos. Das Wort «Provokation» setzt einen Plan voraus. Kleine Kinder können nicht bewusst provozieren, weil sie noch nicht empathisch sind. Allenfalls probieren sie gewisse Verhaltensweisen aus.

Schneller, besser, klüger, schöner…
Es gibt zwei Grundverhalten: den Konkurrenz- oder den Kooperationsmodus. Je nach Lebenssituation können beide Modi richtig sein. Wer zum Beispiel auf Brautschau oder Arbeitssuche ist, befindet sich im Konkurrenzmodus. Die meisten Lebenssituationen wären aber auf Kooperation angelegt. Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist, dass die meisten Gesellschaftsspiele (z. B. «Eile mit Weile») die Konkurrenz fördern, während Kinder sich im freien Spiel meistens im Kooperationsmodus befinden. Durch Konkurrenz wird das Spiel zum Ernstfall. Eine Möglichkeit, die Kooperation zu fördern, sind kooperative Spiele.

Oft vermitteln wir den Kindern die Grundbotschaft: «Schau, dass du im Konkurrenzkampf gewinnst und nicht verlierst!» statt «Schau, dass du mit Menschen zusammenarbeiten kannst!»

In der Schule ist der Konkurrenzmodus der Normalfall. Die Bewertung und das Vergleichen werden wichtiger als die Sache selbst. Kreativität ist aber nur im Rahmen von Kooperation möglich.

Fragen zum Monatsthema
Einzelkind (5) muss sich als besser darstellen, sobald andere Kinder da sind. Die Mutter interpretiert das Verhalten als Unsicherheit.

  • Prahlen könnte als Alphasignal gegenüber jüngeren Kindern dienen. Je kleiner das Kind ist, desto wichtiger ist es, dass es in eine hierarchische Situation eingebunden ist. Das vermittelt ihm Stärke und Sicherheit.
  • Sobald ein Kind stärker sein möchte als ältere Kinder oder gar seine Eltern, ist das eine schwierige Situation. Ein Kind sollte die Unterordnung bei fürsorglichen Erwachsenen lernen, damit es nachher die kleineren Kinder ebenso führen kann. Wenn Erwachsene ein kleines Kind absichtlich gewinnen lassen, verwirren sie es in Bezug auf die Hierarchie.
  • Schüchternheit gegenüber fremden Kindern ist ein gutes Zeichen. Das Abwarten und Beobachten zeigt, dass das Kind an seinen Gefühlen dran ist. Es gibt Kinder, die wochenlang beobachten. Kinder sollten nicht frühzeitig dazu gezwungen werden, sich in die Gruppe zu integrieren.
  • Bei Alleinerziehenden ist ein Bindungsdorf noch wichtiger.

Wie bringe ich mein Kind (9) dazu, die Hausaufgaben zuverlässig und mit Fleiss zu erledigen?

  • Kleinkinder arbeiten noch nicht zielgerichtet, deshalb ist es bei jungen Schülern herausfordernder.
  • Wichtig ist, dass die Schulaufgaben die Beziehung nicht belasten.
  • Eltern sollten fürsorglich sein und sich anbieten zu helfen, aber keinen Druck machen. Die Verantwortung für die Hausaufgaben liegt beim Kind. Diese Richtigstellung der Bedürfnislage klärt die Hierarchie.
  • Schlechtere Schulnoten sind oft nur vorübergehend, bis das Kind aus eigenem Antrieb lernt.

Junge (5): Im Konflikt droht Kindergartengspänli mit Rache durch Vater.

  • Interaktionen im Kindergarten sind problematisch, weil die Kinder ausserhalb der hierarchischen Situation spielen.
  • Kindergartenkinder sind noch nicht empathisch.
  • Man kann gar nicht viel machen. Über die Kindergärtnerin könnte versucht werden, den Gleichaltrigenkontakt zu beschränken. Das Kind zu Hause auffangen, trösten, zu Tränen führen…


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Info 16-10 "Kinder brauchen andere Kinder"

Wann tun Kinder einander gut? Wann nicht? Wie kann ich das erkennen?
Diese Frage hat uns gestern an einem Privatseminar intensiv beschäftigt. Wer von euch hat nicht mit Freude «Die Kinder von Bullerbü» gelesen, geschaut oder gehört? Wie schön, wenn Kinder so zusammen im Spiel aufgehen können. Oder etwa nicht?
Dein Kind kann in einer solchen Gruppe gut aufgehoben sein, solange es nicht in einen Loyalitätskonflikt zu dir und anderen wichtigen Bezugspersonen gerät - anders gesagt, solange das innerliche Band zu dir als Mama oder Papa ihm auch im Zusammensein mit seinen Freunden Halt gibt. Schön ist es, wenn du die Freunde deines Kindes kennst, wenn du deshalb weisst, wie in der Gruppe Hierarchien entstehen und wie sie erhalten werden. Wenn dein Kind dort Machtkämpfe erlebt oder gar das Faustrecht gilt, ist das so lange nicht weiter tragisch, als es mit dir darüber sprechen kann. Auch das gehört zum Spiel des Lebens.
Handlungsbedarf besteht dann, wenn du merkst, dass dein Kind nicht mehr erzählen mag, was läuft, oder wenn du spürst, dass es zu dir eher auf Distanz geht, weil die Mitglieder der Gruppe wichtiger geworden sind.
Handlungsbedarf besteht auch dann, wenn du spürst, dass dein Kind in der Gruppe so viel Beziehungsstress hat, dass es sich verhärtet, um sich zu schützen.
Beobachte solche Entwicklungen sorgfältig und reagiere frühzeitig. Sei dir bewusst, dass dein Einfluss nur so lange besteht, als sich dein Kind vor allem an dir orientiert. Wenn du den richtigen Zeitpunkt verpasst, dann bleibt oft nur ein hässlicher Machtkampf.

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Livesendung vom 31. Oktober 2016

Diverse Themen

  • Bei Zwillingen gibt es auch eine Hierarchie. Als Eltern sollte man die Hierarchie nicht bekämpfen, sondern gestalten.
  • Wenn ein Kind fordert und du als Elternteil machst das plötzlich nicht mehr, dann kann das ein heilsamer Schock sein. Wenn ein Kind sich überordnet und fordert, dann sollte man etwas ändern.

Kinder brauchen andere Kinder

  • Wenn ein Kind sich plötzlich an anderen Kindern orientiert statt an den Eltern, kann das ein Reifestolperstein werden.
  • Dass Kinder mehr auf Gleichaltrige hören als auf die Eltern, wird oft bagatellisiert: Das sei halt normal, vor allem bei Teenagern.
  • Kinder brauchen keine 23 gleichaltrigen Freunde. Freunde braucht man einen oder zwei, Kontakte braucht man mehr. Zu Kontakten hat man eine gewisse Distanz. Freunde lässt man näher ans Herz kommen. Kinder brauchen andere Kinder. Sie brauchen nicht viele, aber sie brauchen andere.
  • Woran merke ich frühzeitig, ob der Umgang, den mein Kind mit Freunden oder Gruppen pflegt, gefährlich oder hilfreich ist? Wie merke ich, ob ich den Einfluss auf mein Kind verliere? Woran merken wir frühzeitig, dass der Kontakt zu Gleichaltrigen hilfreich ist oder eben nicht?
  • Telefonanruf von Mutter: Ihr Kind hat kein Interesse an anderen gleichaltrigen Kindern. Ist das ein Problem? Ja, es ist ein Problem. Es gibt immer wieder Kinder, die sich zu Erwachsenen hingezogen fühlen, einfach weil Erwachsene einfacher zu handeln sind - sie sind nett, anständig und auch die Hierarchie ist klar. Bei Gleichaltrigen ist es viel aufreibender. Gleichaltrige ermöglichen ein Wechselspiel der Hierarchie. Es ist wichtig, dass das Kind das erleben kann. Eine Interaktion, die ein Kind lernen sollte - auf Augenhöhe mit dem Gegenüber umgehen können. Wenn es Möglichkeiten gäbe, eine Freundschaft mit einem Gleichaltrigem aufbauen zu können, wäre das gut.
  • Chat-Frage: Regeln und Sitten gehen vergessen, wenn Besuch im Haus ist. Sind die Besucherkinder hierarchisch übergeordnet? Kinder stehen vielleicht nicht hinter den internen Regeln, sind dann nicht im Join-up. 
  • Chat-Frage: achtjähriger Sohn will, dass die Mutter ihn in die Schule begleitet, aber er möchte dann nicht geherzt werden vor den anderen. Ist sein Selbstwert noch nicht so gut? Ja, das könnte sein. Wichtig ist, das Kind nicht dem Spott auszusetzen.
  • Schüchternheit ist etwas Gutes. Wenn Erwachsene falsch damit umgehen, ist das schwierig. Zum Beispiel dem Lehrer Mut machen, zu warten und dem Kind keinen Druck zu machen. Wie ist mein Kind im vertrauten Rahmen? Dort sollte es keine solche Schüchternheit haben, ansonsten müsste man dem Problem nachgehen.
  • Telefonanruf: dreijähriges Kind reagiert stark negativ auf Baby-Geschwister. In diesem Alter ist das Kind gerne in der Fürsorgerrolle und würde gerne Mutter helfen. Wenn die Mutter das Kind einbeziehen könnte, wäre das sehr gut für das dreijährige Kind und es könnte besser mit dem neuen Geschwisterchen umgehen. Das würde seinem Selbstwert guttut. Über das Baby zum Kind reden: «Du musst nicht weinen, dein grosses Geschwister macht das super.» Auf der Seite des grösseren Kindes bleiben.

 

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Info 16-09 "Was der Widerstand mit unseren Kindern macht"

Kein Zweifel, es ist mühsam für dich, wenn dein Kind nicht tut, was es soll, frech ist und immer das letzte Wort hat.
Für dein Kind sind die Folgen wohl noch tiefgreifender. Du kannst nämlich - wenn das Problem andauert -  jene Funktion nicht mehr richtig ausfüllen, die für dein Kind zentral ist: Du kannst ihm nicht mehr Geborgenheit und Sicherheit vermitteln. Die Folge ist, dass dein Kind unruhig ist und ständig auf der Suche nach verlässlichen Beziehungen. Viele Kinder übernehmen selber die dominante Rolle, oft auch im Umgang mit den Gleichaltrigen.
Nur ein Kind aber, das im abhängigen Modus gebunden ist, kann vom Schutz und von der Fürsorglichkeit der Eltern profitieren. Sobald es sich nicht mehr untergeordnet fühlt, steigt die Anspannung und die Unruhe. Das ist letztlich auch bei uns Erwachsenen so. Welcher Arbeitgeber erinnert sich in schlaflosen Nächten nicht dann und wann wehmütig an die Zeit, wo andere sich um die Bilanzen kümmerten.
Dieses Mail übrigens ist ein weiteres mit der gleichen Zielsetzung wie die letzten: Viele Eltern vergessen ob dem vielen Verständnis und der engagierten Einfühlung, wie wichtig es ist, im Alpha zu sein und zu bleiben. Vertrauenspädagogik ist nämlich absolut nicht antiautoritär - im Gegenteil: Autorität ist wichtig. Nur wenn ein Kind im abhängigen Modus gebunden ist, wenn es im Join-up ist, ist Raum da für die Reifung.

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Livesendung vom 26. September 2016

Was der Widerstand mit unseren Kindern macht

    • Welche Konsequenzen hat es für ein Kind, wenn es im Widerstand ist?
    • z. B. Widerstand auf der «Egal-Schiene» oder wenn es immer nein sagt. Damit sind nicht Kinder gemeint, die dauernd feindlich gestimmt sind (anderes Thema).
    • Es sind Kinder gemeint, für die es nicht stimmt etwas zu tun was wir als Eltern ihm sagen.

 

  • Wenn wir als Eltern etwas sagen und das löst in meinem Kind tendenziell Ablehnung und Widerstand aus, was hat das für Konsequenzen für mein Kind?

 

  • 1. Konsequenz: Es löst in Eltern üble Gefühle aus. Kind merkt, dass es bei Eltern nicht gut ankommt und das kann sich hochschaukeln. Dann suchen wir als Eltern einen Ersatz für das, was wir Join-up nennen - wir üben Druck aus, schreien etc. und das Kind bekommt das Gefühl, dass sich Eltern nicht mehr über sie freuen können, wenn sie es sehen.
  • 2. Konsequenz: Es ist für das Kind eine Überforderung, an der Spitze der Hierarchie zu stehen. Ein Kind, das sich nicht im abhängigen Modus gebunden fühlt, ist dadurch unter Dauerstress. Viele negative Verhalten kommen aus dieser Situation bzw. Spannung heraus. Häufige Folge ist, dass Kinder schlecht schlafen. Das Kind fühlt sich nicht geborgen, sondern ist nervös und angespannt. Ein Kind kann nicht in den gesunden Schlaf fallen, wenn es nicht im Frieden ist.
  • Darum ist es so wichtig, dass das Kind hierarchisch untergeordnet ist.
  • Wir sprechen heute darüber, wie wir das Kind aus einer falschen Hierarchie herausführen können.
  • Viele Kinder haben den Eindruck: «Ich habe jederzeit ‹Zugriff auf den Bildschirm meiner Mutter›. Meine Mutter ist immer und jederzeit für mich da - und zwar nicht im Sinne eines Schutzes in der Not, sondern sie steht mir jederzeit zur Verfügung, damit sie mich unterhält, mir alle Hindernisse aus dem Weg räumt. Ich kann immer mit ihr sprechen und erhalte die volle Aufmerksamkeit.» Das ist gefährlich.
  • Wenn das Kind sich so verhält, reagieren wir als Eltern nicht mehr so, dass wir sagen: «Lass mich doch schnell in Ruhe. Ich telefoniere oder lese oder …», denn so fühlt sich das Kind weggewiesen, ist frustriert und wird noch mehr Druck ausüben. Denn es ist sich ja gewohnt, immer Vorrang zu haben. Das ist ein Hierarchiesignal. Man nimmt nicht die untergeordnete Position ein, wenn man ständig Aufmerksamkeit einfordern kann. Denn dann ist man sich gewohnt derjenige zu sein, der das Sagen hat. Empfohlen ist folgende Übung: Wenn ein Elternteil im Gespräch oder anderweitig beschäftigt ist und das Kind Aufmerksamkeit will, dann nimmt man das Kind nahe zu sich (so fühlt sich das Kind nicht abgewiesen, macht keine Trennungserfahrung durch), aber man macht weiter mit dem, womit man beschäftigt war (Telefon, lesen etc.). Die eigenen Pläne werden nicht durch das Kind über den Haufen geworfen. Man nimmt das Kind nahe zu sich und sagt: «Warte einen Moment.» Das Kind soll dann warten. Als Eltern weiss man, wie lange ein Kind warten kann, bevor es frustriert reagiert. Aber die Eltern bestimmen, wie lange das Kind warten soll. Das ist ein gutes Hierarchiesignal.
  • Ein wichtiger Punkt ist auch, die Hierarchie unter den Geschwistern zu beachten. Es ist wichtig, dass man nicht das ältere Kind vor dem jüngeren kritisiert.
  • Wenn das Kind die «Egal-Schiene» fährt, kann man darauf achten, wann das Kind etwas von mir will. Wie spricht das Kind mich als Elternteil an? Untergeordnet oder fordernd? Wir dürfen nicht dulden, wenn das Kind in einem falschen Tonfall mit uns redet.

 

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Info 16-08 "Gibt es ein Zuviel an Freundlichkeit? - Teil 2"

Wir haben im letzten Monat das Zuviel an Freundlichkeit thematisiert. Lies den Brief vielleicht nochmals nach, falls du ihn nicht mehr in Erinnerung hast. Sie sind ja alle hier abgelegt.
Vielleicht hast du Lust, bis am Montag die gleichen Gesetzmässigkeiten bei deinen Kindern zu beobachten. Es gibt die beiden Arten von Freundlichkeit auch bei ihnen: Die eine, die aus dem Herzen kommt und genährt ist von Fürsorglichkeit und Wohlwollen. Die andere stammt aus dem Wunsch, die Kooperation des kleinen Geschwisters zu gewinnen, es vielleicht schmeichlerisch dazu zu bringen, das ältere endlich in Ruhe zu lassen oder ihm etwas Attraktives zu überlassen. Vielleicht soll das gute Zureden auch den Unmut des Kleineren beschwichtigen und zwar so, dass die Mama nicht einschreitet.
Auch hier gilt: Freundlichkeit, die mit der Absicht daherkommt, das Gegenüber freundlich zu stimmen, ist ein Unterordnungssignal.
Je mehr die Hierarchie durcheinandergerät, desto weniger kann das kleinere Geschwister sich angemessen verhalten, und es verliert auch das gute Gefühl, von den älteren Geschwistern geliebt und beschützt zu werden.
Ein solches Verhalten, wo ein älteres Kind sich unterordnet, kann natürlich auch sinnvoll und angemessen sein. Ein schönes Beispiel haben wir gestern mit zwei Enkeln erlebt (er sechsjährig, sie dreijährig), die in einer wunderschönen Hierarchie friedlich zusammenleben. Er schwamm - flügelibewehrt - neben mir her und musste alles geben, das Ufer zu erreichen. Da kam die kleine Schwester mit einem Gummiboot daher. Er fragte ganz lieb: «Darf ich einsteigen, bitte?» Wieweit meine Anwesenheit da noch Einfluss hatte, weiss ich nicht, aber die Kleine überliess ihm ohne zu zögern grosszügig ihr Bötchen. Wie es herausgekommen wäre, wenn er ihr das Ding einfach entrissen hätte, können wir uns sicher alle vorstellen.

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 29. August 2016