Bedürfnislage klären

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9 Jahre 7 Monate her #5801 von Kiki
Bedürfnislage klären wurde erstellt von Kiki
Während der Ferien hatte unser Ältester A. (14) eher Schwierigkeiten zu gehorchen, vergriff sich manchmal im Ton, war destruktiv usw. Nach den Sommerferien kam er in eine neue Klasse, in der die Anforderungen höher sind als in der bisherigen. Seit er wieder stärker auf die Hilfe und Unterstützung von uns Eltern angewiesen ist, verhält sich unser Sohn mehr als mustergültig.

Dieses Erlebnis bestätigt, dass die Bedürfnislage die Hierarchie bestimmt und damit direkt Einfluss auf den Gehorsam, das Ehren der Eltern, den richtigen Ton usw. hat.

Nun möchte ich natürlich gerne das gute Verhältnis zu A. erhalten. Deshalb meine Frage an Euch Teenagereltern: Je älter ein Kind wird, desto weniger braucht es unsere Hilfe, und die Bereiche, in denen es noch Hilfe braucht, werden vom Kind oft so wenig wahrgenommen. Wie schafft Ihr es, dass die Bedürfnislage klar bleibt? Habt Ihr konkrete Beispiele?

Jetzt, wo ich das so schreibe, frage ich mich auch, wann der Punkt kommt, an dem Kinder ihre Eltern unabhängig von der Bedürfnislage ehren?! Könnt Ihr dazu etwas sagen? Vielleicht auch aus Eurer eigenen Kindheit?

Liebs Grüessli
Kiki

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9 Jahre 7 Monate her #5802 von Bäretatze
Liebe Kiki,

Was du in den Ferien erlebt hast, habe ich in den letzten Jahren immer wieder erlebt. Ich bin selber erschöpft, möchte Ferien haben, mich entspannen usw. Somit bin ich für meine Kids viel weniger sichtbar im Alpha, als im Alltag, wo ich die Fäden in der Hand habe. Sensible Kinder verunsichert das, und sie reagieren darauf so, wie du es beschreibst.
Die Bedürfnislage hat ja auch sehr viel mit Alpha zu tun. Und je älter sie werden, desto wichtiger ist unsere Alpharolle. Mein Vater zum Beispiel ist für mich immer noch eine Alphaperson, obwohl ich nicht mehr oft von ihm abhängig bin. Und auch für die Enkelkinder ist er einfach eine (liebevolle)Alphaperson, egal ob sie nun bedürftig sind oder nicht.
Ich glaube, das ist der Schlüssel, dass wir als Alphapersonen wahrgenommen werden, auch wenn wir aktuell grad keine Bedürfnisse zu befriedigen haben. ;)

Andererseits muss ich sagen, gibt es doch auch bei Teenies immer noch genügend Möglichkeiten, wo sie ihre Abhängigkeit erleben dürfen. Ein paar Beispiele aus unserem Alltag:
- Sie kommen mit dem Zug an, und bitten mich, sie am Bhf abzuholen, weil der Rucksack schwer und der Tag lang war
- Sie brauchen div. Schulmaterial, das erstmal besorgt werden muss.
- Für Tag x brauchens sie einen Lunch und fragen mich, ob ich ihnen was richten kann.
- Die Lieblingsjeans ist in der Wäsche und ich werde gebeten diese möglichst bald zu waschen.
- Arzt- / Zahnarzt, Kieferorth., Optiker (und weiss der Kuckuck was noch alles) Termine stehen an, und sie bitten mich, sie zu fahren.
- ...
Wichtig finde ich einfach, dass man gerade solche Situationen auch nutzt. Dass es nicht einfach klar ist, dass Mama fährt, holt, bringt usw. Weil sie ja sonst nichts zu tun hat. ;) Sondern, dass die Teens wirklich erfahren können, wie gut und nährend es auch ist, wenn man fragen kann und die Mama es einem dann "zu liebe tut". So kommt es immer mal wieder vor, dass ich ins Auto steige und meine Tochter am Bhf abhole, obwohl es nicht unbedingt nötig wäre. Einfach um ihre Bitte zu erfüllen. Und manchmal geht es eben nicht, und dann suchen wir zusammen nach Lösungen.
Mir geht es ja auch so, wenn ich zum Beispiel meinen Papa frage, "könntest du bitte die Kinder nach xy fahren" und er mir zusagt. Es tut gut, ist ein schönes Gefühl.

Weiter erlebe ich aber auch, wie sich die Beziehung langsam verändert. Es wird vielmehr zu einem Coachen und auch immer mehr freundschaftlich. Der Teenie holt sich Rat und ich coache ihn in einer Sache. Lasse aber auch viel Freiraum und vertraue, dass er / sie etwas kann und gut macht. Ich geniesse diese Phase gerade unheimlich, und könnte ewig drüber erzählen... :)

Liebe Grüsse!
Bäretatze
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9 Jahre 7 Monate her - 9 Jahre 7 Monate her #5803 von Kiki
Kiki antwortete auf Bedürfnislage klären
Liebe Bäretatze,

vielen Dank für den ausführlichen Bericht und die vielen Inputs und Ideen. Es ist schön und ermutigend zu lesen, wie du "diese Phase" geniesst und sprudelst... :)

Ich merke, dass meine Kinder extrem selbständig sind: Termine, kochen, waschen... Da bin ich nicht unbedingt im Alpha, was es etwas schwieriger macht, automatisch im Alpha zu sein. Mir fehlen echt manchmal die "natürlichen Gelegenheiten". Aber was du übers Abholen schreibst, habe ich auch so erlebt: Ich hole unseren A. manchmal mit dem Fahrrad ab - einfach so. Auf der gemeinsamen Fahrt können sie schon mal ziemlich "abladen". Das tut uns beiden gut, und nachher ist er immer total "handzahm" ;). Also quasi "freiwillige" Fürsorglichkeit, wo keine Hilfe mehr benötigt wird. Das leuchtet total ein - vielen Dank, dass du mir auf die Sprünge geholfen hast!

Liebe Grüsse
Kiki
Letzte Änderung: 9 Jahre 7 Monate her von Kiki.

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