Infobriefe

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Info 10-01 "Fussball oder Hausaufgaben"

Vergleiche die beiden folgenden Situationen:

Stefan (12) kommt von der Schule.
Mama: "Hast du Aufgaben?" 
"Ja, aber nicht so viele. Ich gehe zuerst noch ein bisschen Fussball spielen."
"Nein, Stefan, zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen."
"Ja, aber alle Jungs spielen unten. Nachher ist niemand mehr da."
"Keine Diskussion. Erst wenn du die Aufgaben gezeigt hast, kannst du hinaus gehen."
Stefan setzt sich widerwillig an seine Aufgaben. Diese Situation ist ja in dem Sinn erfreulich, dass die Mutter Autorität hat über ihr Kind. Aber fördert sie so wirklich das innere Wachstum ihres Kindes?

Vergleiche dazu das vertrauenspädagogische Vorgehen:
"..... ich mache die Aufgaben nachher."
"Wie du meinst. Ich verstehe schon, dass du dich zuerst ein bisschen bewegen musst."
"Anderseits wäre ich auch froh, wenn ich nicht die ganze Zeit an die Aufgaben denken müsste."
"Das verstehe ich."
"Weisst du was, ich gehe jetzt kurz raus. Wenn ich in einer halben Stunde nicht zurück bin, würdest du mir kurz läuten lassen aufs Handy? Ich vergesse mich sonst gerne."
"Ok, mach ich."
Das ist für mich eine schöne Situation. Da entwickelt sich ein Kind, lernt abzuwägen. Oben hat das Eingreifen der Mutter diese Abwägung jäh gestört, und Stefan hatte nur noch die Argumente im Kopf, die für Fussball sprachen, selbst wenn er vorher noch die Vorteile gesehen haben mag, die für das Aufgabenmachen sprachen. Schade ist, dass für ihn die Aufgaben eine lästige Pflicht zu sein scheinen. Das ist weniger harmlos und auch nicht so zwingend, wie man meinen könnte. Viel Potenzial geht verloren, weil Kinder Hausaufgaben nur selten als eine inspirierende Anregung empfinden. Von dieser Problematik handelt das neue Buch, das “Vertrauens-Schule” heisst und auch auf www.vertrauenspaedagogik.ch bestellt werden kann.

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Info 09-12 "Fleisch und Brot"

Viele Leserinnen und Leser haben Mühe, Kinder zu führen, die im Join-up sind. Wir haben ja darin alle keine Vorbilder. Ich möchte Ihnen deshalb eine wunderschöne Erfahrung mit meinem Enkel erzählen. B ist drei Jahre alt.
Wir sassen am Tisch beim Frühstück. B langte munter zu auf die Fleischplatte. Ich fragte: "Möchtest du ein bisschen Brot?" Er verneinte höflich. Ich erfuhr, dass er ohne Aufforderung kein Brot isst. Er würde sich am liebsten nur von Fleisch ernähren.
"Dein Mund freut sich über das Fleisch, aber der Bauch freut sich über das Brot." B überlegte eine Weile und sagte dann: "Der Mund freut sich aber nicht über das Brot." "Dann würde ich ein bisschen weniger Brot essen und ein bisschen mehr Fleisch. Der Bauch hat Freude, wenn sich der Mund auch freut." Ich wandte mich wieder dem Tischgespräch zu und beachtete ihn nicht weiter. Eine Weile später war das Brot gegessen. Ich ging nicht darauf ein. Ich wollte ihn nicht loben dafür, denn es hätte ja geheissen, dass es etwas Besonderes ist, wenn man Brot isst, oder wenn man auf seinen Grossvater hört. Aber ich habe mich gefreut, und das hat er sicher gemerkt.

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