Infobriefe

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Refresher 21-02 «Gibt es ein Recht auf Pflichten?»

Gibt es ein Recht auf Pflichten?

Es ist eine wunderbare Sache, dass es Kinderrechte gibt, wenngleich das in vielen Ländern noch nicht so bekannt zu sein scheint. Die Kinderrechte sind in unserem Land unbestritten. Niemand würde sich wünschen Kinderarbeit wieder einzuführen. Dennoch scheint es mir manchmal, als hätte man das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. 

Im Buch “Erziehen im Vertrauen” gibt es schon seit der ersten Auflage ein Kapitel: “Die gleichwürdige Gemeinschaft”, das in den Jahren seit dem Erscheinen eher noch an Brisanz gewonnen hat: Viele Kinder in unserem Land wachsen auf, werden erwachsen oder mindestens volljährig, ohne dass sie je das Gefühl gehabt hätten, einen substanziellen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Viele sind dazu verdammt, eine Art Gast-Dasein zu fristen. Ich nehme nicht an, dass solche jungen Menschen sich bewusst sind, dass ihnen etwas fehlt - im Gegenteil, die meisten wären vielleicht sogar empört, wenn sie darauf angesprochen würden. Es geht darum, dass Kinder nicht nur Rechte brauchen, sondern auch die Gelegenheit, sich nützlich zu machen, einen wirklichen Impact zu haben.

“Wir gehen in die Schule, das ist unsere Arbeit” habe ich auch schon gehört. Ich denke, Kinder spüren, dass das nur die halbe Wahrheit ist. 

Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, als ich zum ersten Mal einen Traktor fahren durfte. Endlich konnte ich mit den Füssen das Gaspedal erreichen und hatte gleichzeitig den Kopf über dem Lenkrad. Ich schwelgte in der Erkenntnis, dass ich jetzt eine erwachsene Person ersetzte, die stattdessen hinten Heu auf den Wagen lud oder den Rechen zog. Es war ein so erhebendes Gefühl, ein richtiger Arbeiter zu sein. Später erlebte ich Ähnliches, als mir der Grossvater das Melken beibrachte, obwohl wegen der Melkmaschinen nur noch das Anmelken nötig war, dazu aber taugten meine kleinen Hände wunderbar. Im eigenen Haushalt litt ich unter der Konkurrenz meiner grösseren Geschwister, die alle Arbeiten im Haushalt übernahmen, die von Wert waren und mir nur noch jene Arbeiten liessen, die mir minderwertig vorkamen: Sie lasen Äpfel ab, ich -auf. Konnte das eine erfüllende Tätigkeit sein? Die Grossen pflanzten - ich jätete. Diese missliche Lage - in unheiliger Allianz mit meiner Bequemlichkeit - hinterliess in mir ein Gefühl von Minderwert, das durch gute Schulleistungen nur zum kleinen Teil aufgehoben wurde.Darüber hinaus lernte ich auch vieles nicht, traute mir immer weniger zu, sodass ich erwachsen werden musste um wirklich zu glauben, dass ich nicht zwei linke Hände habe. Noch heute aber muss ich mir immer gut zureden, wenn es darum geht praktische Arbeiten anzupacken. 

Also: Gib deinen Kindern die Chance nützlich zu sein. Spanne sie ein, auch wenn deren Bequemlichkeit manchmal dagegen spricht und du manchmal schneller wärest ohne ihre Hilfe. Es lohnt sich. Im Kapitel “Die gleichwürdige Gemeinschaft” findest du hilfreiche Gedanken zum Thema. 

Ich lade dich ein, im Podcast das Interview mit Claudia Feierabend zu hören, die nicht nur eine tüchtige Sekretärin ist, sondern auch engagiert im Team mitarbeitet.

 

Hier gehts zum Podcast. 

 

Podcast des Monats


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter.

 

 

 

Weiterlesen
16 Hits

Info 14-06 "Was ist Qualitätszeit?"

Gehörst du auch zu den Müttern, die schnell ihren Haushalt erledigen, damit sie nachher Zeit haben für ihre Kinder? Vielleicht bist du berufstätig, dann ist die Gefahr noch grösser, dass du dich gedrängt fühlst, für möglichst viel “Qualitätszeit” mit deinen Kindern zu sorgen. Darunter versteht man dann gerne so etwas wie “Freizeit”. Ist das wirklich Qualitätszeit?

Das Wort Qualität macht erst Sinn, wenn wir Kriterien haben. Was meinst du zu diesen? Kinder wollen Zeit verbringen mit den Eltern, und zwar so, dass die Kinder spüren, dass sich die Eltern dabei wohl und entspannt fühlen - was die Beziehung zum Kind angeht. Sie wollen mit den Eltern zusammen Probleme lösen und sich dabei wertvoll fühlen. Sie brauchen eine Atmosphäre, wo es okay ist, Fehler zu machen, darüber zu sprechen und daraus zu lernen. Sie haben eine tief sitzende Erwartung, dass die Eltern ihnen das reale Leben zeigen. Kinder brauchen nämlich die Eltern nicht dazu, ihnen beim Spielen zu helfen oder sie zu unterhalten. Sie brauchen fürs Spielen einzig die Erlaubnis und einen sicheren Rahmen. Es braucht nicht einmal so viele Dinge. Kinder können mit fast nichts spielen, solange sie nicht das Gefühl haben, jemand anders als sie selbst sei für den Spass verantwortlich.

Also: Zusammen das Haus putzen, den Garten jäten, das Auto waschen, den Tiefkühler enteisen oder den Keller aufräumen kann perfekte Qualitätszeit sein, solange das Kind das Gefühl hat, dabei willkommen zu sein. Ein Kleinkind spielt dann vielleicht lieber Lego in der Küche, während du den Kühlschrank reinigst. Ein grösseres hilft nur mit, weil du es sagst. Aber auch das kann Qualitätszeit sein, solange du dem Kind nicht grollst, weil es lieber einen Fussballmatch schauen würde, anstatt mit dir Qualitätszeit zu verbringen... Es ginge so freilich noch besser: “Wollen wir den Match schauen und hier nachher fertig machen?” Wenn dir das so stimmig erscheint, kannst du nächstes Mal, wenn du von der Arbeit kommst, dich getrost mit einem Buch mitten in die Arbeit setzen und warten, bis die Kinder kommen und ein entspanntes Mami in die Arme nehmen können. (Sorry, ihr Männner, bitte passt den Text für euch sinngemäss an!)

Talk über das Monatsthema


Livesendung vom 30. Juni 2014

b2ap3_thumbnail_Livesendung-30.06.2014.jpg

Weiterlesen
2440 Hits

Info 11-02 "Führen ohne Anklage - Teil 1"

Situation (aus einem Beratungsgespräch): Die Kinder dieser Familie müssen regelmässig Arbeiten aus einer Liste wählen und so ihren Beitrag an den Haushalt leisten. So haben es alle abgemacht. Die Idee ist, dass Kinder jene Arbeiten wählen, die sie mit Liebe tun können (das ist nicht das gleich wie „mit Spass“). Das entspräche dann VP.

Vorher (Rückfall in alte Muster): Du hast das Staubsaugen selber gewählt. Jetzt bist du nach fünf Minuten schon fertig. Geh noch Mal dran. (Widerstand, Diskussion, Konflikt, Druck, vielleicht sogar Beschimpfungen und Anklagen). Das Kind geht nochmals dran (vielleicht auch nur pro forma).

Nachher (VP): Du hast das Staubsaugen gewählt. Bist du zufrieden, so wie du die Arbeit gemacht hast? Ja, ich finde es sauber genug (eher trotzig.) Oha, da sind wir unterschiedlicher Meinung. Mama geht weg und lässt den Dingen ihren Lauf. Sie verzichtet im Moment auf eine Erklärung oder Begründung, weil sie den Widerstand des Kindes wahrnimmt.

Variante A: Das Kind geht nochmals dran. Dann wären die beiden – äusserlich gesehen – gleich weit wie „vorher“ ohne VP, aber eben: Welch ein Unterschied! Diesmal ohne Streit und erst noch mit der Energie des Kindes und nicht mir der Energie der Mutter. Vielleicht machte sich das Kind ganz wertvolle Gedanken und kam zu jenem Gehorsam, der Sieg ist, nicht Niederlage.

Variante B: Das Kind lässt es so, wie es ist. Dann ginge die Geschichte Tage später vielleicht etwa so weiter: Du möchtest staubsaugen? Mach lieber eine andere Arbeit. Wieso, ich möchte gerne. Bist du sicher? Ja, wieso meinst du? Letztes Mal war es mir zu wenig sauber. Dir schon. Mach lieber etwas anderes. Diesmal mach ich es bestimmt besser. Und was passiert, wenn wir wieder das gleiche Problem haben, wie letztes Mal? Dann geh ich nochmals ran. Ohne schlechte Gefühle? Ok, dann lass dir heute mehr Zeit und versuche nicht, möglichst schnell fertig zu sein. Der Staub braucht einfach seine Zeit, bis er sich aus dem Teppich löst. Da nützt es nichts, wenn du schnell bist mit der Staubdüse. Verstehst du das? Ja, sicher.

Hast du Zeit, die folgenden Zeilen zu lesen? Sie beschreiben eine Situation, die rein äusserlich nicht der Rede wert ist und doch markiert sie den Unterschied zweier Systeme. Gleichzeitig verdeutlichen sie, wie wichtig es gerade für uns Grosseltern ist, VP zu kennen.

J und wir Grosseltern haben einander sehr lieb, und trotzdem gab es immer wieder Situationen, in denen sie sich eigenartig verhielt. Wir erlebten, dass man sie sehr schnell "verlieren" kann, dass sie sich schnell innerlich zurückzieht, auf Widerstand geht, unberechenbar scheint, sich negativ verhält und Menschen dann vor den Kopf gestossen sein können. Seit wir und so auch ihre Eltern VP kennengelernt haben und praktizieren, spürt man eine Entlastung in der ganzen Situation. Folgende Erfahrung hat meine Beziehung zu J sehr gestärkt: Es war drei Tage nach dem ersten VP-Seminarabend. Wir hatten ja die Aufgabe bekommen, den Kindern und einander ohne Misstrauen zu begegnen. J und ihr kleiner Bruder D (2) waren an einem Nachmittag bei uns. Ich sass am Tisch, J stand/sass an/auf einem Stuhl neben mir, D stand zwischen uns. Wir waren irgendwas am Reden, ganz gelöste Situation. Da J eben nicht recht auf dem Stuhl sass, sondern so halb darauf lehnte, fiel der Stuhl mit ihr um und prallte dabei an D's Bein. D fiel auch um und begann sehr zu weinen. Dabei hielt er das Bein auf eine Weise, die  Schlimmes befürchten liess. Sofort nahm ich ihn zu mir, ging ins Bad und untersuchte das Bein. Es war dann aber schnell wieder gut, man musste nicht einmal kühlen. Als ich in die Stube zurückkam, bemerkte ich J's Unsicherheit. Sie wich mir aus. Mir war klar, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte. Und wirklich, früher hätte ich wahrscheinlich gesagt, sie solle das nächste Mal besser aufpassen und nicht so halb auf den Stuhl sitzen. Aber da war wie ein kurzer "Blitz" in meinem Kopf: "Vertrauen". So schaute ich J fest an und sagte: "J, du bist ja mit dem Stuhl umgefallen. Hat es dir denn nicht weh gemacht?" Da begann J zu strahlen und sagte: "Nein." Die Situation war gelöst. Ich bin auch sicher, dass J jetzt besser aufpassen wird, auch wenn ich nichts davon gesagt habe. Kurz nachher kam meine Tochter die Kinder holen. Ich war grad allein in der Küche. Da hörte ich J daherstürmen, sie rannte richtig auf mich zu und sprang an mir hoch, umschlang mich ganz fest und drückte sich an mich. Seit diesem Erlebnis spüre ich, dass J noch viel mehr verbunden ist mit mir, unsere Beziehung ist sehr schön. Sie ist im Join-up mit mir. Claudia

Ich denke, Claudia hat recht. Was für eine Chance, wenn Kinder solche Beziehungen haben dürfen. Was für eine Chance für Grosseltern! Viele Grosseltern entschuldigen sich bei mir, wenn sie an einen Kurs kommen, weil sie ja keine Kinder mehr hätten. Ihr könnt euch vorstellen, was ich ihnen sage. Also, ermutigt auch andere Grosseltern, sich mit VP zu befassen. Ihr tut euren Kindern etwas zuliebe.

Markiert in:
Weiterlesen
2822 Hits

Info 10-06 "Jans Ämtli übernehmen"

Jan (9) ist im Stress. Er ist noch nicht fertig mit den Vorbereitungen für seinen Sporteinsatz am Abend. So verzögert sich das Nachtessen, denn sein Job wäre es, aufzutischen. Die andern Kinder, insbesondere auch Janine (7) werden zunehmend ungeduldig, und die Mutter möchte etwas zur Entspannung beitragen.

Variante A:
Sie geht auf Janine zu und sagt freundlich: "Janine, sei so lieb und tische für Jan auf, du siehst ja, dass er im Stress ist."

Variante B:
Sie geht auf Janine zu und flüstert ihr ins Ohr: "Möchtest du zu Jan gehen und ihn fragen, ob er froh wäre, wenn du heute Abend für ihn auftischst?"

In der Realität antwortete Janine ziemlich ungehalten: "Wieso soll ich für ihn auftischen, das ist doch sein Ämtli!?" Was denkst du, welche Variante ging dieser Antwort voraus? Du hast recht, es war die Variante A. Warum aber ist die Variante B so viel Erfolg versprechender?

Die Variante A heisst eigentlich: "Ich erwarte von dir, dass du jetzt Jans Job übernimmst. Eigentlich hättest du selber auf die Idee kommen sollen. (Du siehst ja....)." Wenn Janine es tut, wird der Dank Mama zufallen, denn es war ja ihre Idee. Mama hat also das gute Teil und Janine die Mühe. Das kommt schlecht an. Es ist auch eine der Bitten, die in Wirklichkeit keine sind (Manche Kinder haben Mühe damit, solange man diese Form der Aufforderung nicht einmal zum Thema macht.).

Die Variante B gibt dem Mädchen einen Tipp (deshalb zugeflüstert). Es ist wirklich frei, etwas für seinen Bruder zu tun und dann auch die entsprechende Anerkennung zu bekommen oder aber darauf zu verzichten (Vielleicht hat es ja gute Gründe, dieses Angebot nicht zu machen.).

Weiterlesen
2881 Hits

Suchen

Spenden

Betrag eingeben

Joomla Paypal Donations Module

Warenkorb

 x 

Ihr Warenkorb ist noch leer.
Go to top