Refresher

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Refresher 21-08 «InBindung 1: Die kindliche Unreife»

InBindung 1: Die kindliche Unreife

Hallo, und herzlich Willkommen zurück von der Sommerpause. Wie versprochen starten wir heute mit einer Serie von Refreshern, die sich um den Podcast InBindung drehen. Du findest ihn anhand unserer jeweiligen Links oder auch selber unter diesem Titel überall, wo es Podcasts gibt. 

Es gibt wohl kaum etwas Spannenderes als zu sehen, wie sich ein unreifes Kind in ein reifes Kind verwandelt - ganz ohne, dass Eltern dazu etwas beitragen könnten oder müssten. Diese Verwandlung - ähnlich spektakulär wie die Pubertät - geschieht leider, ohne dass viele sich dessen bewusst sind. Im Unterschied zum Stimmbruch und zur Menstruation ist die Verwandlung von aussen nicht direkt sichtbar. Viele Menschen sind sich deshalb gar nicht bewusst, dass da ein Wandel stattfindet und schon gar nicht einer mit dieser Tragweite. Weil wir uns nicht bewusst sind, wie anders kleinkindliche Gehirne funktionieren, sind Eltern immer wieder hilflos im Umgang mit ihren Knirpsen. Sie verstehen nicht, warum sie so ausrasten können, um im nächsten Moment wieder zufrieden zu sein. Ohne das Wissen um diese Andersartigkeit können wir nicht verstehen, warum ein Fünfjähriger ohne Bedenken einer Heuschrecke ein Bein ausreissen kann und dann voller Mitgefühl für das Tierchen Futter sucht. In meinen Vorträgen vergleiche ich das kindliche Gehirn, vor allem das kindliche Bewusstsein, gerne mit einem Smartphone, das bei den meisten Apps im Vollbildmodus läuft. Sind nicht unsere Kleinen auch so? Wenn sie am Spielen sind, können sie nicht gleichzeitig auf uns hören. Sie verlieren sich ganz in einer Sache. Wenn sie wütend sind, ist kein Raum auf dem “Bildschirm” für Verständnis und Mitgefühl oder gar Liebe für den kleinen Bruder. Diese Gefühle kommen dann schon, aber frühestes ein paar Minuten später, nach dem Abklingen der grossen Emotion. Und genau darin liegt das Erstaunliche dieses Umbruchs zwischen 5 und 7 Jahren: Immer mehr gelingt es, mehrere Gefühle und Gedankengänge gleichzeitig zu verarbeiten. Zorn und Mitgefühl, Neid und Zuneigung. Man nennt das die Integration der Emotionen. 

Der Podcast führt dich ein in diese Zusammenhänge, die in späteren Folgen noch vertieft werden. Er folgt dabei dem Ansatz von Dr. Gordon Neufeld, dem kanadischen Bindungsforscher, bei dem ich selber auch studiert habe. Ich wünsche dir viel Freude dabei. 

Für das VP-Team
Heinz Etter

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Refresher 21-06 «Wenn Kinder unzufrieden sind - Teil 2»

Wenn Kinder unzufrieden sind - Teil 2

Hast du beim Experiment mitgemacht, das ich im letzten Refresher angeregt habe? Wenn nein, hast du noch ein Leben lang Zeit dafür… Denn die folgenden zentralen Sätze werden gültig bleiben: 

  • Kinder wollen Subjekte sein, Menschen, die etwas bewegen und bewirken, nicht nur Objekte der Beschulung und der Betreuung. 
  • Und was auch bleiben wird, obwohl viele Kinder das Gegenteil erleben: Kinder wollen sich an den Eltern orientieren, sie fühlen tief in sich die Aufgabe, sich ans Leben der Eltern anzupassen - nicht umgekehrt. 

Wenn Eltern ihnen das Gefühl geben, dass sie selber keine Pläne und Interessen haben für Ausflüge und Ferien, sondern einzig nach Spiel- und Spassarealen für die Kinder Ausschau halten, dann fehlt den Kindern etwas Wichtiges: Sie möchten nämlich erleben, was ihre Eltern begeistert, freut, inspiriert - oder anrührt. Im Idealfall springen solche Vorlieben und Haltungen auf Kinder über. So entstehen dann Gelegenheiten gemeinsam etwas zu erleben, was fasziniert und erfüllt. Wie traurig ist es, wenn Leute so über ihr Freizeitverhalten sprechen: “Wir machen nur Dinge, wo die Kinder ihren Spass haben, sonst sind sie ohnehin unerträglich.”  Ist das nicht ein Jammer? Wie sollen Kinder denn erkennen, dass die Eltern auch ein Leben haben ausserhalb derer, Kinder aufzuziehen und zu diesem Zweck Geld zu verdienen, eine entsprechende Behausung zu bauen oder zu mieten? Hier gilt dann freilich: Pro Kind ein Zimmer muss sein. Früher passte sich die Wohnung dem Budget der Eltern an. War das so falsch? Ich erinnere mich noch, als wir in unser Haus einzogen (zugegeben auch wir haben pro Kind ein Zimmer gebaut…) da wollten die Kinder zunächst alle im gleichen Zimmer schlafen, wie sie es sich gewohnt waren. Wir einigten uns dann auf das Beziehen von zwei Zimmern, eines für die beiden Jungs und eines für die beiden Mädchen. So blieb es jahrelang. Vielleicht ist das mit ein Grund dafür, dass sie jetzt seit Jahren erfolgreich das Zimmer mit ihren Partner*innen teilen….

Für Kinder Opfer zu bringen ist zweifelsohne unerlässlich und namentlich am Anfang der Elternschaft herausfordernd, aber lieber früher als später sollten wir über sie denken wie unsere Vorfahren: Wow, was für ein Segen, Kinder zu haben, die einem so viel abnehmen. Tönt ziemlich weltfremd, ich weiss, aber vielleicht ist es gerade deshalb wahr. 

Eben haben wir in dieser Hinsicht eine gute Erfahrung in eigener Sache gemacht. Wir haben in unserem Büro eine wichtige Aufgabe an einen Schulabgänger delegiert, die Aufgabe nämlich, alle Links auf unserer Webseite durchzutesten und anhand von Screenshots zu dokumentieren, wo etwas nicht funktioniert. Das hat wunderbar geklappt und Claudia entlastet. Wer weiss, vielleicht inspiriert es dich Ähnliches zu wagen.

 

Dies ist vorläufig der letzte Podcast, wo ich aus meiner eigenen Praxis schreibe und spreche. Wir wollen uns nämlich mit einer Serie, von aus meiner Sicht sehr wertvollen Podcasts, beschäftigen. Du kannst sie selber unter “inBindung” finden. Ich werde sie im Refresher jeweils kurz vorstellen und verlinken. Du wirst begeistert sein. 

 

Im heutigen Podcast werden wir eine der Absolventinnen des BRK, des Kurses für Berater*innen und Referent*innen kennenlernen: Katja Wildberger. Sie erzählt uns kurz von sich und dann von ihren Erfahrungen mit dem Experiment vom letzten Refresher. 

Ende Juli wird es keinen Refresher geben, erst wieder Ende August. Bis dahin wünsche ich dir erholsame und erfüllende Sommerferien mit guten Begegnungen mit Menschen und mit Gott. 

Heinz

 

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Refresher 21-05 «Wenn Kinder unzufrieden sind - ein Experiment»

Wenn Kinder unzufrieden sind - ein Experiment

Hast du manchmal unzufriedene Kinder?

Dies, obwohl sie ja alles haben, du für sie sorgst, immer da bist, vorausdenkst, sie rechtzeitig ermahnst, nichts zu vergessen, rechtzeitig loszumarschieren usw. Kränkt dich ihre Undankbarkeit? Nervt es dich, dass sie streiten, statt füreinander da zu sein?

Dabei hast du selber eigentlich eine Herzensbeziehung zu ihnen und sie zu dir, ja sogar eine Join-up Beziehung. Du kannst wunderschöne Gespräche mit ihnen führen, bist nahe dran an ihren Herzen. Dennoch ist der Alltag voll von Unzufriedenheit, Neid und Eifersucht.

Kurz, fühlst du manchmal ohnmächtig und frustriert in der Rolle als Mama?

Wenn das meiste auf dich zutrifft, dann bist du die Person, die ich heute besonders ansprechen möchte. (Du darfst freilich auch ein Papa sein...)

Ich möchte dich einladen zu einem kleinen Experiment.

Wenn du Zeit und Lust hast, erkläre ich dir im – sehr kurzen - Podcast, welche Überlegungen hinter dem Experiment stecken - oder hier in schriftlicher Form.

Du kannst auch einfach zur Tat schreiten und dir selber überlegen, was dahinter stecken könnte.

Worum geht es?

Kinder kommen auf die Welt und sind nicht nur motiviert, sondern darauf angewiesen, dass sie sich aktiv einbringen dürfen. Sie wollen zum Beispiel nicht einfach, dass die Muttermilch in ihren Mund spritzt, sondern sie wollen saugen. Sie wollen die Brust massieren, wollen die Mutter anschauen, mit ihr in Kontakt treten usw. Wenn ihnen solches verwehrt wird, sind sie frustriert und schreien. Die Gehirnentwicklung ist auf die Aktivität der Kinder angewiesen – fast ebenso sehr wie auf die Zuwendung und Liebe der Bezugspersonen. 

Auch als Kleinkinder wollen Kinder aktiv sein, wollen ausprobieren, wollen fühlen, an die Grenzen gehen. 

Wenn Kinder laufend Zuwendung bekommen, ohne dass ihre eigene Zuwendung, ihr eigener Beitrag ans Geschehen funktioniert, löst das in ihnen eine grosse Verunsicherung aus. Sie werden frustriert ohne zu spüren wodurch. Wir spüren ihre Unzufriedenheit und sind versucht unsere Anstrengungen zu intensivieren, ihnen Dinge zu geben, sie zu unterhalten, Liebe zu schenken, sie zu herzen usw. Dabei haben sie vielleicht von all dem schon zu viel. Was ihnen fehlt, ist die Möglichkeit sich einzubringen, die Balance zwischen Nehmen und Geben zu finden. 

Schnell gewöhnen sich Kinder an diese Situation. Sie passen sich an, nehmen es hin, dass ihr Beitrag nicht gefragt ist. Nachdem unser ganzes Nervensystem aufs Energie sparen angelegt ist und wir uns nicht sinnlos aktivieren, sind alle Lebewesen in einem gewissen Sinne auch träge. So kann es passieren, dass  ihre unfreiwillige Passivität und ihre Bequemlichkeit eine unheilige Allianz eingehen. 

Spätestens jetzt erleben wir diese Kinder als faul. Sie vermeiden Anstrengungen, sie wollen unterstützt und angeregt werden. Sonst leiden sie und beklagen sich.

Erwachsene reagieren darauf und sind frustriert, wenn der Umgang mit ihrem Kind immer mehr Anstrengung braucht und immer weniger Effekt zu haben scheint. 

Undankbare und unzufriedene Kinder sind entstanden.

Jetzt beginnt das eigentliche Problem, denn nun deuten wir das moralisch, nehmen es ihnen mit der Zeit übel, geben ihnen entsprechende Feedbacks, bis die Kinder selber schlecht über sich denken, leicht kränkbar werden, quengelig und aggressiv die einen, antriebslos die anderen. 

Vergib mir die nötigen Vereinfachungen hier. Es kann ja auch ganz anders laufen. Wenn du herausfinden willst, ob die Situation deines Kindes mit dieser Betrachtung zu tun hat, dann lade ich dich ein, bei einem Experiment mitzumachen.

Ermögliche es deinem Kind sich selber als Quelle des Glücks anderer zu erleben.

Sorge dafür, dass dein älteres Kind für das jüngere etwas Gutes tun kann.

Wenn ich also vorschlage, dass dein älteres Kind einem jüngeren helfen soll, dann geht es diesmal nicht ums kleinere, sondern um das gute Gefühl des älteren Kindes, etwas Sinnvolles zu tun. Vielleicht kann es ihm ein Büchlein zeigen, ihm ein Spiel beibringen oder es auf einen Botengang mitnehmen. Je nach Alter und Reife halt.

Beim zweiten Experiment geht es darum, dass ihr als ganze Familie herausfindet aus der Einbahnstrasse. Versucht gemeinsam anderen etwas Gutes zu tun. Backt vielleicht zusammen Kekse, die ihr anschliessend als kleine Geschenke in die Milchkästen legt. Ich erinnere mich, was es in uns und den Nachbarskindern ausgelöst hat, als sie uns ein kleines Gebäck brachten. Sie hatten nicht einfach Spass, es war mehr: Erfüllung, sie waren glücklich und wir auch – fast mehr über die Freude der Kinder als über das Gebäck. 

Wenn ich dich im dritten Punkt einlade dich zurückzunehmen und es deinem Kind zu gestatten, Probleme zu haben, um sie selber zu lösen, dann meine ich etwa folgendes: Höre auf, dein Kind anzutreiben. Sag ihm am Abend vorher: Morgen musst du selber schauen, dass du rechtzeitig zur Schule kommst. Ich mache dich auf die Zeit aufmerksam, aber ob du dann entsprechend reagierst oder nicht, das überlasse ich dir. Denkst du, dass du früher aufstehen solltest, wenn dich niemand antreibt? Wahrscheinlich wird das Kind davon absehen. Du wirst mit grosser Wahrscheinlichkeit stauen, dass es selber alles macht, was du bis jetzt von ihm gefordert hast. Freue dich darüber und lass es zu, wenn andere Dinge nicht funktionieren. Mache dich einzig bereit dein Kind zu unterstützen, wenn es deine Hilfe sucht. 

In allen drei Punkten geht es also darum, dass deine Kinder von Objekten zu Subjekten werden dürfen bzw. sollen. Überlasse ihnen den Erfolg, wenn sie rechtzeitig in der Schule ankommen und erst noch mit ihren Sachen. Ermögliche ihnen das gute Gefühl des Erfolges, aber auch das Leiden im Misserfolg. Stehe ihnen bei, aber nutze ihre Energie, nicht deine. Kinder wollen laufen, nicht getragen werden. 

Ich fasse zusammen: 

In diesem Experiment wollen wir davon ausgehen, dass Kinder nicht (nur) Empfänger von Wohltaten sein wollen, sondern Urheber des Schönen und Guten. Wir wollen davon ausgehen, dass sie nicht Objekte, sondern Subjekte sein wollen. 

Man kann auf die Dauer nicht die Liebe der Mitmenschen wahrnehmen, wenn man selber nicht aktiv Taten der Liebe tut. Ein Zuviel an Verständnis und Wertschätzung, ohne gleichzeitig ähnliches mit anderen zu tun, verleitet dazu narzisstische Züge zu entwickeln. 

Über das Phänomen des Narzissmus spreche ich ein andermal ausführlicher.

 

 

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Info 16-02 "Dankbarkeit, ein Gefühl, das zufrieden macht"

Wir wissen es alle: Wir haben es vergleichsweise gut und sollten demnach dankbar sein. Viele danken vor dem Essen, weil sie erkannt haben, wie wichtig es ist, sich das immer wieder bewusst zu machen. Nun, das Bewusstsein löst erst dann Dankbarkeit aus, wenn ich selber sie suche. Anerzogenes oder gar aufgezwungenes Danke-Sagen wirkt eher in der falschen Richtung, sonst wären wir wohl die dankbarste Generation. Wir danken nicht selten tausendmal auf einen Schlag oder mindestens vielmals…  
Wie aber kommen wir zum Gefühl der Dankbarkeit, das ja viel mit Freude zu tun hat? Wenn wir einem Kind etwas schenken, suchen wir ja dieses und kein aufgesetztes Danke. Schon gar nicht wollen wir dem Kind das hässliche Gefühl der Dankbarkeitspflicht aufbürden.
Alles, was selbstverständlich ist, löst bei uns keine Dankbarkeit aus. Alles, was uns zukommt, wo wir denken ein Recht zu haben, ebensowenig. Ein Kind, das das Recht hat, von dir mit dem Auto zur Schule gebracht zu werden, wird nicht dankbar sein. Eines, das denkt, es habe das Recht, dass du dir täglich den Kopf zerbrichst, was ihm Spass machen könnte, wird höchstens unglücklich sein, wenn es dir nicht gelingt. Es wird sich elend und als Opfer fühlen, wenn der Nachmittag langweilig ist, und dir Vorwürfe machen.
Ich denke, es ist wichtig, dass wir in unseren Familien eine klare Sicht dafür bekommen, wofür es ein Recht gibt und was uns fallweise zukommt, weil jemand uns aus freien Stücken etwas Gutes tun will. Das gilt für Kinder und Erwachsene. Wenn alles Pflicht ist, stirbt die Dankbarkeit und damit die Lebensfreude.
Eben merke ich, wie unser letzter Infobrief mit diesem zusammenhängt. Nein, es gibt kein Recht darauf, dass jemand uns liebt. Liebe, die Pflicht ist, ist keine. Lasst uns alle umso dankbarer sein für jene Liebe, die wir geschenkt bekommen.

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 29. Februar 2016

 

Zusammenfassung Livesendung

1. Teil: Dankbarkeit

    • Dankbarkeit ist ein gutes, schönes und positives Gefühl, wenn es echt ist
    • Verpflichtete Dankbarkeit ist unangenehm
    • Man kann ein Kind nicht dankbar stimmen - durch Appell erreicht man das Gegenteil
    • Google Beispiel: Arbeitnehmer viel Freiheit - nach 6 Jahren war Freiheit für viele Arbeitnehmer eine Selbstverständlichkeit - ausser für diejenigen, die dankbar waren
    • Verknappung hilft, sich aus dem Fluch der Selbstverständlichkeit zu befreien
    • Sich freiwillig etwas für eine gewisse Zeit zu entziehen hilft, es wieder zu schätzen
    • Überfürsorglichkeit führt nicht zu Dankbarkeit - den Mittelweg finden
    • Dankbarkeit kann man nicht einfordern, man kann sie aber vorleben!
    • Zentral ist Vorbild der Eltern. Dankbare Eltern sind das beste Tool
    • Ein Kind sollte permanent das Gefühl haben willkommen zu sein
    • Danke sagen ist eine gute und höfliche Gewohnheit. Aber mit einer guten Gewohnheit kann man keine Dankbarkeit erzeugen. Aber Kinder können negativ auffallen, wenn sie diese Anstandsregeln nicht gelernt bekommen haben
    • Man sollte dem Kind nichts schenken, damit es einem dankbar sein muss. Durch die Dankbarkeitspflicht kann es die Freude am Geschenk verlieren
    • Was ein Kind dankbar aufnimmt, bleibt auch länger hängen (z. B. Schule)


2. Teil: Diverse Fragen

    • Grösseres Kind braucht Legitimation der Eltern, dass es sich beim jüngeren Geschwister durchsetzen darf (ohne Gewalt)
    • Kind (3.5 Jahre) ruft nachts nach Mami und schreit umso mehr, wenn der Papi kommt. Kinder rufen primäre Bezugsperson. Könnte helfen, dass der Vater vor dem Einschlafen präsent ist.
    • Phänomen vom Übermut. Bedeutet Kontrollverlust vom Kind. Mit einem Kind in Übermut kann man nicht reden, belehren - man sollte Kind auf friedliche Art dominieren, z. B. die Hände halten - also körperlich eingreifen. Die Übermut ist keine böse Absicht vom Kind. Wichtig: früh eingreifen, z. B. Situation wechseln, in den Arm nehmen und Raum verlassen
    • Kind nicht wegstossen, wenn es sich schlecht benimmt - sondern es zu sich ziehen
    • Ältere Kinder, die nichts mit sich alleine anfangen können: Langeweile aushalten, mit ihnen in die Natur gehen und ihnen ohne Druck Freiraum geben. Natur hilft Emergenz (= das Auftreten qualitativ neuer Eigenschaften) zu entfalten. Müssen nichts leisten, um sich angenommen zu fühlen 
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Info 15-11 "Ist dein Kind undankbar?"

Wenn ja, dann mache dir bewusst, wie frustrierend das für dich im Grunde ist. Wenn jemand deine Dienste, deine Zuwendung oder auch Dinge von dir entgegennimmt ohne ein Zeichen der Dankbarkeit, dann fühlst du dich zu Recht irgendwie beraubt. Vielleicht schüttelst du jetzt den Kopf. Wir haben uns daran gewöhnt, und es gilt als ausgemacht, dass Kinder ja das Recht haben auf Zuwendung, Schutz, Nahrung und Obdach. Ähnlich wie wir selber ja selber wenig dankbar sind für all die Segnungen, die uns zuteil werden. Manchmal schauen wir neidvoll auf Menschen anderer Kulturen, die fröhlicher und dankbarer sind als wir und deshalb wohl glücklicher trotz allen Mangels.

Ich lade dich ein darüber nachzudenken, woran das liegen könnte.

Was meinst du zu dieser These? "Kinder - ja, alle Menschen - haben dann Zugang zur Dankbarkeit und damit zu einem Stück Glück, wenn sie einen Mangel als Bedürfnis wahrnehmen und nicht als ein vorenthaltenes Recht." Wie aber kommen wir dahin? Ein Recht zu haben, ist zwar etwas Schönes. Wichtig wäre es, dankbar dafür zu sein, dass uns dieses Recht zugestanden wird. Es war ja nicht immer so!

Zentral aber ist es, dass wir die Bedürfnislage im Auge behalten. Sie steuert nicht nur die Hierarchie, sondern auch die Gefühle der Dankbarkeit. Wieso soll ein Kind dankbar sein, wenn man ihm eine Frage beantwortet, die es gar nicht gestellt hat? Wieso soll es dankbar sein für das elterliche Coaching, wenn es dieses als Kritik und Gängelei erlebt und die Aufgabenhilfe als mütterlichen Kontrollzwang? Oft ist es deshalb hilfreich zu warten, bis dem Kind ein Bedürfnis bewusst wird, als ihm vorschnell alles Ungemach aus dem Weg räumen zu wollen.Du kennst unseren Leitspruch: “Die wichtigsten Dinge im Leben kann man weder einfordern noch erzwingen: das Vertrauen, die Liebe, den Respekt und letztlich auch nicht den Gehorsam - nur hässliche Kopien davon.” Die Dankbarkeit würde auch in diese Liste gehören, und die “Dankbarkeitspflicht” wäre dann die hässliche Kopie.

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Livesendung vom 30. November 2015

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Info 15-09 "Wer hilft wem?"

«Mama, wo sind meine Turnschuhe?», ruft Pascal (9). Die Mutter macht sich sofort auf die Suche und findet schliesslich nicht die Turnschuhe, sondern ihren Pascal, der auf dem Bänklein im Gang sitzt, vertieft in ein Comicheft. Die Mutter wird ihn jetzt bestimmt auffordern, ihr zu helfen und nicht einfach zu warten.


Interessant ist hier die Frage: Muss man das einem Kind wirklich beibringen? Ich bin überzeugt, dass Kinder sich spontan schuldig fühlen, wenn etwas nicht läuft, wie es sollte - solange sie sich für die Sache verantwortlich fühlen. Kinder zeigen es an, wenn sie für einen Bereich Verantwortung übernehmen wollen. Lassen wir es zu? «Selber!» heisst das Zauberwort. Wenn ein Kind ein Glas in die Hand nimmt, dann übernimmt es damit auch die Verantwortung dafür, was mit dem Inhalt geschieht. Was aber tun wir, wenn es den Sirup verschüttet? Nehmen wir an, das dreijährige Kind sei eben dabei, mit der Serviette und den blossen Händen den Sirup auf dem Tisch zu verteilen. Dabei kommen auch andere Gläser in Gefahr.

Vergleiche die folgenden Szenarien:

«Lass das, du machst es ja nur noch schlimmer!», sagt die Mutter, holt den Lappen und putzt den Tisch.

«Pass doch auf, schau mal, was du angerichtet hast. Hol sofort den Lappen!»

«Moment, komm, wir helfen dir beim Aufwischen!» Alle heben ihre Sachen hoch, der Kleine holt den Lappen und beginnt schon mal. Bei heiklen Stellen wird der Lappen gleich von zwei Händen geführt, von einer kleinen unten und einer grossen darüber. Und das Kind wird spüren: «Wenn mir etwas passiert, dann trage ich die Folgen, aber meine Familie hilft mir und lässt mich nicht im Stich.»

Zurück zu den Turnschuhen. Quizfrage: Welche Szene stammt wohl am ehesten aus Pascals Kindheit?
 
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Info 15-06 "Ich habe Durst!"

Eine scheinbar ganz normale Aussage, und sie könnte so weitergehen: «Darf ich mir ein Glas Sirup machen?» oder auch «Darf ich mir im Keller eine Cola holen?»

Manchmal ist es anders, und die nächste Person, die sich bewegt, ist nicht der Neunjährige, der Durst hat, sondern die Mutter. Sie fühlt sich augenblicklich unwohl, nachdem ihr Kind Durst hat. Sie fühlt sich verpflichtet, diesen Übelstand sofort zu beheben. Vielleicht schlägt sie dem Kind ein paar Getränke vor, die das Kind unwillig ablehnt. «Lieber eine Cola!»

Zugegeben, das mag in dieser Ausprägung selten sein, aber die Gefahr, dass Eltern die Probleme ihrer Kinder zu ihren eigenen machen, ist gross und relativ weit verbreitet. So müssen Kinder gar nicht mehr fragen: «Mama, fährst du mich zur Schule? Ich habe den Bus verpasst.» Sie wissen es: Wenn sie sagen: «Der Scheissbus ist mir vor der Nase davongefahren», kommt ihr Problem und ihr Druck ohne ihr Zutun bei Mama an, und sie wird sich fühlen, als ob sie selber den Bus verpasst hätte. So fällt es ihr auch nicht auf, wenn das Kind die Hilfe für selbstverständlich nimmt und sich auch nicht veranlasst sieht, dankbar zu sein. 

Es ist noch nicht so lange her, da sagten Eltern in dieser Situation: «Geschieht dir recht! Wieso trödelst du so lange? Mach, dass du auf dein Fahrrad kommst!»

Gäbe es da etwas Hilfreiches dazwischen? Ich denke schon. Zum Beispiel so: «Oh, das tut mir leid. Das kann es geben.» Punkt. Das Kind übernimmt für sich die Verantwortung und löst das Problem. Wenn das ganz klar ist, dann sind Mamas frei zu sagen: «Komm, Jonas, ich bringe dich zur Schule. Ich gehe dann gleich noch zu...»

Kinder, die sich gewohnt sind, dass die Erwachsenen ihre Probleme lösen, sind in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. Noch schlimmer: Nicht wenige Kinder lasten ihre Probleme den Eltern an, fordern deren Hilfe ein und verpassen deshalb jene schönen Momente, wo Eltern ein Auge zudrücken. Wie sollen sie, wenn sowieso schon beide zu sind?

Talk über das Monatsthema

Livesendung vom 29. Juni 2015

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Info 14-09 "Respekt beibringen!"

Dieses Thema hat uns schon wiederholt beschäftigt. Stört es dich, wenn Kinder Eltern schlagen? Oder auch wenn sie einander prügeln? Mich stört es noch mehr, wenn Kleine Grössere prügeln als umgekehrt. Mir hilft es nur zum Teil, dass ich darauf vertraue, dass Kinder, wenn sie reifen können, mit etwa sieben Jahren damit aufhören. Es stört mich etwa gleich, wie wenn Nachbars Chihuahua mich in meinem eigenen Garten anbellt. Es hat etwas Entartetes, denn diesem Hündchen ist einfach ein natürliches Gefühl für seinen Platz in der Welt abhanden gekommen. Ähnlich empfinde ich es, wenn Kinder wutschnaubend auf ihre Eltern einschlagen und diese es geschehen lassen. Ich glaube nicht, dass das einem Kind guttut. Man kann respektvoll auf der Seite des Kindes bleiben und es liebevoll in seine Schranken weisen im Wissen, dass dieses Verhalten aus der Unreife kommt. So schützen wir sein Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit. Ich glaube nicht, dass unser Dreijähriger es als Plädoyer für Gewaltfreiheit versteht, wenn wir uns prügeln lassen, sondern als bedrohliche Schwäche. Wir sollten einem Kind nicht jene Signale vorenthalten, die ihm bewusst machen, dass es noch klein und schutzbedürftig ist und es auch sein darf, ohne seine Würde zu verlieren.

Vor ein paar Monaten hat unser fünfjähriger Enkel ernsthaft behauptet, er könne schneller laufen als ich und sowieso als meine Frau. Es war mir sofort klar: Ich selber und auch sein Vater liessen ihn manchmal, wenn nicht gar regelmässig, gewinnen, in der Meinung, das Kind verstehe den Spass. Wie schnell verwirrt man ein Kinderherz!  Es blieb uns nichts, als mehrfach unsere Performance unter Beweis zu stellen... Ich halte auch das Rollenspiel für ein taugliches Mittel, solche Zusammenhänge im Alarmsystem eines Kindes zu verankern bzw. zu festigen, anstatt dieses durch unser unsensibles Verhalten abzubauen. Spiele also eher einmal den Löwen statt das Zicklein. Du kannst es ja am Schluss doch leben lassen...

Talk über das Monatsthema


Livesendung vom 29. September 2014

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