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Info 12-01 "Beziehungsfasten"

Das Wort stammt nicht von mir, und es steht auch nicht im Buch. Aber es gefällt mir. Ein junger Mann, der als Jungschileiter einen Kurs besucht hat, hat es spontan verwendet. Es gefällt mir deshalb, weil man merkt, dass es nicht das selbe ist wie die "Auszeit". Viele Eltern schicken ja ihre Kinder weg, um sie zu bestrafen, wenn sie sich nicht recht benehmen. Beziehungsfasten ist etwas anderes. Hier geht es darum, einem Kind, das im Widerstand ist, bewusst zu machen, dass die Beziehung ihm ja eigentlich etwas bedeutet. Beispiele:

  • Ein Kind, das das Gespräch verweigert, weil es sich der Abhängigkeit nicht mehr bewusst ist.
  • Ein Kind, das nicht motiviert ist, eine Lösung für ein Problem zu finden.

Für so ein Kind kann es sehr hilfreich sein, wenn die Eltern ihre Dienstleistungen und Hilfestellungen herunterfahren, immer aber mit diesen Worten und (!!) Gedanken: "Ich würde dir gerne bei den Hausaufgaben helfen, aber ich möchte, dass wir zuerst das Problem mit dem Facebook so regeln, dass es für beide stimmt." Natürlich muss das alles ehrlich gemeint sein. Also nicht so: "Ich helfe dir erst wieder, wenn du in Sachen Facebook klein bei gibst." Das sieht zwar äusserlich sehr ähnlich aus, ist aber in Wirklichkeit so verschieden wie Tag und Nacht. Ein Kind wird diese Haltung auch dann herausspüren, wenn man VP-Formulierungen gebraucht. So etwa müssten deine Gedanken sein:

  • Ich will wirklich ein Lösung, die auch für mein Kind stimmt. Je tiefer unsere Beziehung ist, desto mehr werden deine Argumente für das Kind Gewicht haben.
  • Meine "Dienstleistungen" sind für mich keine mühsame Pflicht, sondern Dinge, die ich meinem Kind "zu Liebe" tue. Der Verzicht darauf ist auch für mich ein Verzicht.
  • Ich zeige meinem Kind auf anderen Wegen, dass unsere Beziehung stärker ist als alle Schwierigkeiten und dass ich immer auf seiner Seite bin. So vielleicht: "Wir werden eine Lösung finden, aber wir wollen keine Instant-Lösung, die dann niemanden befriedigt."
  • Es ist hilfreich, das Beziehungsfasten nicht stur durchzuziehen. Ein Kind, das merkt, dass die Eltern sich ebenso freuen, bis es vorbei ist, wird in seiner Loyalität gefördert. Es geht eben gerade nicht darum, um jeden Preis konsequent zu sein. Das Kind soll sich nicht deshalb einklinken, weil der Druck zu gross ist, sondern weil es sich bewusst wird, wie wichtig ihm die Beziehung ist und dass es sich lohnt, dafür etwas zu investieren und Kompromisse einzugehen.

Wie du siehst, braucht es fürs Beziehungsfasten eine gewisse Reife. Mit Kindern unter drei bis vier Jahren sollte man grundsätzlich nicht auf Distanz gehen, bzw. sie zur Strafe wegschicken oder gar -sperren, höchstens einmal, um sie vor dem elterlichen Zorn zu schützen und so noch grösseren Beziehungsschaden zu vermeiden. Kleinkinder sind nicht in dem Sinn loyal, dass sie es uns recht machen wollen. Sie bauen unseren Wunsch in ihr Denken ein oder eben nicht, aber sie verzichten nicht aktiv auf etwas, um es uns recht zu machen. Kleine Kinder kann man beeinflussen, wenn sie spüren, dass es uns ernst ist und dass wir auf ihrer Seite sind, auch dann, wenn Kinder quer stehen und zornig sind. Je näher uns die Kinder sind, je tiefer die Bindung ist, desto besser werden sie reifen können. Wenn wir das Vertrauen der Kinder erhalten, bis sie etwa vier sind, beschenken sie uns mit ihrer Loyalität, ein Join-up auf einer neuen Ebene.

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