Refresher

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Info 14-01 "Soll ich mein Kind strafen? Teil 2"

"Ich habe dich ohne Helm in der Stadt gesehen. Wie muss ich das interpretieren?" - "Wer aus unserer Klasse einen Helm trägt, wird ausgelacht und als Kriecher bezeichnet. Alle haben ihn an der Lenkstange." - "Und du, was denkst denn du?" - "Ich weiss schon, aber..." Dieses Gespräch mit dem Oberstüfler könnte dann in die Frage einmünden: “Was würde dir helfen, auch in der Gruppe das zu tun, was du für richtig hältst?” oder auch “Ich sehe, du schätzest die Gefahren anders ein als Mama und ich, aber du möchtest tun, was wir sagen. Was könnte dir dabei helfen?” Nun könnte man die Helmtragepflicht an eine Abmachung knüpfen: “Wenn du schwach wirst und nicht tust, was du selber okay findest, wird das Velo eine Woche lang aus dem Verkehr gezogen.” Schön wäre es, wenn es dann hiesse: “Meinst du nicht, eine Woche sei etwas viel? Würdest du es schaffen, diese Strafe auszuhalten, ohne Umgehungspläne zu schmieden?” - “Vielleicht wären drei Tage besser - nein, doch eine Woche! Wenn ich den Kollegen sagen kann, dass mir das Risiko zu gross sei, macht es die Sache einfacher.” Ein solcher Dialog ist Ausdruck der Join-up-Beziehung. Wenn das Kind im Widerstand gegenüber seinem Vater wäre, wäre eine solche Strafe ein weiterer Baustein der Gegnerschaft. Deshalb geht es immer zuerst darum, ins Join-up zu kommen.

Diese Abmachung kann ein Argument sein in einem Entscheidungsprozess. Für ein Kind, das sich schlecht steuern kann oder das einem unerträglichen Druck ausgesetzt ist, wäre diese Abmachung unfair und würde die Beziehung gefährden. Deshalb haben wir auch im letzten Infobrief betont, wie heikel es ist, Kleinkinder zu bestrafen. Sie können ihr Verhalten nur sehr beschränkt steuern.

Ich möchte diesen Infobrief schliessen mit der Aussicht auf einen dritten Teil, eine Art These, die wir gerne mit euch Lesern diskutieren würden: Strafen in der Familie können nur dann hilfreich sein, wenn sie dem Ziel dienen, ein Klima zu schaffen, wo es ein Minimum von Druck, Angst und Sorgen gibt, weil die Würde aller geschützt wird vor verbaler und physischer Gewalt, vor Demütigungen und Ausgrenzungen.

Livesendung vom 27. Januar 2014

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Info 11-09 "Manchmal brauchen Kinder Grenzen, um frei zu sein"

Marc (13): "Ich gehe am Freitag in den Park mit den Kollegen."
Mama: "Was heisst das? Ich gehe…"
Marc (leicht gereizt): "Wir haben schon abgemacht. Alle gehen. Wir machen ein Lagerfeuer und sitzen ein bisschen ums Feuer. Das ist alles. Was soll da falsch sein dran?"

Was soll die Mama sagen? Es ist ja nichts Ungewöhnliches, dass Oberstüfler abends zusammensitzen wollen. Soll man das als Eltern zulassen oder nicht? Aus vertrauenspädagogischer Sicht könnte es so weitergehen:

Mama: "Weisst du, was mir aufgefallen ist? Du hast mir das mitgeteilt, anstatt zu fragen. Das entspricht nicht unseren Gewohnheiten."
Marc (druckvoll): "Ich muss da hingehen. Alle gehen. Keiner muss zu Hause fragen, nur ich. Das ist unfair."
Mama (ruhig und bestimmt): "Ich habe den Eindruck, dass du unter Druck bist und gar nicht wirklich frei, das zu tun, was du für richtig hältst. Das ist eine gefährliche Sache, Marc. Genau deshalb möchte ich nicht, dass du dort hingehst."
Marc (verzweifelt): "Das kannst du nicht machen, Mama, wie steh ich denn da?"
Mama: "Wir gehen an diesem Abend alle zusammen ins Kino. Das wird dir helfen abzusagen, aber wir müssen unbedingt darüber reden, wie du dich selber bleiben kannst in dieser Klasse, weisst du, so, dass du das machen kannst, was du selber für gut findest. Mir sind nämlich noch andere Dinge aufgefallen…"

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