Infobriefe

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Info 10-07 "Das Wesen der Rebellion"

Heute hat mir ein Jugendlicher eine wunderbare Bestätigung geliefert, dass Rebellion und Kontrolle geschwisterliche Geister sind. Er sagte mir etwa folgendes: "Ich muss einfach vorsorgen. Sobald ich mich nicht mehr wehre, nehmen mir die Erwachsenen alle Freiheit weg. Sobald ich tue, was er sagt, kommen zwei neue Forderungen. Deshalb gibt es für mich keine Alternative." Aus der Sicht der Erwachsenen sieht es umgekehrt aus: "Wenn ich ihm ein bisschen die Zügel loslasse, macht er, was er will. Deshalb muss ich ihn so eng führen."

Siehst du, dass diese beiden Sichtweisen zusammenpassen? Die Eltern getrauen sich nicht, die Zügel loszulassen, und der Junge getraut sich nicht, seine Rebellion aufzugeben. Beide bestätigen mit ihrem Verhalten täglich einander: "Meine Befürchtungen sind berechtigt." Was sich hier abspielt, spielt sich auf allen Niveaus immer wieder ab: in der Familie, am Arbeitsplatz und in der Weltpolitik. Der Ausstieg ist möglich, wenn jemand den ersten Schritt wagt. Dazu ist es hilfreich, wenn beide diesen unseligen Zusammenhang verstehen und sich davon verabschieden, einander üble Absichten zu unterstellen (obwohl vielleicht solche bei beiden auch noch mitmischen).

Falls du in einer ähnlichen Situation bist, dann möchte ich dir Mut machen, den Ausstieg zu wagen. Jugendliche und Kinder wissen mehr über das Leben, als wir Erwachsenen meinen. Ich weiss noch nicht, wie es weitergeht. Immerhin hat mir der Vater heute voller Hoffnung und Dankbarkeit berichtet, dass D bereit sei, seine Rebellion aufzugeben.

Hier noch ein Aufsteller aus dem Forum (Den Anfang müsst ihr selber dort nachlesen.):

Gestern Abend haben V. die Stube und A. die Küche aufgeräumt. Von sich aus :-)! Er hat sogar Spaghetti mit Tomatensauce zum Znacht gekocht. Es waren kaum Hilfestellungen nötig. Es fällt mir richtig auf, dass ich ihnen bis vor kurzem wirklich zu wenig zutraute. Wenn ich ihnen nun sage: Es muss noch dies und das gemacht werden, wer möchte was machen? Dann suchen sie sich fast immer das aus, was sie noch fast nie gemacht haben. Das finden sie wohl spannender. Ist ja eigentlich logisch. Ich kann das alles noch fast nicht glauben :-D.

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Info 10-06 "Jans Ämtli übernehmen"

Jan (9) ist im Stress. Er ist noch nicht fertig mit den Vorbereitungen für seinen Sporteinsatz am Abend. So verzögert sich das Nachtessen, denn sein Job wäre es, aufzutischen. Die andern Kinder, insbesondere auch Janine (7) werden zunehmend ungeduldig, und die Mutter möchte etwas zur Entspannung beitragen.

Variante A:
Sie geht auf Janine zu und sagt freundlich: "Janine, sei so lieb und tische für Jan auf, du siehst ja, dass er im Stress ist."

Variante B:
Sie geht auf Janine zu und flüstert ihr ins Ohr: "Möchtest du zu Jan gehen und ihn fragen, ob er froh wäre, wenn du heute Abend für ihn auftischst?"

In der Realität antwortete Janine ziemlich ungehalten: "Wieso soll ich für ihn auftischen, das ist doch sein Ämtli!?" Was denkst du, welche Variante ging dieser Antwort voraus? Du hast recht, es war die Variante A. Warum aber ist die Variante B so viel Erfolg versprechender?

Die Variante A heisst eigentlich: "Ich erwarte von dir, dass du jetzt Jans Job übernimmst. Eigentlich hättest du selber auf die Idee kommen sollen. (Du siehst ja....)." Wenn Janine es tut, wird der Dank Mama zufallen, denn es war ja ihre Idee. Mama hat also das gute Teil und Janine die Mühe. Das kommt schlecht an. Es ist auch eine der Bitten, die in Wirklichkeit keine sind (Manche Kinder haben Mühe damit, solange man diese Form der Aufforderung nicht einmal zum Thema macht.).

Die Variante B gibt dem Mädchen einen Tipp (deshalb zugeflüstert). Es ist wirklich frei, etwas für seinen Bruder zu tun und dann auch die entsprechende Anerkennung zu bekommen oder aber darauf zu verzichten (Vielleicht hat es ja gute Gründe, dieses Angebot nicht zu machen.).

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