Refresher

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Refresher 22-08 «Reizwort Hierarchie»

Reizwort Hierarchie

Gehörst du auch zu den Menschen denen dieses Wort nicht gefällt? Für mich war es eine echte Herausforderung das Phänomen zu benennen, das mit der Join-up Beziehung gemeint ist. Du erinnerst dich: Das Wort habe ich von Monty Roberts, dem Pferdeflüsterer übernommen.

Er beschreibt damit jene Beziehung, die Gewalt im Umgang mit Pferden überflüssig macht. Die menschlichen Join-up Beziehungen sind ähnlich. Auch hier geht es um die zwei Elemente: Hierarchische Ordnung und Vertrauen. Obwohl wir ja beim Vertrauen sofort zustimmen, liegen hier gewaltige Schwierigkeiten, die ich gerne in einem späteren Refresher thematisiere. Eltern tun sich schwer damit, Kindern zu vertrauen - “aus Erfahrung” heisst es dann.

Diesmal wollen wir uns um die Hierarchie kümmern. Andere aus dem Team schlagen vor, eher von Rangfolge zu sprechen. Nun, in beiden Fällen denken wir automatisch an den Mehrwehrt der Überordnung und deshalb vom Minderwert der Unterordnung. Auch diese Wörter “unter” und “über” lösen je nachdem schon Widerstand aus.

In diesem Refresher möchte ich dich ermutigen, diese ideologischen Bedenken wegzustecken und dich auf einen anderen Blick auf soziale Ordnungen einzulassen. Natürliche Gemeinschaften sind alle hierarchisch, ob das nun Wölfe sind, Kühe oder Gruppen von Menschen. Bei uns Menschen gibt es darüber hinaus partnerschaftliche Beziehungen. Reife Menschen sind fähig solche Beziehungen zu leben. Es ist gewissermassen die Hohe Schule des Zusammenlebens und selbst in modernen Ehen nicht immer einfach… Wie üblich sollten wir nicht mit der Hohen Schule anfangen, sondern jene elementaren Dinge lernen, die im hierarchischen Zusammenleben wichtig sind. Was zeichnet gute Leiter aus - unabhängig ob das Bundesräte, Mütter oder ältere Geschwister sind? Es geht weniger um Macht, die jemand ausübt, sondern um das Phänomen der Fürsorglichkeit: Ich kümmere mich um dein Wohl. Meine Leitung versteht sich als hilfreiche Unterstützung. Jesus spricht davon, dass der Leiter ein Diener sei. Insbesondere Kleinkinder bis etwa sieben Jahre sind darauf angewiesen, in solchen Strukturen zu leben, damit sie reifen können und fähig werden, Beziehungen auf Augenhöhe zu gestalten.

Ich habe mich mit Anne Dinger, einer Absolventin des BRK - des Berater-und Referentenkurses über das Thema ausgetauscht. Dies ist der Link zum Podcast. Er dauert eine knappe halbe Stunde.

 

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Refresher 22-07 «Wenn der Schulerfolg ausbleibt»

Wenn der Schulerfolg ausbleibt

Keine Angst, es geht uns heute nicht um eine Kritik der Schule im Allgemeinen oder gar der Lehrkräfte im Besonderen. Nein, es geht doch vielen Eltern so, dass sie sich fragen, warum ihr Kind dies oder jenes nicht begreift, obwohl das anderen Kindern, die doch nicht schlauer sind (ganz im Gegenteil…...), ganz leicht fällt. 

Warum kann mein Kind einen Text nicht fliessend vorlesen, obwohl es die Buchstaben schon lange kennt? Warum scheint sich mein Kind so gar nicht um die elementaren Regeln der Rechtschreibung zu kümmern? Wieso kann mein Kind zwar rechnen, hat aber bei Satzaufgaben keine Idee, was man rechnen muss, obwohl es doch ganz logisch ist?

Es gibt zahllose Gründe, warum ein Kind schlechte Schulnoten hat und leidet. Einige Zusammenhänge und Lösungsvorschläge habe ich in den Büchern "Vertrauens Schule" und “Lernen UND Reifen” dargestellt. In diesem Refresher betrachten wir einen ganz anderen Aspekt. Lernschwierigkeiten können auch daher rühren, dass ein Kind anders wahrnimmt und denkt als du und ich. Wenn ich “du” sage, dann meine ich zum Beispiel nicht Stephanie Reimann, denn sie kennt diese Probleme aus der Innensicht. Sie wird uns ihre Geschichte und die fantastische Welt der Davis-Methode vorstellen. Vielleicht kommt dir, wenn du den Podcast hörst, ein Kind aus deinem Bekanntenkreis in den Sinn und du kannst die Eltern auf das Seminar aufmerksam machen, das Stephanie am 21. September anbietet. Online - so dass alle dabei sein können. 

Eine zentrale Theorie dabei ist jene von Ron Davis. Ich habe seinen Ansatz vor Jahrzehnten kennengelernt. Damals hat ein Sekundarschüler, der sich schriftlich nicht verständlich ausdrücken konnte, innerhalb einer einzigen Davis-Woche derart spektakuläre Fortschritte gemacht, dass er nachher ein fast normaler Schüler war, der heute erfolgreich im Leben steht. Vorher brachte er während einer halben Stunde selten mehr als ein paar Wörter mit krakeligen Buchstaben zu Papier, nachher schrieb er fast normal und endlich fanden seine schlauen Ideen den Weg zu uns Lehrkräften. Mündlich war das freilich vorher schon der Fall. Immer wieder wundere ich mich seither darüber, dass Ron Davis’ Erkenntnisse, sein Therapieansatz, keinen breiten Eingang gefunden haben in unser Bildungssystem. Vielmehr hat man die Legasthenie - darum geht es hier unter anderem - ziemlich aus den Augen verloren.

Umso erstaunter war ich, von Stephanie zu hören, dass es in Neuseeland eine Schule gibt, wo diese Gedanken zur Grundausstattung gehören. Hört mein Gespräch mit ihr. Es dauert gut 13 Minuten und soll und kann natürlich ihr Seminar nicht vorwegnehmen, aber es eröffnet dir vielleicht eine neue Sicht auf diese Phänomene.

 

 

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Refresher 22-06 «Sucht beginnt mit 3 - Teil 2!»

Sucht beginnt mit 3 - Teil 2!

Was, wenn du feststellst, dass dein Kind tatsächlich fast nur am Gamen Spass hat und selten an gemeinsamen Aktivitäten oder gar bei der gemeinsamen Arbeit? Was, wenn dein Kind sich von der Familie eher zurückzieht und dafür permanent in Kontakt ist mit seinen Kollegen? All diese Dinge haben mit unserer Art zu tun, Kinder aus der realen Welt eher zu verbannen als ihnen Zutritt zu gewähren, wenn sie ihn suchen. Wie wir im letzten Refresher gesehen haben, erreicht die Bereitschaft der Kinder, sich an unserem Leben, an unserer Arbeit zu beteiligen, im dritten Lebensjahr ihren Höhepunkt. Aber schon vorher imitieren sie uns und nehmen die Atmosphäre auf. Sie fühlen sich als Teil unserer Lebenswelt, fühlen sich eingeladen und zugehörig. Das gibt ihnen ihre Identität. Aber wie gesagt, deine sind jetzt vielleicht längst nicht mehr in diesem Alter. Dennoch kann man sie wieder ins Boot holen. Das hat sich in den letzten Monaten deutlich gezeigt. 

Ich möchte dich deshalb einladen ein Experiment zu wagen: 

Führe - zusammen mit deinen Kindern und deine/r PartnerIn - eine neue Art ein den Haushalt zu machen oder zumindest einen Teil davon: Erklärt gemeinsam eine gewisse Zeit für “ablenkungsfrei”, also frei von Handys und anderen Bildschirmen, aber auch von Comics, Büchern und dergleichen. Alle sind eingeladen mitzumachen beim Haushalt - oder, und das ist entscheidend - einfach zuzuschauen und sich vielleicht Gedanken zu machen, wie Abläufe verbessert werden könnten. Der Zwang zur Arbeit wäre kontraproduktiv. Wer nicht arbeitet, gehört genauso dazu. Du denkst, dann mache keiner was? Nun, das ist Teil des Experimentes. Hör dir den Podcast an. Claudia erzählt dir, wie es bei ihr kam. Sie lebt zusammen mit ihrem Partner und ihren vier Kindern in einem grossen Haus. Sie war zunächst verständlicherweise nicht motiviert ihr “running system” infrage zu stellen. Für mich ganz überraschend wagte sie dann das Experiment doch.

 

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Refresher 22-05 «Sucht beginnt mit 3!»

Sucht beginnt mit 3!

Ich freue mich sehr über das grosse positive Echo, das das Thema TEAM-Erziehung in den Menschen auslöst. Insbesondere in den Beratungen spüre ich das enorme Potenzial dieser Herangehensweise. Im TEAM etwas zu tun ist für viele Kinder attraktiv, die sich sonst gegen jeden Auftrag wehren. Leider aber oft nicht attraktiver als mit dem fortzufahren, was sie gerade tun und das ist in vielen Fällen verbunden mit einem Bildschirm. 

Es gibt wohl kaum etwas, was in allen Familien so ähnlich abläuft wie der Kampf gegen den übertriebenen Gebrauch des Handys und Tablets. Man könnte nun denken, dass die Digitalisierung schuld sei an diesem Elend. Tatsache ist, dass das echte Leben schon immer Gefahr lief von fiktiven Welten in den Hintergrund gedrängt zu werden. Waren es früher Bücher, waren es später Comics. Ich selber verschlang zeitweise ganze Stapel davon. Sie ersparten mir das viele Lesen. Heute tun das Hörbücher.

Es wird Zeit, dass wir darüber nachdenken, ob es nicht vielmehr darum ginge das reale Leben so zu gestalten, dass Kinder in einem wichtigen Bedürfnis abgeholt werden: Dazuzugehören, gebraucht zu werden, ein sinnerfülltes Leben zu haben. 

Geht es nicht sogar vielen von uns Erwachsenen so? Wir finden im Alltag nicht so recht Erfüllung und hangeln uns deshalb von Spassevent zu Spassevent, um uns im Gleichgewicht zu halten. 

Wahrscheinlich sind die meisten von uns bereits die Opfer der Entwicklung, die ich in der Vortragsreihe über TEAM Erziehung darstelle (und auch Lösungen aufzeige). Höre dir auch den Podcast an, wenn du dich angesprochen fühlst. Er hat die Form eines Interviews. Viel Spass dabei.

 

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Refresher 22-04 «TEAM - Erziehung»

TEAM - Erziehung

Toll, Ein Anderer Machts. Diese wenig schmeichelhafte Deutung der Anfangsbuchstaben des Wortes TEAM entspricht vielleicht auch deiner Wahrnehmung. Es wäre nicht weiter erstaunlich, denn uns wurde ja als Kinder schon beigebracht, dass jeder seine eigenen Probleme lösen soll, jeder soll in Ordnung bringen, was er verbockt hat usw. Wenn er also das Problem von jemand anderem löst, bleibt doch sein eigenes bestehen. Ein Verlustgeschäft. Das Verursacherprinzip beherrscht unser Denken und Fühlen. Die Digitalisierung schafft die Voraussetzung, dass unser Karma, also die Summe unserer guten Taten und der Vergehen zentral gespeichert wird. In China ist man da am “weitesten”. Ich bin überzeugt, dass wir uns in der Familie von diesem Prinzip verabschieden und dafür das Solidaritätsprinzip hochhalten sollten. Ich werde deshalb den TEAM-Begriff an der Frühlingstagung anders konnotieren. Ich folge dabei in etwa dem Bestseller von Michaeleen Doucleff: “Kindern mehr zutrauen”.

Teilnahmen lassen
Einladen, Ermutigen
Autonomie schützen
Minimiere Korrekturen

Wenn du dich darauf einlassen magst, wirst du sehen, wie begabt Kinder darin sind, sich in ein Team einzufügen. Je jünger sie sind, desto weniger werden sie sich verweigern. Solange wir darauf verzichten sie zu nötigen oder gar zu zwingen, sie unter moralischen Druck zu setzen usw. werden die meisten gute Teamplayer, die nicht dauernd angeschoben werden müssen. Wenn es dir geht, wie den meisten und du feststellen musst, dass das alles schon längst geschehen ist und die Kinder gelernt haben sich zu entziehen, dann lohnt es sich, an die Frühlingstagung zu kommen oder die Aufzeichnungen nachträglich anzuschauen. 

Vielleicht erinnerst du dich an den Podcast über die 3. Bindungsstufe, den wir dir im Februar empfohlen haben. Dort geht es um Zugehörigkeit, um Besitz und Besitzanspruch in dieser Bindungsstufe, den Dreijährige meist erreichen. Ein Aspekt fehlt in jenem Podcast, der nämlich, dass dein Kind nicht nur auf deine Loyalität angewiesen ist, sondern dass es seinerseits ein fundamentales Bedürfnis hat loyal zu sein. Du kannst dich sicher noch erinnern: Wenn du mit dem Besen hantiertest, wollte dein Kind genau diesen Besen. Als Zweijährige wollen Kinder uns einfach nur imitieren. Im dritten Lebensjahr geht es darum uns zu unterstützen, uns zu helfen, in unserem TEAM zu sein, am gleichen Strick zu ziehen. Genau da werden die Kinder in unserer Kultur in der Regel tiefgreifend frustriert. Ihr Angebot kommt oft nicht an. Wir schicken sie lieber zum Spielen weg, denn meist ist ihr Beitrag im Blick auf die aktuelle Arbeit eher kontraproduktiv. Indigene Völker rund um den Globus gehen hier einen anderen Weg, schreibt Michaeleen Doucleff, sie investieren in dieser Zeit, sie lassen die Kinder teilnehmen. Sie nehmen sie überall hin mit. Bei uns können wir das vielleicht noch in bäuerlichen Familienbetrieben beobachten. Aber auch dort ist der Zeitgeist dabei intuitives Wissen zu verdrängen. Magst du mithelfen, hier Gegensteuer zu geben?


Im Podcast gehe ich ein bisschen näher darauf ein.

 

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Hier das der Podcast zu diesem Refresher.

 

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Refresher 22-03 «InBindung 6: Bindung über die Wertschätzung»

Hilfsbereitschaft - mehr als Gehorsam / Unser Beratungs-Team

Wir unterbrechen hier die Serie über die Podcasts von InBindung. Ich möchte dich nämlich mit diesem Refresher einladen, dich mit einem brennenden Thema zu beschäftigen. Brennend im doppelten Sinn des Wortes. Es ist eben auch ein schmerzhaftes Thema. Wenig verletzt Eltern so, wie das Gefühl, ausgenutzt zu werden. Immer nur zu geben usw. Dieser Text steht auf dem Flyer zur Frühlingstagung am 21. Mai 2022 in Frauenfeld. 

Führst du auch einen mühsamen Kampf gegen die Trägheit deiner Kinder oder hast du ihn schon aufgegeben? Viele westliche Familien sind geprägt dadurch, dass Kinder sich zwar als Mitglieder der Familie sehen, meist stolz sind auf ihre Eltern und nirgendwo sonst leben möchten, sich aber in Sachen Mitarbeit im und ums Haus eher als Gäste fühlen. Sie akzeptieren Ämtli, helfen je nachdem, aber sie sehen die Arbeit in der Regel nicht selber und fühlen sich höchstens verantwortlich für Dinge, die sie selbst verursacht haben. “Ich habe das nicht liegen lassen, das ist nicht mein...” An dieser Tagung möchten wir euch Wege aufzeigen, wie Kinder – und Erwachsene – zu einem Team zusammenwachsen können. 

Kinder wollen nicht Gäste sein. Sie wollen Subjekte sein, nicht Objekte.

In Frauenfeld und auf diesem Video kannst du auch unser Beraterinnen-Team kennenlernen. Falls du auf Facebook uns folgst, kannst du dort diesen Text lesen: 

Zweitens möchte ich euch ermutigen - nachdem es jetzt nicht mehr Eigenwerbung ist - Beratung in Anspruch zu nehmen. Es kann dein Leben als Mama oder Papa, als Opa oder Oma wirklich nachhaltig verändern. Vieles, was Eltern tun, dient dazu Kinder glücklich zu machen. Hast du auch schon daran gedacht etwas in dich zu investieren? Die Kinder würden davon wohl am meisten profitieren. Hier kannst du dich anmelden.

Falls du diesen Text auf Facebook gefunden hast, teile ihn doch mit deinen Freunden.

 

Podcast des Monats (dieses Mal ein Video)


Hier das Video zur vorstellung der neuen Beraterinnen.

 

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Refresher 22-02 «InBindung 6: Bindung über die Wertschätzung»

InBindung 6: Bindung über die Wertschätzung

In der Betrachtung der Bindungsstufen nach Dr. Gordon Neufeld kommen wir nun zu einer ganz entscheidenden Stufe. Es ist jene, wo Kinder aktive Partner werden. Sie folgen nicht mehr nur ihrem Entwicklungsfahrplan, sondern wir spüren, wie sie sich aktiv um die Bindung bemühen. Dies vor allem deshalb, weil sie sich bewusst werden, dass sie ja gar nicht immer loyal sein wollen. Sie haben zwar schon vorher eigene Pläne, aber jetzt, mit vier Jahren kommt die Zeit, wo sie oft frustriert sind, weil ihr eigener Wille mit jenem der Eltern kollidiert. Nicht zufällig sprach man vom Trotzalter. Für uns Eltern und Grosseltern ist es eine grosse Herausforderung, die Kinder durch diese Zeit zu führen, an ihnen festzuhalten und ihnen zu zeigen: Du bist mir wichtig, du gehörst zu uns, auch und gerade dann, wenn du nicht immer tust, was wir sagen und vor allem nicht dann, wenn wir es einfordern. Es ist die Zeit, wo Kinder leicht in den Gegenwillen geraten. Sie haben immer irgendwie die Frage im Herzen: “Liebt ihr mich auch, wenn ich nicht so brav bin?” 

Für Kinder in diesem Alter ist es besonders wichtig, dass wir klar kommunizieren. Im “zwei” des Join-up-Gitters. (siehe Seite 27 bis 32 im Buch “Erziehen im Vertrauen”)*. Wenn sie uns dennoch nicht - sofort - folgen, gilt es das hinzunehmen um später nachzufragen: “Du hast nicht auf mich gehört, als ich… Gab es da ein Problem für dich?” Das Kind soll es spüren: Die Erwartung ist da, aber meine Eltern sind nicht abhängig von meinem Gehorsam. Deshalb zwingen sie mich nicht. 

So oder ähnlich können wir in dieser Phase denken. Wenn das Kind daraus den Schluss zieht, dass es ja eigentlich kooperativ sein will - nicht muss, dann ist nicht nur für diese Phase viel gewonnen, sondern für ein ganzes Leben. Dieser Unterschied wird seine Motivwelt prägen und damit seinen Umgang mit anderen Menschen und - was vielleicht noch wichtiger ist - sein Gottesbild. Viele Christen folgen Jesus nach, weil sie Angst haben vor den möglichen Folgen, wenn sie eigene Wege gehen. Gehörst du auch zu ihnen? Dann hat es vielleicht mit deinen Erfahrungen in diesem Alter zu tun. Ich glaube, dass es für Gott viel wichtiger ist, warum wir etwas tun, als was wir tun. Er will unser Herz, genauso wie wir die Herzen unserer Kinder wollen und nicht nur deren “Tun, was wir sagen”. 

Im Webinar “Ganz normale Traumen” ist auch dies ein zentrales Thema, welchem wir diesen und am nächsten Mittwoch nachgehen werden. 


* Falls du diesen Abschnitt in deinem Buch nicht findest, solltest du dein Buch eintauschen gegen ein aktuelles. Es lohnt sich. Schreibe einfach bei Bemerkung: “Aktualisierung”, dann senden wir es dir zum halben Preis.

 

Hört dazu den Podcast von InBindung. Wirklich hörenswert. 

 

 

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Refresher 22-01 «InBindung 5: Bindung über die Zugehörigkeit und Loyalität»

InBindung 5: Bindung über die Zugehörigkeit und Loyalität

 

Es gibt wohl kaum etwas Rührenderes, als wenn ein dreiähriges Kind seiner Mama die Tasche tragen will und sie doch so viel zu schwer ist. 

Kinder kennen manchmal ihre Möglichkeiten und Grenzen nicht, aber sie wissen: Ich bin auf Mamas Seite. Sie zu unterstützen gibt mir das Gefühl richtig zu sein. Kinder erleben wohl in dieser Zeit viele erfüllende Momente. Erfüllung ist mehr als Spass, ja sogar mehr als Freude. Ich kann mich noch an solche Momente erinnern, wo ich für meinen Vater durch knietiefen Schnee watete, weil er etwas vergessen hatte. Ich war wie in einem Flow. Freilich, ich war wohl älter als drei. Die Dreijährigen binden sich vor allem über dieses Gefühl der Loyalität. Geben wir ihnen Gelegenheit - auch wenn das nicht immer effizient ist.

Es ist das Alter, wo Kinder entdecken, was MEIN bedeutet. Sie wissen es: das ist meine Mama, mein, Papa, meine Puppe. Das mit dem DEIN kommt erst hinterher. Geduld ist da angesagt.

Hört dazu den Podcast von InBindung. Echt hörenswert. 

Nun noch etwas in eigener Sache: Letzten Herbst ist ein wichtiges Element zum ganzen Konzept der Vertrauenspädagogik dazugekommen, das in allen Seminaren seither einfliesst. Wenn du Kleinkinder hast, Kinder unter sieben also, empfehle ich dir dringend ein Online Seminar zu besuchen, das wir in nächster Zeit anbieten. Du wirst ähnliche Aha-Erlebnisse haben wie bei der ersten Begegnung mit Vertrauenspädagogik.
Wenn du schon etwas Erfahrung hast, eignet sich das Seminar "Ganz normale Traumen" wohl am besten. Sonst bieten wir schon bald wieder einen "Crahskurs +" an, wobei das + für dieses spzielle Thema steht.

 

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Refresher 21-11 «InBindung 4: Bindung über die Gleichheit»

InBindung 4: Bindung über die Gleichheit

Im Vorfeld des Festes der Liebe - so nennen es auch Leute, die mit Jesus nichts anfangen können. Immerhin, der zentrale Aspekt der Botschaft Jesu ist noch da. Wenn du auch zu den Menschen gehörst, die an Weihnachten bewusst den Geburtstag Christi feiern, dann hat das viel mit deiner Identität zu tun. Du fühlst dich zugehörig. Vielleicht fühlst du dich als richtiges Kind Gottes. Ich wünsche es dir von Herzen. 

Für mich hat dieser Begriff mit der Entdeckung der Vertrauenspädagogik eine ganz neue Bedeutung bekommen. Mit Jesus verbunden zu sein, heisst dann, in seiner Liebe sein. Die Liebe als zentralen Antrieb zu entdecken und an die erste Stelle zu setzen ist mein Ziel, das ich nicht aus eigener Kraft erreichen kann - ja nicht einmal aus eigener Kraft wollen kann. Es ist vielmehr die Anziehung, die Jesus auf mich ausübt, seit ich mir meiner Identität neu bewusst bin. Sie hat mir bewusst gemacht, dass es grundsätzlich zwei Arten von Motivation gibt: Jene, die von innen kommt und jene die von aussen kommt. Die intrinsische und die extrinsische, um es mit den Fachbegriffen zu sagen. Für mich ist eine andere Unterscheidung wichtiger geworden: Bei den intrinsischen gibt es zwei Motivstrukturen: Jene, die aus der Liebe kommen, aus dem Angezogensein des Guten, Schönen und Richtigen. Dann gibt es die andere Seite, die aus der Angst kommt, nicht richtig zu sein. Das Sinnen und Trachten dient dazu, Übel zu vermeiden - nicht das Gute zu erreichen. Jesus ist nicht auf die Welt gekommen, um uns unter Druck zu setzen, ja das richtige zu tun, damit wir nicht ins Gericht kommen, sondern damit wir im Vertrauen auf Ihn davon ausgehen, dass die Liebe immer der beste Weg ist, selbst, wenn es im Moment nicht danach aussieht. 

Im Podcast, den ich dir heute empfehle, geht es um die Bindung über die Gleichheit. Kinder ab dem zweiten Lebensjahr binden sich so und gleichen ihr Denken und Verhalten dem ihrer Bezugspersonen an. Sie lernen zum Beispiel das Sprechen und das aufrecht Gehen. Sie übernehmen deren Gewohnheiten, Haltungen und Meinungen. Später gleichen sie sich vielleicht eher ihren Gleichaltrigen an oder auch ihren Idolen, es sei denn, sie finden und behalten ihre Identität in der Familie, auch und gerade dann, wenn sie diese - spätestens in der Pubertät - einer gründlichen Prüfung unterziehen. Schön ist es, wenn ein Kind während der ganzen Zeit spürt: Hier gehöre ich dazu, hier bin ich zuhause, unabhängig davon, wo ich in diesem Prozess gerade stehe. Das ist der beste Schutz vor schädlichen Einflüssen aller Art und es ist auch die beste Voraussetzung dafür, als Kind Gottes seine Identität und Bestimmung zu finden.

 

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Refresher 21-06 «Wenn Kinder unzufrieden sind - Teil 2»

Wenn Kinder unzufrieden sind - Teil 2

Hast du beim Experiment mitgemacht, das ich im letzten Refresher angeregt habe? Wenn nein, hast du noch ein Leben lang Zeit dafür… Denn die folgenden zentralen Sätze werden gültig bleiben: 

  • Kinder wollen Subjekte sein, Menschen, die etwas bewegen und bewirken, nicht nur Objekte der Beschulung und der Betreuung. 
  • Und was auch bleiben wird, obwohl viele Kinder das Gegenteil erleben: Kinder wollen sich an den Eltern orientieren, sie fühlen tief in sich die Aufgabe, sich ans Leben der Eltern anzupassen - nicht umgekehrt. 

Wenn Eltern ihnen das Gefühl geben, dass sie selber keine Pläne und Interessen haben für Ausflüge und Ferien, sondern einzig nach Spiel- und Spassarealen für die Kinder Ausschau halten, dann fehlt den Kindern etwas Wichtiges: Sie möchten nämlich erleben, was ihre Eltern begeistert, freut, inspiriert - oder anrührt. Im Idealfall springen solche Vorlieben und Haltungen auf Kinder über. So entstehen dann Gelegenheiten gemeinsam etwas zu erleben, was fasziniert und erfüllt. Wie traurig ist es, wenn Leute so über ihr Freizeitverhalten sprechen: “Wir machen nur Dinge, wo die Kinder ihren Spass haben, sonst sind sie ohnehin unerträglich.”  Ist das nicht ein Jammer? Wie sollen Kinder denn erkennen, dass die Eltern auch ein Leben haben ausserhalb derer, Kinder aufzuziehen und zu diesem Zweck Geld zu verdienen, eine entsprechende Behausung zu bauen oder zu mieten? Hier gilt dann freilich: Pro Kind ein Zimmer muss sein. Früher passte sich die Wohnung dem Budget der Eltern an. War das so falsch? Ich erinnere mich noch, als wir in unser Haus einzogen (zugegeben auch wir haben pro Kind ein Zimmer gebaut…) da wollten die Kinder zunächst alle im gleichen Zimmer schlafen, wie sie es sich gewohnt waren. Wir einigten uns dann auf das Beziehen von zwei Zimmern, eines für die beiden Jungs und eines für die beiden Mädchen. So blieb es jahrelang. Vielleicht ist das mit ein Grund dafür, dass sie jetzt seit Jahren erfolgreich das Zimmer mit ihren Partner*innen teilen….

Für Kinder Opfer zu bringen ist zweifelsohne unerlässlich und namentlich am Anfang der Elternschaft herausfordernd, aber lieber früher als später sollten wir über sie denken wie unsere Vorfahren: Wow, was für ein Segen, Kinder zu haben, die einem so viel abnehmen. Tönt ziemlich weltfremd, ich weiss, aber vielleicht ist es gerade deshalb wahr. 

Eben haben wir in dieser Hinsicht eine gute Erfahrung in eigener Sache gemacht. Wir haben in unserem Büro eine wichtige Aufgabe an einen Schulabgänger delegiert, die Aufgabe nämlich, alle Links auf unserer Webseite durchzutesten und anhand von Screenshots zu dokumentieren, wo etwas nicht funktioniert. Das hat wunderbar geklappt und Claudia entlastet. Wer weiss, vielleicht inspiriert es dich Ähnliches zu wagen.

 

Dies ist vorläufig der letzte Podcast, wo ich aus meiner eigenen Praxis schreibe und spreche. Wir wollen uns nämlich mit einer Serie, von aus meiner Sicht sehr wertvollen Podcasts, beschäftigen. Du kannst sie selber unter “inBindung” finden. Ich werde sie im Refresher jeweils kurz vorstellen und verlinken. Du wirst begeistert sein. 

 

Im heutigen Podcast werden wir eine der Absolventinnen des BRK, des Kurses für Berater*innen und Referent*innen kennenlernen: Katja Wildberger. Sie erzählt uns kurz von sich und dann von ihren Erfahrungen mit dem Experiment vom letzten Refresher. 

Ende Juli wird es keinen Refresher geben, erst wieder Ende August. Bis dahin wünsche ich dir erholsame und erfüllende Sommerferien mit guten Begegnungen mit Menschen und mit Gott. 

Heinz

 

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Refresher 21-05 «Wenn Kinder unzufrieden sind - ein Experiment»

Wenn Kinder unzufrieden sind - ein Experiment

Hast du manchmal unzufriedene Kinder?

Dies, obwohl sie ja alles haben, du für sie sorgst, immer da bist, vorausdenkst, sie rechtzeitig ermahnst, nichts zu vergessen, rechtzeitig loszumarschieren usw. Kränkt dich ihre Undankbarkeit? Nervt es dich, dass sie streiten, statt füreinander da zu sein?

Dabei hast du selber eigentlich eine Herzensbeziehung zu ihnen und sie zu dir, ja sogar eine Join-up Beziehung. Du kannst wunderschöne Gespräche mit ihnen führen, bist nahe dran an ihren Herzen. Dennoch ist der Alltag voll von Unzufriedenheit, Neid und Eifersucht.

Kurz, fühlst du manchmal ohnmächtig und frustriert in der Rolle als Mama?

Wenn das meiste auf dich zutrifft, dann bist du die Person, die ich heute besonders ansprechen möchte. (Du darfst freilich auch ein Papa sein...)

Ich möchte dich einladen zu einem kleinen Experiment.

Wenn du Zeit und Lust hast, erkläre ich dir im – sehr kurzen - Podcast, welche Überlegungen hinter dem Experiment stecken - oder hier in schriftlicher Form.

Du kannst auch einfach zur Tat schreiten und dir selber überlegen, was dahinter stecken könnte.

Worum geht es?

Kinder kommen auf die Welt und sind nicht nur motiviert, sondern darauf angewiesen, dass sie sich aktiv einbringen dürfen. Sie wollen zum Beispiel nicht einfach, dass die Muttermilch in ihren Mund spritzt, sondern sie wollen saugen. Sie wollen die Brust massieren, wollen die Mutter anschauen, mit ihr in Kontakt treten usw. Wenn ihnen solches verwehrt wird, sind sie frustriert und schreien. Die Gehirnentwicklung ist auf die Aktivität der Kinder angewiesen – fast ebenso sehr wie auf die Zuwendung und Liebe der Bezugspersonen. 

Auch als Kleinkinder wollen Kinder aktiv sein, wollen ausprobieren, wollen fühlen, an die Grenzen gehen. 

Wenn Kinder laufend Zuwendung bekommen, ohne dass ihre eigene Zuwendung, ihr eigener Beitrag ans Geschehen funktioniert, löst das in ihnen eine grosse Verunsicherung aus. Sie werden frustriert ohne zu spüren wodurch. Wir spüren ihre Unzufriedenheit und sind versucht unsere Anstrengungen zu intensivieren, ihnen Dinge zu geben, sie zu unterhalten, Liebe zu schenken, sie zu herzen usw. Dabei haben sie vielleicht von all dem schon zu viel. Was ihnen fehlt, ist die Möglichkeit sich einzubringen, die Balance zwischen Nehmen und Geben zu finden. 

Schnell gewöhnen sich Kinder an diese Situation. Sie passen sich an, nehmen es hin, dass ihr Beitrag nicht gefragt ist. Nachdem unser ganzes Nervensystem aufs Energie sparen angelegt ist und wir uns nicht sinnlos aktivieren, sind alle Lebewesen in einem gewissen Sinne auch träge. So kann es passieren, dass  ihre unfreiwillige Passivität und ihre Bequemlichkeit eine unheilige Allianz eingehen. 

Spätestens jetzt erleben wir diese Kinder als faul. Sie vermeiden Anstrengungen, sie wollen unterstützt und angeregt werden. Sonst leiden sie und beklagen sich.

Erwachsene reagieren darauf und sind frustriert, wenn der Umgang mit ihrem Kind immer mehr Anstrengung braucht und immer weniger Effekt zu haben scheint. 

Undankbare und unzufriedene Kinder sind entstanden.

Jetzt beginnt das eigentliche Problem, denn nun deuten wir das moralisch, nehmen es ihnen mit der Zeit übel, geben ihnen entsprechende Feedbacks, bis die Kinder selber schlecht über sich denken, leicht kränkbar werden, quengelig und aggressiv die einen, antriebslos die anderen. 

Vergib mir die nötigen Vereinfachungen hier. Es kann ja auch ganz anders laufen. Wenn du herausfinden willst, ob die Situation deines Kindes mit dieser Betrachtung zu tun hat, dann lade ich dich ein, bei einem Experiment mitzumachen.

Ermögliche es deinem Kind sich selber als Quelle des Glücks anderer zu erleben.

Sorge dafür, dass dein älteres Kind für das jüngere etwas Gutes tun kann.

Wenn ich also vorschlage, dass dein älteres Kind einem jüngeren helfen soll, dann geht es diesmal nicht ums kleinere, sondern um das gute Gefühl des älteren Kindes, etwas Sinnvolles zu tun. Vielleicht kann es ihm ein Büchlein zeigen, ihm ein Spiel beibringen oder es auf einen Botengang mitnehmen. Je nach Alter und Reife halt.

Beim zweiten Experiment geht es darum, dass ihr als ganze Familie herausfindet aus der Einbahnstrasse. Versucht gemeinsam anderen etwas Gutes zu tun. Backt vielleicht zusammen Kekse, die ihr anschliessend als kleine Geschenke in die Milchkästen legt. Ich erinnere mich, was es in uns und den Nachbarskindern ausgelöst hat, als sie uns ein kleines Gebäck brachten. Sie hatten nicht einfach Spass, es war mehr: Erfüllung, sie waren glücklich und wir auch – fast mehr über die Freude der Kinder als über das Gebäck. 

Wenn ich dich im dritten Punkt einlade dich zurückzunehmen und es deinem Kind zu gestatten, Probleme zu haben, um sie selber zu lösen, dann meine ich etwa folgendes: Höre auf, dein Kind anzutreiben. Sag ihm am Abend vorher: Morgen musst du selber schauen, dass du rechtzeitig zur Schule kommst. Ich mache dich auf die Zeit aufmerksam, aber ob du dann entsprechend reagierst oder nicht, das überlasse ich dir. Denkst du, dass du früher aufstehen solltest, wenn dich niemand antreibt? Wahrscheinlich wird das Kind davon absehen. Du wirst mit grosser Wahrscheinlichkeit stauen, dass es selber alles macht, was du bis jetzt von ihm gefordert hast. Freue dich darüber und lass es zu, wenn andere Dinge nicht funktionieren. Mache dich einzig bereit dein Kind zu unterstützen, wenn es deine Hilfe sucht. 

In allen drei Punkten geht es also darum, dass deine Kinder von Objekten zu Subjekten werden dürfen bzw. sollen. Überlasse ihnen den Erfolg, wenn sie rechtzeitig in der Schule ankommen und erst noch mit ihren Sachen. Ermögliche ihnen das gute Gefühl des Erfolges, aber auch das Leiden im Misserfolg. Stehe ihnen bei, aber nutze ihre Energie, nicht deine. Kinder wollen laufen, nicht getragen werden. 

Ich fasse zusammen: 

In diesem Experiment wollen wir davon ausgehen, dass Kinder nicht (nur) Empfänger von Wohltaten sein wollen, sondern Urheber des Schönen und Guten. Wir wollen davon ausgehen, dass sie nicht Objekte, sondern Subjekte sein wollen. 

Man kann auf die Dauer nicht die Liebe der Mitmenschen wahrnehmen, wenn man selber nicht aktiv Taten der Liebe tut. Ein Zuviel an Verständnis und Wertschätzung, ohne gleichzeitig ähnliches mit anderen zu tun, verleitet dazu narzisstische Züge zu entwickeln. 

Über das Phänomen des Narzissmus spreche ich ein andermal ausführlicher.

 

 

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Info 15-07 "Was treibt mich an?"

Hast du Lust, über eine spannende Frage nachzudenken? In den Ferien können wir es uns ja leisten, uns eingehend mit uns selber zu beschäftigen. Die Kinder funktionieren da ja oft ohne unser Dazutun…

Fast jede Handlung, ja fast jeden Gedanken können wir zwei grundlegenden Motiven zuordnen. Entweder, ich tue oder plane etwas aus Liebe - oder aus irgendeiner Form der Angst. Dazu gehört ganz besonders die Sorge. Nicht etwa die Für-sorge. Jene entspringt in der Regel der Liebe. Nein, viele Handlungen entspringen dem Wunsch, Unannehmlichkeiten oder gar Schmerzen abzuwehren. Ein Beispiel: Ich sage meinem Kind: «Nein, jetzt gibt es kein Eis.» Dieser eine Satz könnte beiden Quellen entspringen. Entweder sorge ich mich um das Wohl meines Kindes, oder aber ich habe Angst, dass mein Kind immer mehr Eis will oder dass die Umstehenden denken, ich könne nicht nein sagen. Oder ich denke, dass ich ja dann auch eins nehmen würde, und das wäre schlecht für meine Linie.

Du könntest auch antworten: «Ja, hier hast du Geld.» Und auch diese Antwort könnte beiden Quellen entspringen. Vielleicht möchtest du deinem Kind einfach einen Wunsch erfüllen, weil du es liebst. Vielleicht aber scheust du den Konflikt mit ihm. Vielleicht... Meine These: Alle deine Weisungen und Bemerkungen, die aus der Liebe kommen, seien es Jas oder Neins, lösen Segen aus. Alle, die sich aus irgendeiner Form von Angst, Furcht oder Sorgen nähren, eher nicht. Bitte mache dir doch Gedanken, ob es Handlungen bzw. Pläne gibt, die sich aus beiden Quellen gleichzeitig speisen. Dann wollen wir am Montag zur gewohnten Zeit darüber ins Gespräch kommen. 

 

Livesendung vom 27. Juli 2015

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Info 12-05 "Warum Schimpfen in der Regel kontraproduktiv ist"

Wenn man Kinder (und auch Erwachsene) beschimpft oder anklagt, reagieren sie in aller Regel mit Verteidigung und Gegenwehr oder gar mit Aggression. Seltener mit dem echten Eingeständnis von Schuld und der entsprechenden Bereitschaft zur Umkehr. Wieso ist das so?

Menschen denken und handeln auf zwei Motiv-Ebenen. Die eine, tiefer liegende Ebene bestimmt das Handeln. Da sind nicht immer nur edle Motive wirksam. Auf der anderen Ebene ist unsere "Zurechtlegung", jene Motive also, die mir gefallen und die ich auch gerne kommuniziere. Sie sind in meinem Bewusstsein, die anderen verbannen wir gerne in die Dunkelkammer unseres Gehirns. Deshalb finden die Menschen ihr eigenes Handeln in der Regel ok. 

Klagt man uns an, dann entfalten wir unsere Zurechtlegung wie der Pfau sein Rad. Die unedleren Motive geraten noch mehr in den Hintergrund. Wir fühlen uns je länger je mehr im Recht und je nachdem als bedauernswertes Opfer, und somit sind wir weiter entfernt von der Einsicht als vor der Zurechtweisung. 

"Meinrad hat auch... Ich habe nur...", so beginnt vielleicht die Antwort auf die elterliche Rüge. Dass er verbotenerweise den Compi eingeschaltet hat, tritt in den Hintergrund. Der Kopf ist ausgelastet mit dem Ausbreiten der entlastenden Umstände. Der Gedanke, dass er doch tun darf, was sein Bruder tut, tritt in den Vordergrund, und dass es nicht ok ist, ihn zu beschuldigen ohne gleichzeitig Meinrad verantwortlich zu machen. Und die Beschränkung des Computergebrauchs an sich wird ihm als scheussliche Willkür immer deutlicher vor Augen stehen... 

Ja, aber was wäre die Alternative zum Schimpfen in dieser Situation? Je tiefer die Beziehung zu deinem Kind ist, je mehr sich dein Kind angenommen fühlt trotz seiner dunklen Seiten, je mehr du fragst anstatt zu urteilen oder gar zu unterstellen, desto eher wird es sich getrauen, einen Blick in die unteren Schichten zu wagen, zu bereuen und umzukehren. Entwicklung kommt aus der Annahme - nicht umgekehrt.

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