Refresher

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Refresher 23-02 «Wer passt sich an?»

Kürzlich hörte ich einer Pädagogin zu, die erzählte, wie sie den Verzicht auf Belohnung und Bestrafung umsetzt. Nicht wahr, es tut immer gut, wenn man die eigenen Gedanken von jemand anderem hört. Man fühlt sich bestärkt in seiner Meinung. 

Dann aber erzählte sie, was sie tat, als ihr Vater einem ihrer Kinder sagte: “Wenn du etwas übrig lässt im Teller, heisst das, dass du keinen Hunger hast, dann bekommst du auch kein Dessert.” Die Absicht dieses Opas ist offensichtlich. Mit dieser Massnahme wollte er erreichen, dass das Kind aufisst. So machte man das früher. Mir geht es wie dieser Pädagogin. Mir gefällt es, wenn Kinder merken, wann sie genug haben. Foodwaste kann man anders verhindern. Wo ich ihr dann aber nicht mehr folgen konnte, war beim Punkt, wo sie sich für ihr Kind einsetzte: Es sollte nicht bestraft werden, wenn es nicht aufass und sollte nicht auf das Dessert verzichten müssen. Der Opa zeigte sich einsichtig und auch in der Schule erreichte sie, dass Lehrkräfte sich überzeugen liessen, auf Belohnungen und Bestrafungen zu verzichten. Offensichtlich gelang es ihr zu überzeugen. In mir bleibt dennoch ein Unbehagen. 

Wenn wir als Eltern auf Belohnungen und Bestrafungen verzichten, wenn es uns ein Anliegen ist, dass sich unsere Kinder bedingungslos geliebt fühlen, dann sind wir auf einem guten Weg. Wenn wir aber unseren Kindern vorenthalten, sich beim Grossvater,  im FC, in der Schule usw. anzupassen, dann erweisen wir ihnen einen Bärendienst. Sie sollen lernen, Regeln zu übernehmen, ohne sich dabei schlecht zu fühlen. Ja, und sie sollen Druck und Strafen nicht vorschnell als Liebesentzug und als Zurückweisung interpretieren, sondern als Aufforderung sich anzupassen. Wie fatal wäre es doch, wenn ihr Kind an Opas Liebe zweifeln würde, nur weil seine Erziehungsmethoden etwas verstaubt sind. Kinder sind in der Lage, sich den abstrusesten Situationen anzupassen. Längst nicht immer tut ihnen das gut. Ich denke an Kinder von kranken oder gar süchtigen Eltern, die Verantwortung für sich und ihre Geschwister übernehmen müssen. 

Es kann nicht die Aufgabe der Eltern sein, dem Kind eine Welt einzurichten, wo ihm Adaptionsprozesse “erspart” bleiben. Kinder brauchen solche Erfahrungen und es ist an uns Eltern und Grosseltern, ihnen dabei zu helfen. Dr. Gordon Neufeld beschreibt die Fähigkeit von Menschen, sich an Unabänderliches anzupassen, als zentralen Reifungsprozess. 

Viele Jugendliche unserer Zeit ertragen es nicht, wenn sie in der Lehre Arbeiten erledigen müssen, die ihnen nicht gefallen. Andere können damit locker umgehen. Sie fühlen sich weder herabgesetzt noch gar gedemütigt.  Und ja, manchmal ist es wichtig, Widerstand zu leisten, gegen den Strom zu schwimmen, aber dann soll es nicht aus mangelnder Reife geschehen. 

Mache deinen Kindern bewusst, dass sie stolz darauf sein können, wenn es ihnen gelingt, schwierige Situationen hinzunehmen, Frustrationen zu überwinden, ohne sich als Verlierer oder gar als Opfer zu fühlen.

 

Im Podcast liest uns Heinz Etter den Refresher vor und stellt sich im Anschluss den Fragen von Claudia Feierabend.

 

Podcast des Monats


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Info 14-02 "Gewalt unter Geschwistern - Strafen Teil 3"

Strafen in der Familie können nur dann hilfreich sein, wenn sie dem Ziel dienen, ein Klima zu schaffen, wo es ein Minimum an Druck, Angst und Sorgen gibt, weil die Würde aller geschützt wird vor verbaler und physischer Gewalt, vor Demütigungen und Ausgrenzungen.
Mit dieser These habe ich den letzten Teil beendet. Davon wollen wir heute ausgehen. Kinder brauchen einen geschützten Raum, deshalb sind Geschwister so geschaffen, dass sie sich gegenseitig lieben und achten. Leider wird dieses Potenzial oft nicht ausgeschöpft. VP versucht, hier Wege zu zeigen: 1. Geschwister sollen hierarchisch zusammenleben, geprägt von Fürsorglichkeit der Älteren und Gehorsam aus dem Vertrauen der Jüngeren. 2. Wir brauchen einen neuen Umgang mit Frustration: Viele Kinder werden ausserhalb der Familie derart mit Frust beladen, dass dieser zu Hause in Form von Geschwisterstreit ausgetragen wird. An dieser Situation lässt sich nur schwer etwas ändern, es sei denn, man sorgt für eine weniger frustrierende Schulsituation. Wenn wir diese Frustration bejahen und als gegeben hinnehmen, können wir anders damit umgehen. Es gilt, Verhalten einzuüben, die unserer Gesellschaft weitgehend fehlen: Aggression zeigen, ohne zu verletzen und somit den Frust den schwächeren Mitmenschen weiterzugeben. Erwachsene wie Kinder können es lernen: Man kann schreien ohne anzuschreien. Man kann Dinge schmeissen oder zerreissen, ohne jemandem damit wehzutun. Wenn Eltern vorangehen, stehen die Chancen gut. Aber es braucht auch einen gewissen Druck, wenn sich hier etwas ändern soll: Wer sich nicht an diese Regel hält, der sollte bestraft werden, so, wie es vereinbart ist, so, wie es alle mittragen können und wollen, und vor allem so, wie ein Kind es ertragen kann, ohne erneut frustriert zu werden. Es braucht aber auch die Bereitschaft zu vergeben, immer wieder neu anzufangen, und es braucht zuerst den Mut zu glauben, dass es anders geht. Nur weil wir uns daran gewöhnt haben, ist ein Übel noch lange nicht unabänderlich.

Talk über das Monatsthema


Livesendung vom 24. Februar 2014

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Info 14-01 "Soll ich mein Kind strafen? Teil 2"

"Ich habe dich ohne Helm in der Stadt gesehen. Wie muss ich das interpretieren?" - "Wer aus unserer Klasse einen Helm trägt, wird ausgelacht und als Kriecher bezeichnet. Alle haben ihn an der Lenkstange." - "Und du, was denkst denn du?" - "Ich weiss schon, aber..." Dieses Gespräch mit dem Oberstüfler könnte dann in die Frage einmünden: “Was würde dir helfen, auch in der Gruppe das zu tun, was du für richtig hältst?” oder auch “Ich sehe, du schätzest die Gefahren anders ein als Mama und ich, aber du möchtest tun, was wir sagen. Was könnte dir dabei helfen?” Nun könnte man die Helmtragepflicht an eine Abmachung knüpfen: “Wenn du schwach wirst und nicht tust, was du selber okay findest, wird das Velo eine Woche lang aus dem Verkehr gezogen.” Schön wäre es, wenn es dann hiesse: “Meinst du nicht, eine Woche sei etwas viel? Würdest du es schaffen, diese Strafe auszuhalten, ohne Umgehungspläne zu schmieden?” - “Vielleicht wären drei Tage besser - nein, doch eine Woche! Wenn ich den Kollegen sagen kann, dass mir das Risiko zu gross sei, macht es die Sache einfacher.” Ein solcher Dialog ist Ausdruck der Join-up-Beziehung. Wenn das Kind im Widerstand gegenüber seinem Vater wäre, wäre eine solche Strafe ein weiterer Baustein der Gegnerschaft. Deshalb geht es immer zuerst darum, ins Join-up zu kommen.

Diese Abmachung kann ein Argument sein in einem Entscheidungsprozess. Für ein Kind, das sich schlecht steuern kann oder das einem unerträglichen Druck ausgesetzt ist, wäre diese Abmachung unfair und würde die Beziehung gefährden. Deshalb haben wir auch im letzten Infobrief betont, wie heikel es ist, Kleinkinder zu bestrafen. Sie können ihr Verhalten nur sehr beschränkt steuern.

Ich möchte diesen Infobrief schliessen mit der Aussicht auf einen dritten Teil, eine Art These, die wir gerne mit euch Lesern diskutieren würden: Strafen in der Familie können nur dann hilfreich sein, wenn sie dem Ziel dienen, ein Klima zu schaffen, wo es ein Minimum von Druck, Angst und Sorgen gibt, weil die Würde aller geschützt wird vor verbaler und physischer Gewalt, vor Demütigungen und Ausgrenzungen.

Livesendung vom 27. Januar 2014

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Info 13-12 "Soll ich mein Kind strafen? Teil 1"

Gerade in der Weihnachtszeit treffen sich oft Kinder, die sich vielleicht selten sehen, und bleiben erst noch länger wach als üblich. Die neuen Spielsachen machen das Zusammenwirken auch nicht einfacher. Wie schnell kommt es da zum Streit, und wir Erwachsenen kommen unter Druck zu reagieren.
Nachdem Weihnachten jetzt ja vorbei ist, haben wir Zeit darüber nachzudenken, und wie immer geht es darum zu verstehen, statt zu urteilen.
Bei Vorschulkindern gibt es meistens dann Probleme, wenn die Hierarchie nicht klar ist. Das ist bei Gleichaltrigen fast vorprogrammiert. Ob sich ein Kind gut einem älteren unterordnen kann, hängt ganz fest davon ab, wie das ältere Kind seine Rolle wahrnimmt. Wenn es mit dem Widerstand des kleineren rechnet und sich schnell mit Machtmitteln durchzusetzen sucht, wird es eher zu Konflikten kommen. Je klarer das ältere führen kann ohne gegnerisch zu werden, desto eher wird sich das jüngere unterordnen können ohne sich dabei schlecht zu fühlen. Manchmal geschieht das aus vielerlei Gründen trotzdem nicht und das kleinere setzt sich mit Schlägen durch. Diese kindlichen Verhalten sind in der Regel spontan und nicht die Folge einer kindlichen Überlegung. Die Aussicht auf eine Strafe hat deshalb wenig Einfluss auf die Entscheidungen.
Die wohl einzige “Strafe”, die in solchen Situationen Sinn macht, ist das vorübergehende Trennen der Kinder. Wichtig ist es, auf der Seite des Kindes zu bleiben und ihm zu helfen, das Geschehene richtig einzuordnen. “Bist du so wütend geworden….?” Je nachdem kann man nach kurzer Zeit einen neuen Anlauf nehmen. Kinder sind dann auch schnell dafür zu gewinnen, die Hand zu reichen und zu vergeben. Dann brauchen sie vielleicht ein bisschen Hilfe, damit das Spiel von Fürsorglichkeit und Unterordnung funktioniert. Vielleicht braucht es deine Autorität als Unterstützung: “Du darfst zuschauen, du musst das Büchlein halten. So geht es.”
Wenn keine Erwachsenen da sind, lösen Kinder solche Konflikte oft gut selber, vielleicht deshalb, weil sich das ältere Kind freier fühlt sich durchzusetzen. Wenn wir aber da sind, dann erwarten die Kinder zu Recht, dass wir für Gerechtigkeit sorgen.
Bei älteren Kindern sieht die Sache anders aus. Darüber wollen wir in einem späteren Infobrief nachdenken.

Talk über das Monatsthema

Livesendung vom 30. Dezember 2013

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