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THEMA: 'Gegengift'

'Gegengift' 1 Jahr 8 Monate ago #6208

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Wir haben zwei Mädchen.H(bald 6) und M(bald 3). H habe ich vier Jahre voll zu Hause gehabt und Dank VP immer versucht sie, und später auch ihre jüngere Schwester, ohne Druck zu führen sondern auf die Bindungskräfte zu vertrauen. Wenn sie mal im Gegenwillen feststeckte oder die Gestaltungskräfte einfach stärker waren habe ich es mit Humor und klarer Führung im Alpha sehr oft geschafft, dass sie mir folgen konnte und wollte. Sätze wie 'Wenn du das nicht machst gibt es xy nicht' oder 'Wenn du jetzt schön brav bist, gehen wir nachher ein Eis essen' kannte H nicht. Diese Art der Führung war für sie völlig unbekannt.
Nun geht sie seit einem Jahr in einen Kindergarten der viele tolle Eigenschaften hat. Aber leider gibt es dort Erzieher, die aus der Ohnmacht heraus kein anderes 'Werkzeug' kennen ausser Druck und Belohnung. Hannah reagiert darauf sehr stark. Sie ist das bravste (Zitat Erzieher) Mädchen in ihrer Gruppe. Ich denke sie ist das ängstlichste Mädchen und dadurch das angepassteste Mädchen und von aussen betrachtet brav.
Was mich nun sehr beschäftigt ist, dass sie diesen Führungsstil natürlich mit nach Hause bringt und ihre kleine Schwester nur noch so führt. Jedes Mitmachen ist an Bedingungen geknüpft. M wird fast ausschliesslich unter Druck gesetzt und kann sich einen eigenen Willen gar nicht mehr erlauben.
Meine Frage: was ist das 'Gegengift', dass wir einsetzen können - ausser natürlich sie aus dem Kindergarten zu nehmen. Das ist für uns als Familie im Moment leider keine Option.
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'Gegengift' 1 Jahr 8 Monate ago #6211

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Eine spannende Geschichte. Dein Kind ist gut an die Lehrkraft gebunden, was an sich eine gute Sache ist. Sie hat ein weiches Herz und reagiert deshalb sehr fein auf Druck. Das bringt ihr gute Feedbacks ein und verführt sie nun dazu, dasselbe auch zuhause zu leben.
Kinder haben kein Problem mit unterschiedlichen Führungsstilen.
Ihr steht jetzt vor der schwierigen Aufgabe euren Stil zuhause durchzusetzen. Das könnte vielleicht so gehen: (Unter vier Augen - ja nicht vor den jüngeren Geschwistern: "H, du führst nicht mehr so, wie wir das machen und wollen. Wir möchten nicht, dass du mit deinen Geschwistern spielst solange das so bleibt. Spiel besser für dich alleine. Wir wollen, dass du deine Geschwister so führst wie wir! dich führen." Es kann sein, dass sie dann sehr frustriert wäre, aber hoffentlich weich genug für die Adaption. Was meinst du dazu?
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'Gegengift' 1 Jahr 8 Monate ago #6212

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Liebe HannahMama

Ich kenne diesen Spagat sehr gut, und es ist nicht immer ganz einfach, in der Praxis damit umzugehen. Trotzdem können wir die Kinder nicht davor bewahren. Selbst wenn wir sie aus der Schule nehmen, werden sie anderswo damit konfrontiert werden.
Meine Erfahrung ist, dass Kinder Unterstützung brauchen, um ihre Erfahrungen und Verletzungen die durch ihr Erleben ausserhalb der Familie entstanden sind, zu verarbeiten. Für uns Eltern heisst das, mit dem Kind im Gespräch zu sein, ihm Raum zu geben, um erzählen zu können, und über seine Gefühle sprechen zu können. Gerade wenn das Kind im Kindergarten sehr angepasst ist, ist es umso wichtiger dass es im geschützten Rahmen zuhause die Möglichkeit hat, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Eine wunderbare Möglichkeit ist hier auch das Spiel. Gerade wenn Gespräche nicht so gut möglich sind, ist das spielerische Verarbeiten eine tolle Sache.

Weiter macht es auch Sinn dem Kind, altersgerecht natürlich, zu erklären dass die Lehrperson (oder wer auch immer) das anders handhabt, aber dass sie es auch gut meint. Mit dem Erklären konnte ich vielen Verletzungen vorbeugen, bzw. ihnen die Spitze nehmen. Ich versuchte ihnen auch zu vermitteln, dass sie bei uns Eltern auch angenommen sind, wenn sie eine Strafe kassieren, einen Stein abgeben müssen, oder was es da auch immer gibt. Hier die Balance zu finden zwischen "sich nicht gegen die Lehrperson stellen, und damit das Kind in einen Bindungskonflikt bringen" und "trotzdem in der eigenen Haltung klar bleiben" ist nicht immer einfach. Aber es ist möglich!

Innerhalb der Familie würde ich versuchen sie zu coachen, ihr vorzumachen, wie ihr das handhaben wollt. Vielleicht ganz konkret in einzelnen Situationen vorzeigen, aber ohne Anklage, und ohne dass das jüngere Geschwister das mitbekommt.

Ich bin sicher dass du das, mit dem wunderbaren Fundament dass du gelegt hast, hinkriegst!
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'Gegengift' 1 Jahr 8 Monate ago #6213

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@ admin:
Ich habe sie so in der Art schon versucht zu führen. Sie entgegnet mir dann, dass ich ja jetzt das gleiche mache: wenn sie nicht so tut wie ich möchte, dann MUSS sie alleine spielen. Es gelingt mir nicht diese Intervention nicht als Strafe rüber zu bringen.
Auch wenn ich dann mit ihr mittrauere, erfährt sie es als 'unter Druck setzen'.
Und vielleicht ist es das ja sogar?! Ich weiss es manchmal einfach nicht.
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'Gegengift' 1 Jahr 8 Monate ago #6214

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@Bäretatze:
Vielen Dank für die ermutigenden Worte!
Wir versuchen das. Gleichzeitig verlässt mich manchmal der Mut, weil es gefühlte tausend Situationen sind, die ich ansprechen könnte und ich sollte es ja nicht vor dem jüngeren Geschwister machen und dann vergesse ich es abends manchmal oder bin einfach zu faul.
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'Gegengift' 1 Jahr 8 Monate ago #6215

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Nun ja, da dürfen wir auch grosszügig sein mit uns selber. Wir müssen nicht "jede Schlacht kämpfen". Konzentriere dich auf Schlüsselsituationen, und sei immer wieder dran, aber nicht im Sinne von "jede Situation muss besprochen sein." Schlussendlich ist es ein Weg den ihr gehen müsst. Und deine Tochter wird dabei viel lernen über Führung. :)
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