Kleinkind will nicht aufräumen

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3 Jahre 1 Monat her #6611 von godlovedchild
Frage
Hallo. Wir hatten gerade folgende Situation. Morgens hatte der 3 Jährige mit den Spielküche-Untensilien gespielt , die nun noch auf dem Boden herumlagen,- nicht vieles, ein Tellerchen voll Spielgemüse und Spielnudeln. Dann wollte er auf einmal mit dem Flieger und anderen Autos spielen. Ich sagte zu ihm. " Gell, du möchtest jetzt gerne mit dem Flieger spielen. ?" Er: " Ja, Mama, schau...." Ich: " Oh ja , dein Flieger fliegt richtig hoch. " und dann " Schau mal, wir räumen schnell die Küchensachen auf dem Boden weg, dann stolperst du nicht". Er:" NEIN!"
Ich habe dann etwas angefangen und ihn motiviert, " schau, wir machen es tusammen, dann gehts direkt schnell" ( wäre eine Sache von 10 Sekunden gewesen)... und drückte ihm das Tellerchen mit Sachen zum Wegräumen in die Hand. Er jedoch - wie gesagt gerade 3 Jahre- nahm das Tellerchen und schleuderte alles wieder auf den Teppichboden. Er lachte mich aus. Ich nahm ihn dann abermals bei der Hand und hob die Dinge nochmals auf und gab sie ihm, wieder warf er den Teller hoch dass alles umherpurzelte und lachte mich wieder aus.

Mittlerweile bin ich mit dem Ansatz der Vertrauenspädagogik so verunsichert und durcheinander, dass ich schon gar nicht mehr weiss, was ich wirklich tun soll.

Jedenfalls nahm ich den Kleinen und setzte ihn an den Essenstisch und stellte das wegzuräumende Spielküchentellerchen samt Inhalt vor ihn und sagte:" Schau, das hier muss weggeräumt werden, bevor du wieder spielen gehst". Dann kam er zur Einsicht, nahm das Tellerchen mit Inhalt und trug es zur entspechenden Spielzeugkiste.

War das nun richtig, war es falsch? Fakt für mich ist, dass das Verhalten des Kindes so nicht geht. Und ich finde, man kann auch nicht alles immer nur auf die Bindung schieben. " Wäre das Kind richtig an dich emotional gebunden, gäbe es diese aufmüpfige Situation nicht". Das scheint mir so nicht stimmig.

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3 Jahre 1 Monat her #6612 von admin
Antwort
Danke für diesen spannenden Bericht. In der Tat verstehen alle VP falsch, wenn sie denken, dass Kinder, die grundsätzlich im Join-up und gut gebunden deshalb immer gehorsam sind.
Das Problem, das ich bei dir wahrnehme ist, dass du offenbar darauf angewiesen warst, dich durchzusetzen. Du hast dich so von deinem Kind abhängig gemacht. Du hast völlig sinnvoll mit ihm gesprochen und so versucht, seine Kooperation zu erhalten bzw. zu erreichen. Du solltest dich aber nie davon abhängig machen oder gar deinem Kind signalisieren: Wenn du tust, was ich sage, haben wir es gut zusammen, sonst nicht. Es ist viel weniger aufwändig und langfristig zielführender, wenn du in solchen Situationen denkst! und sagst: "Oh ich sehe, du schaffst es im Moment nicht gehorsam zu sein. Das ist kein Problem. Mami springt für dich ein." Wie tönt das für dich?
lg Heinz

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3 Jahre 1 Monat her #6613 von godlovedchild
Antwort
Das ist natürlich eine steile Herausforderung und wirklich entgegen all dem was sonst so in pädagogischen Büchern steht
. Dementsprechend misstrauisch bin ich dem gegenüber natürlich - ehrlich gesagt und sicher nicht unbegründet. Wie reagieren den zu schulende Pädagogen auf solch eine Idee? Also wenn du in einem Seminar so etwas erwähnst? Sicher gibt es da die Rückfrage, " lassen mich dann die Kinder nicht immer die Arbeit machen?" "Ver-ziehe ich mir dann die Kinder nicht eher, so dass sie lernen,- wenn ich nicht gehorsam bin ist es ja egal, dann machts meine Mama halt alleine!"
Soll eine solche Reaktion nur im Kleinkindalter erfolgen oder auch z.B bei 5 und 9 Jährigen?

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3 Jahre 1 Monat her - 3 Jahre 1 Monat her #6614 von tiqva
Antwort
Liebe Godlovedchild,

Die Vertrauenspädagogik geht davon aus, dass Kinder grundsätzlich kooperieren wollen. Und dass sie, wenn sie es nicht tun, einen für sie guten Grund dafür haben.

Als ich das zum ersten Mal hörte, hat das mein ganzes christlich geprägtes Menschenbild auf den Kopf gestellt. Ich bin mit der Grundhaltung aufgewachsen, dass wir Menschen grundsätzlich böse sind und von Grund auf erzogen werden müssen, weil in uns nichts Gutes ist. Daraus hat sich irgendwie die Idee entwickelt, dass Kinder noch viel "böser" sind und noch viel mehr Erziehung benötigen. Zugleich ist das Menschenbild entstanden, dass wir Erwachsenen grundsätzlich "besser" sind als Kinder, dass unsere Herzen reiner und unsere Motive edler sind.

Die Vertrauenspädagogik hat mit der oben genannten Prämisse mein ganzes Menschenbild verändert. Sie geht davon aus, dass unsere Kinder wie wir selber Ebenbilder Gottes sind, und dass sie - wie wir selber Gott vertrauen möchten - das Bedürfnis haben, unsere Führung im Vertrauen anzunehmen. Ja, sie brauchen unsere Führung und nehmen sie gerne an. Nur sind wir selber uns und unseren Kindern immer wieder im Weg. Seltsame Menschenbilder, unreifer Umgang mit Ärger, verdrehte Bedürfnislage (ich brauche, dass mein Kind gehorcht -> ich bin abhängig vom Gehorsam meines Kindes), welche die Hierarchie ins Wanken bringt, uvm. sind Dinge, die der Vertrauensbeziehung immer wieder schaden. Von Natur aus neigen wir dann dazu, den Gehorsam mit Druck zu erzwingen. Glaub mir, ich habe das trotz VP so lange immer wieder versucht und bin heute noch dran umzulernen. Wie ich mir auch das neue Menschenbild - wir sind Ebenbilder Gottes, unsere Kinder sind gleichwürdig, sie haben gute Gründe für ihr Verhalten etc. - immer wieder vor Augen halten muss. Ich bin so sehr anders geprägt, dass es viele Auseinandersetzungen damit braucht.

Wir haben vier Kinder, und sie sind alle selber ziemliche Alpha-"Tierchen". Und trotzdem kann ich aus vollem Herzen sagen: Wenn wir auf ihre Bereitschaft, uns zu "folgen" im doppelten Sinne, vertrauen, entsteht Gutes daraus. Und wir selber lernen manchmal am meisten.

Herzliche Grüsse!
Last edit: 3 Jahre 1 Monat her by tiqva.

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3 Jahre 1 Monat her #6615 von godlovedchild
Antwort
Ja da sprichst du mir gerade aus der Seele . Ich komme mir gerade so vor, als würde ich total auf den Kopf gestellt werden mit der VP. Das Meiste, was an bisher las, gilt nicht mehr. Gleichzeitig ist in mir noch ein grosses Misstrauen der VP gegenüber ( und natürlich damit auch den Kindern)... und ja so ists, genau die gleichen Gefühle und Gedanken hatte ich auch." von der Bibel her gedacht ist der Mensch doch böse..."

Kennst du Paul David Tripp und sein Buch " Parenting"? Er stellt darin einige Prinzipien christlicher Erziehung vor. Auch sehr aussergewöhnlich. Eines sprach mich sehr an: er verwies darauf, dass wir genauso Sünder sind wie unsere Kinder- also auch nicht besser. Wir bedürfen der Gnade Jesu genauso wie unsere Kinder unserer Gnade und der von Jesu bedürfen. Und er führte auch die Bibelstelle mit dem steinernen und fleischernen Herz an. Wie schnell kann sich ein steinernes Herz bilden, bei uns als Eltern wie auch beim Kind. Und steinerne Herzen, soP.D.Tripp in seinem Buch, können sich nicht mehr umformen. Weich und formbar sind nur die fleischernen Herzen, von denen uns Gottes Wort berichtet. Ja und da gehts hin, so sehe ich auch die VP , wieder hinfinden, zum fleischernen Herz.... ui aber ist das schwer... ;-)

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