Versteckte Aggression bzw. heimliches auslassen

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7 Jahre 5 Monate her #5207 von schbananas
Frage
Wir haben das Problem, das der Grosse 6, in letzter Zeit sehr oft seinen Frust über Kleinigkeiten in einer Form rauslässt die nicht akzeptabel ist.
Ich beschreibe mal eine Situation.
Der Kleine Bruder spielt was mit Papa. Der Grosse kommt dazu und versucht das Spiel zu übernehmen, wird aber vom Papa angehalten sich zurückzuhalten und mit dem weiterzumachen was er eigentlich getan hat (er lässt alles fallen, wenn er sieht der Kleine spielt was). Daraufhin tritt er im Weggehen dem Bruder absichtlich auf die Füsse, lässt es aber wie unabsichtlich aussehen.
Er macht es öfter, das er auf Hände, Füsse tritt im Vorbeigehen, weil ihm was nicht passt oder anrempelt. Manchmal kann sogar eine Stunde vergehen und er lässt die Wut nachträglich an was aus zB. die Kekse die er bekommen hat zerkrümmeln statt essen, wenn man dann frag, warum er die jetzt zerkrümmelt hat statt zu essen, wo sie ihm doch so wichtig waren, sagt er das er das tut, weil er dies oder jenes nicht bekommen hat oder das und jenes machen wollte aber nicht konnte bzw. durfte - sprich es nicht genau nach seinem Willen ging.
Das ist übrigens ein Problem, an dem die Ergotherapeutin arbeitet, bisher mit sehr wenig Erfolg.
Was soll ich machen bzw. wie reagieren? Bisher habe ich es später angesprochen, das ich das nicht in meiner Familie haben will und ich habe besprochen, wie unsere Welt aussähe, wenn wir alle so unseren Frust rauslassen würden. Und ihm gesagt, wie ich persönlich es mit mir ausmache, wenn ich was nicht bekomme usw. Es hat noch nichts genützt.
Mir wurde gesagt er hätte Wahrnehmungsstörungen im emotionalen Bereich - ich bin bisher von Hochsensibel ausgegangen, das er alles so viel stärker erlebt.
Ich weiss aber nicht genau, wie ich ihm helfen kann. Im Grunde bestraft er sich selber damit.
Ansonsten ist er ein super Kind, er hilft und kümmert sich, er möchte gefallen und hört auch sehr gut, aber diesen Impuls kann er noch nicht kontrollieren.

Neulich haben wir ein Bild angesehen, es zeigte einen Engel der ein Kind zur Erde trägt.
Er sagte dann: Ich hatte auch Flügel als ich noch klein war, als ich gewachsen bin, sind sie abgefallen.

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7 Jahre 5 Monate her #5210 von Luema
Antwort
Hallo Schbananas
Ich kenne diese Art, Frust zu zeigen, von meinem Sohn. Es hat bei ihm jetzt stark gebessert weit wenigen Monaten, er ist jetzt 7.

Ich finde es nicht ungewöhnlich, klingt etwas nach Bindungsumkehr, und solange es sich nach wenigen Minuten löst und ihr später so darüber reden könnt, wie du es beschreibst, würde ich dem einfach Zeit lassen. Es hat mit Reife zu tun und streng genommen muss er diesen Impuls mit 6 noch nicht kontrollieren können. Mit Euren Gesprächen seid ihr genau auf dem Weg dazu, dass er das lernt.

Ich möchte nur noch anmerken, dass es sehr hart ist für ein Kind, weggehen zu müssen, wenn Papa mit dem BAby spielt. Dieses Ausgeschlossen sein ist verletzend und die Reaktion erstaunt mich nicht. Kannst du es dann auffangen, dass ihr dem vielleicht vorbeugt, indem du mit ihm was machst, und erst dann der Papa sich das BAby schnappt? So dass der Grosse gar nicht erst auf die Idee kommt, ausgegrenzt sein zu können... dass er gerannt kommt, sobald Papa was mit dem Kleinen tut, zeigt doch schon, dass er Angst hat, zu kurz zu kommen.

Liebe Grüsse
Maria

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7 Jahre 5 Monate her - 7 Jahre 5 Monate her #5211 von schbananas
Antwort
Es ist nicht so einfach es zu handhaben. Wir versuchen Papa oder Mama Spielzeiten einzurichten.
Er übernimmt das Spiel vollkommen, wenn man ihn mitmachen lässt, er drängt den Kleinen damit raus oder es eskaliert, wenn der Kleine sich wehrt und am Schluss weint entweder einer oder beide.
Mir ist klar, er hat Angst was zu verpassen und er möchte nicht ausgeschlossen sein, Neid, Eifersucht ist sicher auch im Spiel. Dennoch ist das auch ein Teilen. Er muss Mama oder Papa teilen mit seinem Bruder. Das Wegschicken nicht die beste Lösung ist weiss ich, aber ihn jedesmal das Spiel boykottieren zu lassen ist auch nicht gut für den Kleineren. Es verliert immer einer, egal wie ich es mache.
Da er aus konzentriertem Spiel (er puzzelt) aussteigt um das Spiel der anderen zu unterbrechen , haben wir versucht ihn zu dem zurückzuführen, was er eigentlich gespielt hat. Wenn ich es mitbekomme, dann sage ich: Wolltest du nicht eigentlich hier puzzeln? Manchmal klappt es und er kehrt zurück, oft ist er aber stur und kann nicht aufhören die anderen zu stören. Ja, es stört, weil es dann nur noch so sein soll, wie er es will. Er sagt sogar: Nur wie ich will! Kurz es ist dann nur noch Platz für ihn. Deshalb endet es in Tränen.
Sicher MUSS er noch nicht alles können mit 6, aber ich sollte es leiten können - nur wie?
Wie kann ich die Situation vermeiden?
Er hat Papa im Grunde für sich, beim Einschlafen auch, der Papa nimmt ihn jeden Tag einmal für eine Stunde ganz für sich alleine zB. Fahrradfahren etc.
Es ist wirklich nur eine kurze Zeit die der Kleine täglich mit Papa intensiv hat, von daher ist mir nicht ganz klar, warum der Papaspeicher vom Grossen nicht voll genug ist?????

Er zeigt solche Reaktionen auf alles was nicht so ist, wie er es will. Wir schicken ihn ja nicht aus dem Raum sondern dorthin wo er grade dran war. Und er hat entweder vorher Papazeit gehabt oder hat sie danach nochmals. Wir spielen nie mit dem Kleinen ganz alleine, wenn er nicht vorher schon eine alleine Zeit hatte. Und wir warten immer, bis er tief beschäftigt ist. Wenn möglich binden wir ihn ein, aber manchmal ist das nicht möglich. Wenn es sich um ein Spiel nur für ein Kind handelt geht es einfach nicht. Warten bis er dran ist, will er natürlich nicht. Er will ja erster sein.

Luema, du meinst das löst sich von alleine mit kommender Reife? Ich hoffe es sehr, denn es ist der Grund warum er nicht in die Schule kann diesen Herbst.

Du sagt es ist sicherlich verletzend, wenn er weggeschickt wird, ja, das stimmt sicher, auch die Kinder auf der Strasse oder im Kiga lassen nicht immer jedes Kind mitspielen, jeder von uns musste mit Zurückweisung zurechtkommen. Wir versuchen ihn nicht wegzuschicken ins Nichts, sondern dahin wo er grade dran war oder eben zu einer neuen Aktivität, er ist also nicht ohne Halt. Umgekehrt geht es gut, der Kleine akzeptiert, das er warten muss bis er dran ist.
Du schreibst nicht, wie du damit umgegangen bist.
Last edit: 7 Jahre 5 Monate her by schbananas.

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7 Jahre 5 Monate her #5214 von Luema
Antwort
Hallo :-)
Ja da bin ich ganz deiner Meinung. Geteilt muss sein, und der Kleine darf Papa auch mal allein haben.

Was ich eher ansprechen will, und das zeigt auch grad wie ich damit umgehe:
Es ist NORMAL, dass Frust entsteht in dieser Situation. Das entstand in uns allen auch, wenn wir von Freunden ausgeschlossen wurden etc... das ist einfach so. Mir ist wichtig, dass dies sein DARF, dass es nicht als Problem angeschaut wird.
Nur - dass Frust entsteht soll nicht dazu führen, dass ein Kind dann nie an Grenzen stösst, das wäre sehr ungesund.
Es ist nur nicht ein Zeichen dass du gut führst, wenn ein Kind keinen Frust mehr zeigt. Das ist nicht mal ein Ziel. Das Kind soll seinen Frust zeigen, aber mit der Zeit wird es lernen, den Frust so zu zeigen, dass es niemandem weh tut. Mit 6 ist er im Alter, wo das erst überhaupt so langsam möglich wird, das zu kontrollieren.
Mit dem was du tust, begleitest du ihn gut auf diesem Weg, das zu lernen.

Und was dann halt wichtig ist: Frust braucht Verständnis, braucht Trost, braucht ein "es ist ok, dass du weinst", am besten wäre, er könnte dadrüber weinen. So erst akzeptiert er es, dass er teilen muss. So erst, reift er daran. Annehmen und weinen. Und das geht NUR unter liebevoller Zuwendung und Trost von einer BIndungsperson, am besten also von dir. Am besten nimmst du ihn dann zur Seite, fragst: was ist grad los? Was denkst du grad? Hilfst ihm, das zu fühlen, an sich ran zu lassen, nicht als undefinierten Frust stehen zu lassen. Und dann zu trauern. Vielleicht geht's auch erst später, dass ihr darüber sprecht und er die Trauer findet. Nur unter Trauer kann er es annehmen lernen, nicht unter dem mahnenden Zeigefinger, weil er sienen Frust "falsch" äussert.

Zudem scheint mir in deiner Schilderung, ist dein Kind im ALpha. Das ist meist ein Hinweis auf verunsicherte Bindung. Da ist es nochmals wichtiger, die Erwartung runterzuschrauben (Nochmas: Es geht nicht darum, dass er das alles DARF. Weder, den Kleinen plagen noch Papa und den Kleinen stören und dominieren - es geht lediglich darum, dass er Verständnis braucht, und dann halt bei dir anlehnen können soll.) ES gab kürzlich soviel ich mich erinnere einen INfobrief dazu, lies den doch nochmals nach. Ansonsten findest du auch noch übers Forum so einiges darüber.

Liebe Grüsse
Maria

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7 Jahre 5 Monate her - 7 Jahre 5 Monate her #5215 von schbananas
Antwort
Ich sehe es auch so, das er frustriert sein darf , ich verstehe die Reaktion auch. Nur, wenn er sie so ausdrückt, dann verletzt er andere mit Absicht, die noch nicht mal was dafür können.
Es wäre nämlich egal, WER da grade als nächstes steht, er hätte JEDEM auf die Füsse getreten aus Frust. Und das kann sehr schnell ein Problem werden, je nachdem WEM er das im vorbeilaufen tut. Offensichtlich ist es auch derart für die Aussenwelt ein Problem, da man ihn nicht schulreif eingestuft hat und in die Ergo schickt um das zu beheben. Frustrationstoleranz erhöhen, heisst es.

Ich bespreche die Situationen immer hinterher, wenn er abgekühlt ist in Ruhe mit ihm, ich weiss auch, das er locker bis 9 J. Zeit hat diese Impulse zu kontrollieren. Er hat es auch in der Regel recht gut im Griff, nur an manchen Tagen, da schafft er es gar nicht bzw. wenn sich die Sachen die ihn stören häufen, dann platzt er eben irgendwann (was bei uns auch so ist, ist ja normal).

Ich weiss nicht ob es der richtige Weg ist ihn auch noch laufend zu provozieren, da es im Leben schon genug Situationen gibt, die frustrierend sind. Ich denke er fährt dadurch die Mauer erst richtig hoch. Die Ergo tut das - ich hatte deshalb schon ein Gespräch mit ihr, da ich was da vor meinen Augen ablief nicht für gut befand.
Mit seinem Vater ist er wahrscheinlich im alpha. Ich nehme an, da sich der Kleine in letzter Zeit verstärkt seinem Papa zuwendet, was vorher nicht so war, muss es erst wieder klar für ihn werden, das sich dadurch für ihn nichts ändert.
Ich selber habe kaum ein Problem, unter dem Tag, wenn Papa nicht da ist, ist kaum was los. Mit Papa alleine ist er auch sehr gut zu haben.
Ich versuche ihn zu spiegeln, ich sage auch Dinge wie: Das lief jetzt nicht so toll, was meinst du? Grad warst du richtig wütend etc.
Ich frage auch oft ,ob ich ihn in Arm nehmen soll. Und kommt er nach so einer Attacke zu mir, weise ich ihn nicht ab, weil ich weiss, das er mich grade dann am meisten braucht. Ich sage auch nicht, das der Frust oder die Wut jetzt falsch ist, sondern das was er tut um es rauszulassen. Manchmal frage ich ihn, ob er weiss was die Grossen so tun, wenn wir wütend sind. Oder ich bitte ihn die Sitzkuh zu vermöbeln, statt den armen der am nächsten steht.
Ihn in die Tränen führen, ist sehr sehr schwer, er hält sich sehr am Zorn fest.
Grundsätzlich meine ich aber er hat es schon weit besser im Griff als vor zwei Jahren - was auch normal ist. Er bemüht sich auch sehr. Nur eben kann der Schuss je nach Situation auch nach hinten los gehen - nicht jeder kennt VP.

Ich kenne alle Infobriefe, ich schaue mir die Sachen von Neufeld an, ist ja alles auf You...be.
Trotzdem frage ich mich ob ich es richtig mache, oder ob ich einfach Probleme habe das gelernte umzusetzen.
Last edit: 7 Jahre 5 Monate her by schbananas.

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