Kind neigt dazu Sachen kaputt zu machen

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6 Jahre 9 Monate her #5613 von Franiel
Frage
Hallo ihr Lieben,
Unser 4 jähriger Sohn neigt dazu vor lauter verrückten Ideen und manchmal ein bisschen viel Energie Sachen zu zerstören. Nun stelle ich mir als Mutter natürlich die Frage, warum passieren immer ihm so Sachen. Und wie gehe ich damit um, wenn ich zu Besuch bei jemanden bin? Er ist oft sehr wild, behauptet sich gern gegenüber Gleichaltrigen und versucht mit viel Energie das Alpha zu übernehmen. Ich habe zumindestens bei unser naheliegendsten befreundeten Familie dieses feststellen müssen. Unser Sohn ist genauso alt wie der Sohn unserer Freunde und beide sind immer wahnsinnig wild wenn sie aufeinander treffen, wobei ich das Gefühl habe dass unserer Sohn oft noch wilder ist. Dabei sind jetzt schon einige Sachen zu Bruch gegangen, was die Familie ärgert und mich als Mutter natürlich auch. Auch wenn wir gut unter Freunden darüber reden können, ist es für mich schwierig mein Kind dafür zu sensibilieren eben nicht Gegenstände zu zerstören. Nachdem letztens eine Spielzeugkiste zu Bruch ging, habe ich meinen Sohn unter vier Augen gebeten mir zu schildern was passiert sei und mich bestürzt ausgedrückt, darüber dass es wirklich nicht schön ist wenn Sachen zu Bruch gehen und dann noch bei anderen. Er hat es glaub ich sogar verstanden. Und meine erste Lösung um momentan Ruhe reinzubringen ist auch, dass wir unsere Freunde nun die nächsten Male eben zu uns kommen lassen. Nun haben mein Mann und ich oft andere Ansätze was den Umgang mit unseren Kindern angeht... Mein Mann war gerade eben mit meinem Sohn bei Nachbarn und nun ist wohl unser Sohn aufs spielhausdach gestiegen und hat ohne erklärbaren Grund angefangen das Schilfdach zu zerstören... Mein Mann versucht dann Härte und Strafe walten zu lassen und das ist manchmal nicht leicht mit anzusehen. Mein Mann spricht dann im Nachhinein dann auch immer so negativ von unserem Sohn und meint dann ich nehme ihn immer in Schutz. Ich muss dazu sagen dass wir es aber auch schaffen in ruhigen Momenten gut miteinander über das Geschehene zu reden, aber in dem Moment wo er so negativ von unserem Kind spricht bin ich manchmal sprachlos und könnte vor lauter schutzinstinkt auf Angriff gehen, was ja auch nichts bringt. Mir fehlt dann manchmal ein schlauer Satz, nebst, es tut mir leid, ich könne nichts dazu sagen, da ich in dieser Situation nicht dabei war. Zumal ich froh wäre wenn mir dieser schlaue Satz immer einfallen würde. (Achja ich weiss dass ich nicht perfekt bin, ich habe auch manchmal Probleme ruhig auf die Wildheit unseres Sohnes zu reagieren, aber ich bin mir dessen bewusst und hole ihn nach fehlreaktionen zu mir und schaffe an unserer Beziehung).
Wie kann ich unseren Sohn sensibilisieren keine Sachen zu zerstören (wie soll das funktionieren, ich bin ja der Meinung, dass er es nicht absichtlich macht?)? Wie verhält man sich wenn man zu Besuch ist? Mein Mann ist mit diesen Situationen einfach genauso überfordert wie ich...

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6 Jahre 9 Monate her #5626 von Sara Rebekka
Antwort
Liebe Franiel,

wie reagierst du denn normalerweise in situationen, wo dein kind etwas kaputt macht? Spürt dein sohn, dass du das eigentlich nicht cool findest? Ist er zusammen mit dir traurig, wenn etwas kaputt geht? Übernimmt er verantwortung für gegenstände, die er benutzt? Versucht er, die sache wieder in ordnung zu bringen? Oder nimmst du ihm die konsequenzen ab? Könnte es sein, dass du ihn von der verantwortung befreist und dein mann deshalb spiegelbildlich mit dir kooperiert? Hast du den infobrief 15-09 noch im Kopf?

Ich merkte bei meinen kindern (als sie noch so klein waren), dass sie von selbst kaum darauf kamen, verantwortung zu übernehmen. Sie reagierten immer erst auf meine reaktion auf eine sache. Sie kooperierten quasi mit meiner einstellung. Wenn sie also zum beispiel ein spielzeug kaputt machten, liessen sie es einfach liegen. Sie reagierten meistens erst dann, wenn ich es sah und sagte: ach nein, die arme puppe. Ihr arm ist ja abgerissen usw.

Grüessli
sara rebekka

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6 Jahre 9 Monate her #5632 von Bäretatze
Antwort
Liebe Franiel,

Ich kann mir vorstellen, dass die Tatsache, dass Dinge kaputt gehen nur die Spitze des Eisbergs, oder eben nur die Auswirkung einer viel tiefer liegenden Ursache sind.
Ich habe bei meinen Kindern beobachtet, und höre das auch immer wieder, dass es vorallem dann so wild zu und her geht, wenn gleichaltrige (Klein)kinder aufeinander treffen und miteinander agieren sollten. Im Grunde genommen sind Kinder in diesem Alter noch sehr schnell überfordert, wenn sie teilen, ruhig spielen, usw. sollten, und dann wird es eben oft sehr wild. Ein solches Kind kann dann nicht gleichzeitig mit dem anderen Kind mithalten, und die Gefahren im Visier haben. Das Mithalten wird dann so wichtig, dass alles andere in den Hintergrund gerät. Bei unserer Tochter war es dann z.b. so, dass sie sehr frech wurde und nicht mehr auf uns hören konnte.
Nun mein Wundermittel: ;) Es ist viel ruhiger, wenn Kinder verschiedenen Alters aufeinander treffen! Wir machen seit längerer Zeit sehr oft mit Familien ab, die kleinere Kinder haben. Und wir staunen immer wieder, wie ruhig und gut die Kinder dann auskommen. Die grossen führen und sind einfach die "Helden", ohne Konkurrenzkampf, die kleinen sind happy, dass sie mit den grossen mit dürfen und schliessen sich an.
Natürlich kann man sich nun aber deswegen nicht einfach nicht mehr mit befreundeten Familien mit Kindern im gleichen Alter treffen. ;) Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es auch sehr entspannt, wenn ein Erwachsener mit den Kindern was macht. Oder dass halt die Mütter sich mal Abends zum Kaffee und plaudern treffen und nachmittags gemeinsam mit den Kindern was machen.
Ich selber musste mich einfach von der Erwartung lösen, dass Kleinkinder bereits stundenlang zusammen spielen und wir Mütter in Ruhe käffele können. Das alleine hat schon viel geholfen!

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6 Jahre 8 Monate her #5660 von SchoCo
Antwort
Sara Rebekka: Wie führe ich das Kind dazu, in so einer Situation Verantwortung zu übernehmen?
Ignoriere ich alle Zerstörungswut und reagiere erst, wenn das Kind traurig ist?
Wie bringe ich ihm bei, für seine Sachen Verantwortung zu übernehmen?

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6 Jahre 8 Monate her - 6 Jahre 8 Monate her #5663 von Sara Rebekka
Antwort
Liebe schoco,

das hängt etwas von der situation ab...

Wenn ein kind mit einem spielzeug gegen die scheibe hämmert, wäre uns allen spontan klar, dass wir sofort liebevoll aber bestimmt eingreifen, um das kind und die scheibe zu schützen. Aber warum sollte das eigentlich nicht auch für eine buchseite, ein Aufsatzheft oder die Pflanzen im Garten gelten? Und warum auch nicht, um schmutz im haus oder an den kleidern vorzubeugen? (Unsere kinder wissen zum beispiel, dass die kleider eine woche lang sauber bleiben sollen. Das klappt auch mit ganz wenigen ausnahmen - auch bei den ganz kleinen. Wollen sie draussen "motzle", ziehen sie zum beispiel ihr übergwändli an, gehen sie in den wald, nehmen sie die alte spielhose, wollen sie "pflotsche", die Gummistiefel und die Regenhose usw. Wenn du wüsstest, wie mich diese waschmittelwerbung nervt... :P )

Bei unwichtigem drücke ich auch mal ein auge zu, lasse dann aber die logischen konsequenzen sprechen: "Wie schade, dass du dieses pixi-büchlein in den sandkasten mitgenommen hast. Nun ist es verkratzt, fleckig und zerfleddert. So gruuusig. Das müssen wir leider wegwerfen."

Normalerweise versuche ich aber eher, die kinder proaktiv zur sorgfalt und zur verantwortung zu erziehen - in ruhigen zeiten, im sinne der guten gewohnheiten. Bei meinen kindern ist es so, dass ich nur ganz sachlich die konsequenzen zu schildern brauche: "Wenn du diesen fleck eintrocknen lassen würdest, bekämst du ihn fast nicht mehr weg. Wenn du dein fahrrad im regen stehen lässt, dann rostet es. Wenn du deine schuhe nicht abtrittst, schleppst du unnötig viel dreck ins haus." In den meisten fällen reagieren sie sofort auf so eine aussage.

Nun gibt es aber natürlich die dauerbrenner (z. b. ordnung), die aus irgendwelchen gründen (vergesslichkeit, faulheit, unwissen, fehlende führung...) nie klappen. Da wäre dann ein gespräch im sinne einer join-up-intervention angesagt (meist mit mir selbst ;) ).

Manchmal fühlen sich die kinder auch einfach nicht verantwortlich. Eine meiner schwächen ist, dass ich spontan zu viel verantwortung übernehme. Also zuerst innerlich "anhalten", überlegen und mir klar werden, dass es diesmal nicht mein job ist... ;)

Zum beispiel holen die kinder einen becher wasser und stellen ihn beim legospielen neben sich auf den boden. Der becher kippt um, und keiner fühlt sich verantwortlich. Dann stelle ich üblicherweise eine Frage (Weisst du, wo die putzlappen für den boden versorgt sind?) oder gebe einen hinweis (Im keller liegt noch das badetuch von gestern. Das könnt ihr zum aufputzen verwenden).

Es gibt aber auch die fälle, wo die kinder alleine überfordert sind. Mein jüngster möchte sich ein buch vom obersten regalbrett holen. Er zieht das buch hinunter und reisst grad zwei puzzles mit herunter, deren teile sich gemischt auf dem boden ausbreiten. Nun wäre ich ja versucht, dieses chaos schnell alleine zu beseitigen. Besser aber ist, wenn ich sage: "Du kannst deine grosse schwester fragen, ob sie zeit hat dir zu helfen. Sonst helfe ich DIR. (nicht: Komm, hilf MIR, dieses chaos zu beseitigen)" und dann vielleicht: "Als erstes kannst du die teile nach der farbe auf der rückseite sortieren, dann helfe ich dir beim..." So bleibt die Verantwortung beim kind.

Bei uns ist es eigentlich nicht nötig, dass ich absichtlich eine zerstörungswut hinnehme. Es passiert noch in genug anderen fällen, wo ich nicht schnell genug bin ;) . Nicht jeder frust wird ohne spuren ausagiert... ;) Aber ja, wenn ein kind in seiner wut etwas absichtlich zerstört hat, dann gibt es arbeit, sobald wieder ruhe eingekehrt ist: besprechen, trauern, wiedergutmachung anregen, alternativen fürs nächste mal suchen...

Aber auch, wenn irgendetwas unabsichtlich schief lief: "Hast du dir weh getan? Ui, schau, die schönen Eier sind grad zusammen mit deinem knie kaputt gegangen. Jetzt versorge ich dein knie, danach helfe ich dir beim saubermachen, und dann kannst du nochmals kurz in den volg sausen, um neue eier zu kaufen..."

Kannst du damit etwas anfangen?

Grüessli
sara rebekka
Last edit: 6 Jahre 8 Monate her by Sara Rebekka.
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6 Jahre 7 Monate her #5709 von SchoCo
Antwort
Liebe Sara Rebekka

Deine Antwort ist schon lange her, aber ein grosses Lehrstück für mich. Spontan ist bei den ersten Versuchen ganz gut gegangen, nun muss ich aufpassen, dass ich Verantwortung nicht negativ auflade.
Ich bin immer noch stark im "hilf MIR aufräumen", aber ich versuche immer mehr zu sagen: Wenn du Hilfe brauchst, darfst du mich natürlich fragen. Und oft kommt er mit einer kreativen Idee hervor, wie er seine Aufgabe erledigen könnte.
Ich muss halt auch sehr auf der Hut sein, dass ich mich nicht nur auf meine Sachen konzentriere, sondern immer auch ein Auge auf ihn habe.

Danke vielmals!!
SchoCo

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