Für Gerechtigkeit sorgen- aber wie?

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3 Jahre 9 Monate her #6483 von NoCa
Frage
Hallo liebe Mütter :-)

Ich wollte kurz erwähnen, dass es glaub jeweils gar nicht so schlimm ist, wenn ich (oder man) keine (oder nicht gleich sofort) eine Antwort auf seine Frage erhält, denn nur schon das Formulieren der Frage und dann das Sich-damit-Beschäftigen bringt oft eine Antwort mit sich. So erging es mir jeweils mit meinen Fragen. Wenn ich dann meine 'alten' Fragen wieder durchlese (und die Antworten darauf) und zurückdenke, sehe ich, wie sich Lösungen automatisch ergeben haben und ih sehe auch, wie die Realität mich dazu herausgefordert hat, selbst kreativ zu sein.

Nun würde ich euch gerne um eure Sicht bitten: Meine Tochter hatte gestern ihre Geburtstagsfeier (mit Familie) und ich habe für sie und die Cousinen/Cousins eine Schatzsuche gemacht. Am Schluss gabs einen Schatz mit 10 Sugus für sie und 5 für alle anderen, ich fand das ok, da es ja ihr Geburtstag war und es für sie jeweils wichtig ist, ihre Privilegien zu erhalten (länger aufzubleiben als die kleinen Geschwister, mehr Sackgeld da sie mehr Arbeit tut, alles muss für sie stimmig und fair sein). Am Ende der Feier fehlten 5 Sugus, einer der Cousins (die Cousine isst keine Süssigkeiten) muss sie ohne zu Fragen genommen haben. Wir haben dann nachgefragt, wer die Sugus genommen hätte, aber die beiden Jungs verneinten. Ich bin mir nun nicht sicher, wie ich handeln soll. Ich würde gerne für Fairness sorgen und denke, dass wenn ich diesen Vorfall nicht ernst nehme, ich meiner Tochter unrecht tue. Mein Mann meinte, sie (die Tochter) solle den Cousins einen Brief schreiben, aber das wil sie nicht. Die Cousins sind leider nur zu oft 'in Trouble' und ich kann mir vorstellen, dass ein Zurechtweisen nicht viel in ihren Herzen bewirken würde. So kleinere 'Nehmen-ohne-zu-Fragen- kamen schon öfters vor, aber bist jetzt hatte ich nicht den Mut, die Vorfälle zu thematisieren, aber dieses Mal würde ich gerne etwas tun.
Ich wäre sehr dankbar für ein paar Ideen von euch!

Toll, dass ihr nachwievor mit VP unterwegs seid und so eure Leben und das der Familienmitglieder angenehmer und liebevoller gestaltet :-)!

Grüsse aus Australien,
Noemi

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3 Jahre 9 Monate her #6484 von barbara dominique
Antwort
Hoi Noemi

Ich persönlich würde in dieser Situation weniger auf die Gerechtigkeit den Fokus legen (denn die Welt ist nun mal oft nicht gerecht) als sie dazu nutzen, mit Deiner Tochter über Vergebung zu sprechen. Auch wenn keine Entschuldigung des Cousins vorliegt, ist es ihr Teil, das Unrecht zu vergeben, damit es ihr wieder besser geht. Wenn sie nicht möchte, muss sie das ja dem Cousin gar nicht mitteilen, das kann eine Sache zwischen Euch (bzw. ihr und Gott) sein. Und vielleicht gibt es ja wieder Sugus oder andere Süssigkeiten, die Du ihr aus purer Freude an ihrer Vergebungsbereitschaft geben kannst. :-)

Liebe Grüsse
Barbara

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3 Jahre 9 Monate her #6485 von tiqva
Antwort
Liebe Noemi

Mir kam beim Lesen folgende Frage: Wer ist im Alpha, du oder deine Tochter? Führst du sie?

Falls ja, würde ich auch, wie Barbara Dominique es vorschlägt, über Vergebung mit ihr sprechen. Oder was immer deine persönliche Überzeugung ist - die kam für mich jetzt nicht so klar heraus (darum meine Frage wegen der Führung).

Herzliche Grüsse
Tiqva

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3 Jahre 9 Monate her #6486 von Marion
Antwort
Liebe Noemi,

wenn ich mich richtig erinnere, ist deine Tochter ganz ähnlich wie eines unserer Mädchen. Sie liebt Geschenke und muss oft mit dem Gefühl umgehen, zu kurz zu kommen, mehr als andere zu verlieren, ungerecht behandelt zu werden...

Als unsere J. (inzwischen fast 15) noch ganz klein war, hatte sie ein ganz besonderes Erlebnis. Ich habe es schon einmal hier im Forum erzählt:

Als J. noch ein ganz kleines Mädchen war, spazierten wir einmal den Feldern entlang. J. wollte unbedingt ein paar unreife Rapsschoten abreissen, um die noch grünen Samen zu essen. Damals sagte ich zu ihr: "Es ist nur etwas ganz Kleines, das du wegnimmst. Trotzdem gehört es nicht dir, sondern dem Bauern. Ausserdem müssen wir durchs hohe Gras stapfen, um an die Samen heranzukommen. Ich glaube, dass Gott dir so eine Schote schenken kann, wenn er möchte. Was meinst du dazu?" - "Ich will mir keine Samen nehmen.". Kaum waren wir um eine Kurve gelaufen, kamen wir ans nächste Rapsfeld. Eine Pflanze lag gänzlich abgeknickt neben dem Feld und - die Wiese davor war gemäht! J. jauchzte vor Glück und riss alle Schoten ab. Zuhause teilte sie mit ihren Geschwistern, und es blieben viele Samen übrig, die am Schluss - ganz vertrocknet - entsorgt wurden. Dieses Erlebnis ist unserer J. auch heute noch sehr präsent. Immer, wenn sie sich etwas nehmen möchte, erinnern wir uns gemeinsam daran, dass Gott uns nur (im Überfluss!) beschenken kann, wenn wir uns nicht alles selber nehmen.


Wir haben seither immer wieder einmal darüber diskutiert, dass es vielleicht Gründe haben könnte, dass sich gewisse ähnliche Situationen häufig wiederholen. Gibt es vielleicht noch etwas zu lernen?

Sobald wir etwas wirklich von Herzen loslassen und uns nicht selbst Gerechtigkeit verschaffen (1. Meile), können wir erst richtig beschenkt werden (2. Meile). In der Praxis erlebe ich das selbst sehr häufig. Sobald ich mir nicht mehr um alles in der Welt ein Kind wünsche, werde ich schwanger. Sobald ich die Freundschaft eines Menschen nicht mehr mit aller Macht "erzwingen" will, wendet er sich mir zu usw. Das tönt jetzt vielleicht etwas fromm, aber es scheint mir ein biblisches Prinzip zu sein: Loslassen/vergeben, um beschenkt zu werden. Ich denke z. B. an Abraham und Lot, als die Hirten stritten. Abraham überliess Lot grosszügig das bessere Land. Lot verlor alles, Abraham erbte das Land.

Könnt ihr damit etwas anfangen?

Liebe Grüsse
Marion
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3 Jahre 8 Monate her #6487 von NoCa
Antwort
Liebe Barbara
Das habe ich mittlerweile getan. Mir war bewusst, dass das Leben nun mal oft unfair ist und dass Gerechtigkeit oft nicht erlangt werden kann und dass Vergeben ein einseitiger Prozess sein kann. Ich habe mit ihr darüber gesprochen und sie meinte, dass sie nur vergeben könne, wenn der Cousin zugibt, dass er die Sugus genommen hat und sich entschuldigt. Ihm einfach so zu vergeben, gelingt ihr (noch) nicht. Das ist ja auch etwas, das viel Reife erfordert, oder? Es ist mir wichtig, dass sie christliche Werte aus ihrer eigenen Erfahrung verstehen kann und nicht lernt, dass man (als Christ) eben vergeben muss, oder sollte. Vielleicht gelingt es mir ja, das Thema Vergeben so zu behandeln, dass es authentisch ist und für meine Tochter nachvollziehbar ist!

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3 Jahre 8 Monate her #6488 von NoCa
Antwort
Liebe Tiqva
Ja, grundsätzlich bin ich schon im Alpha. Jetzt nicht 100%, aber ich arbeite daran und verstehe auch die Wichtigkeit des Führens. Wenn ich in eine Situation komme, wo ich konventionellerweise entwer Zwang oder Loslassen wählen muss, dann ist es schon meistens Loslassen. Verstest du, was ich meine?
Vergebung ist eine der wichtigsten Akte, das ist mir schon klar. Davon hängt Freiheit und Heilung ab, aber es ist auch etwas vom Schwierigsten und es gab schon einige Situationen, wo meine Tochter nicht vergeben WOLLTE. Ihre Antwort war dann jeweils, ich kann nur vergeben, wenn das Kind ihren Fehler einsieht und sich entschuldigt. Vor einiger Zeit hatte ein Nachbarsmädchen ihren Goldring gestohlen (oder einfach mitgehen lassen), der sie von einer alten bekannten Dame vererbt bekam (eine Box mit Schmuck, und zufälig war da ein echter Goldring drin und seitdem ist das ihr wertvollstes Stück). Die Mutter hat dann ganz taktvoll das Gespräch gesucht und ihre Tochter dazu bewegt, sich bei meiner Tochter zu entschuldigen. Meine Tochter hat das zwar geschäzt, aber sie hatte im Nachhinein noch einige Male erwähnt, dass das Mädchen es nicht ernst gemeint hätte und lediglich getan hat, was die Mutter von ihr verlangte. Sie könne diesem Mädchen nicht mehr vertrauen (das Mädchen ist 6). Obwohl ihr eigentlich klar ist, dass ein 6 jähriges Kind noch nicht genau versteht, was Vertrauen bedeutet.
Ja, vielleicht sollte ich mir klar werden, wo ich selbst stehe. Ich schätze christliche Werte sehr hoch, merke aber auch, wieviel Reife es braucht um von sich selbst heraus zu (beispielsweise) vergeben. Es ist ein Prozess. Man sagt vielleicht, ich vergebe, aber man muss sich immer wieder von neuen dafür entscheiden, wenn dann die Situation ev wieder hochkommt. So ist es bei mir zumindest. Um vergeben zu können, hilft es, wen jemand das Unrecht, das mir zugefügt wurde, zumindest anerkennt.
Hm, vielleicht bin ich da selbst noch unreif.... Kann man troztdem in der Führerrolle sein, auch wenn man selbst noch in einigen Hinsichten unreif ist??

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