Entscheidungshilfe für Kindergarteneintritt

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7 Jahre 10 Monate her #4934 von Franiel
Frage
Hallo ihr Lieben.
Ich stehe vor einen Entscheidung, welche ich schon morgen treffen muss. Mein Sohn Moritz wird im Juni 4 und würde theoretisch dieses Jahr in den Kindergarten kommen. Für mich stand immer fest, dass ich ihn zurückstufe, und er erst mit 5 in den Kindergarten kommt. Doch gestaltet sich der Alltag nicht immer sehr einfach mit ihm (er ist sehr lebendig) und unserer kleinen Tochter (4Monate). Ich habe oft das Gefühl, dass er nicht ausgelastet ist und ich es irgendwie nicht schaffe ihm das zu geben was er braucht. Dies schwankt und wir haben natürlich auch oft sehr gute Tage gemeinsam. Nun habe ich mir den Kindergarten angesehen und bin erfreut so eine Schule in unserem Ort grad um die Ecke zu haben. Sie haben die Basisschule eingeführt. Das heisst mein Sohn würde in eine Gruppe von 18 Kindern mit 2 Pädagoginnen eintreten. Die 18 Kinder sind 4 Jahrgänge von Kindergarten bis 2. Klasse. Sie haben 2 grosse Räume in denen sie sich frei bewegen können. Es gibt fixe Punkte wie den Morgenkreis, das znüni oder das freie Spiel draussen. Ansonsten haben sie vor allem im ersten Kindergartenjahr, wo sie immer nur vormittags hingehen die Möglichkeit das zu tun, wozu sie Lust haben. Und nebenbei gibt es dann noch Wochenthemen die in verschiedener Art und Weise bearbeitet werden. Nun hatten wir auch die Möglichkeit mit unserem Sohn einfach mal schnuppern zu kommen. Und er schien sich sehr wohl zu fühlen. Klar unbekannte Spielsachen sind meist spannend. Aber vor allem die grossen Kinder haben es ihm angetan. Nun schwanke ich hin und her. Aus vertrauenspädagogischer Sicht weiss ich, dass er eigentlich den Kindergarten nicht braucht, er sich auch so gut entwickelt. Und ich würde dieses Jahr mit ihm gemeinsam zu Hause ja nicht nachholen können, wenn ich mich für den Kindergarten entscheide. Andererseits denke ich wenn er in den Kindergarten gehen würde, würde er es friedlicher haben. Da er vormittags beschäftigt wäre und ich in der Zeit dem Haushalt nachgehen könnte und ich mich so am Nachmittag ganz auf ihn konzentrieren könnte. Wir haben auch die Möglichkeit wenn man sieht dass es nicht klappt ihn jederzeit wieder rauszunehmen. Und er hat dort eben die Möglichkeit ohne dass er es bewusst bemerkt einfach ein Jahr länger in der Basisstufe zu bleiben und sogar das erste Kindergartenjahr zu wiederholen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn der eine oder andere mich in meiner Entscheidung unterstützen könnte. Mein Mann meint es liegt an mir, da ich den Tag über mit ihm zusammen bin.
Viele liebe Grüsse

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7 Jahre 10 Monate her - 7 Jahre 10 Monate her #4935 von Marion
Antwort
Liebe Franiel,

wenn ich deinen Beitrag lese, kommen in mir all die Zweifel, Fragen und Gefühle wieder hoch, die meinen Mann und mich - vor allem beim ersten unserer vier Kinder - bewegten. Unsere älteren drei Kinder besuchten nur ein Jahr den Kindergarten, drei unserer Kinder wurden ein Jahr zurückgestellt (eins gehörte vom Geburtstag her eher zu den Älteren). Gerne erzähle ich dir von unseren Befürchtungen, Überlegungen und Erfahrungen:

Lernen?!
Mit dieser Angst hatten wir am meisten zu kämpfen. Unsere Kinder waren - wie dein Moritz - immer sehr wissbegierig und lebendig. Trotzdem machte uns der Gedanke, dass andere Kinder etwas lernen könnten, was unserem Kind nachhaltig fehlen könnte, Sorgen. Wir hatten auch die Befürchtung, beim Kind könnte sich ein "Interesse-Fenster" schliessen, ohne dass es sich das entsprechende Wissen hätte aneignen können. Rückblickend kann ich sagen, dass wir uns viiiel zu viele Sorgen gemacht haben. Sie lernten zu Hause ganz viele praktische Dinge: die Schuhe zu binden, eine Salatsauce zuzubereiten, die Wäsche zusammenzufalten, das Klo zu putzen, Altpapier zusammenzubinden, Abfall richtig zu entsorgen, zu säen, zu giessen, zu jäten usw. Lustigerweise machten auch drei von unseren vier Kindern in diesem Jahr vor dem Kindergarten grosse Sprünge im Zeichnen (das vierte erst im Kindergarten). Wären sie regulär in den Kindergarten eingetreten, hätte ich diese Entwicklung auf den Besuch im Kindergarten zurückgeführt, dabei machten die Kinder diese Entwicklung aus sich selbst heraus. Das einzige, worauf wir achteten, war ein gewisses Interesse an der Umwelt. Wenn eine Baustelle in der Nähe war, führte unser Spaziergang gezielt dort vorbei, und wir schauten zu. Wenn die Bauern auf den Feldern arbeiteten, der Hufschmied in der Nähe war, den Kühen die Klauen geschnitten wurden, die Kehrmaschine oder der Müllwagen unterwegs war, interessierten wir uns dafür. Auch Bilderbücher weiteten den Horizont der Kinder: morgens beim Zmorge waren es die biblischen Geschichten, abends vor dem Schlafen alles andere...

Soziale Kontakte?!
Da wir eine sehr "offene" Familie sind, machten wir uns darüber kaum Gedanken. Einerseits hatten wir oft Besuch von Verwandten (Paten, Cousins, Cousinen...) und Bekannten, Kindern aus der Nachbarschaft usw., andererseits waren zu Hause ja schon relativ viele Ansprechpersonen (Geschwister, Grosseltern).

Entlastung?!
Du schreibst:

Da er vormittags beschäftigt wäre und ich in der Zeit dem Haushalt nachgehen könnte und ich mich so am Nachmittag ganz auf ihn konzentrieren könnte.

Ganz lange dachte und handelte ich auch so, bis mich eine Nachbarin ermutigte, den Haushalt zusammen mit meinen Kindern zu erledigen. Das war so eine richtige Entdeckung und Entlastung für mich! Es ging zwar alles viel langsamer, aber - wir waren zusammen, die Kinder lernten mega viel dabei (z. B. die Gewichte, den Umgang mit der Wäsche, was passiert, wenn ich Hefe in den Teig gebe usw.), und am Ende war der Haushalt wirklich erledigt. Die Begeisterung der Kinder war dann am grössten, wenn die Aufgabe auch etwas herausfordernd oder speziell war: ein absoluter Hochgenuss für alle war zum Beispiel, als wir einige Möbel zusammenbauen mussten. Dekorieren oder Zimmer umstellen waren auch beliebte Aufgaben. Wenn die Kinder abends schliefen, konnte ich mich dann auf Arbeiten konzentrieren, die sich als Teamwork nicht so gut eigneten (z. B. Büroarbeiten, bei denen ich mich stark konzentrieren musste usw.).

Andererseits denke ich wenn er in den Kindergarten gehen würde, würde er es friedlicher haben.

Bei zweien meiner Kinder war es so, dass sie oft sehr frustriert und "geladen" nach Hause kamen. Die "Nacharbeit" nach dem Kindergarten nahm so sehr viel mehr Zeit in Anspruch, als mir ihre Abwesenheit am Morgen zeitlich einbrachte.

Kindergarteneintritt mit vier?!
Trotz meiner guten Erfahrungen mit dem späten Kindergarteneintritt möchte ich dich keinesfalls dazu überreden, es gleich zu machen. Unsere Kinder konnten viel vom Kindergarten profitieren. Wir hatten auch Glück mit allen vier Kindergärtnerinnen. Mit den Gspänli funktionierte es mal besser, mal schlechter.

Unsere Kinder waren - im Gegensatz zu Moritz - überhaupt nicht am Kindergarten interessiert (vielleicht kooperierten sie mit meinen Gedanken). Was du über euren Kindergarten schreibst, gefällt mir sehr gut.

Mindestens so wichtig wie das Alter finde ich auch die übrigen Umstände: Verlaufen die Morgen mehrheitlich positiv oder muss dein Kind ganz viel Frust wegstecken? Ist es an die beiden Betreuerinnen gebunden, spürt es dein Vertrauen zu ihnen (Bridging) oder orientiert es sich an den anderen Kindern? Verlässt es den sicheren "Mami-Hafen" freiwillig, wenn es sich so weit fühlt, oder wird es gedrängt? Wird im Kindergarten das Konkurrenzdenken gefördert oder werden Aufgaben gemeinsam gelöst?

Ganz viel Weisheit für deine Entscheidung wünscht dir
Marion
Last edit: 7 Jahre 10 Monate her by Marion.
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7 Jahre 10 Monate her #4941 von Zoar
Antwort
Liebe Franiel

Ich habe oft das Gefühl, dass er nicht ausgelastet ist und ich es irgendwie nicht schaffe ihm das zu geben was er braucht.


Woran denkst du, wenn du das schreibst? Denkst du mehr an seine intellektuellen Bedürfnisse oder an etwas anderes?

Liebe Grüsse
Zoar

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7 Jahre 10 Monate her #4946 von Franiel
Antwort
Liebe Marion vielen lieben Dank für deinen sehr hilfreichen ausführlichen Beitrag.
Das Gefühl, ihm nicht auszulasten kommt daher, da Moritz ein Kind ist was viel Bewegung braucht und eben auch Aufmerksamkeit und Beschäftigung. Ich muss meinen Alltag überdenken und der Beitrag von Marion bringt gute Ansätze welche ich versuchen werde zu übernehmen. Ich werde Ihn erst mit 5 in den Kindergarten schicken. Ich muss einiges überdenken. Aber das schaffe ich. Und wenn ich nicht weiter weiss habe ich mir vorgenommen dieses Forum öfter zu nutzen.

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7 Jahre 10 Monate her #4947 von Marion
Antwort
Liebe Franiel,

es würde mich sehr (!) freuen, hier wieder von euch zu lesen! Viel Erfolg beim Umsetzen deiner Pläne!

Liebe Grüsse
Marion

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7 Jahre 10 Monate her - 7 Jahre 10 Monate her #4954 von Franiel
Antwort
Ich ärger mich so sehr, dass ich so gar nicht entscheidungsfreudig war... Jetzt hat mein grosser natürlich gemeint er möchte nach dem frühstück grad in den Kindergarten... Nun werde ich es hinbekommen, dass er mit meinen Gedanken, dass es für ihn doch noch schöner wäre zu Hause zu bleiben, kooperiert? Die Schule wird auch so oft unsere Wege kreuzen, jetzt sagt er er will dahin. Klar ich führe und sage welchen Weg wir einschlagen, aber durch das schnuppern hat er natürlich die Begier die Räume von dort mehr zu entdecken... Eine innenspielgruppe aufsuchen wäre vielleicht noch eine alternative. Und sonst? Ich kann ja die Schule auch nicht schlecht reden???
Last edit: 7 Jahre 10 Monate her by Franiel.

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