Infobriefe

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Refresher 19-01 «Ueben oder spielen - oder beides?»

Viele Kinder äussern irgendwann den Wunsch, ein Musikinstrument zu erlernen. Eltern melden sie dann für den Unterricht an und übernehmen die Verantwortung, dass das Kind täglich 10, 20, 30… Minuten übt. Oft sehen wir, dass den Kindern nach kurzer Zeit die Freude abhanden kommt. Es entsteht ein täglicher Kampf um die Übungsminuten, oft mit unschönen Argumenten: «Ich bezahle so viel Geld für den Unterricht, da erwarte ich aber, dass du auch täglich 20 Minuten übst!» So rufen wir unverzüglich den Gegenwillen auf den Plan. Das heisst, der äussere Druck wird in diesem Moment grösser als der innere Wunsch, zu üben, und wir finden uns in einem mühsamen Machtkampf wieder, wo es eigentlich nur Verlierer gibt.

Wie viel schöner wäre es aber doch, wenn ein Kind mit Freude bei der Sache sein könnte und auch einmal freiwillig auf seinem Instrument spielte - gerne auch länger als die empfohlenen 20 Minuten. Wie erreichen wir das?

Kein Druck, kein «Üben», sondern «Spielen» - dann, wenn das Kind Lust verspürt und mit Freude daran geht, wenn es sich im Spiel vertiefen und verlieren kann. Kein Üben, um die Mutter oder die Lehrerin zufriedenzustellen, sondern aus Freude an der Sache oder aber (später) auch einfach, weil es ein lohnendes Ziel vor Augen hat. Wie klingt das für dich?
Wer diesen Weg wählt, dem kann es passieren, dass das Kind erstmal gar nichts mehr macht. Aber selbst dann wird es in der Musikstunde vorwärts kommen. Und irgendwann kommt der Moment, wo fröhliche Flöten- oder Geigentöne erklingen. Einfach so…

Lehrpersonen, zu denen das Kind eine Beziehung aufbauen kann und die als Coaches den Kindern zur Seite stehen und sie motivieren, die aber keinen Druck ausüben, sind eine grosse Hilfe. Das Musizieren soll nicht ihr Bedürfnis sein, sondern das Bedürfnis des Kindes.

 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 28. Januar 2019

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Refresher 18-10 «Hast du ein gutes Gewissen?»

Im Moment bin ich in der Endphase der Vorbereitung für einen Vortrag in Schaffhausen mit dem Titel «Das befreite Gewissen». Wenn du das liest, wird der Vortrag schon vorbei sein. Wenn du gerne dabei gewesen wärest, dann schaue im Shop nach, ob es gelungen ist, meine Gedanken rüberzubringen…
Hier kurz ein Erlebnis, das mich in diesem Zusammenhang beschäftigt. Die Frage im Titel hat es dir vielleicht schon gezeigt: Du spürst dein Gewissen nur dann, wenn du in Gefahr bist, ein schlechtes Gewissen zu haben, bzw. wenn dir jemand ein schlechtes Gewissen macht. Das gute Gewissen an sich spüren wir gar nicht. Oder doch? Es müsste das gute Lebensgefühl eines Menschen sein, der im Join-up mit den Mitmenschen ist, auf deren Vergebung vertraut und an einen liebenden, fürsorglichen Gott glaubt, dem er nachfolgt, ohne Angst zu haben, etwas falsch zu machen, was ihn um die Gunst Gottes bringen könnte.
Ein solcher Mensch ist vielleicht mein ältester Enkel. Er musste sich diese Woche in unserem Auto übergeben und schaffte es trotz seiner 14 Jahre nicht, den Sitz und die stoffbezogene Türe zu verschonen. Das Besondere: Ich stellte kein schlechtes Gewissen bei ihm fest, nur sein eigenes Leiden und später das Mitleid mit uns, dass wir jetzt ein übel riechendes Auto haben. Der Impuls stieg in mir auf, ihm ein schlechtes Gewissen zu machen, nachdem mich dessen Fehlen irritierte. Hätte ich das tun sollen? Was meinst du? Diskutiere mit uns darüber am nächsten Montag an der Livesendung.

 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 29. Oktober 2018

 

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Info 17-08 "...und nachher fühle ich mich wirklich schlecht"

Gehörst du auch zu den Menschen, die mit sich nicht immer zufrieden sind? Bist du selber dein schärfster Kritiker? Dann bist du nicht allein. Ich höre immer wieder, wie Eltern sich schlecht fühlen, wenn sie «nicht vp» gehandelt haben. Das Forum ist voll von solchen Klagen.
Ich denke, es ist Zeit, dass wir einmal darüber nachdenken, warum so viele Menschen (zu) oft auf der Hut sind, es ja richtig zu machen - manchmal weniger aus Liebe zum Kind, sondern aus Angst, keine gute Mutter, kein guter Vater zu sein. Aus Angst, kritisiert zu werden. Manchmal sind die vermeintlichen Ankläger längst aus deinem Leben verschwunden und du hast dich entschieden, nicht mehr so zu denken und zu handeln wie sie. Was hingegen geblieben ist, ist vielleicht jener ungnädige Blick auf dich selbst.
Ich würde dir wünschen, dass du dich einbeziehst in den Kreis der Menschen, die du liebst, deren guten Willen du anerkennst und auf deren Versagen du mit Barmherzigkeit blickst. Es könnte nämlich sonst geschehen, dass von deinem ganzen Engagement sich vor allem die folgende Schlussfolgerung in deinen Kindern festsetzt: «Egal, wie man sich Mühe gibt, es reicht doch nie. Man muss sich immer schämen, dass man nicht perfekt ist.» Oder aber sie verwerfen alle Selbstkritik in Bausch und Bogen. (Das wäre dann die spiegelbildliche Kooperation.)
Dass wir uns recht verstehen: Ich bin nicht gegen das kritische Reflektieren des eigenen Tuns, aber es muss im Geist der Wertschätzung geschehen. Nicht mit dem Ziel, so einer drohenden Kritik zuvorzukommen.
Die Liebe gedeiht dort, wo Vertrauen herrscht, statt Angst. Das gilt in hohem Masse auch im Umgang mit sich selbst. Wie heisst es so schön? Hinfallen, aufstehen, die Krone richten - und weitergehen.

Talk über das Monatsthema

Livesendung vom 28. August 2017

    • Leidensdruck der Eltern, die sich sehr engagieren und sich grosse Mühe geben: Sie beklagen sich, dass sie in alte Muster zurückfallen. Ab einem gewissen Grad ist das an sich ein Problem, sich ständig selber anzuklagen.
    • Kinder sollen an Eltern aufschauen können. Dann fühlen sie sich geborgen und sicher. Dann können sie reifen. Das hat viel mit Hierarchie zu tun.
    • Sehr wichtig, dass die Hierarchie stimmt, und Kinder zu den Eltern hochschauen und sich gut dabei fühlen, nicht unterdrückt. Sie fühlen sich gut, wenn sie Eltern nachfolgen dürfen.
    • Aber wenn Eltern sich ständig kritisieren, dann ist es sehr schwierig für das Kind. Das Kind erträgt das nicht.
    • Es ist okay, wenn sich Eltern bei den Kinder entschuldigen - aber bei einem bestimmten Alter ist das kontraproduktiv.
    • Z. B. sich bei einem 3-Jährigen zu entschuldigen, hilft dem Kleinen nicht. Es wäre für das Kind besser, wenn du als Elternteil mit deiner Schuld zu jemand anderem gehen würdest. Es reicht, wenn man dem Kind z. B. sagt: «Ja, da war ich jetzt sehr streng.»
    • Wir sind die Antwort, wenn die Kinder zu uns aufschauen.
    • Wenn man es immer richtig machen will, dann kommt man in einen Stress. Kinder wollen zu jemandem aufschauen können, der es im Griff hat.
    • Es geht nicht darum, mein Verhalten als Eltern zu ändern, sondern unsere Gesinnung. Es geht von innen nach aussen.
    • Wenn man sich vorgefertigte Reaktionen/ Rezeptur aneignen möchte, aber nicht konsequent reagiert, dann fühlt man sich immer wieder als Versager.
    • Das Ziel ist nicht die Reaktionen zu überlegen, sondern den «Spirit» zu verinnerlichen. Es muss ins Herz gehen - unsere Handlungen zu überdenken, unser Kind anders zu sehen, unser Kind anders zu lesen - von innen heraus.
    • Es gibt nichts Schlimmeres als Eltern, die immer «wie auf Eiern» gehen aus Angst etwas Falsches zu machen.
    • Die Kinder brauchen uns Eltern, wir nicht unbedingt die Kinder.
    • Wenn das Kind seine Komfortzone nicht verlassen will, dann später nachfragen. Auch wir als Eltern haben manchmal Mühe, die Komfortzone zu verlassen.
    • Heinz stellte das Konzept vom Join-up-Gitter vor. Das ist ein neues Tool. Kurs: Kommunikation im Join-up.
    • Wir sollten als Eltern den Mut haben, klare Ansagen zu machen. Wir sind nicht abhängig von wohlwollenden Reaktionen von den Kindern. Oft so angstvolle Stimme als Eltern: «Könntest du bitte mir folgen?»
    • Eltern haben häufig das Gefühl, dass sie ausgenutzt werden. Darum dem Kind klar sagen, was wir von ihnen wollen.
    • Die Kinder auch echt nachfragen, z. B. «Warum konntest du heute Mittag nicht folgen?» So spürt das Kind, dass wir es ernst nehmen und aber auch erwarten, dass es gehorsam ist. Dürfen nicht aus einer Niederlage heraus gehorsam sein. Kinder sollten sich als Überwinder fühlen.
    • Oder z. B. fragen: Warum willst du den Tisch nicht decken? Möchtest du lieber in der Pfanne rühren? Kinder wollen oft etwas «Richtiges» machen - z. B. lieber Traktor fahren und nicht mit dem Rechen hinterher rechen. Kinder wollen die anspruchsvollen Arbeiten erledigen.
    • Richtig machen: Zwei Varianten:
      1. Aus Liebe zu meinem Kind (positive Motivation)
      2. Es gibt eine Motivation, es richtig machen zu MÜSSEN. Diese zweite Motivation ist keine gute Variante.
      Wir müssen versuchen, unsere inneren Ankläger abzuschütteln. Mit sich selber vertrauenspädagogisch umgehen. Niemand muss es immer richtig machen und perfekt sein. Aus Liebe handeln. Gnädig mit sich selber sein.
    • Wenn zwei Kinder streiten. Reaktion der Eltern sollte im Hinterkopf die Hierarchie im Blick haben. Kinder können ihre Probleme selber lösen. Aber wir Eltern können das oft nicht aushalten. Wenn der Ältere nicht im «Fürsorgemodus» ist, sondern im «Herrschermodus», dann können wir als Eltern auch eingreifen. Wichtig ist aber einzugreifen, bevor man wütend ist. Vielleicht den Älteren auch alleine kurz zur Seite nehmen und ihn coachen - aber es wäre gut, wenn er das Problem selber lösen könnte.

 

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Info 17-02 "Wahrhaftigkeit"

In einer Zeit, wo die Mächtigsten der Welt mit «alternativen Fakten» operieren, lohnt es sich zu fragen, ob denn Ehrlichkeit etwas ist, was anerzogen wird, oder ob es zum Menschen gehört. Was wir alle wissen: Wir mögen es nicht, angelogen zu werden. Das ist unabhängig von Glaube und Kulturkreis. Es ist aber ein grosser Unterschied, ob wir von den «Unseren» angelogen werden oder von den «Anderen». Deshalb wohl schmerzt es uns, wenn ein Kind uns belügt. Und es ist für ein Kind auch besonders schlimm, wenn wir seinen Aussagen nicht trauen und es der Lüge bezichtigen und wohl auch, wenn es von den Eltern belogen wird. Unser natürliches Gewissen sagt uns nämlich: Unter uns sagen wir die Wahrheit - nach aussen hin je nachdem… Unehrlichkeit im engsten Kreis ist deshalb eine grosse Verletzung. Sie hat die Qualität von Verrat.

Wenn du also feststellst, dass dein Kind dich belügt, dann erkenne dahinter, dass die Beziehung bedroht ist. Das fehlende Vertrauen untereinander sollte dann beklagt werden, nicht nur das Defizit des Kindes. Wenn wir einem solchen Ereignis schwerwiegende Bedeutung zumessen, und dazu rate ich entschieden, dann sollte es weniger um Schuldzuweisungen gehen als um eine Erneuerung des Vertrauens. Die Wahrhaftigkeit ist manchmal schmerzhaft. Das sollten wir unseren Kindern vorleben. Nach innen sowieso und als Christen auch den «Anderen» gegenüber. 

Der Infobrief im nächsten Monat könnte etwa so heissen: «Zwei Nabelschnüre». Vielleicht hast du Lust zu raten, welche es da noch zu durchtrennen gilt. 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 27. Februar 2017

 

  • Verhalten ist Beziehungssache! Die Beziehung wird auch deutlich bei der Wahrhaftigkeit.
  • In Bezug auf die Eltern oder andere Bezugspersonen ist es wichtig, wie die Beziehung zum Kind ist. Noch wichtiger aber ist, wie die Beziehung vom Kind zu seinen Bezugspersonen ist!
  • Wenn das Kind auf der tiefsten Bindungsstufe an mich gebunden ist (mit frühestens sechs Jahren möglich), dann fühlt sich das Kind gedrängt, es ist ihm ein grosses Anliegen, dass ich es kenne. Es hält es fast nicht aus, vor mir kein offenes Buch zu sein. Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Kinder fühlen sich dann gedrängt, die Wahrheit zu sagen.
  • Die Verletzung durch Unwahrheit - hindert das Kind.
  • Eine Ehrlichkeits-Kultur in der Familie ist wichtiger Punkt. Wie geht man in der Familie mit Ehrlichkeit um? Wenn innerhalb der Familie Wahrhaftigkeit nicht gelebt wird, wird es sehr schwierig.
  • Ein Kind neigt eher dazu, die Wahrheit zu sagen, aber Eltern müssen feinfühlig mit dem Kind umgehen, wenn es die Wahrheit sagt. Und wir müssen als Eltern darauf achten, dass die Beziehung nicht unter unserer Reaktion leidet.
  • Frage vom Chat: Müsste das Kind nicht immer die Wahrheit sagen, auch wenn die Beziehung nicht so tief ist? Antwort: Bei einigen Familien wurde die Wahrheit sehr eingeprägt - allerdings geht es oft mehr um textliche Wahrheit als um Wahrhaftigkeit. Dann kann man die Wahrheit verdrehen. In unserer Kultur sind gewisse Dinge sehr schlimm und andere weniger. Diejenigen, die man sieht, sind schlimm (textliche Lüge) und diejenigen, die man nicht sieht, sind weniger schlimm.
  • Teilweise lügt ein Kind, damit es nicht gedemütigt wird.
  • Wie kann man Kind vermitteln, dass es nicht lügen soll? Antwort: Bei kleinen Kindern kann man eine emotionale Geschichte erzählen und aufzeigen, wie schmerzhaft eine Lüge sein kann, bzw. aufzeigen, wie wichtig die Wahrheit ist. So spricht man über andere Menschen (Verfremdung) und Kinder können sich hineinfühlen, ohne gedemütigt zu werden.
  • Wie kommt man aus der Lügenspirale heraus, wenn die Kinder viel lügen? Antwort: Eine Join-up-Intervention wäre hier eine Möglichkeit. Dass man mit dem Kind in einem guten Moment dieses Thema bespricht und Abmachungen diesbezüglich trifft.
  • Telefonanruf: Der Sohn (8-jährig) hat einen imaginären Freund und eine rege Fantasie. Er kann zwischen Fantasie und Wahrheit keinen Unterschied machen. Er ist der Jüngste und hat fünf Geschwister. Antwort: Kinder möchten hin und wieder etwas Besonderes sein, und wenn sie das Gefühl haben, sie könnten nichts vorweisen, dann erfinden sie vielleicht etwas. Der Junge könnte ein tiefes Bedürfnis haben, etwas Besonderes zu sein, und es aber nicht fühlen, dann kann es sein, dass das zu einem Druck wird, im Zentrum zu stehen. Es sollten Möglichkeiten geschaffen werden, wo er etwas Besonderes ist und heraussticht.
  • Ein Kind hört eine Lüge von einem anderen Kind und das glaubt sie. Die Eltern wissen, dass das nicht stimmt. Wie geht man damit um? Antwort: Grundsätzlich ist es wichtig, dass wir Eltern ehrlich, wahr, wahrhaftig sind. Und dann kann man das der Tochter auch so vermitteln. Zum Beispiel folgendermassen:  «Ich glaube dir, dass dir deine Freundin das so erzählt hat, aber mich dünkt das komisch. Vielleicht irrt sie sich oder hat das falsch verstanden. Mir ist einfach wichtig, dass du weisst, dass mir das komisch vorkommt.» Vielleicht ist es schwierig für das Kind, aber wir können das Kind nicht vor allen Schwierigkeiten bewahren.

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Info 17-01 "Tschuldigung"

Soll man - oder soll man nicht - die Kinder dazu erziehen sich zu entschuldigen, wenn sie sich schuldig gemacht haben? Die Meinungen gehen weit auseinander.
Ich schlage folgenden Gedanken vor: Kinder sollten sich nur ent-schuld-igen, wenn sie sich schuldig fühlen. Wird ein Kind gezwungen sich zu entschuldigen, könnte es sein, dass es auf eine - je nachdem beabsichtigte - Demütigung hinausläuft. Ein Kind soll so lernen, was die Erwachsenen als schuldhaft empfinden. Aber wollen wir unsere Kinder wirklich dazu erziehen zu heucheln bzw. zu lügen, einfach um uns und andere zufriedenzustellen? Aus meiner Sicht wäre es weniger schädlich, eine Wiedergutmachung zu verordnen als eine Entschuldigung.
Ich glaube, dass der Schöpfer einen anderen Weg vorgesehen hat:
Bei reifen Kindern - im Idealfall ab etwa sieben Jahren - dürfen wir auf Empathie hoffen. Ein Kind kann seine eigene Sichtweise auftun und jene eines anderen einbeziehen, sich also in sein «Opfer» einfühlen, freilich erst, wenn die aggressiven Gefühle abgeklungen sind. Ein Schuldbewusstsein stellt sich je nachdem fast von alleine ein. Sonst können wir ein Kind, das uns vertraut, in diese Richtung führen. Aber es gilt, dieses Schuldbewusstsein zu fühlen, bevor man über die Bewältigung nachdenkt.
Bei kleineren Kindern gilt es, ihre fürsorglichen Gefühle zu wecken, eine Art Trauer über das, was seinem Opfer passiert ist. Kleinere Kinder empfinden das Sich-Entschuldigen dann zunächst als eine Art des Tröstens. Ebenso die Wiedergutmachung, beispielsweise durch eine Zeichnung oder durch das Überlassen eines Spielzeugs. Auf einer verbalen Entschuldigung zu beharren, halte ich für wenig hilfreich. Je kleiner Kinder sind, desto schneller verlieren sie ihre Verantwortung aus den Augen, wenn sie sich auf den Schmerz des anderen einlassen.
Wenn es dir geht wie mir, dann lässt dieser Text viele offene Fragen zurück. Einer wollen wir - wenn nichts dazwischen kommt - im nächsten Infobrief nachgehen, der Frage nämlich, wie sich das Gewissen eines Kindes formt.

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 30. Januar 2017

Diverse Themen

  • Das erste Videoseminar stiess auf Begeisterung und wird allen empfohlen. Vor und während des Seminars schauen sich die Teilnehmer die Seminarvideos an. An drei Skype-Sitzungen werden die Erkenntnisse dann vertieft und in die Praxis übertragen. So werden die Vorteile von DVD-Seminar (Lernen zu Hause) und Live-Seminar (Austausch) vereint.
  • Situation von Silvia: Sie und ihr Mann versuchten, mit ihren Kinder anhand des selbständigen Anziehens eine Join-up-Intervention durchzuführen. Bei der Neunjährigen funktioniert es super, beim Siebenjährigen ist es sehr schwierig. Ist der Jüngere zu jung für eine Join-up-Intervention? Ihr siebenjähriger Sohn könnte noch zu unreif sein. Die Ältere kann sich an Regeln halten, weil sie schon reifer ist. Sie versteht es schon besser. Als die neue Regeln vorgestellt wurden, fand es die Ältere toll, der Jüngere war nicht so begeistert, er wollte sich einfach weiterhin in der Nähe der Mutter anziehen. Vermutlich war es für ihn zu wenig einleuchtend, und dass er es auch will, ist für ihn nicht so relevant. Beim Join-up geht es in erster Linie um die Beziehung. Vermutlich kommt es ihm eher als Strafe vor, dass seine Eltern ihm nicht mehr beim Anziehen helfen wollen. Und Silvia sollte darauf achten, ob er wirklich schon genug reif ist dafür. Je grösser die Sache, desto schwieriger für ihn.

 

Tschuldigung

  • Ein Kind tut etwas, was es nicht soll, und die Erwartung der Eltern ist, dass das Kind sich beim anderen entschuldigt. Das Kind macht das meistens sehr widerwillig. Wenn das Kind sich nicht schuldig fühlt und sich einfach entschuldigt, dann kommt die Entschuldigung auch nicht beim Gegenüber an.
  • Meistens ist es für ein Kind nur eine Blossstellung, wenn es sich so entschuldigen muss. Löst etwas anderes aus, als wir wollen. Löst Schamgefühl (Peinlichkeit) aus und zeigt dem Kind nicht, dass es das andere Kind vielleicht verletzt hat.
  • Dem Kind aufzeigen, was es mit dem anderen Kind gemacht hat, wie sich das andere Kind dabei fühlt - das können wir als Eltern machen.
  • Wenn das Kind wirklich spürt, dass es einen Fehler gemacht hat, und es ihm leid tun, dann ist die Entschuldigung echt.
  • Wenn ich vom Kind eine Entschuldigung einfordere (es beschäme), dann löse ich beim Kind zuerst eine Verteidigungsposition aus. Je mehr ein Kind unter Druck kommt, desto weniger wird es diese weichen Gefühle - Schuldbewusstsein, Empathie, Fürsorglichkeit - für sein Opfer empfinden.
  • Darum ist es wichtig, dass wir nicht mit aggressiven Gefühlen auf ein Kind losgehen, sondern tendenziell mit Besorgnis. Keine Anklage oder Beschimpfung.
  • Wie können wir Kinder dazu führen, die Verantwortung zu übernehmen? Nicht als Reaktion aus Angst vor einer Strafe, sondern weil sie Verantwortung spüren und diese Verantwortung nicht beschämend ist. Wichtig ist, dass das Kind spürt, dass Eltern von der Situation betroffen sind.
  • Situation von Michal: Wie reagieren, wenn ein jüngeres Kind (hier 2 ½) etwas vom älteren Geschwister kaputt gemacht hat und dabei kein Schuldgefühl empfindet? Das Grössere nahm die Entschuldigung nicht an. Es ist wichtig, dass die Ältere ihrer Trauer Raum geben kann. Am besten weinen. Nicht einfach auf gestellte Forderungen eines wütenden Kindes eingehen, sondern es das Gefühl durchleben lassen. Der Jüngere sollte die Schwester zuerst in Ruhe lassen und die Eltern sollten mit ihm zu einem späteren Zeitpunkt die Situation noch einmal aufgreifen.
  • Chatnachricht: “Was hält man von Bestrafung?”:  Eine Strafe sollte immer mit dem Schuldbewusstsein des Kindes übereinstimmen. Wenn das nicht so ist, dann versteht es das Kind nicht. Heinz rät tendenziell davon ab. Situation lieber offen lassen. Eher von Wiedergutmachung sprechen.
  • Situation von Corina: “Wie kommen wir zur Trauer?” Ihr vierjähriger Sohn reagiert auf Frustration mit Wut. Die Wut muss raus, und sie versucht ihm zu helfen die Wut abzubauen. Müsste einfach die Trauer raus? Kommt die später? Er ist noch zu klein, um seine Wut zu kontrollieren. Wenn er älter wird, könnte Corina mit ihm darüber sprechen und ihm erklären, dass er die Wut nicht einfach in der Öffentlichkeit ausleben kann und seine Mutter ehren sollte. Aber erst mit ihm reden, wenn sich die Situation beruhigt hat. Er kommt zur Trauer, wenn die Aggression ausgedrückt worden ist. Das braucht Zeit und unter Anklage findet er die Trauer nicht.

Teil 1

Teil 2

 

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