Infobriefe

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Refresher 18-07 «Au, das war wieder einmal nicht VP»

Es berührt mich immer ein bisschen zwiespältig, wenn ich eine solche Aussage höre. Es ist doch gut, wenn Eltern sich bemühen, ihrem Kind gerecht zu werden - oder? Sicher, aber für Kinder gibt es etwas noch Wichtigeres, als ob die Eltern immer richtig handeln: Sie brauchen Eltern, die mit ihren Kindern und mit sich selber einen entspannten - einen vertrauensvollen und vertrauten - Umgang haben. Kinder sollen sehen, hören und fühlen, wie es ihren Eltern geht - nicht so sehr, wenn sie traurig sind (die Kinder sollen ja nicht ihre Tröster sein), aber sicher, wenn sie frustriert sind. Frust auszudrücken, ohne aggressiv gegen Menschen zu werden, ist eine schöne Zielsetzung, aber Kinder haben volles Verständnis dafür, wenn das nicht immer gelingt. Mit der Erziehung ist es wie mit der Hygiene: Das richtige Mass ist nicht bei der Sauerei, aber auch nicht bei der Sterilität. Wenn wir gesund sein wollen, dürfen wir nicht im Reinraum leben. Unser Immunsystem braucht gewisse Herausforderungen. Genauso ist es mit den menschlichen Unzulänglichkeiten. Kinder von perfekten Eltern würden ganz viele wichtige Dinge nicht lernen, nämlich mit dem Versagen anderer umzugehen, Ungerechtigkeiten zu ertragen usw. Aber keine Angst, du darfst dich entspannen. Die Gefahr in dieser Ecke ist eher klein. Viel eher neigen wir zu Selbstvorwürfen und meist in der Folge zu Vorwürfen gegenüber unseren Lieben, wenn wir etwas verbockt haben.

 

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Info 18-01 «Bindungsumkehr - Teil 2»

Hast du den letzten Infobrief noch in Erinnerung? Wenn nicht, dann kannst du ihn hier nochmals lesen. Ich möchte nächsten Montag in der Livesendung auf das Thema zu sprechen kommen. Bindungsumkehr kann man begreifen als «Notabschaltung» unseres Bindungsgehirns. Immer, wenn wir eine Sache oder einen Menschen lieben, öffnen wir uns und machen uns verwundbar. Wenn sich die Sache dann nicht wie gewünscht entwickelt, schmerzt das enorm. Hast du schon einmal jemandem deine Liebe gestanden und eine Abfuhr erhalten? Dann weisst du, was ich meine. Es tut sehr weh und löst im guten Fall Trauer aus, die irgendwann abklingt. Bei anderen löst die gleiche Erfahrung Hass aus. Bindungsumkehr! So neu ist das Phänomen also nicht. Wenn die Bindungsfrustration zu gross wird, kann sich Liebe ins Gegenteil verkehren.

Das ist nicht nur in der Liebe zu Menschen so, das Lernen kann davon ebenfalls betroffen sein. Habt ihr auch schon Kinder erlebt, die sich einer Sache mit Begeisterung nähern, um sich bald frustriert wieder davon abzuwenden, und die das Thema später womöglich vermeiden? Vielen Menschen passiert das mit Schulfächern und damit verbunden nicht selten auch mit entsprechenden Lehrpersonen. Je sensibler und verletzlicher Menschen sind, desto eher sind sie davon betroffen. Da unreife Kinder (und Erwachsene) schneller und gründlicher in solche Zustände geraten, ist es wichtig, im Spielmodus zu bleiben. Im Spiel erproben Menschen und auch Tiere all die tausend Dinge, die es zu lernen gilt. Sobald der Erfolg zu wichtig wird bzw. der Misserfolg zu verletzend, fallen wir aus dem Spielmodus und Kinder wie Erwachsene vermeiden das Thema. Der Ernstfall tritt ein. Nicht selten bleibt das Kind aber auch bei der Sache, weil es von aussen dazu gedrängt oder gar gezwungen wird. Das Lernen dient dann der Abwehr von negativen Rückmeldungen und geht allenfalls mit Erleichterung einher, kaum je aber mit Erfüllung, Freude und Begeisterung. Solchermassen gelernte Inhalte zerfallen dann auch relativ schnell wieder. Etwa so vielleicht wie deine Fertigkeiten auf der Blockflöte.

 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 29. Januar 2018 (Start bei Minute 19:41)

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Info 17-12 «Wenn der Frust zu gross ist - Bindungsumkehr»

Dieser Tage war ich wieder einmal wirklich glücklich, Neufeld* zu kennen. Das muss ich dir erzählen:
Mein siebenjähriger Enkel hatte eben mutwillig die Schnur unseres Heizstrahlers abgerissen. Als Erwachsener würde man ja erwarten, dass ein Kind sagt: «Oh, Bipapi, das tut mir leid, ich wollte nicht so fest ziehen!» Das hätte meine Barmherzigkeit ausgelöst, ich hätte meinen Frust darüber vielleicht angemessen ausgedrückt und vorbei wäre es gewesen.
Es kam aber anders: Mein Enkel ging zornig weg, zog sich in sein Zimmer zurück, kam später wieder herunter und bedachte mich mit einem feindlichen Blick, als ich ihn in der Stube antraf. Das hätte mich bis vor einigen Jahren stinkesauer gemacht und ich hätte mich berufen gefühlt, einiges klarzustellen, ihm «die Knöpfe zuzutun», wie wir das thurgauisch nennen. Heute ging ich nicht darauf ein. Beim Frühstückstisch setzte er sich möglichst weit weg von mir, was ich dann aber nicht duldete. Ich nahm ihn nahe zu mir, worauf er sich sein T-Shirt über den Kopf zog. Wir andern sprachen dann darüber, was das für eine gute Idee sei. So wussten wir einfach, dass er wieder herauskommt, wenn er kann. So war es auch kurze Zeit später. Jetzt wollte er mir wieder ganz nahe sein.
Wie soll man sich darauf einen Reim machen? Des Rätsels Lösung heisst Bindungsumkehr. Wir lieben uns sehr, mein Enkel und ich. Umso schlimmer ist es für ihn, wenn wir einen Konflikt haben. Weil er extrem sensibel ist, übersteigt seine Frustration das Mass dessen, was er ertragen kann. Und er verhält sich dann so wie Eheleute, deren Beziehung nicht funktioniert. Sie fangen an zu hassen. Glücklicherweise geht das normalerweise schnell vorbei – wenn es uns gelingt, nicht ebenfalls in die Bindungsumkehr zu geraten.  

* Dr. Gordon Neufeld, Entwicklungs- und Bindungspsychologe, Vancouver

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Info 15-10 "Das sagt man nicht!"

“Dumme Mama!” Bist du auch der Meinung, dass es nicht okay ist, wenn ein Kind so oder ähnlich mit seinen Eltern spricht? Viele Eltern lassen es zu, und manchmal fürchte ich, dass sie sich von mir darin bestätigt sehen. Vielleicht denken sie an diese berechtigte Forderung: Die Kinder sollen ihre Gefühle zeigen dürfen. Mehr noch: Sie sollen sie zeigen. Aber: Wir sollten als Eltern alles daran setzen, den Kindern die entsprechende Form dafür zu zeigen. Es hilft also in keiner Weise, einem Kind, das dich so benennt, zu sagen: “Das sagt man nicht!” Wichtig ist ja, dass du ihm sagst und vor allem vorlebst, wie man seine Wut und seine Frustration angemessen ausdrückt. Angemessen wäre in diesem Fall “nicht abwertend”, da ein Kind ja darauf angewiesen ist, zu den Eltern aufzuschauen. Wenn ein Kind also herumtobt und schreit, dass es dein Nein nicht ertragen kann, dann wäre das etwa die Richtung, die ich für hilfreich halte. Oder Mundart: “Es sch... mich mega a! Ich halt’s fasch nöd us, wenn i nöd cha …!!!”

Dein Vorbild wird hier wichtig sein: Deine Kinder ertragen es, wenn du frustriert bist, aber sie ertragen es nicht, dich als Gegner oder gar als Feind zu erleben. Schrei also in der Wut, aber schreie nicht an, schlage in deine Hand, aber nicht dein Kind. Schmeisse vielleicht auch den Bleistift in eine Ecke, aber bedrohe nicht dein Kind. Je unreifer dein Kind ist, desto mehr ist es darauf angewiesen, dich auf seiner Seite wahrzunehmen. Nun, vielleicht gehörst du ja zu jenen, die nie wütend werden und die alles ertragen können. Falls das aber nur nach aussen so scheint, könnte es sein, dass deine Eltern es dabei bewenden liessen zu sagen: “So sprichst du nicht mit deinem Vater!”

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Livesendung vom 26. Oktober 2015

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Info 15-01 "Für Gerechtigkeit sorgen - aber wie?"

Klar zu sein in der Führung, ohne gegnerisch oder gar feindlich zu wirken, das ist die Herausforderung vertrauenspädagogischer Eltern- bzw. Lehrerschaft. Auf der Seite des Kindes zu bleiben, auch wenn ich mich durchsetze, darum geht es.
Heute möchte ich einen anderen Spagat ansprechen: Wie bringen wir eine Atmosphäre von Gnade und Barmherzigkeit unter einen Hut mit dem Bedürfnis des Kindes nach Gerechtigkeit? Viele Kinder - und Erwachsene - sind aggressiv, wenn sie frustriert sind, und gehen auf jene los, die mehr die Auslöser als die Ursache des Zorns sind. Wie man Aggression loswird, ohne andere zu verletzen, haben wir in den letzten Infobriefen thematisiert.

Manchmal zeigen Menschen auch zorniges Verhalten aus einem anderen Grund. So zwingend das Zulassen von Frustration und Aggression ist, so gefährlich wäre es, Gewalt als Mittel der Durchsetzung des eigenen Willens zu tolerieren. (Für die Kenner des Frustkreisels: wenn die dritte Ausfahrt zur ersten wird.) Wie reagiere ich, wenn mein Kind genau in diesem Sinne Gewalt gegen seine Geschwister anwendet oder wenn es mich anschreit oder gar prügelt, weil ich nein gesagt habe? Muss ich es bestrafen? Falls ja, wie? Schau dir dazu das Video an. 

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Livesendung vom 26. Januar 2015

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Info 12-12 "Grenzen setzen - aber wie? Teil 4"

meine!

"Mami, spielst du mit mir Uno?" – eine alltägliche Frage, vielleicht auch in deinem Leben. Die Gedanken, die dir dabei kommen, sind indes hoch interessant. Vielleicht sagst du "ok" und spielst mit, obwohl es dir stinkt und du eigentlich viele Dinge vor dir herschiebst. Vielleicht ist die Frage aber auch eine willkommene Ablenkung von lästigen Pflichten. In beiden Fällen kann es sein, dass du zwar mitspielst, aber nur mit halbem Herzen und entsprechend wenig Begeisterung. Dein Kind wird das wahrnehmen und vielleicht in einen unangenehmen Zustand kommen, der zum einen deine Beklemmung spiegelt und zum andern sich etwa so anfühlt: "Mami spielt jetzt zwar mit mir, und ich sollte doch jetzt glücklich sein, aber irgendwie ist es doch nicht schön." Und es sieht keine Möglichkeit, an der Situation etwas zu ändern. Viele Kinder sind in solchen Situationen frustriert und reagieren plötzlich aggressiv. Das wiederum ärgert dich, und du sagst dir: "Da nehme ich mir Zeit, und dann wird man auch noch angemotzt. Mein Kind sollte jetzt doch dankbar und glücklich sein, wenn ich mich schon opfere." Und du nimmst dir vielleicht vor oder sagst es laut: "Das nächste Mal kannst du Uno spielen mit wem du willst!" Wie befreiend wäre dazu im Vergleich die folgende Antwort gewesen: "Oh, tut mir leid, jetzt habe ich gerade den Kopf so voll von andern Dingen. Da wäre ich ein übler Spielkamerad." Meine Enkel zum Beispiel haben erstaunlich viel Verständnis dafür, dass ich lieber Klavier als Playmo spiele. Ich habe mich entschieden, nur noch mit ihnen zu spielen, wenn ich ein ganzes Ja dazu finde. Manchmal muss ich mir zwar einen kleinen Schupf geben... Du weisst schon, wie ich es meine. Was dieser Gedanke mit Weihnachten zu tun hat, werden wir im Video thematisieren.

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Info 12-09 "Ferienzeit: Erwartungen klären"

"Wie wollen wir die Hausarbeiten aufteilen während der Ferien?" Eine solche Frage kann viel Segensreiches bewirken. Wir alle neigen dazu, die Ferienzeit mit Hoffnungen und Erwartungen aufzuladen, und klagen einander an, wenn diese sich nicht erfüllen. Frust breitet sich aus, der sich je nach Temperament als Enttäuschung oder Wut Ausdruck verschafft. "Was ist denn für dich wichtig, dass es gelungene Ferien gibt?" Wenn alle das sagen dürfen, gibt es sicher einen guten Weg. Vielleicht aber auch nicht, und wir merken, dass nicht alles machbar ist. Diese Erkenntnis hat dann Zeit, einzusinken und betrauert zu werden, und die Sicht auf das Mögliche wird frei. Noch ein wichtiger Tipp: Macht euch vom Wetter möglichst nicht abhängig. Plant einmal eine Wanderung bei jedem Wetter. Wir waren letztes Wochenende bei Regen in der Weissenbach-Schlucht. Kennt ihr die Düfte im Wald bei Regen? Herrlich! Ein Kind ist sogar noch in den Bach gefallen und wanderte dennoch fröhlich mit einer "unten montierten" Jacke zurück. Welche Wonne, die nassen Kleider auszuziehen.

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