Infobriefe

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Refresher 18-08 «Spielen»

Wenn wir kleinen Kindern zuschauen, wie sie in ein Spiel vertieft sind, fühlt sich das in der Regel gut und richtig an. Wir sind uns wohl alle einig, dass Spielen für Kinder etwas Wichtiges ist. Doch wie ist es mit grösseren Kindern, Teenagern, Jugendlichen…? Vor einigen Jahren verbrachten wir einige Ferientage in einem schwedischen Nationalpark. Unsere Kinder (damals 14, 12 und 9) spielten stundenlang im Wald und wir Eltern staunten echt darüber, wie sie sich noch so ins Spiel vertiefen konnten. Noch heute erinnern wir uns gerne an diese ausserordentlich friedlichen Ferien.
Vor einiger Zeit begann ich mich vertiefter mit dem Thema Spielen auseinanderzusetzen und jene Tage im Nationalpark Tiveden wurden zu einem Schlüssel für mich.
Was machte es aus, dass die Kinder dort so ins Spiel finden konnten? Sie hatten viel (bildschirmfreie!) Zeit, einen sicheren Rahmen, Freiheit, Vergnügen und Sicherheit. Ihr Spiel war Spiel, keine Realität. Es kam aus ihnen heraus und es hatte nichts mit Arbeit zu tun. Das sind die Punkte, die eben echtes Spiel ausmachen.
In diesem Jahr fragte ich mich im Voraus, ob wir auch wieder solche Momente erleben würden. Und tatsächlich, es gab sie! Weitsprung im Sand, Steinhäuschen bauen beim Wandern, ein völlig chaotisches und lustiges Wasserballspiel usw. Was es dazu brauchte? Zeit, Natur und manchmal mitspielende Eltern.
Wir spürten, wie Spannungen abgebaut wurden. Auf diese Weise konnten Erlebnisse verarbeitet und Aggressionen herausgelassen werden. Emotionen kamen ins Fliessen, Kreativität entstand.
Spielen, echtes Spielen tut gut - auch uns Erwachsenen. Und ich wünsche unseren Kindern, Teenagern, Jugendlichen und auch uns Erwachsenen immer wieder Momente, in denen wir abtauchen und ins Spiel finden können.

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 27. August 2018

 

 

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Info 18-06 «Oh, dieses elende Handy»

Obiger Titel war vor ein paar Jahren ein Thema im Forum und kam aus meinem tiefsten Herzen. Heute weiss ich: Wir waren damals ziemlich blauäugig, als wir unserer 12-jährigen Tochter ein Smartphone in die Hand drückten. Wir wussten noch nichts davon, dass der vernünftige Umgang mit einem Handy mit Reife zu tun hat, und auch nicht, dass Medienmündigkeit nicht durch Übung und Umgang mit Medien, sondern vielmehr mit breiten, praktischen Erfahrungen - sprich: solchen in der realen Welt - erreicht wird. Dies sind die beiden Dinge, auf die es wirklich ankommt: persönliche Reife und Medienmündigkeit.
Reife entsteht bekanntlich in einer tiefen Vertrauensbeziehung zu Eltern oder anderen Bezugspersonen. Reife junge Erwachsene sind in der Lage, ihre Gefühle zu mischen und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie können mit Frustration verträglich umgehen usw.
Medienmündigkeit bedeutet nicht, dass man Medien einfach nutzen kann. (Das geht ja heute unheimlich schnell und ist keine grosse Leistung mehr…) Vielmehr bedeutet es, einen selbstbestimmten und verantwortlichen Umgang zu finden, der immer weniger Schutz und Anleitung von aussen benötigt.
Auf dem Weg dorthin tun wir als Eltern gut daran, wenn wir unsere Kinder und Teenager begleiten, sie führen und zu ihrer eigenen Sicherheit auch Grenzen setzen, so wie wir dies auch in anderen Bereichen tun. Wer lässt sein Kind schon uneingeschränkt am Strassenverkehr teilnehmen? Und, obwohl ich eine absolute Schokoladen-Liebhaberin bin, habe ich den Konsum bei meinen Kindern - und bei mir ☺ - vorsorglich eingeschränkt.
Medien mit Schokolade zu vergleichen, hat was… Sie sind genial, sie erleichtern und versüssen uns das Leben. Aber zu viel und zur falschen Zeit sind sie ungesund!
 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 25. Juni 2018

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Info 16-03 "Er würde nur noch gamen!"

«Wenn ich ihn machen liesse, würde er nichts mehr anderes tun. Und wenn er dann zum Essen doch einmal hervorkommt, dann spricht er nur über sein Game. Ich kann es nicht mehr hören.»
So erzählte mir eine verzweifelte Mutter. Wer wollte ihre Besorgnis nicht verstehen! So ein 13-Jähriger kann einem das Leben schwer machen. «Ihm ist alles egal, solange er nur sein Spiel hat.»

Computerspiele sind in der Tat so interessant, dass man in den meisten Fällen nicht um eine Regelung herumkommt. Viele Spiele sind ja so angelegt, dass sie weiterlaufen, auch wenn der Deckel des Laptops geschlossen ist. Solche Spiele sollte man eher vermeiden.

Eine Sucht hingegen, wie in unserem Beispiel, ergibt sich nicht zwingend aus dem uferlosen Spielen. Für viele Kinder ist das reale Leben frustrierend und sinnlos. Die virtuelle Alternative zeigt uns, wonach sich ein Junge wirklich sehnt: Nach einem aufregenden, aber doch berechenbaren Ort, wo die Regeln klar, aber überschaubar sind. Sie sehnen sich nach einer Welt, wo man nach einem Fehler zwar verliert, aber nicht gedemütigt wird, wo jeder mehr oder weniger Erfolg hat und wo es andere gibt, die die Leidenschaft teilen, und man deshalb ein gemeinsames Thema und eine gemeinsame Vision hat. Was soll ein solcher Jugendlicher denken, wenn Mama nicht zuhören mag, wenn er davon spricht, was ihn fasziniert und begeistert?  
Es kann sein, dass es ihn bestätigt in seiner Überzeugung, dass nur das virtuelle Leben lebenswert ist. Dass die Erwachsenen ihn nur kritisieren und verändern, nicht verstehen oder gar lieben wollen.

Und dies würde ich dir raten, wenn du in einer ähnlichen Situation bist wie diese Mutter: Hör dem Jungen zu und freue dich über jede gewonnene Schlacht in seinem Spiel. Spüre sein Kämpferherz – das wäre dann wieder ein Stück Wirklichkeit. Überlege dir, ob sein Vater oder ein anderer Mann mit ihm in seinem Zimmer zum Beispiel eine neue Tapete montieren könnte, damit das wirkliche Leben auch ein bisschen farbiger wird, oder ob er gerne ab und zu etwas Feines kochen würde. Wie auch immer: Es ist wahrscheinlich hilfreicher, ins Leben zu investieren, als Süchte zu bekämpfen.

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 28. März 2016

 

Zusammenfassung Livesendung

  1.    Teil: Computerspiele
    • Auch viele sonst unkonzentrierte und schnell abgelenkte Kinder können sich oft stundenlang beim Gamen konzentrieren - das heisst, das Kind kann sich eigentlich lange konzentrieren, auch wenn in der Schule gerade das Thema Konzentration schwierig ist.
    • Von Computerspielen können wir lernen, was ein Kind braucht: Jugendliche brauchen gute, bewältigbare Herausforderungen, die Erfolg versprechen und Gemeinschaft fördern.
    • Ein Grundbedürfnis von Jugendlichen ist das Kämpfen, Gefahren durchstehen.
    • Als Eltern kann man nicht einfach Computerspiele verbieten - lieber Computerspiele, als dass sie aus lauter Langweile sich groben Gefahren ausliefern.
    • Es bringt nichts Computerspiele zu verbieten. Aber es wäre wichtig, die Computerzeit einzugrenzen. (Je mehr wir das Spielen verbieten, desto attraktiver wird es.)
    • Aber der Durst nach Gefahr darf nicht vollständig von den Computerspielen gestillt werden. Wir als Eltern müssen wissen, wie wir den Durst der Jugendlichen im realen Leben stillen können. (Sobald ein Kind aber süchtig nach Computerspielen ist, ist das sehr schwierig. Der Verlust ist grösser und der Ausstieg aus der Sucht schwieriger - darum ist es wichtig zu reagieren, bevor eine tiefe Sucht vorhanden ist. Vor allem Jungs neigen zur Spielsucht. Vor allem die Spiele, die auch weiterlaufen, wenn das Kind aufgehört hat zu gamen, sind gefährlich. Dann hat das Kind das Gefühl, es verpasst etwas und sagt vielleicht später: “Oh wäre ich doch nicht zum Sport gegangen, dann wäre meine Festung noch unverwundet.”)
    • Wenn wir Grenzen setzten, u. a. bei Computerspielen, ist es wichtig, dass das Kind realisiert, dass die Eltern nicht gegen es sind, sondern auf seiner Seite.

 

  • Das Entscheidende ist zu wissen: Jugendliche haben das Bedürfnis zu kämpfen und tapfer zu sein, und sie versuchen, dieses Bedürfnis z. B. mit Computerspielen abzudecken.

 

  • Wenn das reale Leben zu ‘gezähmt’ ist und die Gefahr fehlt, dann ist dieses Bedürfnis nicht gestillt.
  • Jungschar, Blauring und Pfadi sind gute Orte, um dieses Bedürfnis abzudecken.
  • Ein anderer sehr empfehlenswerter Vorschlag ist, dass Väter mit anderen Vätern den Mut aufbringen und mit ihren Söhnen das Abenteuer suchen.
  • Je besser die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist, desto besser können die Söhne etwas von ihren Vätern annehmen und desto besser ist damit die Prophylaxe gegen
    z. B. Spielsucht
  • Wie machen wir das reale Leben wieder jungenkonformer? Durch die Computerspiele wird das wirkliche Leben verdrängt, das reale Leben wird immer unattraktiver, und die Spiele nehmen an Attraktivität zu.
  • Wir als Eltern dürfen die Computerspiele bejahen, aber mit einer genauen Anfangs - und Endzeit.
  • Ein Kind braucht Langweile, um kreativ zu sein, aber wenn Langeweile zum Computerspielen führt, ist das weniger gut.
  • Kinder kommen oft erst auf die Idee, was sie tun könnten, wenn man es ihnen vorgelebt hat. Z.B. seilen sie sich einmal mit dem Vater ab, und dann wollen sie das später auch alleine machen: Das heisst, der Raum muss zur Verfügung stehen und das Abenteuer vorgelebt werden.
  • Falls Eltern auch nicht ihre Abenteuer erleben konnten, kann man auch ungeniert jemand anders, der sich auskennt, involvieren und gemeinsam ein Abenteuer bestreiten.

 

  1.    Teil: Diverse Fragen
  • Bei Auseinandersetzungen das Kind aufs Zimmer schicken, ist keine gute Lösung. Für das Kind ist es eine Katastrophe, denn in diesem Moment braucht es am meisten Nähe in seiner Not. Es wäre besser, wenn der involvierte Elternteil sagt, dass er schnell rausgeht und gleich wieder kommt.
  • Je besser ein Ausraster bewältigt werden kann, ohne dass das Kind aufs Zimmer geschickt werden muss, desto besser, denn sonst wird daraus ein Teufelskreis.
  • Je mehr ein Kind verunsichert ist, ob es geliebt ist und die nötige Nähe erhält, desto eher reagiert das Kind mit Dominanz.
  • Dem Kind immer wieder Nähe geben, die es braucht, und die Sicherheit und Geborgenheit
  • Frustrationsquelle herausfinden

 

 

 

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