Infobriefe

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Info 17-08 "...und nachher fühle ich mich wirklich schlecht"

Gehörst du auch zu den Menschen, die mit sich nicht immer zufrieden sind? Bist du selber dein schärfster Kritiker? Dann bist du nicht allein. Ich höre immer wieder, wie Eltern sich schlecht fühlen, wenn sie «nicht vp» gehandelt haben. Das Forum ist voll von solchen Klagen.
Ich denke, es ist Zeit, dass wir einmal darüber nachdenken, warum so viele Menschen (zu) oft auf der Hut sind, es ja richtig zu machen - manchmal weniger aus Liebe zum Kind, sondern aus Angst, keine gute Mutter, kein guter Vater zu sein. Aus Angst, kritisiert zu werden. Manchmal sind die vermeintlichen Ankläger längst aus deinem Leben verschwunden und du hast dich entschieden, nicht mehr so zu denken und zu handeln wie sie. Was hingegen geblieben ist, ist vielleicht jener ungnädige Blick auf dich selbst.
Ich würde dir wünschen, dass du dich einbeziehst in den Kreis der Menschen, die du liebst, deren guten Willen du anerkennst und auf deren Versagen du mit Barmherzigkeit blickst. Es könnte nämlich sonst geschehen, dass von deinem ganzen Engagement sich vor allem die folgende Schlussfolgerung in deinen Kindern festsetzt: «Egal, wie man sich Mühe gibt, es reicht doch nie. Man muss sich immer schämen, dass man nicht perfekt ist.» Oder aber sie verwerfen alle Selbstkritik in Bausch und Bogen. (Das wäre dann die spiegelbildliche Kooperation.)
Dass wir uns recht verstehen: Ich bin nicht gegen das kritische Reflektieren des eigenen Tuns, aber es muss im Geist der Wertschätzung geschehen. Nicht mit dem Ziel, so einer drohenden Kritik zuvorzukommen.
Die Liebe gedeiht dort, wo Vertrauen herrscht, statt Angst. Das gilt in hohem Masse auch im Umgang mit sich selbst. Wie heisst es so schön? Hinfallen, aufstehen, die Krone richten - und weitergehen.

Talk über das Monatsthema

Livesendung vom 28. August 2017

    • Leidensdruck der Eltern, die sich sehr engagieren und sich grosse Mühe geben: Sie beklagen sich, dass sie in alte Muster zurückfallen. Ab einem gewissen Grad ist das an sich ein Problem, sich ständig selber anzuklagen.
    • Kinder sollen an Eltern aufschauen können. Dann fühlen sie sich geborgen und sicher. Dann können sie reifen. Das hat viel mit Hierarchie zu tun.
    • Sehr wichtig, dass die Hierarchie stimmt, und Kinder zu den Eltern hochschauen und sich gut dabei fühlen, nicht unterdrückt. Sie fühlen sich gut, wenn sie Eltern nachfolgen dürfen.
    • Aber wenn Eltern sich ständig kritisieren, dann ist es sehr schwierig für das Kind. Das Kind erträgt das nicht.
    • Es ist okay, wenn sich Eltern bei den Kinder entschuldigen - aber bei einem bestimmten Alter ist das kontraproduktiv.
    • Z. B. sich bei einem 3-Jährigen zu entschuldigen, hilft dem Kleinen nicht. Es wäre für das Kind besser, wenn du als Elternteil mit deiner Schuld zu jemand anderem gehen würdest. Es reicht, wenn man dem Kind z. B. sagt: «Ja, da war ich jetzt sehr streng.»
    • Wir sind die Antwort, wenn die Kinder zu uns aufschauen.
    • Wenn man es immer richtig machen will, dann kommt man in einen Stress. Kinder wollen zu jemandem aufschauen können, der es im Griff hat.
    • Es geht nicht darum, mein Verhalten als Eltern zu ändern, sondern unsere Gesinnung. Es geht von innen nach aussen.
    • Wenn man sich vorgefertigte Reaktionen/ Rezeptur aneignen möchte, aber nicht konsequent reagiert, dann fühlt man sich immer wieder als Versager.
    • Das Ziel ist nicht die Reaktionen zu überlegen, sondern den «Spirit» zu verinnerlichen. Es muss ins Herz gehen - unsere Handlungen zu überdenken, unser Kind anders zu sehen, unser Kind anders zu lesen - von innen heraus.
    • Es gibt nichts Schlimmeres als Eltern, die immer «wie auf Eiern» gehen aus Angst etwas Falsches zu machen.
    • Die Kinder brauchen uns Eltern, wir nicht unbedingt die Kinder.
    • Wenn das Kind seine Komfortzone nicht verlassen will, dann später nachfragen. Auch wir als Eltern haben manchmal Mühe, die Komfortzone zu verlassen.
    • Heinz stellte das Konzept vom Join-up-Gitter vor. Das ist ein neues Tool. Kurs: Kommunikation im Join-up.
    • Wir sollten als Eltern den Mut haben, klare Ansagen zu machen. Wir sind nicht abhängig von wohlwollenden Reaktionen von den Kindern. Oft so angstvolle Stimme als Eltern: «Könntest du bitte mir folgen?»
    • Eltern haben häufig das Gefühl, dass sie ausgenutzt werden. Darum dem Kind klar sagen, was wir von ihnen wollen.
    • Die Kinder auch echt nachfragen, z. B. «Warum konntest du heute Mittag nicht folgen?» So spürt das Kind, dass wir es ernst nehmen und aber auch erwarten, dass es gehorsam ist. Dürfen nicht aus einer Niederlage heraus gehorsam sein. Kinder sollten sich als Überwinder fühlen.
    • Oder z. B. fragen: Warum willst du den Tisch nicht decken? Möchtest du lieber in der Pfanne rühren? Kinder wollen oft etwas «Richtiges» machen - z. B. lieber Traktor fahren und nicht mit dem Rechen hinterher rechen. Kinder wollen die anspruchsvollen Arbeiten erledigen.
    • Richtig machen: Zwei Varianten:
      1. Aus Liebe zu meinem Kind (positive Motivation)
      2. Es gibt eine Motivation, es richtig machen zu MÜSSEN. Diese zweite Motivation ist keine gute Variante.
      Wir müssen versuchen, unsere inneren Ankläger abzuschütteln. Mit sich selber vertrauenspädagogisch umgehen. Niemand muss es immer richtig machen und perfekt sein. Aus Liebe handeln. Gnädig mit sich selber sein.
    • Wenn zwei Kinder streiten. Reaktion der Eltern sollte im Hinterkopf die Hierarchie im Blick haben. Kinder können ihre Probleme selber lösen. Aber wir Eltern können das oft nicht aushalten. Wenn der Ältere nicht im «Fürsorgemodus» ist, sondern im «Herrschermodus», dann können wir als Eltern auch eingreifen. Wichtig ist aber einzugreifen, bevor man wütend ist. Vielleicht den Älteren auch alleine kurz zur Seite nehmen und ihn coachen - aber es wäre gut, wenn er das Problem selber lösen könnte.

 

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