Infobriefe

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Refresher 20-11 «Kleinkinder sind anders»

Hast du schon einmal versucht aus unreifen Äpfeln Apfelmus zu machen? Ich schon, und es geht. Man kann unreife Äpfel genauso bearbeiten wie reife. Alle Prozesse sind ähnlich. Das Problem ist einzig, dass am Schluss das Apfelmus nicht so schmeckt wie es sollte. Meines war sogar leicht klebrig. 

Ich hätte auf meine Frau hören sollen, die mir sagte, die Äpfel seien noch zu wenig reif. Ich dachte, es gehe schon, wenn man ein bisschen Xylit dazugebe. 

Wenn man mit unreifen Äpfeln Dinge tut, die man nur mit reifen tun sollte, dann ist das ein kleines Problem. Anders ist es, wenn wir mit unreifen Kindern so umgehen, wie es für reife Kinder angemessen ist - und umgekehrt. Das passiert uns in unserer Kultur in grosser Regelmässigkeit. 

Den Begriff Reifung für Menschen zu gebrauchen ist nicht üblich. Das ist schade, denn auch Menschen reifen. Unreife Kinder - Kleinkinder bis etwa zu jenem Alter, in dem früher die Schule begann - fühlen sich besser, wenn sie mit älteren oder jüngeren Kindern spielen können. Sie haben auch sonst Eigenschaften, die man kennen sollte, um ihnen gerecht zu werden. Der Start ins Leben ist für einen Menschen entscheidend. Er wirkt sich auf das ganze Leben aus - und sogar aufs Sterben. Ihren besonderen Eigenschaften und Bedürfnissen gilt unser Buch “Vertrauen von Anfang an”, das du in unserem Shop findest. So quasi als Vorgeschmack habe ich in der 7. Auflage des Buches “Erziehen im Vertrauen” den Abschnitt “Kleinkinder sind anders”.aufgenommen:

 

3.7  Kleinkinder sind anders

Das Join-up-Konzept ist eine Art, miteinander umzugehen, die im Grunde sämtliche Beziehungen umfasst. Es ist hilfreich, wenn ein Mitarbeiter mit seinem Chef, ein Schüler mit dem Lehrer und die Bewohnerin mit dem Pflegepersonal im Join-up ist. Die Grundregeln der Führung können für alle leicht angepasst werden.

Nur für eine Personengruppe ist es nicht so einfach: für die Kleinkinder, für Kinder also zwischen null und fünf bis sieben Jahren. Gut, dass sie bereits im Join-up zur Welt kommen. Wenn wir sie von innen her verstehen, dann werden sie im Normalfall im Join-up bleiben, was nicht heissen will, dass sie sich immer kooperativ verhalten. Da kann es vorkommen, dass Kinder erbittert um ein Spielzeug streiten, dass sie einander beissen und kratzen, sich Anordnungen widersetzen und dergleichen. Meist liegt das dann nicht an diesen Kindern, sondern an den widrigen Umständen, in die sie geraten sind. Sie haben nämlich einige ganz besondere Eigenschaften, die sie für bestimmte Situationen gänzlich ungeeignet machen:

Sie haben ein Gehirn, das man – zumindest im Jahre 2020 – gut mit einem Smartphone vergleichen kann. Ein solches Gerät kann fast alles, was ein Laptop kann, und sogar noch einiges dazu, wie z. B. telefonieren und navigieren. Aber obwohl viele Prozesse im Hintergrund gleichzeitig laufen, ist auf dem Display nur einer zu sehen, während der Bildschirm des Laptops verschiedene Prozesse gleichzeitig darstellen kann. Wenn ich also den Smartphone-Fahrplan studiere, kann ich den Bildschirm nicht mit meiner Nachrichten-App teilen, um meiner Frau die Ankunftszeit mitzuteilen. Ich muss den Fahrplan schliessen; dann erst kann es weitergehen. So ungefähr funktioniert das Bewusstsein eines Kleinkindes. Es kann nur einen Gedankengang gleichzeitig bearbeiten. Sie kennen deshalb auch keine inneren Konflikte: Sie werden nie ein vierjähriges Kind hören, das sagt: «Ich bin hin- und hergerissen. Ich möchte mit Mami einkaufen gehen, aber auch hierbleiben und Lego spielen.» Sie wollen entweder das eine oder das andere. Kleine Kinder können ihre Gefühle nicht mischen wie ältere Kinder und wir Erwachsenen. Wir können mehrere Gefühle gleichzeitig wahrnehmen. Das heisst, dass wenn wir jemanden sehen, der uns unsympathisch ist, wir ihn gleichwohl grüssen können, einfach, weil wir neben der Antipathie auch die Würde des Gegenübers im Auge haben können. Wenn uns jemand wütend macht, können wir gleichzeitig wahrnehmen, dass wir einander auch gernhaben. Daraus ergibt sich ein anderes Verhalten als bei kleinen Kindern. Diese sind manchmal sehr direkt...

Kleine Kinder erleben ihre Gefühle nacheinander, nicht gleichzeitig. Ihre Gefühle gleichen sich nicht gegenseitig aus, sondern sind rein und ungemildert: ihr Zorn, ihre Trauer, ihre Fürsorglichkeit und ihr Verlangen. Kleinkinder können sich ohne weiteres um acht Uhr liebkosen und um fünf nach acht erbittert streiten, um sich um zehn nach acht wieder zu vertragen.

 

Wenn sie lieben, lieben sie ganz, wenn sie zornig sind, sind sie auch das ganz.

Kleinkinder leben im Augenblick. Wenn wir mit ihnen am Mittag Abmachungen treffen, haben diese am Abend keine Relevanz mehr. «Du hast heute Mittag gesagt, dass du freiwillig früh zu Bett gehst, wenn du keinen Mittagschlaf machen musst.» Ein solcher Satz wird bei einem Dreijährigen Unverständnis und Verzweiflung auslösen, aber kaum ein «Aha, stimmt, das habe ich versprochen.»

Kleinkinder sind egozentrisch – nicht, weil das ein übler Charakterzug wäre, sondern einfach deshalb, weil ihr Gehirn zu einer Zeit nur einen Standpunkt, eine Perspektive verarbeiten kann. Kleinkinder sind deshalb nicht empathisch. Sie sind zwar mitunter sehr fürsorglich und würden für den schreienden Bruder alles tun und geben, aber sie würden dabei die eigenen Bedürfnisse aus den Augen verlieren. Beim Telefonieren mit einem Kleinkind kommt es regelmässig zu lustigen Szenen wie dieser: «Schau, Bipapi, das habe ich heute gezeichnet.» Das Kind zeigt begeistert auf seine Zeichnung und denkt nicht daran, dass die Person am anderen Ende diese nicht sehen kann. Dabei weiss ein dreijähriges das eigentlich wohl. Aber es kann einfach nicht beide Sichten der Welt, seine und die der anderen, gleichzeitig im Kopf haben.

Kleinkinder können aus dem gleichen Grund auch nicht tricksen bzw. andere täuschen. Es ist ein Akt der Reifung, wenn sie mit solchen Manövern mit vier oder fünf Jahren anfangen. Erwachsene durchschauen diese meist sehr schnell. Es ist für Kleinkinder sogar sehr schwierig bis unmöglich, ihre Spielkarten so in die Hand zu nehmen, dass andere sie nicht sehen können. Ironie und Täuschungsmanöver setzen ein Mindestmass an Einfühlungsvermögen voraus. Umso tragischer ist es, wenn Eltern ein solches sogar ihren Babys unterstellen.

Zum Glück starten sie im Join-up und lassen sich von einfühlsamen Eltern auch einigermassen führen, solange diese nicht auf die Idee kommen, Kleinkinder kontrollieren zu wollen. Sie sind glücklicherweise auch klein und leicht genug, dass man sie im Bedarfsfall mit einem entschuldigenden «Oh, tut mir leid, aber jetzt muss ich dich ins Auto tragen, auch wenn dir das nicht passt.» unter den Arm nehmen kann.

 

Kleinkinder sind oft nur deshalb tragbar, weil sie „tragbar“ sind.

Wie aber soll man denn solche Kinder führen? Viele Eltern tun das, indem sie Kleinkinder einschüchtern bzw. alarmieren. Sie schlagen ihnen auf die Finger, wenn sie sich der Herdplatte nähern oder rufen ganz laut «Nein!», wenn das Kind wieder einmal den Stop-Knopf auf der Fernsteuerung drücken will – obwohl die Tagesschau ja tatsächlich eine Störung darstellt… Das funktioniert meist nur so lange, als die Drohung aufrecht ist. Vielleicht bleibt die Erfahrung nach den Regeln der Konditionierung auch haften. Oft aber pflanzen wir ungewollt den Gegenwillen ins kindliche Herz. Was wir in drohendem Ton – als Gegner gewissermassen – verbieten, wird im Kopf des Kindes als «erstrebenswert, aber gefährlich» notiert. Sie haben das sicher schon selber beobachtet, wie ein drohendes «Fasse ja diese Schere nicht an!» eine Kinderhand fast magisch zur Schere hinzieht und wie manchmal selbst eine Warnung nichts mehr nützt.

Hilfreicher ist es, wenn wir – für das Kind spürbar – auf seiner Seite bleiben und mit seinen positiven Gefühlen arbeiten.

Das könnte sich dann etwa so anhören. «Uiuiui, diese Schere ist gefährlich. Schau einmal, wie die pikst. Die muss auf dem Tisch bleiben, sonst tut sie dir weh.» Was haben wir gemacht? Wir haben die Fürsorglichkeit des Kindes angesprochen. Fürsorglichkeit ist Kindern angeboren. Sie ist wie eine Art Vorwegnahme der späteren Möglichkeit, sich in andere einzufühlen. Man kann die Fürsorglichkeit auch gegenüber kostbaren Dingen wecken, wenngleich es manchmal doch sinnvoller ist, sie aus der Reichweite von Kindern zu entfernen.

Kleinkinder können schlecht mit Gleichaltrigen spielen, obwohl sie sich zu ihnen hingezogen fühlen. Sie sind dafür geschaffen, mit älteren oder jüngeren Geschwistern umzugehen. Erst mit etwa sieben Jahren entwickeln sie die Möglichkeit der Einfühlung und der Empathie, die für das Zusammenwirken mit anderen so wichtig ist. Es erstaunt deshalb nicht, dass vor der Einführung des Kindergarten-Obligatoriums die Einschulung ungefähr in diesem Alter erfolgte. Wir haben in unserer Zeit das Gefühl für diese notwendigen Reifungsprozesse verloren und leben in der seltsamen Vorstellung, dass es sich hier um Lernprozesse handelt. Und es stimmt – man kann Kleinkinder zum Zusammenwirken, zur Rücksichtnahme und zum Teilen erziehen, aber nur dadurch, dass sie sich viele Male falsch vorkommen und an sich selber zweifeln müssen. Sie haben diese Art der Gemeinschaft nicht im Gefühl – noch nicht, um genau zu sein. Kinder entwickeln diese Fähigkeit spontan, sobald sie empathisch sind, auch ohne die Einwirkung von Erwachsenen. Kleinkinder sind darauf angelegt, in Hierarchien zu leben, sich also entweder bei einem älteren Kind anzulehnen oder aber ein jüngeres Kind anzuleiten. Je mehr wir uns als Eltern bewusst sind, dass Kinder immer Hierarchien bilden, gerade auch im Rollenspiel, desto weniger werden wir uns wundern, wenn gleichaltrige Kleinkinder schnell in Konflikte geraten und Mühe haben, ihr Spielzeug zu teilen. Ich schliesse mit einem leicht abgeänderten Sprichwort:

 

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans dann sehr wohl.

 

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Refresher 20-10 «Wie lernen Kinder höflich zu sein?»

“Mama, hol mir ein Yoghurt!” Wie tönt das für dich? Komisch? Vielleicht auch nicht, vielleicht hast du dich daran gewöhnt, dass deine Kinder dir sagen, was du zu tun hast. Vielleicht wehrst du dich manchmal und sagst dann: “Hey, nicht in diesem Ton, bitte!”

Menschliche Gemeinschaft bilden Rangordnungen - genau gleich, wie es soziale Tiere tun. Schulklassen tun das, Familien, Vereinsvorstände - kurz, alle Gruppen, wo Menschen zusammenwirken. In Demokratien wählen wir Menschen an der Urne jene Leute, denen wir Einfluss auf unser Leben zugestehen bzw. auf das Leben unserer Mitmenschen... 

In unserer wichtigsten Gemeinschaft - in der Familie - ist die Rangordnung allerdings oft unklar oder sogar verkehrt, ohne dass das jemandem auffällt. 

Diesem Umstand habe ich in der siebten Auflage des Buches ein Kapitelchen gewidmet, hier der erste Abschnitt:

 

2.1 Das Join-up-Gitter

Wir alle spüren es sofort: Wenn sich ein Kind vor uns aufbaut und im Befehlston etwas einfordert, dann stimmt etwas nicht und wir fühlen uns berufen, das Kind in die Schranken zu weisen. Haben Sie sich auch schon darüber Gedanken gemacht, dass es genauso unangebracht ist, dass Sie sich als Mama oder Papa nicht getrauen, Ihrem Kind etwas zu befehlen? Wir Erwachsenen tun uns vielmehr ganz schwer mit Sätzen wie «Hole noch Mineralwasser aus dem Keller!» Wir sagen lieber: «Würdest du bitte Mineralwasser aus dem Keller holen?» Nachdem das eine höfliche Frage ist, sollten wir eigentlich bereit sein, ein Nein des Kindes zu akzeptieren. Diese Art der Formulierung gehört eigentlich zur Sprechweise jener, die sich unterordnen, weil sie sich bedürftig und abhängig fühlen wie jemand, der auf der Strasse nach dem Weg fragt. Niemand würde dort ja sagen: «Zeigen Sie mir den Weg zum Bahnhof!» Nein, wir würden uns ohne schlechte Gefühle unterordnen und darauf hoffen, dass wir im Gegenüber fürsorgliche Gefühle auslösen, die ihn dazu bringen, sich für uns einen Moment Zeit zu nehmen. Als Eltern benutzen wir diese Formulierung oft missbräuchlich, denn wir fragen in Wirklichkeit gar nicht, sondern wir wollen nur liebevoller befehlen, als es unsere Eltern und Lehrkräfte damals taten. Den wenigsten wird es bewusst sein, dass elterliche Unterordnung Kinder verwirrt, vor allem dann, wenn die Eltern frustriert auf ein Nein des Kindes reagieren, Vorwürfe machen oder gar drohen, wenn ein Kind eine höfliche Anfrage als solche wahrnimmt. Gerade kleine Kinder tun sich sehr schwer mit dem Interpretieren von verklausulierten Botschaften.

 

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Refresher 20-09 «Defensive Dominanz»

Wir haben uns im letzten Monat damit beschäftigt, wie gefährlich und schädlich es ist, die Liebe und Anhänglichkeit der Kinder dazu zu nutzen, sie gefügig zu machen. Du kennst vielleicht Sätze wie: “Jetzt kommst du schon wieder aus dem Zimmer, wenn du nochmals herauskommst….” Dabei kann ein Kind, das gesund ist und in Kontakt ist mit seinen Gefühlen, nur ganz schlecht einschlafen, wenn die Beziehung mit den Eltern nicht geklärt ist. So wird es irgendwann wieder aufstehen, um zu spüren, ob der Zorn der Eltern vorbei sei und die Stimmung wieder besser. Schön ist es, wenn Eltern das erkennen und nicht noch mehr Druck machen.

Manche Kinder entwickeln eine eigentliche Trennungsproblematik. Eine Verhaltensweise aus dieser Problematik heraus kennen wir alle: das Klammern. Wenn wir dann sagen: “Kannst du nicht einmal etwas für dich spielen…. dann wird sich das Problem dadurch eher verschärfen als lösen. Manchmal entwickeln Kinder ein Verhalten, dem ich im Buch einen kleinen Abschnitt gewidmet habe.

 

3.6 Defensive Dominanz

1 Defensive Dominanz - Leiterschaft, die aus der Angst kommt

Wenn Kinder zu oft mit einer Trennung konfrontiert werden – gleichgültig, ob sie real ist oder nur im Kopf des Kindes existiert –, reagieren sie auf eine typische Weise. Sie suchen zunächst die Nähe der Eltern bzw. der Bezugspersonen. Sie tun das so fordernd, so unersättlich, dass Eltern auf dieses Klammern meist mit Abwehr reagieren. Diese Zurückweisung freilich verstärkt das Trennungsgefühl. Ein Teufelskreis beginnt. Er endet nicht selten in einem Dominanzverhalten des Kindes. Irgendeine Instanz im Bindungsgehirn des Kindes sagt ihm: «Die anderen Menschen halten nicht an dir fest. Sie lassen dich im Stich. Sie wollen dich nicht. Es bleibt dir nichts, als selber die Führung zu übernehmen, sonst bist du verloren.» Die Folge ist eine Hierarchie-Umkehr, die so umfassend sein kann, dass Befehle der Eltern im Kind Frustration und Aggression auslösen und ebenso deren scheinbarer «Ungehorsam», wenn die Eltern nicht bereit sind zu tun, was das Kind fordert. Je mehr sich Eltern wehren, desto schlimmer kann es für das Kind werden. Wenn Sie bei ihrem Kind so etwas vermuten, lohnt es sich, Beratung in Anspruch zu nehmen. Ich deute hier nur an, welchen Weg ich mit meinen Klienten schon sehr oft gegangen bin (und greife dem nächsten Kapitel der Dringlichkeit wegen etwas vor):

Zunächst geht es darum, dem Kind mehr Nähe zu geben, als es verlangt.

«Das ist unmöglich!» rufen Eltern in der Regel an dieser Stelle aus. Aber meist finden wir einen Weg dahin. Vor allem geht es dann darum, schneller zu sein. Das Ziel muss es sein, dass die Eltern das Kind so lange und so intensiv nahe halten, dass dasselbe Bindungsgehirn den Umkehrschluss zieht und dem Kind sagt: Deine Eltern halten an dir fest. Sie wollen dich in ihrer Nähe haben, du bist bei ihnen willkommen. Sie sorgen dafür, dass du nicht verloren gehst. Ein solcher Prozess löst fast unglaubliche Veränderungen im Kind aus. Meist normalisieren sich Kinder vollständig. Aber der Aufwand sprengt den Rahmen der normalen elterlichen Betreuung deutlich. Es lohnt sich deshalb doppelt, Kinder nicht unnötig einer Trennung auszusetzen. Trennungsstrafen sind eine häufige Ursache und, weil sie oft regelmässig verhängt werden, die häufigste Ursache defensiver Dominanz. Klammern hingegen kann auch durch traumatische Ereignisse wie dem Verlust geliebter Personen oder Tiere ausgelöst werden. 

Soweit der Abschnitt aus dem Buch. 

Für uns als Erziehungspersonen gibt es übrigens ein ähnliches Phänomen. Auch wir können in den Zustand kommen, wo wir klammern, wo wir den kindlichen Gehorsam durchsetzen einfach deshalb, weil wir Angst haben sie könnten uns entgleiten. Dann ist es wichtig, dass wir uns der Frage stellen, ob es jetzt noch ums Kind geht oder um unsere eigene Not, der Angst, nicht mehr gebraucht, nicht mehr gefragt zu sein. Kinder reagieren meist sehr negativ auf diese Art Leiterschaft. Wenn wir sie zwingen sich freizustrampeln wird das allen Beteiligten wehtun. 

Es kann aber auch viel oberflächlicher sein: Wenn du dein Kind unter Druck setzt oder ihm etwas verbietest, einzig aus der Angst, bei Nachbarn und Freunden weniger angesehen zu sein oder gar kritisiert zu werden. Viele Eltern, Lehrkräfte und auch Trainer in Sportvereinen fürchten sich davor, wegen Missachtung der Aufsichtspflicht zur Rechenschaft gezogen zu werden, wenn etwas passiert. Wie schnell geraten wir da in eine Leiterschaft, die von der Angst für uns selber geprägt ist, anstatt aus der Sorge um das Wohl der uns Anvertrauten. Kinder brauchen das Risiko um ihre Grenzen auszuloten. Hindere sie deshalb nicht aus Angst vor der nachbarschaftlichen Kritik auf Bäume zu klettern, auf Mäuerchen zu balancieren oder durch Bäche zu waten oder auch weil die Angst deiner eigenen Mutter noch in dir steckt. In der Einstein-Sendung “Die Macht des Spielens” des Schweizer Fernsehens wird das eindrücklich dargestellt. 

Manchmal verbieten wir Dinge aber auch aus ehrlicher Rücksicht - dann zum Beispiel, wenn dein Kind die Idee hat morgens um sechs Klavier zu spielen, wenn andere schlafen. Von aussen sieht man oft nicht, was uns antreibt, dies oder jenes zu tun oder zu lassen. Lasst uns deshalb achtsam sein, dass es immer mehr die Liebe ist, die uns leitet. Die Liebe zu unseren Kindern, zu uns selbst - und auch zu unseren Nachbarn.

 

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Refresher 20-08 «Die Bestrafung über die Beziehung»

In diesem und in den nächsten Refresher-Briefen möchte ich dir jene Artikel näherbringen, die erst in den neueren Auflagen des Buches “Erziehen im Vertrauen” Eingang gefunden haben. Es ist uns ein Anliegen, dass dieses Buch aktuell bleibt und die Kerngedanken der Vertrauenspädagogik enthält. Du hast wahrscheinlich eine frühere Ausgabe gelesen, in denen die einen oder anderen Gedanken noch nicht enthalten waren. 

Heute geht es um jenes Machtmittel, das amerikanische Kinderärzte Eltern empfehlen, um sie zu überzeugen, dass es ohne Körperstrafe geht. In der Tat ist es ein sehr mutiges Unterfangen, auf die Körperstrafe zu verzichten. Wenn man allerdings an der Idee festhält, man sei nur dann als Mama oder als Papa richtig, wenn wir das Verhalten der Kinder kontrollieren können, dann ist dieser Verzicht fatal und man kommt auf die Idee, die Anhänglichkeit der Kinder zu nutzen, um sie zu kontrollieren. Hier also der entsprechende Abschnitt aus dem Buch:

 

3.5 Die Bestrafung über die Beziehung

Manche Eltern nutzen die kindliche Abhängigkeit aus, um Kinder gefügig zu machen und Druck auf sie auszuüben. Es gibt ganze pädagogische Lehrbücher, die die kindliche Trennungsangst als Mittel gegen die elterliche Ohnmacht nutzen, die sich aus dem längst überfälligen Verzicht auf die Körperstrafe ergeben hat. Und es stimmt: Der stille Stuhl ist ein Ort, an dem sich fast jedes Kind sagt: «Ich will wieder lieb sein, wenn ich nur wieder bei meiner Mama sein darf.» Oft werden die Kinder gerade dann isoliert, wenn sie die Nähe der Eltern am meisten bräuchten – dann zum Beispiel, wenn sie sich daneben benommen haben und spüren, dass die Eltern frustriert sind. Abhängig zu sein, verkommt so zu einer demütigenden Situation und bekommt jenen bitteren Beigeschmack, der vielleicht als Gegenreaktion das humanistische Ideal der Selbstbestimmung begründet hat.

Wer spürt, dass seine Abhängigkeit als Macht- und Druckmittel gegen ihn verwendet wird, wird sich früher oder später dagegen auflehnen. Viele Jugendliche schütteln diese Abhängigkeit genau dann ab, wenn sie die Eltern dringend brauchen würden: in der Pubertät.

Dass Jugendliche nicht in erster Linie selbstbestimmt sein wollen, wissen alle, die mit ihnen zu tun haben. Sie suchen vielmehr Geborgenheit und Schutz in der Bindung an andere Menschen. Der Frage, warum das oft nicht mehr jene sind, die für sie Verantwortung tragen, wollen wir in den nächsten Kapiteln nachgehen.

Bindung ist das tiefste und stärkste Bedürfnis überhaupt. Nichts bringt uns Menschen so aus der Fassung wie der tatsächliche oder befürchtete Verlust unserer primären Bindungen. Es sind Gefühle wie Liebeskummer oder die Trauer um einen geliebten Menschen. Für Kleinkinder hat die Angst vor dem Verlust der Bindung eine lebensbedrohliche Dimension, denn sie spüren, dass sie selber nicht überleben können. In meinen Beratungen werde ich deshalb immer wieder mit einem kindlichen Verhalten konfrontiert, das ich nach Gordon Neufeld Defensive Dominanz nennen möchte.

 

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Podcast des Monats


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Refresher 20-06 «Keine Lehre passt - Schule auch nicht - was bleibt?»

Die meisten SchulabgängerInnen haben ihre Entscheidungen gefällt, haben ihre Lehrstelle und freuen sich mit banger Erwartung, wie das denn sein wird, das richtige Leben. Für andere bleibt vieles beim Alten. Sie gehen weiter zur Schule mit ihren bekannten Regeln. Einige haben sich vielleicht entschieden, trotz Schulverleider das zehnte Schuljahr zu absolvieren oder sie haben eine Lehrstelle angenommen, die so gar nicht ihren Wünschen entspricht. “Etwas muss man ja machen!” Was für eine Herausforderung für die Jugendlichen und deren Eltern. Wieviel Sorgen und Ängste übernehmen da manchmal doch das Zepter. Da hat mir dieser Tage jemand ein Werbemail von “Time4” zugespielt, das mich aufhorchen liess und mir war schnell klar: Hier tut sich eine Chance auf für einige unter den vielen, für die nichts zu passen scheint. 

Um es vorweg zu nehmen, die Absolventen von Time4 haben am Schluss keinen klassischen Lehrabschluss, aber sie hangeln sich von Interessengebiet zu Interessengebiet, gecoacht von Erwachsenen und im Verbund mit anderen Jugendlichen, die einen ähnlich abenteuerlichen Weg gehen. 

Im Podcast habe ich mir von Michi Bösch erklären lassen, wie das ganze funktioniert. Mit Florian Knaus lernen wir einen jungen Mann kennen, der bereits ins Berufsleben eingestiegen ist und dankbar auf seine Lehr- und Wanderjahre bei Time4 zurückblickt. 

 

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Hier zur Webseite von Time4

 

 

Talk über das Monatsthema


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter, Michi Bösch und Florian Knaus.

 

Hotline mit Heinz Etter

Heinz Etter bestreitet jeweils am letzten Montag im Monat - das nächste Mal am 29. Juni 2020 - von 20:00 bis 21:00 Uhr die Hotline. Wie die Hotline funktioniert findest du hier.  

 

 

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Refresher 20-05 «Frauen, die Orientierung geben - eine Annäherung an Ron Davis»

Keine Angst, das wird kein feministischer Beitrag heute, auch wenn ich sehr viel von Frauen in Führungspositionen halte. Nein, heute geht es um eine andere Art der Orientierung. Vielmehr um das Phänomen der Desorientierung. Ich bin dem Begriff zum ersten Mal vor etwa 30 Jahren begegnet. Damals kam eine Mutter in unsere Sekundarschule mit dem Anliegen, Verständnis für ihren Sohn zu haben, denn der sei zwar intelligent und kreativ, könne aber kaum lesen und überhaupt nicht schreiben. Ob das an unserer Schule gehe. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich reagiert habe. Stimmt, richtig geraten, ich habe freudig zugesagt. Wie es dann kam, dass der Junge kurze Zeit später eine Woche bei der Frau eines Kollegen verbrachte, weiss ich nicht mehr, aber der spektakuläre Erfolg der Davis-Therapie ist mir noch gegenwärtig, wie wenn es gestern gewesen wäre. Mein Interesse war geweckt. 

Später nahm ich davon Kenntnis, dass Legasthenie nicht mehr therapiert wird. Auch von der Davis Methode hörte ich nichts mehr, obwohl mir das Buch von Ronald Davis “Legasthenie als Talentsignal” völlig einleuchtete. Erst vor wenigen Jahren erfuhr ich durch Monika Beer, eine VP Trainerin, dass Desorientierung nicht nur das Lesen erschwert, sondern auch mitverantwortlich ist für allerhand Verhaltensprobleme. Auf der anderen Seite stellt die Desorientierung z.B. für Architekten ein grosses Talent dar. Was ist das Desorientierung? Wir Normalos schauen von einem bestimmten Punkt aus. Es gibt aber Menschen, deren inneres Auge im Raum herum wandert. Wenn man von hinten schaut, ist plötzlich links nicht mehr links, sondern rechts und ein p unterscheidet sich nicht mehr von einem q. 

Das Buch über Verhaltensprobleme und Desorientierung, das Monika mir empfahl, begeisterte mich. Mein Interesse war neu geweckt und so kam es, dass ich Stephanie Reimann, auch VP Trainerin und neu verantwortlich für die Betreuung der Trainerinnen und Trainer. ermutigte die Davis-Ausbildung zu machen. Wie es ihr dabei ging erzählt sie uns im Podcast. Dort wird auch eine Mutter zu Wort kommen, die erzählt, wie sich ihr Sohn durch die Therapie bei Stephanie verändert hat. Ja, ich denke, du tust gut daran, dir den Names Ron Davis zu merken. Rund um das Thema Orientierung und Desorientierung gibt es einiges zu entdecken. (Nicht nur für Legastheniker und Leute mit ADHS). 

Wir haben in diesem Monat aber auch etwas anderes bereit für dich: Unser Webinar mit Heinz Lüscher über Ernährung und ihren Einfluss auf die Entwicklung unserer Kinder. Mehr Informationen findest du hier.

 

Talk über das Monatsthema


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter und Stephanie Reimann.

 

Hotline mit Heinz Etter

Heinz Etter bestreitet jeweils am letzten Montag im Monat - das nächste Mal am 25. Mai 2020 - von 20:00 bis 21:00 Uhr die Hotline. Wie die Hotline funktioniert findest du hier.  

 

 

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Refresher 20-04 «Der Wald als Lernort»

Ich habe vor kurzem ein äusserst spannendes Lehrvideo über den Wald gesehen, das im Schweizer Schulfernsehen zur Verfügung gestellt wurde. Wenn du noch nicht fasziniert bist vom Wald, musst du dir dieses Video unsere Wälder, die Sprache der Bäume ansehen - sonst natürlich sowieso. Es hat mich bestärkt darin, das Thema im heutigen Refresher aufzugreifen. Den Anstoss allerdings gab mir eine Teilnehmerin des Trainerkurses, die mit ihren Kindern regelmässig in den Wald geht. Ihr könnt gespannt sein auf ihre Erfahrungen. 

Mich fasziniert es schon seit längerem, wie sich insbesondere hyperaktive und sehr sensible Kinder im Wald viel wohler fühlen als in einer gestalteten Umgebung. Die Natur wirkt auf diese Kinder beruhigend. Das Video berichtet von einer Studie, die nachweist, dass das nicht nur für diese Kinder zutrifft, sondern für alle Menschen. Man hat festgestellt, dass die Konzentration der Glückshormone schon nach 10 Minuten im Wald zunimmt, während die Stresshormone wie z.B. Cortisol gleichzeitig abnehmen. Die Wirkung hält über Stunden an. 

Ist dir auch schon aufgefallen, wie Kinder im Wald friedlich oder mindestens friedlicher sind? Ich rate Müttern und Vätern oft, immer wieder den selben Platz aufzusuchen. Das muss ja nicht etwa eine öffentliche Feuerstelle sein. Lieber vielleicht ein Ort mit einem kleinen Wasserlauf, einer Lichtung oder sonst etwas, das ihn auszeichnet. Diesen Ort zu benennen und ihn regelmässig aufzusuchen und zu beobachten, wie sich die Vegetation verändert, kann sich zu einem segensreichen Ritual entwickeln. Den Erwachsenen empfehle ich dann, sich irgendwo hinzusetzen und etwas zur Hand zu nehmen, was sie hindert auf die Kinder zu schauen und Einfluss auf ihr Tun zu nehmen. Ein gutes Buch vielleicht. Kinder finden in aller Regel schnell den Weg in ein emergentes Spiel, in ein Spiel, das ohne Anregung der Erwachsenen zustande kommt. Freilich nur dann, wenn sich in ihren Taschen nicht noch zufällig ein Handy befindet...

In Zeiten von Corona kann es aber im Wald ganz anders zu und her gehen. Schule im Wald. Waldkindergärten gibt es ja schon lange. Hier kannst du unser Gespräch anhören.

 

Talk über das Monatsthema


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter und Donna Tonne.

 

Hotline mit Heinz Etter

Heinz Etter bestreitet jeweils am letzten Montag im Monat - das nächste Mal am 27. April 2020 - von 20:00 bis 21:00 Uhr die Hotline. Wie die Hotline funktioniert findest du hier.  

 

 

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Refresher 20-03 «Aus aktuellem Anlass: Was tun mit den Kindern?»

Vielleicht geht es dir wie vielen Müttern und Vätern und du siehst dich mit der Situation konfrontiert, dass deine Kinder zuhause sind und nicht einmal die Grosseltern einspringen sollten, wenn du keine Zeit für sie hast. Was tun? Wie kaum je seid ihr als Eltern auf euch alleine gestellt. Da habe ich mir gedacht, ich möchte dir vielleicht aus vertrauenspädagogischer Sicht ein bisschen Hoffnung machen, damit aus diesem Elend vielleicht doch auch ein bisschen Segen erwächst.

Kinder können auch alleine...

Traue deinen Kindern zu, dass ältere jüngeren schauen können. Übertrage Verantwortung auf die älteren Kinder. Das wird sie aufbauen. Vergiss nicht, die Kleinen zu ermutigen bzw. zu ermahnen, dass sie auf die Grossen hören sollen.
Nimm lieber einige Verluste in Kauf, aber lass die Kinder kochen. (Vielleicht brauchen sie Hilfe beim Aufräumen…). Du dienst ihnen mehr, als wenn du versuchst, doch noch alles zu bewältigen.
Übertrage ihnen Arbeiten im Haushalt und geh du deiner Arbeit nach.
Wenn du das Glück hast, Zeit für deine Kinder zu haben, dann gilt das Obige gleichwohl. Für dich gibt es nämlich jetzt eine neue Chance.

Macht eine Freilernphase

Freilernen ist jene Lernform, wo Kinder sich selber Herausforderungen suchen - so wie sie es als Kleinkinder taten. Sie unterscheidet sich klar von Homeschooling. Dort übernehmen die Eltern in einem gewissen Sinn die Rolle von Lehrkräften - was freilich ganz verschieden aussehen kann. Vielleicht bekommen deine Kinder ja von der Schule Aufträge und die Gelegenheit ergibt sich nur in beschränktem Masse. So oder so wird es so sein, dass deine Kinder plötzlich jede Menge Zeit haben und du dich herausgefordert siehst, sie zu unterhalten bzw. mit ihnen etwas zu unternehmen. Dann möchte ich dich ermutigen, die Sache etwas anders anzugehen. 

Löse dich vom Gedanken, deinen Kindern etwas zu bieten, sie zu unterhalten und dergleichen.  Das dürfte gar nicht so einfach sein, denn die Kinder sind sich gewohnt, dass sie durch Schule und Freizeitangebote dauernd von aussen angeregt werden. Sie kommen fast nicht mehr dazu zu erfahren, was in ihnen selber steckt. Es ist also zu erwarten, dass sie über Langeweile klagen. Sprich mit ihnen darüber, dass du möchtest, dass sie sich jetzt selber beschäftigen... Verzichte auch darauf, eine Liste von Möglichkeiten zu erstellen. Überlasse es deinen Kindern. Halte es aus, dass viel Frustration auftreten wird. Es lohnt sich, denn die Chance ist gross, dass sie bald einmal aktiv werden.

«Wenn sie die ganze Zeit am Handy und am PC sind, dann gehts.»

Wie kannst du verhindern, dass Handy und PC in die Bresche springen und die kindlichen Gehirne unterhalten? Meine Gesprächspartnerin im Podcast spielt mit dem Gedanken, die Kinder einfach einmal open-end gamen zu lassen - einfach um zu sehen, ob da irgendwann eine Sättigung eintritt. Die Idee ist spannend. Wenn du das machst, sind wir gespannt auf deine Erfahrungen. Ich stelle den Refresher-Brief ja auch aufs Forum. Vielleicht ist es bei euch auch kein Problem, aber ich gehe davon aus, dass die Versuchung grösser ist als sonst, und es deshalb Sinn macht, klare Regeln zu haben. Nicht um die Kinder zu begrenzen, sondern um sie zu befreien. Hier braucht es offene Gespräche.Ihr könntet noch andere fixe Abmachungen treffen: Jeden Tag nach draussen gehen. Jeden Tag ein bisschen Sport und Bewegung. Kinder können auch die Frage diskutieren: Was wollten wir, was wollte ich schon lange einmal machen?

Dürfen sie? Oder lauert da die Angst, dass die Kinder doch unbedingt etwas lernen sollten, damit sie nicht in Rückstand geraten? Achte gut auf dich selber. Wenn das so ist, dann nimm diese Angst ernst und ziehe gewisse Zeiten am Tag durch, wo sie am Schulstoff arbeiten. Schlimm wäre, wenn du die Angst verdrängst und sie in Form von Druck, Unzufriedenheit und Stress den ganzen Tag aus den Ritzen deines Herzens kommt und die Freiheit vertreibt.

Und dann?

Entscheidend dabei wird sein, dass deine Kinder und ihr als Eltern euch bewusst seid, dass es unter Umständen zuerst Tage der Leere geben wird. Überlegt euch, wie ihr damit umgehen wollt, wenn der Frust zu Aggression führt. Vorsorgen ist besser als Heilen!

Wenn die Kinder dann aktiv sind, kann es sein, dass das Aufräumen zur Herausforderung wird. Mein Tipp: Beharre darauf, dass jeden Tag aufgeräumt wird - wie in den Werkstätten der Handwerker. Unordnung erstickt die Kreativität.  

Ich wünsche euch eine inspirierende Zeit mit euren "arbeitslosen" Kindern und dass ihr euch als Familie ganz neu entdeckt.

 

Talk über das Monatsthema


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter und Claudia Feierabend.

 

Hotline mit Heinz Etter

Die Live-Beratung über Skype hat zuwenig Interesse ausgelöst. Wir bieten dieses Angebot nur noch nach Absprache an. Bitte melde dich per Mail, fass du das wünschst. Heinz Etter wird stattdessen jeweils am letzten Montag im Monat - 30. März 2020 - von 20:00 bis 21:00 Uhr die Hotline bestreiten. Wie die Hotline funktioniert findest du hier.  

 

 

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Refresher 20-02 «Aus Angst oder aus Liebe?»

Für Kinder ist die Beziehung der Eltern untereinander von kaum zu überschätzender Bedeutung. Ich möchte euch deshalb einen der Blogbeiträge von Marc Bareth vorstellen, der mir sehr aus dem Herzen spricht. Marc leitet den Arbeitszweig familylife von Campus für Christus. Lest oder hört selbst, wie er ein zentrales Thema der Vertrauenspädagogik auf die Situation von Paaren anwendet. Die Frage nämlich, welche Motive hinter unserem Handeln stehen.
Wir haben zusammen den zweiten Podcast produziert. Er dauert gut 30 Minuten.

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Talk über das Monatsthema


Wie im Januar, so haben wir auch dieses Mal einen Input über das Thema des Monats als Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz etter und Marc Bareth.

 

Hotline mit Heinz Etter

Die Live-Beratung über Skype hat zuwenig Interesse ausgelöst. Wir bieten dieses Angebot nur noch nach Absprache an. Bitte meldet euch per Mail, falls ihr das wünscht.
Heinz Etter wird stattdessen jeweils am letzten Montag - 24. Februar 2020 - von 20:00 bis 21:00 Uhr die Hotline bestreiten. Wie die Hotline funktioniert findest du hier.

 

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Refresher 20-01 «Er/sie tut alles, mich vor den Kindern schlecht zu machen»

Wenn solche Gedanken in deinem Kopf sind, dann ist schon vieles im Argen. Allein diese Vermutung reicht aus, um eine Beziehung nachhaltig zu beschädigen. Und wer würde es nicht verstehen, wenn man sich - je nach Typ - zurückzieht oder zum Gegenangriff übergeht. 

Bevor wir uns mit diesem schlimmen Fall beschäftigen, möchte ich dich einladen, die Anfänge einer solchen Entwicklung zu betrachten.

Bitte entschuldige, wenn ich der Einfachheit halber den statistisch weitaus häufigeren Fall ins Auge fasse und es deiner Fantasie überlasse, die Geschlechterrollen zu tauschen. 

«Zuerst muss ich Vertrauenspädagogik einmal meinem Mann verklickern!» So argumentierte eine angehende Trainerin, total begeistert vom vertrauenspädagogischen Ansatz. Wer wollte es ihr verdenken, ihren Roger teilhaben zu lassen an dieser Entdeckung. Aber: Wie schnell tönt es dann so: «Hör zu, Roger, wenn du so Druck machst, musst du dich nicht wundern, wenn Micha bockt. Bau du zuerst mal eine Beziehung zu ihm auf!» Den üblen Fall, dass Micha dieses Gespräch mithört, wollen wir ausklammern, aber diese Gedanken werden ohnehin in seinem Kopf ankommen. Kinder spüren solche Gedanken und werden gestärkt, dem Druck des Vaters zu widerstehen (was ja nicht immer falsch sein muss). Aber es führt in der Regel dazu, dass Roger den Druck auf Micha erhöht. Wäre dieser stärkende Einfluss der Mutter nicht da, würde er wohl eher klein beigeben. So aber fühlt er sich als Widerstandskämpfer und weniger als Rebell. Würde Papa jetzt nachgeben, würde er sich nicht als jemanden wahrnehmen, der endlich verstanden hat, was seine Frau bewegt, sondern eher als Verlierer, als Schwächling, der sich vom eigenen Sohn vorführen lässt.

Ich würde dir als Frau in einem solchen Fall eher die gegenteilige Vorgehensweise empfehlen: Stelle dich hinter deinen Mann, auch wenn er eben eine wenig beziehungsfördernde Drohung ausgestossen hat: «So musst du nicht mit mir sprechen. Noch eine solche freche Antwort und dein Handy ist für einen Monat weg, hast du mich verstanden?» Begleitet von hochgezogenen Augenbrauen und zwar so: Nimm deinen Sohn, wenn sich die Emotionen abgekühlt haben, zur Seite und sage vielleicht sowas zu ihm: «Micha, schau, drücke nicht die roten Knöpfe deines Vaters. Du förderst so seine übelsten Wesenszüge zutage. Du bringst ihn dazu, genau das zu tun, was er nie wollte. Er liebt dich wie ich, aber er ist überzeugt, dass er sowas nie durchgehen lassen darf. Geh respektvoll mit ihm um, dann wirst du ihn von seiner edlen Seite kennenlernen. Gerade jetzt ist es doch wichtig, deinem Vater nahe zu sein, wo du langsam ein Mann wirst.» «Ja, aber...!» «Denk darüber nach. Du hast es ein Stück weit in der Hand, aus ihm einen aggressiven Kritiker oder einen verständnisvollen Vater zu machen. Steh deinen Mann, aber drücke nicht Papas rote Knöpfe!» 

Auch diese Botschaft wird ihren Weg in die Herzen finden, auch wenn dein Gespräch mit Micha unter vier Ohren war. Und sie wird viel eher dazu führen, dass dein Mann sich für deine neue Sicht auf Pädagogik interessiert. Je weniger er sich angegriffen fühlt, desto weniger wird er sich verteidigen müssen und sich auf die Suche machen nach Szenen, wo deine Pädagogik ihm als Quelle seiner Schwierigkeiten vorkommt. 

Kommen wir zurück auf jenen Fall, wo eure Beziehung bereits in Brüche gegangen ist, aus welchen Gründen auch immer. Vertraue darauf, dass ihr beide eure Kinder nach wie vor liebt und das Beste für sie wollt. Glaube nicht, dass dein Partner bzw. deine Partnerin bewusst eure Kinder instrumentalisieren will, um sich an dir zu rächen. Selbst wenn es dir so vorkommen mag. Erinnere dich daran, dass das Bild, das du jetzt von deinem Partner, von deiner Partnerin hast, so wenig objektiv ist, wie jenes, als du ihn noch liebtest. Löse dich selber von Rachegedanken und steht einander zu: «Man kann das Leben oft nur rückwärts verstehen, leben muss man es vorwärts.» 

Für deine Kinder ist eines zentral: Sie möchten zu dir und zu deinem Partner, deiner Partnerin, eine Beziehung leben dürfen, ohne das Gefühl zu haben, dass ihr darunter leidet, wenn sie glücklich aus dem Wochenende kommen. Unterstützt euch gegenseitig, auch wenn ihr ganz verschieden denkt und handelt. Kinder vertragen gut verschiedene Erziehungsstile, solange sie sich geliebt fühlen.

 

Talk über das Monatsthema


Wir verabschieden uns einstweilen von den Videos auf youtube. So sehr sie von den einen geschätzt wurden, so ziehen andere lieber Podcasts vor, Hörtexte also, die man direkt beim Autofahren oder beim Fitnesstraining hören kann. Was bleibt ist die Möglichkeit, am letzten Montag von 20:30 Uhr bis ca. 21:15 Uhr zu einer Live-Beratungsstunde einzuklinken. Wir beantworten dann nur Fragen. Wenn niemand etwas fragt, ist die Sitzung ganz schnell beendet und ihr könnt in der Gruppe den Podcast hören.

 

Live-Beratung über Skype

Am letzten Montag im Monat - 27. Januar 2020  um 20:30 Uhr - ist wieder Live-Beratung. Sie findet per Skype statt. Hier findest du die Veranstaltung und kannst dich via Skype einloggen.

 

 

 

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Refresher 19-11 «Eindrücke aus Afrika»

Ich bin auf der Rückfahrt nach einem vierzehntägigen Besuch in einem Lehrlingsheim, das ein Freund hier in Benin aufgebaut hat. Mein Herz ist voll von Eindrücken, von beglückenden und auch von belastenden.
Beglückend ist es zu sehen, dass Kinder und oft auch Erwachsene uns zuwinken und sich freuen, in Kontakt zu kommen, ohne die Hand hinzustrecken. Noch beglückender, wenn ein dreijähriger Knirps, der neben seiner Mutter auf einem Bänklein sitzt, mir eines seiner drei Erdnüsschen hinstreckt. Beglückend, wie kooperativ die Kinder spielen und ältere Kinder kleineren den Raum geben.
Belastend war für mich, wie scharf hier Wertehierarchien gelebt werden. Viele Angestellte verhalten sich uns gegenüber, als ob sie demnächst einen Tadel erwarten würden. Entweder indem sie uns ausweichen oder eine unangenehme Unterwürfigkeit zeigen. Das tun auch viele Frauen ihren Männern und Kinder ihren Eltern gegenüber. Unter ihresgleichen sehe ich viel Wärme, Herzlichkeit und Lachen und dann denke ich, dass Entwicklungshilfe nicht immer in der richtigen Weise fliesst.
Ich habe eine christliche Schule besucht. Über diese Eindrücke spreche ich mit Martin Reimann im Talk des Monats. Wenn du mit uns darüber ins Gespräch kommen willst, dann klinke dich per Skype ein.

 

Talk über das Monatsthema

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Refresher 19-10 «Muss ich?»

«Du musst noch Socken anziehen, bevor wir gehen können.» - «Das Zimmer muss noch vor dem Essen aufgeräumt werden.» - «Du musst jetzt ins Bett gehen.»  Diese Art der Kommunikation ist nicht sehr wertschätzend, weil wir die Kinder damit nicht als Wesen mit eigenem Willen betrachten. Wenn du mit VP unterwegs bist, versuchst du deshalb vielleicht auch, dieses «müssen» zu vermeiden. 

Aber wie sieht es mit dir selbst aus? Ich ertappe mich häufig dabei, wie ich sage: «Zieh dich bitte an, wir müssen einkaufen gehen» - «Ich hab’ jetzt keine Zeit zum Spielen, ich muss noch die Küche putzen.» Oder: «Beeil dich bitte, ich muss zur Arbeit.» Nicht nur, dass meine Kinder das Gefühl haben, ich sei komplett fremdgesteuert und könne gar nichts selbst entscheiden, nein, ich mache mir damit auch einen enormen Druck. Dabei hat Jesus mich doch frei gemacht! Gott selbst lässt uns unseren Willen und zwingt uns nicht einmal dazu, seine Gebote zu halten! Wie könnte ich dann dazu gezwungen sein, die Küche zu putzen? Vielleicht denkst du jetzt, es sei doch wichtig, gerade in der Küche eine gewisse Hygiene einzuhalten. Ja, ich putze meine Küche auch regelmässig - aber nicht mehr aus dem Gefühl heraus, dass ich es muss, sondern weil ich will, dass meine Familie gesund bleibt, weil ich mich an einer sauberen Küche erfreuen kann. Ich gehe arbeiten, weil ich unseren Lebensstandard so erhalten will, und ich gehe einkaufen, weil ich heute Mittag meiner Familie ein feines Essen vorsetzen will. Dieser kleine, aber feine Unterschied bewirkt unglaublich viel! Probiere es aus und du wirst merken, dass du zufriedener bist und damit auch mehr Energie für Wichtigeres hast.

 

Talk über das Monatsthema

 

Input für die Livesendung vom 28. Oktober 2019

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Refresher 19-09 «Und wenn sie in die Lehre kommen?»

Kürzlich wurde mir eine interessante Frage gestellt: Wie geht es denn Kindern, die mit Vertrauenspädagogik aufwachsen und vielleicht sogar eine VP-Schule besuchen, wenn sie anschliessend in die Ausbildung und damit raus in die «raue» Welt kommen? In der Wirtschaft geht es ja nicht sehr vertrauenspädagogisch zu und her. Wie gehen solche Kinder damit um? Haut sie das nicht um? 

Nachdem ich bereits ein paar Familien beobachten konnte und nun auch selber zwei Kinder in der Ausbildung habe, kann ich sagen, dass diese Kinder sogar eher besser mit dem «rauen» Klima der Wirtschaft zurechtkommen als manch anderes. Warum das so ist, schreibe ich vor allem zwei Umständen zu: der persönlichen Reife und den Beziehungen innerhalb der Familie. Das eine hat natürlich auch mit dem anderen zu tun.

Kinder, die in einer hierarchischen Liebesbeziehung, also einer Join-up-Beziehung gross werden durften, haben gute Voraussetzungen zu reifen. Solche Jugendliche sind in der Lage, differenziert zu denken. Sie haben das Prinzip von Arbeit (sich heute engagieren für den Erfolg von morgen) verstanden und sie haben längst begriffen, dass sie für sich selbst lernen und nicht für die Lehrkraft. Mehr noch, oft ist in solchen Jugendlichen die Neugierde nicht verschüttet und sie sind in der Lage, aus echtem Interesse heraus zu lernen.

Die Beziehung ihrerseits schützt den Jugendlichen vor den oft knallharten und verletzenden Beurteilungen von aussen. Nicht, dass diese ihn gar nicht mehr verletzen, aber sie dringen nicht ins tiefste Innere vor. Weiter sind wir als Eltern durch so eine Beziehung auch in der Lage, unseren Jugendlichen zu coachen. Was ich damit meine, verrate ich gerne im Video.

 

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Refresher 19-08 «Das ist nicht von mir!»

Ein solcher Satz heisst doch eigentlich: «Ich habe das nicht liegen gelassen, also muss ich es auch nicht auflesen. Wenn du mich aufforderst, es aufzuheben, dann heisst das ja wohl, dass du denkst, ich hätte das verschuldet.»

Diese Denkweise ist tief in uns verankert. Es gibt allerdings eine gewichtige Ausnahme: Mütter verbringen ein Grossteil ihrer Zeit damit zu, die Suppen anderer auszulöffeln. Was sie zusammensaugen oder -wischen, was sie waschen oder flicken ist ja meist nicht ihre «Saat», um das gleiche Prinzip im biblischen Bild zu zitieren: Das Prinzip von Saat und Ernte. Wenn wir dieses Prinzip hochhalten, dann müssen wir auch die Antwort dieses Kindes als die einzig richtige anerkennen. Jesus nat neben diesem Prinzip allerdings ein anderes eingeführt, das dem gesunden Menschenverstand vielleicht eher fremd ist. Johannes 4:37 spricht davon, dass die einen schneiden, was sie nicht gesät haben. Letztlich hat ja Jesus am Kreuz geerntet, was er nicht gesät hat. Insofern ist das Loyalitätsprinzip, das Füreinander-die-Suppe-Auslöffeln jenes Prinzip, das viel eher dem Evangelium entspricht. Freilich ist dieses Prinzip - wenn es verordnet ist - eher untauglich. Vielleicht könntest du diese beiden Prinzipien einmal in deiner Familie diskutieren. Was würde es bedeuten, wenn Mama sich auf das Prinzip von Saat und Ernte beriefe? Wo könnte man das Solidaritätsprinzip leben - so wie es für Mama normal ist?

 

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Livesendung vom 26. August 2019

 

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Refresher 19-07 «...weint mit den Weinenden!»

Stell dir einmal folgende Situation vor: Dein Kind kommt aus der Schule, knallt seinen Schulrucksack in die Ecke und schimpft: «Die Emma ist so verlogen und gemein. Alle Mädchen lädt sie zu ihrem Geburtstagsfest ein, nur mich nicht. Hinter meinem Rücken spricht sie schlecht über mich. Heute Nachmittag gehe ich nicht zur Schule. Es ist mir egal, wenn ich Ärger bekomme. Mit dieser Kuh will ich nichts mehr zu tun haben.»

Wurde dir auch schon einmal eine so geballte Ladung an Frust entgegengeschleudert? Oder wirst du im Alltag überraschend mit ähnlichen Gefühlsausbrüchen deiner Kinder konfrontiert? Dann gehen bei dir vielleicht alle inneren Alarmleuchten an und du fragst dich, wie du dein Kinder wieder beruhigen kannst. Vielleicht versuchst du es mit Strenge: «Jetzt reiss dich aber zusammen!» Oder vielleicht riskierst du es, deinem Kind eine andere Sicht schmackhaft zu machen: «Emma hat sicher nur vergessen, dich einzuladen.»

Natürlich gibt es Situationen, wo dein Kind eine andere Sicht, ein neues Ziel oder ganz praktische Hilfe braucht. Aber in den meisten Fällen würde ich dir raten, einen anderen Weg zu gehen: Versuche, das Herz deines Kindes zu spiegeln. Finde Worte für seinen Frust, seine Wut oder seine Angst. Lass zu, dass auch dein Gesicht diese Gefühle zeigt. Dein Kind wird sich verstanden fühlen und eure Bindung wird gestärkt. Du brauchst nicht zu schimpfen und zu korrigieren. Du und dein Kind, ihr bleibt gemeinsam auf der einen Seite, der Ärger auf der anderen. Und schliesslich sprichst du deinem Kind auch dein Vertrauen aus: Kinder sind meist viel kompetenter, als wir glauben.

 

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Refresher 19-06 «Gehorsam!?»

Wurdest du auch schon mit der Aussage oder gar dem Vorwurf konfrontiert, wir, die wir vertrauenspädagogisch erziehen, nähmen den Gehorsam unserer Kinder zu wenig ernst? Zugegeben, das mag in manchen Situationen von aussen so aussehen. Doch ist es auch wirklich so? Eine Trainerin hat mir darauf eine spannende Antwort gegeben: «Ich gebe mich doch nicht nur mit dem Gehorsam zufrieden. ICH MÖCHTE MEHR! Ich möchte, dass meine Kinder mir folgen, weil sie es mir recht machen WOLLEN, also aus der Beziehung heraus dazu bewegt werden!»
Und in der Tat, Gehorsam ist relativ leicht zu erreichen: mit etwas Druck, mit der Androhung von Strafen... Dann wird das Kind aus dem Motiv der Angst vor der Strafe heraus tun, was wir sagen. Die einen oder anderen von uns kennen dies bestimmt noch aus der eigenen Kindheit. Auf der anderen Seite der Angst steht die Liebe. Und eine Beziehung, die von Liebe, Annahme und Vertrauen geprägt ist, ist es, was wir wollen. Und wir spüren es, das geht so viel tiefer! Da werden wir als Eltern herausgefordert, aber gleichzeitig auch freigesetzt. Es ist so viel schöner und fühlt sich viel natürlicher und besser an, wenn ich darauf vertraue, dass mein Kind es mir recht machen möchte und dass es sein Bestes gibt. So viel besser auf jeden Fall, als das Agieren mit Druck und Strafe (Zuckerbrot und Peitsche).

 

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Refresher 19-05 «Monster unter dem Bett»

Kennst du den Satz «Geh auf dein Zimmer, bis du weisst, wie man sich hier benimmt»? Hast du dieses oder ein ähnliches Ultimatum auch schon benutzt und festgestellt, dass es sogar funktioniert? Es ist so, solche und andere Ultimaten, also angedrohte Trennung, funktionieren ganz oft. Wenn das gleiche Kind dann abends nicht alleine im Zimmer schlafen möchte, weil es einen Drachen unter dem Bett vermutet, kommen wir kaum auf die Idee, dass dieser vermutete Drache einen Zusammenhang mit der Situation des Ultimatums bzw. der Trennung haben könnte.
Und doch ist es so: Mit solchen Sätzen alarmieren wir unser Kind. Wir senden ihm die Botschaft «ich lasse dich alleine» oder «ich schicke dich von mir weg» mit. Unterschwellig sagen wir damit auch, dass das Kind nur in meiner Nähe willkommen ist, wenn es sich entsprechend benimmt. Natürlich tut das Kind in dem Moment alles, um die angedrohte Trennung zu verhindern und um die Nähe wieder herzustellen. Deshalb funktioniert es ja auch und das Kind ist plötzlich ganz brav. Der (Trennungs-)Alarm aber bleibt… Meistens ist das Kind gar nicht in der Lage, sich dessen bewusst zu sein oder gar darüber zu sprechen. Das Gehirn sucht sich dann einen anderen Grund für den Alarm, einen, über den man sprechen kann, und schon sind wir beim Monster unter dem Bett…
Wenn wir unserem Kind diesen Stress ersparen wollen, tun wir gut daran, es und seine Bedürfnisse zu verstehen und es mit klarer Kommunikation zu führen, statt mit Ultimaten unter Druck zu setzen. 

 

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Livesendung vom 27. Mai 2019

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Refresher 19-04 «Laufgitter?!»

Die Zeit zwischen 18 und 24 Monaten ist eine Zeit, die das Leben eines Menschen stark beeinflusst. Wenn du heute oft an dir zweifelst, wenn du dich schnell abgewiesen und unverstanden fühlst, dann könnte es damit zusammenhängen, dass du gerade in dieser Zeit viel Kritik eingefahren hast. Nimm es deinen Eltern nicht übel. Ich habe es heute wieder einmal gespürt, wie es ist, wenn ein Kind dieses Alters mit der Gabel auf den Tisch einsticht, wenn es diese Schachtel leert und jene irgendwohin bringt, wo man sie nicht mehr findet, wenn es den Smoothie auf den Tisch kippt… Was wir in die Höhe tun, wird erreichbar, weil es jetzt den kleinen Schemel vom Badezimmer überallhin bringt. Seine Urteilskraft und seine Möglichkeiten entwickeln sich nicht parallel, definitiv nicht!

Ich verstehe deshalb meine Eltern, die uns in diesem Alter in ein Laufgitter sperrten. Laufgitter sind aus der Mode gekommen und Eltern, die ihren Kinder «Käfighaltung» zumuten, müssen sich einiges anhören. Ich möchte dir einfach Folgendes sagen: Nur jene sollten aufs Laufgitter verzichten, die ihrem Knirps nachher nicht dauernd die Pläne vermiesen, ihn nicht dauernd kritisieren und beschimpfen. Wer das nicht schafft, steckt sein Kind lieber ins Laufgitter. Kinder können sich gut anpassen an die Widrigkeiten des Lebens, aber ans dauernde Infragestellen, an die unablässige Botschaft: «Was machst du denn jetzt schon wieder?!», daran kann sich kein Kind gewöhnen und es soll sich auch nicht daran gewöhnen. Unsere eigenen Kinder haben die Sache mit dem Laufgitter umgekehrt: Die grossen Kinder spielten im «Gschpeer», unzugänglich für die Kleinen, und auch die Erwachsenen sparten sich ihre Freiräume aus.

Wie auch immer du es anstellst: Schütze dein Kind vor Dauerkritik. Gib ihm das Gefühl, richtig zu sein. Verstehe es, wenn es frustriert ist über seine Begrenzungen, aber erspare ihm dein Kopfschütteln und deinen Unmut über seine Taten und Pläne.

 

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Refresher 19-03 «AD(H)S - ein Talentsignal?!»

Weisst du, wie sich eine Blockade anfühlt? Wie es einem zumute ist, wenn man keinen Zugang zum Sprechen mehr hat, keinen Zugang zum Gedächtnis? Eine leichte Version davon kennen wir alle, wenn wir uns an wichtige Wörter oder Namen nicht erinnern können. Oder wenn wir vergessen haben, was wir eben noch ganz Wichtiges sagen wollten. Oft mündet es in eine peinliche Situation, wo wir froh sind, wenn wir mit vertrauten Menschen zusammen sind oder mindestens mit solchen, die Verständnis zeigen. Wie fühlt sich das für Kinder an? Was macht es mit ihnen? Eine Gruppe von Kindern - auch wenn sie dereinst erwachsen sind - erlebt das regelmässig beim Lesen und Schreiben: Die Legastheniker. D. war so ein Kind. Obwohl es dreissig Jahre her ist, sehe ich ihn klar vor mir. Seine Schrift sah aus wie ein kleinkindliches Gekritzel und beim Lesen steckte er oft bei vermeintlich einfachen Wörtern fest. Er vermied es folglich, zu lesen und zu schreiben, war aber sonst ein aufgeweckter Schüler. Eine Kollegin, selber Davis-Therapeutin, gab mir dessen Buch, das mich faszinierte: «Legasthenie als Talentsignal». Ich kannte Legasthenie vor allem aus meiner Primarlehrerzeit. Spezielle Therapeutinnen versuchten zu helfen - wie bei D. oft mit wenig Erfolg. Das Buch weckte neue Hoffnung für D. Tatsächlich: Nach einer einzigen Therapiewoche hatte sich seine Schrift sowie seine Lesefertigkeit spektakulär verbessert. Er war gewissermassen geheilt - mehr als das. Er hatte seine besondere Fähigkeit der Desorientierung, wie Davis sie nennt, erhalten, hatte nun aber die Kontrolle darüber erlangt. Ein Raumorientierungsgefühl, das jedem von uns Normalos überlegen ist.
Kürzlich habe ich Ronald Davis’ neues Buch «ADHS und Dyskalkulie als Talentsignal» gelesen - gerade rechtzeitig auf unsere Frühlingstagung hin, wo ich darüber sprechen will, wie unser Erziehungsverhalten mit einer gewissen Regelmässigkeit Perfektionisten und Narzissten hervorbringt. Dies umso mehr bei jenen Kindern, die uns Mühe machen. Wo aber liegt das besondere Talent der AD(H)S-Menschen? Multitasking!

 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 25. März 2019

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Refresher 19-02 «Mein Kind - ein Aussenseiter?!»

«Alle spielen das - ich bin sonst ein Aussenseiter!» Mit dieser Argumentation bist du vielleicht auch schon konfrontiert gewesen. Vielleicht waren es nicht PC-Spiele, sondern die Marken der Kleider, die die Kinder bewahren sollten, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. 
Zwei Dinge gehen mir dabei durch den Kopf: 
Es wäre schön, wenn unsere Kinder die innere Kraft hätten, diesem Konformitätsdruck zu begegnen. Wie aber finden sie diese Kraft? Indem wir ihnen das Heldentum als Pflicht auferlegen? «Wir als Christen tun das nicht, bekenne dich zu unseren Werten.» Ich denke, es wäre ehrlicher zu sagen: «Wir als Eltern wollen das nicht. Du darfst dich ruhig auf uns berufen und bekennen, dass du dieses Game auch gerne spielen würdest, wenn du dürftest.» Vielleicht werden unsere Kinder sich viel lieber hinter uns stellen, wenn sie darin frei sind. Wenn sie dadurch in die Lage kämen, anstatt dem Druck der Kollegen und der Eltern auszuweichen, aus Loyalität zu handeln. Manchmal müssen wir Grenzen setzen und nein sagen, aber was Kinder weiterbringt, ist ihre Freiheit, das Gute und Wahre zu wählen.
Und das zweite, vergib mir, wenn ich es immer wieder erwähne: Wir sollten auf die Motive unserer Kinder achten. Sie sind wichtiger als ihre Taten. Glaubst du das auch?

 

Verabschiedung Beat Etter

 

Livesendung vom 25. Februar 2019

Aufgrund technischer Probleme fand die Livesendung nicht statt.

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