Infobriefe

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Refresher 19-06 «Gehorsam!?»

Wurdest du auch schon mit der Aussage oder gar dem Vorwurf konfrontiert, wir, die wir vertrauenspädagogisch erziehen, nähmen den Gehorsam unserer Kinder zu wenig ernst? Zugegeben, das mag in manchen Situationen von aussen so aussehen. Doch ist es auch wirklich so? Eine Trainerin hat mir darauf eine spannende Antwort gegeben: «Ich gebe mich doch nicht nur mit dem Gehorsam zufrieden. ICH MÖCHTE MEHR! Ich möchte, dass meine Kinder mir folgen, weil sie es mir recht machen WOLLEN, also aus der Beziehung heraus dazu bewegt werden!»
Und in der Tat, Gehorsam ist relativ leicht zu erreichen: mit etwas Druck, mit der Androhung von Strafen... Dann wird das Kind aus dem Motiv der Angst vor der Strafe heraus tun, was wir sagen. Die einen oder anderen von uns kennen dies bestimmt noch aus der eigenen Kindheit. Auf der anderen Seite der Angst steht die Liebe. Und eine Beziehung, die von Liebe, Annahme und Vertrauen geprägt ist, ist es, was wir wollen. Und wir spüren es, das geht so viel tiefer! Da werden wir als Eltern herausgefordert, aber gleichzeitig auch freigesetzt. Es ist so viel schöner und fühlt sich viel natürlicher und besser an, wenn ich darauf vertraue, dass mein Kind es mir recht machen möchte und dass es sein Bestes gibt. So viel besser auf jeden Fall, als das Agieren mit Druck und Strafe (Zuckerbrot und Peitsche).

 

Talk über das Monatsthema

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Refresher 19-05 «Monster unter dem Bett»

Kennst du den Satz «Geh auf dein Zimmer, bis du weisst, wie man sich hier benimmt»? Hast du dieses oder ein ähnliches Ultimatum auch schon benutzt und festgestellt, dass es sogar funktioniert? Es ist so, solche und andere Ultimaten, also angedrohte Trennung, funktionieren ganz oft. Wenn das gleiche Kind dann abends nicht alleine im Zimmer schlafen möchte, weil es einen Drachen unter dem Bett vermutet, kommen wir kaum auf die Idee, dass dieser vermutete Drache einen Zusammenhang mit der Situation des Ultimatums bzw. der Trennung haben könnte.
Und doch ist es so: Mit solchen Sätzen alarmieren wir unser Kind. Wir senden ihm die Botschaft «ich lasse dich alleine» oder «ich schicke dich von mir weg» mit. Unterschwellig sagen wir damit auch, dass das Kind nur in meiner Nähe willkommen ist, wenn es sich entsprechend benimmt. Natürlich tut das Kind in dem Moment alles, um die angedrohte Trennung zu verhindern und um die Nähe wieder herzustellen. Deshalb funktioniert es ja auch und das Kind ist plötzlich ganz brav. Der (Trennungs-)Alarm aber bleibt… Meistens ist das Kind gar nicht in der Lage, sich dessen bewusst zu sein oder gar darüber zu sprechen. Das Gehirn sucht sich dann einen anderen Grund für den Alarm, einen, über den man sprechen kann, und schon sind wir beim Monster unter dem Bett…
Wenn wir unserem Kind diesen Stress ersparen wollen, tun wir gut daran, es und seine Bedürfnisse zu verstehen und es mit klarer Kommunikation zu führen, statt mit Ultimaten unter Druck zu setzen. 

 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 27. Mai 2019

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Refresher 19-04 «Laufgitter?!»

Die Zeit zwischen 18 und 24 Monaten ist eine Zeit, die das Leben eines Menschen stark beeinflusst. Wenn du heute oft an dir zweifelst, wenn du dich schnell abgewiesen und unverstanden fühlst, dann könnte es damit zusammenhängen, dass du gerade in dieser Zeit viel Kritik eingefahren hast. Nimm es deinen Eltern nicht übel. Ich habe es heute wieder einmal gespürt, wie es ist, wenn ein Kind dieses Alters mit der Gabel auf den Tisch einsticht, wenn es diese Schachtel leert und jene irgendwohin bringt, wo man sie nicht mehr findet, wenn es den Smoothie auf den Tisch kippt… Was wir in die Höhe tun, wird erreichbar, weil es jetzt den kleinen Schemel vom Badezimmer überallhin bringt. Seine Urteilskraft und seine Möglichkeiten entwickeln sich nicht parallel, definitiv nicht!

Ich verstehe deshalb meine Eltern, die uns in diesem Alter in ein Laufgitter sperrten. Laufgitter sind aus der Mode gekommen und Eltern, die ihren Kinder «Käfighaltung» zumuten, müssen sich einiges anhören. Ich möchte dir einfach Folgendes sagen: Nur jene sollten aufs Laufgitter verzichten, die ihrem Knirps nachher nicht dauernd die Pläne vermiesen, ihn nicht dauernd kritisieren und beschimpfen. Wer das nicht schafft, steckt sein Kind lieber ins Laufgitter. Kinder können sich gut anpassen an die Widrigkeiten des Lebens, aber ans dauernde Infragestellen, an die unablässige Botschaft: «Was machst du denn jetzt schon wieder?!», daran kann sich kein Kind gewöhnen und es soll sich auch nicht daran gewöhnen. Unsere eigenen Kinder haben die Sache mit dem Laufgitter umgekehrt: Die grossen Kinder spielten im «Gschpeer», unzugänglich für die Kleinen, und auch die Erwachsenen sparten sich ihre Freiräume aus.

Wie auch immer du es anstellst: Schütze dein Kind vor Dauerkritik. Gib ihm das Gefühl, richtig zu sein. Verstehe es, wenn es frustriert ist über seine Begrenzungen, aber erspare ihm dein Kopfschütteln und deinen Unmut über seine Taten und Pläne.

 

Talk über das Monatsthema

 

 

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Refresher 19-03 «AD(H)S - ein Talentsignal?!»

Weisst du, wie sich eine Blockade anfühlt? Wie es einem zumute ist, wenn man keinen Zugang zum Sprechen mehr hat, keinen Zugang zum Gedächtnis? Eine leichte Version davon kennen wir alle, wenn wir uns an wichtige Wörter oder Namen nicht erinnern können. Oder wenn wir vergessen haben, was wir eben noch ganz Wichtiges sagen wollten. Oft mündet es in eine peinliche Situation, wo wir froh sind, wenn wir mit vertrauten Menschen zusammen sind oder mindestens mit solchen, die Verständnis zeigen. Wie fühlt sich das für Kinder an? Was macht es mit ihnen? Eine Gruppe von Kindern - auch wenn sie dereinst erwachsen sind - erlebt das regelmässig beim Lesen und Schreiben: Die Legastheniker. D. war so ein Kind. Obwohl es dreissig Jahre her ist, sehe ich ihn klar vor mir. Seine Schrift sah aus wie ein kleinkindliches Gekritzel und beim Lesen steckte er oft bei vermeintlich einfachen Wörtern fest. Er vermied es folglich, zu lesen und zu schreiben, war aber sonst ein aufgeweckter Schüler. Eine Kollegin, selber Davis-Therapeutin, gab mir dessen Buch, das mich faszinierte: «Legasthenie als Talentsignal». Ich kannte Legasthenie vor allem aus meiner Primarlehrerzeit. Spezielle Therapeutinnen versuchten zu helfen - wie bei D. oft mit wenig Erfolg. Das Buch weckte neue Hoffnung für D. Tatsächlich: Nach einer einzigen Therapiewoche hatte sich seine Schrift sowie seine Lesefertigkeit spektakulär verbessert. Er war gewissermassen geheilt - mehr als das. Er hatte seine besondere Fähigkeit der Desorientierung, wie Davis sie nennt, erhalten, hatte nun aber die Kontrolle darüber erlangt. Ein Raumorientierungsgefühl, das jedem von uns Normalos überlegen ist.
Kürzlich habe ich Ronald Davis’ neues Buch «ADHS und Dyskalkulie als Talentsignal» gelesen - gerade rechtzeitig auf unsere Frühlingstagung hin, wo ich darüber sprechen will, wie unser Erziehungsverhalten mit einer gewissen Regelmässigkeit Perfektionisten und Narzissten hervorbringt. Dies umso mehr bei jenen Kindern, die uns Mühe machen. Wo aber liegt das besondere Talent der AD(H)S-Menschen? Multitasking!

 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 25. März 2019

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Refresher 19-02 «Mein Kind - ein Aussenseiter?!»

«Alle spielen das - ich bin sonst ein Aussenseiter!» Mit dieser Argumentation bist du vielleicht auch schon konfrontiert gewesen. Vielleicht waren es nicht PC-Spiele, sondern die Marken der Kleider, die die Kinder bewahren sollten, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. 
Zwei Dinge gehen mir dabei durch den Kopf: 
Es wäre schön, wenn unsere Kinder die innere Kraft hätten, diesem Konformitätsdruck zu begegnen. Wie aber finden sie diese Kraft? Indem wir ihnen das Heldentum als Pflicht auferlegen? «Wir als Christen tun das nicht, bekenne dich zu unseren Werten.» Ich denke, es wäre ehrlicher zu sagen: «Wir als Eltern wollen das nicht. Du darfst dich ruhig auf uns berufen und bekennen, dass du dieses Game auch gerne spielen würdest, wenn du dürftest.» Vielleicht werden unsere Kinder sich viel lieber hinter uns stellen, wenn sie darin frei sind. Wenn sie dadurch in die Lage kämen, anstatt dem Druck der Kollegen und der Eltern auszuweichen, aus Loyalität zu handeln. Manchmal müssen wir Grenzen setzen und nein sagen, aber was Kinder weiterbringt, ist ihre Freiheit, das Gute und Wahre zu wählen.
Und das zweite, vergib mir, wenn ich es immer wieder erwähne: Wir sollten auf die Motive unserer Kinder achten. Sie sind wichtiger als ihre Taten. Glaubst du das auch?

 

Verabschiedung Beat Etter

 

Livesendung vom 25. Februar 2019

Aufgrund technischer Probleme fand die Livesendung nicht statt.

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Refresher 19-01 «Ueben oder spielen - oder beides?»

Viele Kinder äussern irgendwann den Wunsch, ein Musikinstrument zu erlernen. Eltern melden sie dann für den Unterricht an und übernehmen die Verantwortung, dass das Kind täglich 10, 20, 30… Minuten übt. Oft sehen wir, dass den Kindern nach kurzer Zeit die Freude abhanden kommt. Es entsteht ein täglicher Kampf um die Übungsminuten, oft mit unschönen Argumenten: «Ich bezahle so viel Geld für den Unterricht, da erwarte ich aber, dass du auch täglich 20 Minuten übst!» So rufen wir unverzüglich den Gegenwillen auf den Plan. Das heisst, der äussere Druck wird in diesem Moment grösser als der innere Wunsch, zu üben, und wir finden uns in einem mühsamen Machtkampf wieder, wo es eigentlich nur Verlierer gibt.

Wie viel schöner wäre es aber doch, wenn ein Kind mit Freude bei der Sache sein könnte und auch einmal freiwillig auf seinem Instrument spielte - gerne auch länger als die empfohlenen 20 Minuten. Wie erreichen wir das?

Kein Druck, kein «Üben», sondern «Spielen» - dann, wenn das Kind Lust verspürt und mit Freude daran geht, wenn es sich im Spiel vertiefen und verlieren kann. Kein Üben, um die Mutter oder die Lehrerin zufriedenzustellen, sondern aus Freude an der Sache oder aber (später) auch einfach, weil es ein lohnendes Ziel vor Augen hat. Wie klingt das für dich?
Wer diesen Weg wählt, dem kann es passieren, dass das Kind erstmal gar nichts mehr macht. Aber selbst dann wird es in der Musikstunde vorwärts kommen. Und irgendwann kommt der Moment, wo fröhliche Flöten- oder Geigentöne erklingen. Einfach so…

Lehrpersonen, zu denen das Kind eine Beziehung aufbauen kann und die als Coaches den Kindern zur Seite stehen und sie motivieren, die aber keinen Druck ausüben, sind eine grosse Hilfe. Das Musizieren soll nicht ihr Bedürfnis sein, sondern das Bedürfnis des Kindes.

 

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Livesendung vom 28. Januar 2019

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Refresher 18-12 «Ich freue mich auf den Heiligen Abend!»

An dieser Aussage ist im Grossen und Ganzen ja nichts Besonderes. Wenn wir sie aus dem Mund eines 16-jährigen Teenagers hören, aber irgendwie doch. Gerade die Weihnachtszeit ist voll von solchen «weichen» Dingen, die unsere Gefühle ansprechen, und ich finde das einfach super.
Unsere Kinder und Teenager brauchen ihre Gefühle und Emotionen, um reifen zu können. Sie brauchen weiche Herzen, Herzen, die verletzlich sind, weil es gerade diese verletzlichen Gefühle wie das Fühlen von Erfüllung, aber auch von Vergeblichkeit sind, die sie zur Reifung bewegen und auch zur viel diskutierten Resilienz.
Im rauen Schul- und Arbeitsalltag muss sich ein Kinderherz schützen oder panzern, wie wir das auch nennen. Das ist gut und wichtig so. Doch genauso wichtig ist es, dass das Herz zu Hause wieder weich werden kann. Dies ist möglich, wenn das Zuhause ein sicherer Ort ist und die Beziehung zu den Eltern von bedingungsloser Annahme geprägt ist. Ein Ort, wo sie nicht chronisch und im grossen Ausmass verletzt werden. Und wenn das so ist, kann auch ein sonst cooler Teenager sagen, dass er sich auf die schöne und gemütliche Weihnachtszeit freut. Und jeder Teenager, der so etwas sagen kann, ist ein Grund zur Freude, weil es eben zeigt, dass er in Kontakt mit seinen Gefühlen ist.
Ausserdem ist eine Beziehung zu einem fürsorglichen Erwachsenen der allerbeste Schutz vor Verletzungen, die von aussen kommen können. Eine Join-up-Beziehung ist das Beste, was wir für unsere Kinder tun können, und die allerbeste Voraussetzung für Reifung.
Natürlich sind diese Gefühle und Emotionen das ganze Jahr hindurch essenziell wichtig. Doch vielleicht kann gerade die Weihnachtszeit mit all ihren Besonderheiten eine Zeit sein, wo wir uns das besonders bewusst machen. Für oben erwähnten Teenager ist das auf jeden Fall so und das ist gut so.

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Refresher 18-11 «Bindungsdörfer»

Gehörst du zu den glücklichen Mamis, die sich vollamtlich um die Familie kümmern dürfen? Dann kennst du bestimmt auch die problematischen Seiten dieses wunderbaren Berufes: Vielleicht fühlst du dich inmitten einer grossen Kinderschar - besonders, wenn die Kinder noch klein sind - sehr einsam. Der Austausch mit anderen Erwachsenen ist selten, und wenn er stattfindet, geht er zulasten der sowieso schon knappen Zeit. Vielleicht leidest du auch darunter, von deiner Umwelt nicht richtig wahrgenommen zu werden. Oder du empfindest deine Aufgabe zeitweise - obwohl sie sehr grundlegend und äusserst wichtig ist - als banal und intellektuell wenig herausfordernd bzw. erfüllend. Dein Mann erzählt von seinen Kick-off-Meetings und seinen hochkomplexen Problemstellungen im Beruf, während du dir Gedanken darüber machst, wie man die Pizza platzsparender in die Lunchbox der Kinder packen kann :-). Vielleicht rundet eine Portion Frust über das Nichterreichen deiner selbst gesteckten Haushaltsziele deinen Alltag ab?!
Möglicherweise gehörst du aber auch zu jenen Müttern, die sozial gut eingebettet sind und solche Probleme weder haben noch nachvollziehen können. Oder du erfüllst nebst der Familie noch andere Aufgaben, die dich erfüllen.
Falls aber nicht, schlage ich dir vor, den Begriff «Bindungsdorf» auch einmal von dieser Seite her zu beleuchten. (Normalerweise verstehen wir ja darunter die Idee, dass deine Kinder deine Freunde kennen und mögen sollten - und umgekehrt…)
In letzter Zeit höre ich immer häufiger von Frauen, die «artgerechtes Putzen» praktizieren. Sie treffen sich abwechselnd zur Hausarbeit - mal in jener, mal in der anderen Wohnung. Sie berichten mir begeistert, wie viel effizienter und leichter die Arbeit zu zweit oder zusammen mit der ganzen Kinderschar von der Hand gehe und wie kostbar die Gespräche seien - ganz ohne das Gefühl, eigentlich keine Zeit zum Austausch zu haben. Auch umfangreichere oder strengere Arbeiten gehen flott von der Hand.
Allerdings muss ich dich warnen. Es gibt eine Hürde zu nehmen: Du musst dich mit deiner Scham über allenfalls vorhandene «dunkle Ecken» in deinem Haushalt auseinandersetzen. Ich möchte dich dennoch ermutigen, es sei befreiend...

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Livesendung vom 26. November 2018

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Refresher 18-10 «Hast du ein gutes Gewissen?»

Im Moment bin ich in der Endphase der Vorbereitung für einen Vortrag in Schaffhausen mit dem Titel «Das befreite Gewissen». Wenn du das liest, wird der Vortrag schon vorbei sein. Wenn du gerne dabei gewesen wärest, dann schaue im Shop nach, ob es gelungen ist, meine Gedanken rüberzubringen…
Hier kurz ein Erlebnis, das mich in diesem Zusammenhang beschäftigt. Die Frage im Titel hat es dir vielleicht schon gezeigt: Du spürst dein Gewissen nur dann, wenn du in Gefahr bist, ein schlechtes Gewissen zu haben, bzw. wenn dir jemand ein schlechtes Gewissen macht. Das gute Gewissen an sich spüren wir gar nicht. Oder doch? Es müsste das gute Lebensgefühl eines Menschen sein, der im Join-up mit den Mitmenschen ist, auf deren Vergebung vertraut und an einen liebenden, fürsorglichen Gott glaubt, dem er nachfolgt, ohne Angst zu haben, etwas falsch zu machen, was ihn um die Gunst Gottes bringen könnte.
Ein solcher Mensch ist vielleicht mein ältester Enkel. Er musste sich diese Woche in unserem Auto übergeben und schaffte es trotz seiner 14 Jahre nicht, den Sitz und die stoffbezogene Türe zu verschonen. Das Besondere: Ich stellte kein schlechtes Gewissen bei ihm fest, nur sein eigenes Leiden und später das Mitleid mit uns, dass wir jetzt ein übel riechendes Auto haben. Der Impuls stieg in mir auf, ihm ein schlechtes Gewissen zu machen, nachdem mich dessen Fehlen irritierte. Hätte ich das tun sollen? Was meinst du? Diskutiere mit uns darüber am nächsten Montag an der Livesendung.

 

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Livesendung vom 29. Oktober 2018

 

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Refresher 18-09 «Spielen - Teil 2»

Wir haben uns letzten Monat damit beschäftigt, wie wichtig es ist, unseren Kindern echtes Spiel zu ermöglichen. Du erinnerst dich vielleicht noch an Angelas Bericht über die Familienferien in Schweden. Schule und Freizeitangebote buhlen mit den Medien um die wertvolle Zeit unserer Kinder. Oft bleibt dann fürs eigentliche Spiel (zu) wenig Zeit. Aber es gibt noch einen wichtigen inneren Feind des echten Spiels, nämlich die soziale Situation eines Kindes.
Kinder, die in Beziehungskonflikten stecken, sei es mit den Eltern, den Lehrkräften oder beiden, haben schlechte Karten, sich in wirkliches Spiel zu versenken. Sie werden eher nach Ablenkung durch Unterhaltung rufen. Aber selbst dort, wo es Kindern grundsätzlich gut geht und Raum für Kreativität und Engagement da wäre, steht oft die soziale Situation im Wege. Gehen wir zusammen auf einen Spielplatz. Geschieht hier echtes Spiel? Vielleicht im Sandhaufen, falls dort nicht ein Streit um die Werkzeuge oder um den «Bauplatz» vorherrscht. Viele andere Tätigkeiten bestehen im passiven Sich-bewegen-Lassen durch Schaukeln, Rutschbahnen und dergleichen. Auch den Bewegungsangeboten fehlt oft jener Aspekt, der beim Klettern auf einen Baum oder beim Klettern im Gelände den Reiz ausmacht: Das mutige Überwinden von Angst. Moderne Spielplätze tragen diesem Gedanken Rechnung. Sie erlauben wirkliches Spiel. Wenn viele Kinder dennoch nicht ins kreative Spiel finden und so das Eigentliche verpassen, liegt es vielleicht an anderen Kindern oder Erwachsenen, die ihnen im Weg stehen. Worin besteht es denn, das Eigentliche? Dass ein Kind aus Freude an der Sache selbst unterwegs ist und nicht deshalb, weil es anderen etwas beweisen will oder muss oder verhindern will, beschämt zu werden. Dieses eigentliche Spiel geschieht oft, wenn das Kind alleine ist, seltener mit guten Freunden, die eben ein «eingespieltes» Team sind.

 

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Livesendung vom 24.09.2018

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Refresher 18-08 «Spielen»

Wenn wir kleinen Kindern zuschauen, wie sie in ein Spiel vertieft sind, fühlt sich das in der Regel gut und richtig an. Wir sind uns wohl alle einig, dass Spielen für Kinder etwas Wichtiges ist. Doch wie ist es mit grösseren Kindern, Teenagern, Jugendlichen…? Vor einigen Jahren verbrachten wir einige Ferientage in einem schwedischen Nationalpark. Unsere Kinder (damals 14, 12 und 9) spielten stundenlang im Wald und wir Eltern staunten echt darüber, wie sie sich noch so ins Spiel vertiefen konnten. Noch heute erinnern wir uns gerne an diese ausserordentlich friedlichen Ferien.
Vor einiger Zeit begann ich mich vertiefter mit dem Thema Spielen auseinanderzusetzen und jene Tage im Nationalpark Tiveden wurden zu einem Schlüssel für mich.
Was machte es aus, dass die Kinder dort so ins Spiel finden konnten? Sie hatten viel (bildschirmfreie!) Zeit, einen sicheren Rahmen, Freiheit, Vergnügen und Sicherheit. Ihr Spiel war Spiel, keine Realität. Es kam aus ihnen heraus und es hatte nichts mit Arbeit zu tun. Das sind die Punkte, die eben echtes Spiel ausmachen.
In diesem Jahr fragte ich mich im Voraus, ob wir auch wieder solche Momente erleben würden. Und tatsächlich, es gab sie! Weitsprung im Sand, Steinhäuschen bauen beim Wandern, ein völlig chaotisches und lustiges Wasserballspiel usw. Was es dazu brauchte? Zeit, Natur und manchmal mitspielende Eltern.
Wir spürten, wie Spannungen abgebaut wurden. Auf diese Weise konnten Erlebnisse verarbeitet und Aggressionen herausgelassen werden. Emotionen kamen ins Fliessen, Kreativität entstand.
Spielen, echtes Spielen tut gut - auch uns Erwachsenen. Und ich wünsche unseren Kindern, Teenagern, Jugendlichen und auch uns Erwachsenen immer wieder Momente, in denen wir abtauchen und ins Spiel finden können.

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Livesendung vom 27. August 2018

 

 

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Refresher 18-07 «Au, das war wieder einmal nicht VP»

Es berührt mich immer ein bisschen zwiespältig, wenn ich eine solche Aussage höre. Es ist doch gut, wenn Eltern sich bemühen, ihrem Kind gerecht zu werden - oder? Sicher, aber für Kinder gibt es etwas noch Wichtigeres, als ob die Eltern immer richtig handeln: Sie brauchen Eltern, die mit ihren Kindern und mit sich selber einen entspannten - einen vertrauensvollen und vertrauten - Umgang haben. Kinder sollen sehen, hören und fühlen, wie es ihren Eltern geht - nicht so sehr, wenn sie traurig sind (die Kinder sollen ja nicht ihre Tröster sein), aber sicher, wenn sie frustriert sind. Frust auszudrücken, ohne aggressiv gegen Menschen zu werden, ist eine schöne Zielsetzung, aber Kinder haben volles Verständnis dafür, wenn das nicht immer gelingt. Mit der Erziehung ist es wie mit der Hygiene: Das richtige Mass ist nicht bei der Sauerei, aber auch nicht bei der Sterilität. Wenn wir gesund sein wollen, dürfen wir nicht im Reinraum leben. Unser Immunsystem braucht gewisse Herausforderungen. Genauso ist es mit den menschlichen Unzulänglichkeiten. Kinder von perfekten Eltern würden ganz viele wichtige Dinge nicht lernen, nämlich mit dem Versagen anderer umzugehen, Ungerechtigkeiten zu ertragen usw. Aber keine Angst, du darfst dich entspannen. Die Gefahr in dieser Ecke ist eher klein. Viel eher neigen wir zu Selbstvorwürfen und meist in der Folge zu Vorwürfen gegenüber unseren Lieben, wenn wir etwas verbockt haben.

 

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Info 18-06 «Oh, dieses elende Handy»

Obiger Titel war vor ein paar Jahren ein Thema im Forum und kam aus meinem tiefsten Herzen. Heute weiss ich: Wir waren damals ziemlich blauäugig, als wir unserer 12-jährigen Tochter ein Smartphone in die Hand drückten. Wir wussten noch nichts davon, dass der vernünftige Umgang mit einem Handy mit Reife zu tun hat, und auch nicht, dass Medienmündigkeit nicht durch Übung und Umgang mit Medien, sondern vielmehr mit breiten, praktischen Erfahrungen - sprich: solchen in der realen Welt - erreicht wird. Dies sind die beiden Dinge, auf die es wirklich ankommt: persönliche Reife und Medienmündigkeit.
Reife entsteht bekanntlich in einer tiefen Vertrauensbeziehung zu Eltern oder anderen Bezugspersonen. Reife junge Erwachsene sind in der Lage, ihre Gefühle zu mischen und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie können mit Frustration verträglich umgehen usw.
Medienmündigkeit bedeutet nicht, dass man Medien einfach nutzen kann. (Das geht ja heute unheimlich schnell und ist keine grosse Leistung mehr…) Vielmehr bedeutet es, einen selbstbestimmten und verantwortlichen Umgang zu finden, der immer weniger Schutz und Anleitung von aussen benötigt.
Auf dem Weg dorthin tun wir als Eltern gut daran, wenn wir unsere Kinder und Teenager begleiten, sie führen und zu ihrer eigenen Sicherheit auch Grenzen setzen, so wie wir dies auch in anderen Bereichen tun. Wer lässt sein Kind schon uneingeschränkt am Strassenverkehr teilnehmen? Und, obwohl ich eine absolute Schokoladen-Liebhaberin bin, habe ich den Konsum bei meinen Kindern - und bei mir ☺ - vorsorglich eingeschränkt.
Medien mit Schokolade zu vergleichen, hat was… Sie sind genial, sie erleichtern und versüssen uns das Leben. Aber zu viel und zur falschen Zeit sind sie ungesund!
 

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Livesendung vom 25. Juni 2018

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Info 18-05 «Schreckgespenst Gleichaltrigenorientierung»

«Ich möchte nicht, dass mein Kind in den FC geht, sonst bekommt es noch die Gleichaltrigenorientierung.» Wer den Begriff Gleichaltrigenorientierung nicht schon kennt, könnte bei diesem Satz denken, sie sei ein Virus, den unser Kind aus dem Nichts heraus überfallen könnte, vor allem im FC. Natürlich ist dem nicht so. Weder ist Gleichaltrigenorientierung ein Virus, noch befällt sie unsere Kinder einfach so. Ersteres wissen wir alle, nehme ich an, aber beim Zweiten möchte ich kurz stehen bleiben. Der Satz am Anfang ist ja nicht erfunden, sondern den bekam ich wirklich so zu hören, und des Öfteren habe ich den Eindruck, Eltern haben eine grosse Angst davor, dass ihre Kinder sich an Gleichaltrigen orientieren könnten, gerade eben, wenn sie einen Verein besuchen oder gute Freunde haben. Diesen Eltern möchte ich sagen: Entspannt euch! Gleichaltrigenorientierung passiert nicht einfach und es gibt ein naheliegendes und wirkungsvolles «Mittel», mit dem wir unsere Kinder schützen können! Das Gefährliche an der Gleichaltrigenorientierung ist ja, dass wir als Eltern in unserer Rolle als Hauptbezugspersonen durch Gleichaltrige ersetzt werden, dass also andere Kinder unseren Platz im Herzen des Kindes einnehmen. Dies kann aber nur passieren, wenn das Kind nicht im Join-up oder unerträglicher Trennung ausgesetzt ist. Umgekehrt, eine tiefe Bindung wird nicht einfach ersetzt. Ist mein Kind gut und sicher gebunden, ist es auch in der Lage, Freundschaften zu Gleichaltrigen zu pflegen, ohne dass diese gleich meinen Platz einnehmen. Je tiefer die Bindung, desto mehr Freiheit entsteht auch und desto mehr können Kinder auch über längere Trennungsphasen hinweg innerlich an uns festhalten. Gerade wenn die Kinder sehr lange in der Schule sind oder sie gar ein Camp besuchen, ist es essenziell wichtig, dass sie innerlich mit uns verbunden bleiben. Freundschaften, auch unter Kindern und Teenagern, sind etwas Wertvolles, und es wäre doch schade, wenn wir sie aus Angst vor Gleichaltrigenorientierung nicht unterstützen oder gar verbieten würden…

 

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Livesendung vom 28. Mai 2018

 

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Info 18-04 «Und dann spricht man von ADHS»

Es ist in der Tat ein Merkmal von Kindern mit ADHS, dass sie ihre Emotionen schlechter im Griff haben als andere Kinder. Dass die Diagnose ADHS heute viel öfter gestellt wird als früher, hat wahrscheinlich weniger mit dem modernen Leben zu tun als mit der Tatsache, dass ganz viele Kinder mit einer kleinkindlichen Psyche klarkommen müssen. Sie kommen viel schneller als ihre Altersgenossen in den Zustand, wo sie nur noch das Einerseits oder das Anderseits im Kopf haben, aber nicht mehr abwägen können. Sie überborden - wie kleine Kinder - schnell in ihrer Wut und ihrer Freude, in ihrer Frustration und ihrer Begeisterung, weil sie ihre Gefühle nicht altersgemäss mischen können. All das wird mit jedem Jahr schlimmer und schlimmer. Kinder erhalten viele ablehnende Feedbacks, fühlen sich unverstanden und nutzen dann ihre zunehmenden intellektuellen Möglichkeiten, um ihr tief sitzendes Defizit zu kompensieren. Die einen machen das gesellschaftskonformer und konstruktiver, die anderen sind voller Rachegedanken gegen ihre Bezugspersonen und manchmal gegen die Erwachsenen ganz allgemein. Und irgendwann sind sie dann vielleicht Jugendliche, wie wir sie im letzten Infobrief betrachtet haben.
Wo wären denn die Lösungsansätze?
Reifung geschieht in der Ruhe. Man kann Reifung weder durch Zwang und Druck beschleunigen noch durch Lob und Anerkennung herbeizaubern. Sie ist ein spontaner Vorgang, der sich dann einstellt, wenn ein Kind Kind sein darf. (Gut, wenn das geschieht, bevor ein Kind 15 ist!) Wenn sich die Zeiten des Spiels und der freien Entfaltung die Waage halten mit Zeiten des Engagements und sinnerfüllten Tuns im Rahmen seiner Familie oder Gruppen, wo es dazugehört (davon mehr an der Frühlingskonferenz). Und was noch wichtiger ist: Es braucht mindestens einen Menschen, von dem es sich angenommen und verstanden fühlt.

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Livesendung vom 30. April 2018

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Info 18-03 «Wenn ein 15-jähriges Gehirn mit einem 5-jährigen Herzen klarkommen soll»

Ich komme eben von einer Supervision zurück. Einmal mehr stehen wir bei einem Jugendlichen in dieser Situation. Woran merkt man es, wenn ein Jugendlicher mit einem kleinkindlichen Herzen leben muss? Ein Hauptmerkmal ist seine mangelnde Fähigkeit, bei seinen Entscheidungen mehrere Faktoren zu berücksichtigen, sie abzuwägen und schliesslich den klugen Weg zu wählen. Das ist für ihn ähnlich schwierig, wie wenn du einem Farbenblinden sagst: «Beim roten Haus musst du rechts abbiegen.» Vielleicht wird er dir nicht sagen, dass er es nicht von den grünen unterscheiden kann. Er schämt sich, darüber zu sprechen. Ähnlich geht es dem Jugendlichen. Er fällt oft kurzsichtige Entscheidungen, aber er würde sich schämen zuzugeben, dass er immer die Eltern fragen muss, was sie meinen. Wenn er überlegt, ob er noch ein drittes Bier trinken soll, dann ist nur das Argument im Kopf, dass die Kollegen ihn toll finden, wenn er dabei ist. Er denkt nicht ans Morgen, nicht an die Heimkehr, nicht ans Sackgeld, sondern nur an die Dynamik der Gemeinschaft, die ihn trägt und ihm ein gutes Gefühl vermittelt.
Wenn er anderntags damit konfrontiert wird, wird ihm das bestätigen, dass er nicht okay ist. Es wird ihn einmal mehr in Sorge, in Frustration oder in Wut versetzen. Niemand versteht ihn und er sich selber auch nicht, aber auch darüber kann er mit niemandem sprechen. Wir rechnen nicht damit, dass 15-jährige Jungs mit Bartwuchs kleine Kinder sein können. Aber wir werden uns daran gewöhnen müssen. Sie werden immer zahlreicher. In diesen Tagen hat sich in der NZZ ein Professor der Stanford University darüber beklagt, dass seine Schüler zwar genial sind, aber nicht erwachsen. Das ist sehr gefährlich. Was tun?
Menschen jeden Alters können reifen - und darum geht es - wenn sie ein weiches Herz haben und wenn sie sich geborgen und geschützt fühlen, wie es ihrem 5-jährigen Herzen entspricht. Wie unendlich schlechte Karten hat doch ein solches Kind, wenn es schon 15 ist. Und doch, wenn wir es sehen und beides berücksichtigen - sein «kleines» Herz und sein «grosses» Gehirn samt Anspruch auf Freiheit und Respekt - dann kann es geschehen, dass das Kind sich öffnet, Vertrauen fasst und sich am liebsten zu uns auf die Knie setzen würde - und dann rutsche ein bisschen zur Seite auf dem Sofa.

 

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Info 18-02 «Gutes tun»

Woran denkst du, wenn jemand davon spricht, Gutes zu tun? Als Eltern denken wir vielleicht daran, die Kinder zu verstehen anstatt sie anzuklagen und zu verurteilen, oder daran, nicht nur ihren Körper, sondern auch ihr Herz zu nähren (Stichwort: 2. Meile). Wenn wir kleine Kinder haben, fällt uns vielleicht das Stillen nach Bedarf ein, das Familienbett oder das Tragen des Säuglings. Eltern wollen ihr Bestes geben und ihren Kindern einen optimalen Start ins Leben ermöglichen. Vertrauenspädagogisch erziehende Väter und Mütter legen dabei die Messlatte womöglich noch höher als andere.
Die Folge davon sind oft ausgelaugte Mütter und - eventuell in der Folge - gestresste Väter, deren Nervenkostüm ziemlich dünn ist und die chronisch das Gefühl haben, vieles falsch zu machen. Vor allem Mütter fühlen sich oft wie Zugpferde, denen eine immer grössere Last aufgeladen wird.
Wer vertrauenspädagogisch mit Kindern umgehen möchte, sollte darauf achten, mit sich selbst ebenso umzugehen. Säuglinge nach Bedarf zu stillen, sie womöglich windelfrei aufzuziehen, den Haushalt zu schmeissen, gesund zu kochen und nebenher noch ältere Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen, mag zwar schöpfungsgemäss und bedürfnisorientiert sein - für das Kind. Dass Mütter all diese Bedürfnisse alleine erfüllen sollten, ist hingegen kaum schöpfungsgemäss und deswegen auch für die Kinder nicht das, was sie brauchen.
Andere Kulturen wissen darum, dass es für die Erziehung eines Kindes «ein ganzes Dorf braucht». So ist ein funktionierendes Bindungsdorf nicht nur für unsere Kinder natürlich und bereichernd, sondern auch für Eltern eine immense Entlastung und ein Schritt in eine «artgerechte Elternschaft». Wir sind nicht dafür geschaffen, alles alleine zu schaffen! Warum also nicht gemeinsam mit anderen Müttern putzen oder die Grosseltern um Hilfe bitten, bevor wir völlig erschöpft sind? Auch Nachbarn stehen oft gerne für kleinere Hilfestellungen zur Verfügung. Und nicht zuletzt ist es auch für Kinder wichtig, dass sie sich nützlich machen dürfen.
Wenn du selber keine gestresste Mutter bist oder kein ausgelaugter Vater, dann könntest du dir vielleicht überlegen, ob du dich nicht einer solchen Familie als Hilfe anbieten könntest. Vielfach ist es ja für junge Mütter bzw. Familien in einer solchen Situation ganz schwer, Kontakte zu pflegen oder gar zu knüpfen und Hilfe zu holen. Dies umso mehr wir ja alle ein Problem gemeinsam haben:
Wir nehmen nichte gerne von anderen etwas an, wenn wir nichts Vergleichbares zurückgeben können. Aber du kannst sehr wohl das Umgekehrte tun: Etwas geben, ohne etwas zu erwarten. Es ist nämlich das Erfüllendste.
Möchtest du deinen Kindern etwas Gutes tun? Tu dir und deinem Partner bzw. deiner Partnerin etwas Gutes bzw. nimm es an, wenn andere es tun wollen. Was Kinder brauchen sind starke Eltern, denen es gut geht!
PS: Und denke daran: Deine Kinder vertragen gut mehrere Erziehungsstile.

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Livesendung vom 26. Februar 2018

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Info 18-01 «Bindungsumkehr - Teil 2»

Hast du den letzten Infobrief noch in Erinnerung? Wenn nicht, dann kannst du ihn hier nochmals lesen. Ich möchte nächsten Montag in der Livesendung auf das Thema zu sprechen kommen. Bindungsumkehr kann man begreifen als «Notabschaltung» unseres Bindungsgehirns. Immer, wenn wir eine Sache oder einen Menschen lieben, öffnen wir uns und machen uns verwundbar. Wenn sich die Sache dann nicht wie gewünscht entwickelt, schmerzt das enorm. Hast du schon einmal jemandem deine Liebe gestanden und eine Abfuhr erhalten? Dann weisst du, was ich meine. Es tut sehr weh und löst im guten Fall Trauer aus, die irgendwann abklingt. Bei anderen löst die gleiche Erfahrung Hass aus. Bindungsumkehr! So neu ist das Phänomen also nicht. Wenn die Bindungsfrustration zu gross wird, kann sich Liebe ins Gegenteil verkehren.

Das ist nicht nur in der Liebe zu Menschen so, das Lernen kann davon ebenfalls betroffen sein. Habt ihr auch schon Kinder erlebt, die sich einer Sache mit Begeisterung nähern, um sich bald frustriert wieder davon abzuwenden, und die das Thema später womöglich vermeiden? Vielen Menschen passiert das mit Schulfächern und damit verbunden nicht selten auch mit entsprechenden Lehrpersonen. Je sensibler und verletzlicher Menschen sind, desto eher sind sie davon betroffen. Da unreife Kinder (und Erwachsene) schneller und gründlicher in solche Zustände geraten, ist es wichtig, im Spielmodus zu bleiben. Im Spiel erproben Menschen und auch Tiere all die tausend Dinge, die es zu lernen gilt. Sobald der Erfolg zu wichtig wird bzw. der Misserfolg zu verletzend, fallen wir aus dem Spielmodus und Kinder wie Erwachsene vermeiden das Thema. Der Ernstfall tritt ein. Nicht selten bleibt das Kind aber auch bei der Sache, weil es von aussen dazu gedrängt oder gar gezwungen wird. Das Lernen dient dann der Abwehr von negativen Rückmeldungen und geht allenfalls mit Erleichterung einher, kaum je aber mit Erfüllung, Freude und Begeisterung. Solchermassen gelernte Inhalte zerfallen dann auch relativ schnell wieder. Etwa so vielleicht wie deine Fertigkeiten auf der Blockflöte.

 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 29. Januar 2018 (Start bei Minute 19:41)

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Info 17-12 «Wenn der Frust zu gross ist - Bindungsumkehr»

Dieser Tage war ich wieder einmal wirklich glücklich, Neufeld* zu kennen. Das muss ich dir erzählen:
Mein siebenjähriger Enkel hatte eben mutwillig die Schnur unseres Heizstrahlers abgerissen. Als Erwachsener würde man ja erwarten, dass ein Kind sagt: «Oh, Bipapi, das tut mir leid, ich wollte nicht so fest ziehen!» Das hätte meine Barmherzigkeit ausgelöst, ich hätte meinen Frust darüber vielleicht angemessen ausgedrückt und vorbei wäre es gewesen.
Es kam aber anders: Mein Enkel ging zornig weg, zog sich in sein Zimmer zurück, kam später wieder herunter und bedachte mich mit einem feindlichen Blick, als ich ihn in der Stube antraf. Das hätte mich bis vor einigen Jahren stinkesauer gemacht und ich hätte mich berufen gefühlt, einiges klarzustellen, ihm «die Knöpfe zuzutun», wie wir das thurgauisch nennen. Heute ging ich nicht darauf ein. Beim Frühstückstisch setzte er sich möglichst weit weg von mir, was ich dann aber nicht duldete. Ich nahm ihn nahe zu mir, worauf er sich sein T-Shirt über den Kopf zog. Wir andern sprachen dann darüber, was das für eine gute Idee sei. So wussten wir einfach, dass er wieder herauskommt, wenn er kann. So war es auch kurze Zeit später. Jetzt wollte er mir wieder ganz nahe sein.
Wie soll man sich darauf einen Reim machen? Des Rätsels Lösung heisst Bindungsumkehr. Wir lieben uns sehr, mein Enkel und ich. Umso schlimmer ist es für ihn, wenn wir einen Konflikt haben. Weil er extrem sensibel ist, übersteigt seine Frustration das Mass dessen, was er ertragen kann. Und er verhält sich dann so wie Eheleute, deren Beziehung nicht funktioniert. Sie fangen an zu hassen. Glücklicherweise geht das normalerweise schnell vorbei – wenn es uns gelingt, nicht ebenfalls in die Bindungsumkehr zu geraten.  

* Dr. Gordon Neufeld, Entwicklungs- und Bindungspsychologe, Vancouver

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Info 17-11 «Schenken»

Wie weit bist du mit deinen Geschenken? Ist das für dich auch eine gewisse Last? In unserer Familie war es so, und so beschlossen wir gemeinsam, auf das Beschenken der Erwachsenen zu verzichten. Aber eigentlich ist das ja auch schade. Das Problem ist doch einfach, dass man einander früher einen Topf Honig, eine Flasche Wein oder auch ein Kleidungsstück schenken konnte - im Bewusstsein, dass damit viel Freude ausgelöst wurde. Heute sind wir mit all diesen Dingen oft mehr als nur eingedeckt.
Irgendwie bin ich in dieser Sache an die Geschichte mit der zweiten Meile erinnert. Nicht wahr, eigentlich wollen wir ja die Erwartungen unserer Liebsten nicht enttäuschen - namentlich nicht diejenigen der Kinder. Aber so richtiges weihnachtliches Kribbeln kommt ja bei den «bestellten», sprich «gewünschten» Geschenken nicht auf, noch weniger freilich bei Geldspenden oder Beteiligungen. Es sei denn, der Spielraum sei gross genug und der Mut Enttäuschungen auszuhalten auch. Es müssten irgendwie die Elemente der Überraschung und vor allem auch der Freiwilligkeit drin sein, das Engagement beim Aussuchen und das Sich-Einfühlen. Und da sind wir dann bald wieder beim Stress (wenn ich an meine 13 Enkel denke). Meine Frau erhielt jedes Jahr vom Götti ein weiteres Teil des grossen Silberbestecks. Das war wohl auch nicht sehr prickelnd. Aber - hm - das haben wir immer noch und freuen uns daran. Diese Gedanken haben bei Angela Indermaur letztes Jahr einiges ausgelöst. Im Talk erzählt sie uns davon. Sehr inspirierend. 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 27. November 2017

 

 

 

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