Infobriefe

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Refresher 20-09 «Defensive Dominanz»

Wir haben uns im letzten Monat damit beschäftigt, wie gefährlich und schädlich es ist, die Liebe und Anhänglichkeit der Kinder dazu zu nutzen, sie gefügig zu machen. Du kennst vielleicht Sätze wie: “Jetzt kommst du schon wieder aus dem Zimmer, wenn du nochmals herauskommst….” Dabei kann ein Kind, das gesund ist und in Kontakt ist mit seinen Gefühlen, nur ganz schlecht einschlafen, wenn die Beziehung mit den Eltern nicht geklärt ist. So wird es irgendwann wieder aufstehen, um zu spüren, ob der Zorn der Eltern vorbei sei und die Stimmung wieder besser. Schön ist es, wenn Eltern das erkennen und nicht noch mehr Druck machen.

Manche Kinder entwickeln eine eigentliche Trennungsproblematik. Eine Verhaltensweise aus dieser Problematik heraus kennen wir alle: das Klammern. Wenn wir dann sagen: “Kannst du nicht einmal etwas für dich spielen…. dann wird sich das Problem dadurch eher verschärfen als lösen. Manchmal entwickeln Kinder ein Verhalten, dem ich im Buch einen kleinen Abschnitt gewidmet habe.

 

3.6 Defensive Dominanz

1 Defensive Dominanz - Leiterschaft, die aus der Angst kommt

Wenn Kinder zu oft mit einer Trennung konfrontiert werden – gleichgültig, ob sie real ist oder nur im Kopf des Kindes existiert –, reagieren sie auf eine typische Weise. Sie suchen zunächst die Nähe der Eltern bzw. der Bezugspersonen. Sie tun das so fordernd, so unersättlich, dass Eltern auf dieses Klammern meist mit Abwehr reagieren. Diese Zurückweisung freilich verstärkt das Trennungsgefühl. Ein Teufelskreis beginnt. Er endet nicht selten in einem Dominanzverhalten des Kindes. Irgendeine Instanz im Bindungsgehirn des Kindes sagt ihm: «Die anderen Menschen halten nicht an dir fest. Sie lassen dich im Stich. Sie wollen dich nicht. Es bleibt dir nichts, als selber die Führung zu übernehmen, sonst bist du verloren.» Die Folge ist eine Hierarchie-Umkehr, die so umfassend sein kann, dass Befehle der Eltern im Kind Frustration und Aggression auslösen und ebenso deren scheinbarer «Ungehorsam», wenn die Eltern nicht bereit sind zu tun, was das Kind fordert. Je mehr sich Eltern wehren, desto schlimmer kann es für das Kind werden. Wenn Sie bei ihrem Kind so etwas vermuten, lohnt es sich, Beratung in Anspruch zu nehmen. Ich deute hier nur an, welchen Weg ich mit meinen Klienten schon sehr oft gegangen bin (und greife dem nächsten Kapitel der Dringlichkeit wegen etwas vor):

Zunächst geht es darum, dem Kind mehr Nähe zu geben, als es verlangt.

«Das ist unmöglich!» rufen Eltern in der Regel an dieser Stelle aus. Aber meist finden wir einen Weg dahin. Vor allem geht es dann darum, schneller zu sein. Das Ziel muss es sein, dass die Eltern das Kind so lange und so intensiv nahe halten, dass dasselbe Bindungsgehirn den Umkehrschluss zieht und dem Kind sagt: Deine Eltern halten an dir fest. Sie wollen dich in ihrer Nähe haben, du bist bei ihnen willkommen. Sie sorgen dafür, dass du nicht verloren gehst. Ein solcher Prozess löst fast unglaubliche Veränderungen im Kind aus. Meist normalisieren sich Kinder vollständig. Aber der Aufwand sprengt den Rahmen der normalen elterlichen Betreuung deutlich. Es lohnt sich deshalb doppelt, Kinder nicht unnötig einer Trennung auszusetzen. Trennungsstrafen sind eine häufige Ursache und, weil sie oft regelmässig verhängt werden, die häufigste Ursache defensiver Dominanz. Klammern hingegen kann auch durch traumatische Ereignisse wie dem Verlust geliebter Personen oder Tiere ausgelöst werden. 

Soweit der Abschnitt aus dem Buch. 

Für uns als Erziehungspersonen gibt es übrigens ein ähnliches Phänomen. Auch wir können in den Zustand kommen, wo wir klammern, wo wir den kindlichen Gehorsam durchsetzen einfach deshalb, weil wir Angst haben sie könnten uns entgleiten. Dann ist es wichtig, dass wir uns der Frage stellen, ob es jetzt noch ums Kind geht oder um unsere eigene Not, der Angst, nicht mehr gebraucht, nicht mehr gefragt zu sein. Kinder reagieren meist sehr negativ auf diese Art Leiterschaft. Wenn wir sie zwingen sich freizustrampeln wird das allen Beteiligten wehtun. 

Es kann aber auch viel oberflächlicher sein: Wenn du dein Kind unter Druck setzt oder ihm etwas verbietest, einzig aus der Angst, bei Nachbarn und Freunden weniger angesehen zu sein oder gar kritisiert zu werden. Viele Eltern, Lehrkräfte und auch Trainer in Sportvereinen fürchten sich davor, wegen Missachtung der Aufsichtspflicht zur Rechenschaft gezogen zu werden, wenn etwas passiert. Wie schnell geraten wir da in eine Leiterschaft, die von der Angst für uns selber geprägt ist, anstatt aus der Sorge um das Wohl der uns Anvertrauten. Kinder brauchen das Risiko um ihre Grenzen auszuloten. Hindere sie deshalb nicht aus Angst vor der nachbarschaftlichen Kritik auf Bäume zu klettern, auf Mäuerchen zu balancieren oder durch Bäche zu waten oder auch weil die Angst deiner eigenen Mutter noch in dir steckt. In der Einstein-Sendung “Die Macht des Spielens” des Schweizer Fernsehens wird das eindrücklich dargestellt. 

Manchmal verbieten wir Dinge aber auch aus ehrlicher Rücksicht - dann zum Beispiel, wenn dein Kind die Idee hat morgens um sechs Klavier zu spielen, wenn andere schlafen. Von aussen sieht man oft nicht, was uns antreibt, dies oder jenes zu tun oder zu lassen. Lasst uns deshalb achtsam sein, dass es immer mehr die Liebe ist, die uns leitet. Die Liebe zu unseren Kindern, zu uns selbst - und auch zu unseren Nachbarn.

 

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Podcast des Monats


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter.

 

 

 

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Refresher 20-08 «Die Bestrafung über die Beziehung»

In diesem und in den nächsten Refresher-Briefen möchte ich dir jene Artikel näherbringen, die erst in den neueren Auflagen des Buches “Erziehen im Vertrauen” Eingang gefunden haben. Es ist uns ein Anliegen, dass dieses Buch aktuell bleibt und die Kerngedanken der Vertrauenspädagogik enthält. Du hast wahrscheinlich eine frühere Ausgabe gelesen, in denen die einen oder anderen Gedanken noch nicht enthalten waren. 

Heute geht es um jenes Machtmittel, das amerikanische Kinderärzte Eltern empfehlen, um sie zu überzeugen, dass es ohne Körperstrafe geht. In der Tat ist es ein sehr mutiges Unterfangen, auf die Körperstrafe zu verzichten. Wenn man allerdings an der Idee festhält, man sei nur dann als Mama oder als Papa richtig, wenn wir das Verhalten der Kinder kontrollieren können, dann ist dieser Verzicht fatal und man kommt auf die Idee, die Anhänglichkeit der Kinder zu nutzen, um sie zu kontrollieren. Hier also der entsprechende Abschnitt aus dem Buch:

 

3.5 Die Bestrafung über die Beziehung

Manche Eltern nutzen die kindliche Abhängigkeit aus, um Kinder gefügig zu machen und Druck auf sie auszuüben. Es gibt ganze pädagogische Lehrbücher, die die kindliche Trennungsangst als Mittel gegen die elterliche Ohnmacht nutzen, die sich aus dem längst überfälligen Verzicht auf die Körperstrafe ergeben hat. Und es stimmt: Der stille Stuhl ist ein Ort, an dem sich fast jedes Kind sagt: «Ich will wieder lieb sein, wenn ich nur wieder bei meiner Mama sein darf.» Oft werden die Kinder gerade dann isoliert, wenn sie die Nähe der Eltern am meisten bräuchten – dann zum Beispiel, wenn sie sich daneben benommen haben und spüren, dass die Eltern frustriert sind. Abhängig zu sein, verkommt so zu einer demütigenden Situation und bekommt jenen bitteren Beigeschmack, der vielleicht als Gegenreaktion das humanistische Ideal der Selbstbestimmung begründet hat.

Wer spürt, dass seine Abhängigkeit als Macht- und Druckmittel gegen ihn verwendet wird, wird sich früher oder später dagegen auflehnen. Viele Jugendliche schütteln diese Abhängigkeit genau dann ab, wenn sie die Eltern dringend brauchen würden: in der Pubertät.

Dass Jugendliche nicht in erster Linie selbstbestimmt sein wollen, wissen alle, die mit ihnen zu tun haben. Sie suchen vielmehr Geborgenheit und Schutz in der Bindung an andere Menschen. Der Frage, warum das oft nicht mehr jene sind, die für sie Verantwortung tragen, wollen wir in den nächsten Kapiteln nachgehen.

Bindung ist das tiefste und stärkste Bedürfnis überhaupt. Nichts bringt uns Menschen so aus der Fassung wie der tatsächliche oder befürchtete Verlust unserer primären Bindungen. Es sind Gefühle wie Liebeskummer oder die Trauer um einen geliebten Menschen. Für Kleinkinder hat die Angst vor dem Verlust der Bindung eine lebensbedrohliche Dimension, denn sie spüren, dass sie selber nicht überleben können. In meinen Beratungen werde ich deshalb immer wieder mit einem kindlichen Verhalten konfrontiert, das ich nach Gordon Neufeld Defensive Dominanz nennen möchte.

 

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Refresher 20-01 «Er/sie tut alles, mich vor den Kindern schlecht zu machen»

Wenn solche Gedanken in deinem Kopf sind, dann ist schon vieles im Argen. Allein diese Vermutung reicht aus, um eine Beziehung nachhaltig zu beschädigen. Und wer würde es nicht verstehen, wenn man sich - je nach Typ - zurückzieht oder zum Gegenangriff übergeht. 

Bevor wir uns mit diesem schlimmen Fall beschäftigen, möchte ich dich einladen, die Anfänge einer solchen Entwicklung zu betrachten.

Bitte entschuldige, wenn ich der Einfachheit halber den statistisch weitaus häufigeren Fall ins Auge fasse und es deiner Fantasie überlasse, die Geschlechterrollen zu tauschen. 

«Zuerst muss ich Vertrauenspädagogik einmal meinem Mann verklickern!» So argumentierte eine angehende Trainerin, total begeistert vom vertrauenspädagogischen Ansatz. Wer wollte es ihr verdenken, ihren Roger teilhaben zu lassen an dieser Entdeckung. Aber: Wie schnell tönt es dann so: «Hör zu, Roger, wenn du so Druck machst, musst du dich nicht wundern, wenn Micha bockt. Bau du zuerst mal eine Beziehung zu ihm auf!» Den üblen Fall, dass Micha dieses Gespräch mithört, wollen wir ausklammern, aber diese Gedanken werden ohnehin in seinem Kopf ankommen. Kinder spüren solche Gedanken und werden gestärkt, dem Druck des Vaters zu widerstehen (was ja nicht immer falsch sein muss). Aber es führt in der Regel dazu, dass Roger den Druck auf Micha erhöht. Wäre dieser stärkende Einfluss der Mutter nicht da, würde er wohl eher klein beigeben. So aber fühlt er sich als Widerstandskämpfer und weniger als Rebell. Würde Papa jetzt nachgeben, würde er sich nicht als jemanden wahrnehmen, der endlich verstanden hat, was seine Frau bewegt, sondern eher als Verlierer, als Schwächling, der sich vom eigenen Sohn vorführen lässt.

Ich würde dir als Frau in einem solchen Fall eher die gegenteilige Vorgehensweise empfehlen: Stelle dich hinter deinen Mann, auch wenn er eben eine wenig beziehungsfördernde Drohung ausgestossen hat: «So musst du nicht mit mir sprechen. Noch eine solche freche Antwort und dein Handy ist für einen Monat weg, hast du mich verstanden?» Begleitet von hochgezogenen Augenbrauen und zwar so: Nimm deinen Sohn, wenn sich die Emotionen abgekühlt haben, zur Seite und sage vielleicht sowas zu ihm: «Micha, schau, drücke nicht die roten Knöpfe deines Vaters. Du förderst so seine übelsten Wesenszüge zutage. Du bringst ihn dazu, genau das zu tun, was er nie wollte. Er liebt dich wie ich, aber er ist überzeugt, dass er sowas nie durchgehen lassen darf. Geh respektvoll mit ihm um, dann wirst du ihn von seiner edlen Seite kennenlernen. Gerade jetzt ist es doch wichtig, deinem Vater nahe zu sein, wo du langsam ein Mann wirst.» «Ja, aber...!» «Denk darüber nach. Du hast es ein Stück weit in der Hand, aus ihm einen aggressiven Kritiker oder einen verständnisvollen Vater zu machen. Steh deinen Mann, aber drücke nicht Papas rote Knöpfe!» 

Auch diese Botschaft wird ihren Weg in die Herzen finden, auch wenn dein Gespräch mit Micha unter vier Ohren war. Und sie wird viel eher dazu führen, dass dein Mann sich für deine neue Sicht auf Pädagogik interessiert. Je weniger er sich angegriffen fühlt, desto weniger wird er sich verteidigen müssen und sich auf die Suche machen nach Szenen, wo deine Pädagogik ihm als Quelle seiner Schwierigkeiten vorkommt. 

Kommen wir zurück auf jenen Fall, wo eure Beziehung bereits in Brüche gegangen ist, aus welchen Gründen auch immer. Vertraue darauf, dass ihr beide eure Kinder nach wie vor liebt und das Beste für sie wollt. Glaube nicht, dass dein Partner bzw. deine Partnerin bewusst eure Kinder instrumentalisieren will, um sich an dir zu rächen. Selbst wenn es dir so vorkommen mag. Erinnere dich daran, dass das Bild, das du jetzt von deinem Partner, von deiner Partnerin hast, so wenig objektiv ist, wie jenes, als du ihn noch liebtest. Löse dich selber von Rachegedanken und steht einander zu: «Man kann das Leben oft nur rückwärts verstehen, leben muss man es vorwärts.» 

Für deine Kinder ist eines zentral: Sie möchten zu dir und zu deinem Partner, deiner Partnerin, eine Beziehung leben dürfen, ohne das Gefühl zu haben, dass ihr darunter leidet, wenn sie glücklich aus dem Wochenende kommen. Unterstützt euch gegenseitig, auch wenn ihr ganz verschieden denkt und handelt. Kinder vertragen gut verschiedene Erziehungsstile, solange sie sich geliebt fühlen.

 

Talk über das Monatsthema


Wir verabschieden uns einstweilen von den Videos auf youtube. So sehr sie von den einen geschätzt wurden, so ziehen andere lieber Podcasts vor, Hörtexte also, die man direkt beim Autofahren oder beim Fitnesstraining hören kann. Was bleibt ist die Möglichkeit, am letzten Montag von 20:30 Uhr bis ca. 21:15 Uhr zu einer Live-Beratungsstunde einzuklinken. Wir beantworten dann nur Fragen. Wenn niemand etwas fragt, ist die Sitzung ganz schnell beendet und ihr könnt in der Gruppe den Podcast hören.

 

Live-Beratung über Skype

Am letzten Montag im Monat - 27. Januar 2020  um 20:30 Uhr - ist wieder Live-Beratung. Sie findet per Skype statt. Hier findest du die Veranstaltung und kannst dich via Skype einloggen.

 

 

 

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Refresher 19-09 «Und wenn sie in die Lehre kommen?»

Kürzlich wurde mir eine interessante Frage gestellt: Wie geht es denn Kindern, die mit Vertrauenspädagogik aufwachsen und vielleicht sogar eine VP-Schule besuchen, wenn sie anschliessend in die Ausbildung und damit raus in die «raue» Welt kommen? In der Wirtschaft geht es ja nicht sehr vertrauenspädagogisch zu und her. Wie gehen solche Kinder damit um? Haut sie das nicht um? 

Nachdem ich bereits ein paar Familien beobachten konnte und nun auch selber zwei Kinder in der Ausbildung habe, kann ich sagen, dass diese Kinder sogar eher besser mit dem «rauen» Klima der Wirtschaft zurechtkommen als manch anderes. Warum das so ist, schreibe ich vor allem zwei Umständen zu: der persönlichen Reife und den Beziehungen innerhalb der Familie. Das eine hat natürlich auch mit dem anderen zu tun.

Kinder, die in einer hierarchischen Liebesbeziehung, also einer Join-up-Beziehung gross werden durften, haben gute Voraussetzungen zu reifen. Solche Jugendliche sind in der Lage, differenziert zu denken. Sie haben das Prinzip von Arbeit (sich heute engagieren für den Erfolg von morgen) verstanden und sie haben längst begriffen, dass sie für sich selbst lernen und nicht für die Lehrkraft. Mehr noch, oft ist in solchen Jugendlichen die Neugierde nicht verschüttet und sie sind in der Lage, aus echtem Interesse heraus zu lernen.

Die Beziehung ihrerseits schützt den Jugendlichen vor den oft knallharten und verletzenden Beurteilungen von aussen. Nicht, dass diese ihn gar nicht mehr verletzen, aber sie dringen nicht ins tiefste Innere vor. Weiter sind wir als Eltern durch so eine Beziehung auch in der Lage, unseren Jugendlichen zu coachen. Was ich damit meine, verrate ich gerne im Video.

 

Talk über das Monatsthema

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Refresher 19-08 «Das ist nicht von mir!»

Ein solcher Satz heisst doch eigentlich: «Ich habe das nicht liegen gelassen, also muss ich es auch nicht auflesen. Wenn du mich aufforderst, es aufzuheben, dann heisst das ja wohl, dass du denkst, ich hätte das verschuldet.»

Diese Denkweise ist tief in uns verankert. Es gibt allerdings eine gewichtige Ausnahme: Mütter verbringen ein Grossteil ihrer Zeit damit zu, die Suppen anderer auszulöffeln. Was sie zusammensaugen oder -wischen, was sie waschen oder flicken ist ja meist nicht ihre «Saat», um das gleiche Prinzip im biblischen Bild zu zitieren: Das Prinzip von Saat und Ernte. Wenn wir dieses Prinzip hochhalten, dann müssen wir auch die Antwort dieses Kindes als die einzig richtige anerkennen. Jesus nat neben diesem Prinzip allerdings ein anderes eingeführt, das dem gesunden Menschenverstand vielleicht eher fremd ist. Johannes 4:37 spricht davon, dass die einen schneiden, was sie nicht gesät haben. Letztlich hat ja Jesus am Kreuz geerntet, was er nicht gesät hat. Insofern ist das Loyalitätsprinzip, das Füreinander-die-Suppe-Auslöffeln jenes Prinzip, das viel eher dem Evangelium entspricht. Freilich ist dieses Prinzip - wenn es verordnet ist - eher untauglich. Vielleicht könntest du diese beiden Prinzipien einmal in deiner Familie diskutieren. Was würde es bedeuten, wenn Mama sich auf das Prinzip von Saat und Ernte beriefe? Wo könnte man das Solidaritätsprinzip leben - so wie es für Mama normal ist?

 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 26. August 2019

 

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