Infobriefe

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Refresher 20-01 «Er/sie tut alles, mich vor den Kindern schlecht zu machen»

Wenn solche Gedanken in deinem Kopf sind, dann ist schon vieles im Argen. Allein diese Vermutung reicht aus, um eine Beziehung nachhaltig zu beschädigen. Und wer würde es nicht verstehen, wenn man sich - je nach Typ - zurückzieht oder zum Gegenangriff übergeht. 

Bevor wir uns mit diesem schlimmen Fall beschäftigen, möchte ich dich einladen, die Anfänge einer solchen Entwicklung zu betrachten.

Bitte entschuldige, wenn ich der Einfachheit halber den statistisch weitaus häufigeren Fall ins Auge fasse und es deiner Fantasie überlasse, die Geschlechterrollen zu tauschen. 

«Zuerst muss ich Vertrauenspädagogik einmal meinem Mann verklickern!» So argumentierte eine angehende Trainerin, total begeistert vom vertrauenspädagogischen Ansatz. Wer wollte es ihr verdenken, ihren Roger teilhaben zu lassen an dieser Entdeckung. Aber: Wie schnell tönt es dann so: «Hör zu, Roger, wenn du so Druck machst, musst du dich nicht wundern, wenn Micha bockt. Bau du zuerst mal eine Beziehung zu ihm auf!» Den üblen Fall, dass Micha dieses Gespräch mithört, wollen wir ausklammern, aber diese Gedanken werden ohnehin in seinem Kopf ankommen. Kinder spüren solche Gedanken und werden gestärkt, dem Druck des Vaters zu widerstehen (was ja nicht immer falsch sein muss). Aber es führt in der Regel dazu, dass Roger den Druck auf Micha erhöht. Wäre dieser stärkende Einfluss der Mutter nicht da, würde er wohl eher klein beigeben. So aber fühlt er sich als Widerstandskämpfer und weniger als Rebell. Würde Papa jetzt nachgeben, würde er sich nicht als jemanden wahrnehmen, der endlich verstanden hat, was seine Frau bewegt, sondern eher als Verlierer, als Schwächling, der sich vom eigenen Sohn vorführen lässt.

Ich würde dir als Frau in einem solchen Fall eher die gegenteilige Vorgehensweise empfehlen: Stelle dich hinter deinen Mann, auch wenn er eben eine wenig beziehungsfördernde Drohung ausgestossen hat: «So musst du nicht mit mir sprechen. Noch eine solche freche Antwort und dein Handy ist für einen Monat weg, hast du mich verstanden?» Begleitet von hochgezogenen Augenbrauen und zwar so: Nimm deinen Sohn, wenn sich die Emotionen abgekühlt haben, zur Seite und sage vielleicht sowas zu ihm: «Micha, schau, drücke nicht die roten Knöpfe deines Vaters. Du förderst so seine übelsten Wesenszüge zutage. Du bringst ihn dazu, genau das zu tun, was er nie wollte. Er liebt dich wie ich, aber er ist überzeugt, dass er sowas nie durchgehen lassen darf. Geh respektvoll mit ihm um, dann wirst du ihn von seiner edlen Seite kennenlernen. Gerade jetzt ist es doch wichtig, deinem Vater nahe zu sein, wo du langsam ein Mann wirst.» «Ja, aber...!» «Denk darüber nach. Du hast es ein Stück weit in der Hand, aus ihm einen aggressiven Kritiker oder einen verständnisvollen Vater zu machen. Steh deinen Mann, aber drücke nicht Papas rote Knöpfe!» 

Auch diese Botschaft wird ihren Weg in die Herzen finden, auch wenn dein Gespräch mit Micha unter vier Ohren war. Und sie wird viel eher dazu führen, dass dein Mann sich für deine neue Sicht auf Pädagogik interessiert. Je weniger er sich angegriffen fühlt, desto weniger wird er sich verteidigen müssen und sich auf die Suche machen nach Szenen, wo deine Pädagogik ihm als Quelle seiner Schwierigkeiten vorkommt. 

Kommen wir zurück auf jenen Fall, wo eure Beziehung bereits in Brüche gegangen ist, aus welchen Gründen auch immer. Vertraue darauf, dass ihr beide eure Kinder nach wie vor liebt und das Beste für sie wollt. Glaube nicht, dass dein Partner bzw. deine Partnerin bewusst eure Kinder instrumentalisieren will, um sich an dir zu rächen. Selbst wenn es dir so vorkommen mag. Erinnere dich daran, dass das Bild, das du jetzt von deinem Partner, von deiner Partnerin hast, so wenig objektiv ist, wie jenes, als du ihn noch liebtest. Löse dich selber von Rachegedanken und steht einander zu: «Man kann das Leben oft nur rückwärts verstehen, leben muss man es vorwärts.» 

Für deine Kinder ist eines zentral: Sie möchten zu dir und zu deinem Partner, deiner Partnerin, eine Beziehung leben dürfen, ohne das Gefühl zu haben, dass ihr darunter leidet, wenn sie glücklich aus dem Wochenende kommen. Unterstützt euch gegenseitig, auch wenn ihr ganz verschieden denkt und handelt. Kinder vertragen gut verschiedene Erziehungsstile, solange sie sich geliebt fühlen.

 

Talk über das Monatsthema


Wir verabschieden uns einstweilen von den Videos auf youtube. So sehr sie von den einen geschätzt wurden, so ziehen andere lieber Podcasts vor, Hörtexte also, die man direkt beim Autofahren oder beim Fitnesstraining hören kann. Was bleibt ist die Möglichkeit, am letzten Montag von 20:30 Uhr bis ca. 21:15 Uhr zu einer Live-Beratungsstunde einzuklinken. Wir beantworten dann nur Fragen. Wenn niemand etwas fragt, ist die Sitzung ganz schnell beendet und ihr könnt in der Gruppe den Podcast hören.

 

Live-Beratung über Skype

Am letzten Montag im Monat - 27. Januar 2020  um 20:30 Uhr - ist wieder Live-Beratung. Sie findet per Skype statt. Hier findest du die Veranstaltung und kannst dich via Skype einloggen.

 

 

 

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Refresher 19-09 «Und wenn sie in die Lehre kommen?»

Kürzlich wurde mir eine interessante Frage gestellt: Wie geht es denn Kindern, die mit Vertrauenspädagogik aufwachsen und vielleicht sogar eine VP-Schule besuchen, wenn sie anschliessend in die Ausbildung und damit raus in die «raue» Welt kommen? In der Wirtschaft geht es ja nicht sehr vertrauenspädagogisch zu und her. Wie gehen solche Kinder damit um? Haut sie das nicht um? 

Nachdem ich bereits ein paar Familien beobachten konnte und nun auch selber zwei Kinder in der Ausbildung habe, kann ich sagen, dass diese Kinder sogar eher besser mit dem «rauen» Klima der Wirtschaft zurechtkommen als manch anderes. Warum das so ist, schreibe ich vor allem zwei Umständen zu: der persönlichen Reife und den Beziehungen innerhalb der Familie. Das eine hat natürlich auch mit dem anderen zu tun.

Kinder, die in einer hierarchischen Liebesbeziehung, also einer Join-up-Beziehung gross werden durften, haben gute Voraussetzungen zu reifen. Solche Jugendliche sind in der Lage, differenziert zu denken. Sie haben das Prinzip von Arbeit (sich heute engagieren für den Erfolg von morgen) verstanden und sie haben längst begriffen, dass sie für sich selbst lernen und nicht für die Lehrkraft. Mehr noch, oft ist in solchen Jugendlichen die Neugierde nicht verschüttet und sie sind in der Lage, aus echtem Interesse heraus zu lernen.

Die Beziehung ihrerseits schützt den Jugendlichen vor den oft knallharten und verletzenden Beurteilungen von aussen. Nicht, dass diese ihn gar nicht mehr verletzen, aber sie dringen nicht ins tiefste Innere vor. Weiter sind wir als Eltern durch so eine Beziehung auch in der Lage, unseren Jugendlichen zu coachen. Was ich damit meine, verrate ich gerne im Video.

 

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Refresher 19-08 «Das ist nicht von mir!»

Ein solcher Satz heisst doch eigentlich: «Ich habe das nicht liegen gelassen, also muss ich es auch nicht auflesen. Wenn du mich aufforderst, es aufzuheben, dann heisst das ja wohl, dass du denkst, ich hätte das verschuldet.»

Diese Denkweise ist tief in uns verankert. Es gibt allerdings eine gewichtige Ausnahme: Mütter verbringen ein Grossteil ihrer Zeit damit zu, die Suppen anderer auszulöffeln. Was sie zusammensaugen oder -wischen, was sie waschen oder flicken ist ja meist nicht ihre «Saat», um das gleiche Prinzip im biblischen Bild zu zitieren: Das Prinzip von Saat und Ernte. Wenn wir dieses Prinzip hochhalten, dann müssen wir auch die Antwort dieses Kindes als die einzig richtige anerkennen. Jesus nat neben diesem Prinzip allerdings ein anderes eingeführt, das dem gesunden Menschenverstand vielleicht eher fremd ist. Johannes 4:37 spricht davon, dass die einen schneiden, was sie nicht gesät haben. Letztlich hat ja Jesus am Kreuz geerntet, was er nicht gesät hat. Insofern ist das Loyalitätsprinzip, das Füreinander-die-Suppe-Auslöffeln jenes Prinzip, das viel eher dem Evangelium entspricht. Freilich ist dieses Prinzip - wenn es verordnet ist - eher untauglich. Vielleicht könntest du diese beiden Prinzipien einmal in deiner Familie diskutieren. Was würde es bedeuten, wenn Mama sich auf das Prinzip von Saat und Ernte beriefe? Wo könnte man das Solidaritätsprinzip leben - so wie es für Mama normal ist?

 

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Livesendung vom 26. August 2019

 

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Refresher 19-07 «...weint mit den Weinenden!»

Stell dir einmal folgende Situation vor: Dein Kind kommt aus der Schule, knallt seinen Schulrucksack in die Ecke und schimpft: «Die Emma ist so verlogen und gemein. Alle Mädchen lädt sie zu ihrem Geburtstagsfest ein, nur mich nicht. Hinter meinem Rücken spricht sie schlecht über mich. Heute Nachmittag gehe ich nicht zur Schule. Es ist mir egal, wenn ich Ärger bekomme. Mit dieser Kuh will ich nichts mehr zu tun haben.»

Wurde dir auch schon einmal eine so geballte Ladung an Frust entgegengeschleudert? Oder wirst du im Alltag überraschend mit ähnlichen Gefühlsausbrüchen deiner Kinder konfrontiert? Dann gehen bei dir vielleicht alle inneren Alarmleuchten an und du fragst dich, wie du dein Kinder wieder beruhigen kannst. Vielleicht versuchst du es mit Strenge: «Jetzt reiss dich aber zusammen!» Oder vielleicht riskierst du es, deinem Kind eine andere Sicht schmackhaft zu machen: «Emma hat sicher nur vergessen, dich einzuladen.»

Natürlich gibt es Situationen, wo dein Kind eine andere Sicht, ein neues Ziel oder ganz praktische Hilfe braucht. Aber in den meisten Fällen würde ich dir raten, einen anderen Weg zu gehen: Versuche, das Herz deines Kindes zu spiegeln. Finde Worte für seinen Frust, seine Wut oder seine Angst. Lass zu, dass auch dein Gesicht diese Gefühle zeigt. Dein Kind wird sich verstanden fühlen und eure Bindung wird gestärkt. Du brauchst nicht zu schimpfen und zu korrigieren. Du und dein Kind, ihr bleibt gemeinsam auf der einen Seite, der Ärger auf der anderen. Und schliesslich sprichst du deinem Kind auch dein Vertrauen aus: Kinder sind meist viel kompetenter, als wir glauben.

 

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Refresher 19-06 «Gehorsam!?»

Wurdest du auch schon mit der Aussage oder gar dem Vorwurf konfrontiert, wir, die wir vertrauenspädagogisch erziehen, nähmen den Gehorsam unserer Kinder zu wenig ernst? Zugegeben, das mag in manchen Situationen von aussen so aussehen. Doch ist es auch wirklich so? Eine Trainerin hat mir darauf eine spannende Antwort gegeben: «Ich gebe mich doch nicht nur mit dem Gehorsam zufrieden. ICH MÖCHTE MEHR! Ich möchte, dass meine Kinder mir folgen, weil sie es mir recht machen WOLLEN, also aus der Beziehung heraus dazu bewegt werden!»
Und in der Tat, Gehorsam ist relativ leicht zu erreichen: mit etwas Druck, mit der Androhung von Strafen... Dann wird das Kind aus dem Motiv der Angst vor der Strafe heraus tun, was wir sagen. Die einen oder anderen von uns kennen dies bestimmt noch aus der eigenen Kindheit. Auf der anderen Seite der Angst steht die Liebe. Und eine Beziehung, die von Liebe, Annahme und Vertrauen geprägt ist, ist es, was wir wollen. Und wir spüren es, das geht so viel tiefer! Da werden wir als Eltern herausgefordert, aber gleichzeitig auch freigesetzt. Es ist so viel schöner und fühlt sich viel natürlicher und besser an, wenn ich darauf vertraue, dass mein Kind es mir recht machen möchte und dass es sein Bestes gibt. So viel besser auf jeden Fall, als das Agieren mit Druck und Strafe (Zuckerbrot und Peitsche).

 

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