Infobriefe

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Info 10-03 "Hierarchien"

Hierarchien gibt es überall, trotz Sozialismus und Demokratie.

In unserer Kultur gehen wir davon aus, dass wer oben ist, mehr wert ist, als jemand, der unten ist. Also wollen alle eher oben sein, was jene, die oben sind, mit Angst erfüllt, und sie dazu führt, die Position zu verteidigen und jene vorsorglich einzuschüchtern, die unten sind. Immer auf der Hut vor möglichem Ungehorsam oder gar Rebellion. Das wiederum führt dazu, dass sich Untergeordnete nicht wohl fühlen, dass sie sich gedemütigt vorkommen und sich deshalb tatsächlich Gedanken darüber machen, wie sie der undankbaren Rolle entkommen könnten. So schliesst sich der Teufelskreis.

VP fängt damit an, dieses Denkmuster zu verlassen! Das ist nicht einfach.

Schau vielleicht nochmals das Video "Die 6 Minuten" an. Wieso wächst das Vertrauen des Pferdes bei dieser Zeremonie und nicht seine Angst? Weil die Pferde nicht im obigen Denkmuster sind, sondern in jenem, das auch Jesus propagiert hat: Wer führt, soll sich als Diener fühlen, und Unterordnung ist nichts Schändliches - im Gegenteil. Auch in uns Menschen ist dieses Verhalten angelegt. Wir brauchen es nur zu aktivieren.

Menschen wollen, wie alle sozialen Wesen, nur zwei Dinge:

  1. Einen geklärten Platz in der Hierarchie, wo sie weder von unten noch von oben angefeindet werden, sondern akzeptiert sind.
  2. Die Gewissheit, dass die Führenden fit sind, und Klarheit darüber, ob sie allenfalls mehr Verantwortung übernehmen müssten.

Letzteres ist nun etwas, was wir Menschen gerne missverstehen. Wenn dein Junge mit dir armdrücken will, dann geht es ihm nicht darum, dich zu besiegen, sondern um das gute Gefühl zu spüren, dass du stärker bist und deshalb am richtigen Platz bist. Wenn du die Mutter oder die Lehrerin bist, wird er andere Wege wählen, zu diesem guten Gefühl zu kommen. Nimm das deshalb nicht als Angriff, sondern als das, was es ist, ein schöpfungsgemäss angelegtes Verhalten, das sicherstellen soll, dass die Hierarchie noch stimmt. Verpasse nicht ein liebevolles, aber klares Hierarchiesignal zu geben, denn das ist es, was das Kind sucht. Du als Vater musst vielleicht wieder ein bisschen trainieren und du als Mutter sag vielleicht: "Hoppla, das war der falsche Ton, junger Mann!" begleitet von einem Lächeln, einer kleinen Berührung oder einem scherzhaften Puff. Wenn du deinem Kind die Provokation übel nimmst, dann seid ihr entweder nicht im Join-up oder dann bald nicht mehr.

Nimm deshalb immer wieder die Gelegenheit wahr, Überordnungssignale zu geben. Zum Beispiel so:

"Manuel, du solltest noch das Auto saugen, bevor wir wegfahren."

"Nein, das stinkt mir!"

"Mach dir keine Gedanken, es geht auch dann, wenn es dir stinkt."

Warte keine Antwort mehr ab, das zeigt deinem Kind, dass du dir sicher bist. Wechsle das Thema schnell oder entziehe dich der Situation.

Ich wünsche deinen Schülern oder deinen Kindern solche liebevollen, aber klaren Hierarchiesignale. Sie geniessen es.

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Info 10-02 "Verhaltensauffällige Kinder"

Immer wieder stossen sich Menschen daran, dass ich - vor allem auch an den Kursen - lehre, dass die Erwachsenen die Verantwortung für Fehlentwicklungen übernehmen sollen. Ich verstehe das, denn es entspricht nicht unserer Gewohnheit. Sonderschulen und Heime sind ja voll von Kindern, die als schwierig gelten. Die Kinder sind es, die als therapiebedürftig gelten, und das ist natürlich nicht ganz falsch.

Wir haben als Heimleiterehepaar immer wieder etwa Kinder an Wochenenden betreut. Dabei lebten wir ganz normal weiter, hatten Besuch und gingen auf Besuch. Glaube mir, es hat nie jemand gesagt: "Aha, ich sehe, das ist ein verhaltensauffälliges Kind." Es war meist genau umgekehrt: "Wieso ist denn dieses Kind in einem Heim? Es ist ja ganz normal." In der Tat gab es, trotz der massiven Verletzungen, die diese Kinder erfahren haben, nur ganz selten Situationen, wo das im Alltag sichtbar wurde. Sobald sie in einer "normalen" Familie waren, zusammen mit unsern Kindern, normalisierte sich ihr Verhalten sehr schnell. Kinder im Join-up verhalten sich "normal". Wenn sie nicht im Join-up sind, dann gehen die Unterschiede extrem auseinander. Während das bei den einen Kindern kaum auffällt, sind andere Kinder extrem rebellisch bis hin zu hinterhältig und gemein. Im Join-up aber verhalten sich alle mehr oder weniger korrekt.

Wenn also dein Kind sich sehr schräg verhält, empfehle ich dir, alles daran zu setzen, dass es ins Join-up kommt. Kaum ein Opfer ist dafür zu gross. Wenn dir das nicht gelingt, dann suche Hilfe, denn darum geht es letztlich.

Und eben: Der Anfang jeder Join-up-Intervention besteht darin, dass du aufhörst, dem Kind Vorwürfe für sein Verhalten zu machen. Übernimm - wie das auch die Manager tun (sollten) - die Verantwortung für Fehlentwicklungen und leite, nachdem du nicht abgewählt werden kannst, den Sanierungsplan ein. Genaueres dazu im Buch Seite 44.

Zum Schluss noch ein kurzes Müsterli aus unserm grosselterlichen Alltag:

Ich wickle S (1,5) im Badezimmer des oberen Stockwerks, während B (4) wie immer keine Anstalten macht, sich anzuziehen. Anstatt ihn anzutreiben, sage ich: "Du kannst dir Zeit lassen mit dem Anziehen. Denke aber daran, dass ich nachher mit S hinunter gehe." Er fand das zunächst unfair. Ich fragte: "Wieso findest du das unfair? Unfair wäre doch, wenn ich es dir nicht gesagt hätte. Du hast jetzt ja noch alle Zeit, dich anzuziehen, bis ich hier fertig bin." Das leuchtete ihm ein. Er zog sich in Windeseile an und freute sich, dass er noch vor uns fertig war.

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