Infobriefe

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Refresher 19-03 «AD(H)S - ein Talentsignal?!»

Weisst du, wie sich eine Blockade anfühlt? Wie es einem zumute ist, wenn man keinen Zugang zum Sprechen mehr hat, keinen Zugang zum Gedächtnis? Eine leichte Version davon kennen wir alle, wenn wir uns an wichtige Wörter oder Namen nicht erinnern können. Oder wenn wir vergessen haben, was wir eben noch ganz Wichtiges sagen wollten. Oft mündet es in eine peinliche Situation, wo wir froh sind, wenn wir mit vertrauten Menschen zusammen sind oder mindestens mit solchen, die Verständnis zeigen. Wie fühlt sich das für Kinder an? Was macht es mit ihnen? Eine Gruppe von Kindern - auch wenn sie dereinst erwachsen sind - erlebt das regelmässig beim Lesen und Schreiben: Die Legastheniker. D. war so ein Kind. Obwohl es dreissig Jahre her ist, sehe ich ihn klar vor mir. Seine Schrift sah aus wie ein kleinkindliches Gekritzel und beim Lesen steckte er oft bei vermeintlich einfachen Wörtern fest. Er vermied es folglich, zu lesen und zu schreiben, war aber sonst ein aufgeweckter Schüler. Eine Kollegin, selber Davis-Therapeutin, gab mir dessen Buch, das mich faszinierte: «Legasthenie als Talentsignal». Ich kannte Legasthenie vor allem aus meiner Primarlehrerzeit. Spezielle Therapeutinnen versuchten zu helfen - wie bei D. oft mit wenig Erfolg. Das Buch weckte neue Hoffnung für D. Tatsächlich: Nach einer einzigen Therapiewoche hatte sich seine Schrift sowie seine Lesefertigkeit spektakulär verbessert. Er war gewissermassen geheilt - mehr als das. Er hatte seine besondere Fähigkeit der Desorientierung, wie Davis sie nennt, erhalten, hatte nun aber die Kontrolle darüber erlangt. Ein Raumorientierungsgefühl, das jedem von uns Normalos überlegen ist.
Kürzlich habe ich Ronald Davis’ neues Buch «ADHS und Dyskalkulie als Talentsignal» gelesen - gerade rechtzeitig auf unsere Frühlingstagung hin, wo ich darüber sprechen will, wie unser Erziehungsverhalten mit einer gewissen Regelmässigkeit Perfektionisten und Narzissten hervorbringt. Dies umso mehr bei jenen Kindern, die uns Mühe machen. Wo aber liegt das besondere Talent der AD(H)S-Menschen? Multitasking!

 

Talk über das Monatsthema

Weiterlesen
3 Hits

Refresher 19-02 «Mein Kind - ein Aussenseiter?!»

«Alle spielen das - ich bin sonst ein Aussenseiter!» Mit dieser Argumentation bist du vielleicht auch schon konfrontiert gewesen. Vielleicht waren es nicht PC-Spiele, sondern die Marken der Kleider, die die Kinder bewahren sollten, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. 
Zwei Dinge gehen mir dabei durch den Kopf: 
Es wäre schön, wenn unsere Kinder die innere Kraft hätten, diesem Konformitätsdruck zu begegnen. Wie aber finden sie diese Kraft? Indem wir ihnen das Heldentum als Pflicht auferlegen? «Wir als Christen tun das nicht, bekenne dich zu unseren Werten.» Ich denke, es wäre ehrlicher zu sagen: «Wir als Eltern wollen das nicht. Du darfst dich ruhig auf uns berufen und bekennen, dass du dieses Game auch gerne spielen würdest, wenn du dürftest.» Vielleicht werden unsere Kinder sich viel lieber hinter uns stellen, wenn sie darin frei sind. Wenn sie dadurch in die Lage kämen, anstatt dem Druck der Kollegen und der Eltern auszuweichen, aus Loyalität zu handeln. Manchmal müssen wir Grenzen setzen und nein sagen, aber was Kinder weiterbringt, ist ihre Freiheit, das Gute und Wahre zu wählen.
Und das zweite, vergib mir, wenn ich es immer wieder erwähne: Wir sollten auf die Motive unserer Kinder achten. Sie sind wichtiger als ihre Taten. Glaubst du das auch?

 

Verabschiedung Beat Etter

 

Livesendung vom 25. Februar 2019

Aufgrund technischer Probleme fand die Livesendung nicht statt.

Weiterlesen
54 Hits

Refresher 19-01 «Ueben oder spielen - oder beides?»

Viele Kinder äussern irgendwann den Wunsch, ein Musikinstrument zu erlernen. Eltern melden sie dann für den Unterricht an und übernehmen die Verantwortung, dass das Kind täglich 10, 20, 30… Minuten übt. Oft sehen wir, dass den Kindern nach kurzer Zeit die Freude abhanden kommt. Es entsteht ein täglicher Kampf um die Übungsminuten, oft mit unschönen Argumenten: «Ich bezahle so viel Geld für den Unterricht, da erwarte ich aber, dass du auch täglich 20 Minuten übst!» So rufen wir unverzüglich den Gegenwillen auf den Plan. Das heisst, der äussere Druck wird in diesem Moment grösser als der innere Wunsch, zu üben, und wir finden uns in einem mühsamen Machtkampf wieder, wo es eigentlich nur Verlierer gibt.

Wie viel schöner wäre es aber doch, wenn ein Kind mit Freude bei der Sache sein könnte und auch einmal freiwillig auf seinem Instrument spielte - gerne auch länger als die empfohlenen 20 Minuten. Wie erreichen wir das?

Kein Druck, kein «Üben», sondern «Spielen» - dann, wenn das Kind Lust verspürt und mit Freude daran geht, wenn es sich im Spiel vertiefen und verlieren kann. Kein Üben, um die Mutter oder die Lehrerin zufriedenzustellen, sondern aus Freude an der Sache oder aber (später) auch einfach, weil es ein lohnendes Ziel vor Augen hat. Wie klingt das für dich?
Wer diesen Weg wählt, dem kann es passieren, dass das Kind erstmal gar nichts mehr macht. Aber selbst dann wird es in der Musikstunde vorwärts kommen. Und irgendwann kommt der Moment, wo fröhliche Flöten- oder Geigentöne erklingen. Einfach so…

Lehrpersonen, zu denen das Kind eine Beziehung aufbauen kann und die als Coaches den Kindern zur Seite stehen und sie motivieren, die aber keinen Druck ausüben, sind eine grosse Hilfe. Das Musizieren soll nicht ihr Bedürfnis sein, sondern das Bedürfnis des Kindes.

 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 28. Januar 2019

Weiterlesen
89 Hits

Refresher 18-10 «Hast du ein gutes Gewissen?»

Im Moment bin ich in der Endphase der Vorbereitung für einen Vortrag in Schaffhausen mit dem Titel «Das befreite Gewissen». Wenn du das liest, wird der Vortrag schon vorbei sein. Wenn du gerne dabei gewesen wärest, dann schaue im Shop nach, ob es gelungen ist, meine Gedanken rüberzubringen…
Hier kurz ein Erlebnis, das mich in diesem Zusammenhang beschäftigt. Die Frage im Titel hat es dir vielleicht schon gezeigt: Du spürst dein Gewissen nur dann, wenn du in Gefahr bist, ein schlechtes Gewissen zu haben, bzw. wenn dir jemand ein schlechtes Gewissen macht. Das gute Gewissen an sich spüren wir gar nicht. Oder doch? Es müsste das gute Lebensgefühl eines Menschen sein, der im Join-up mit den Mitmenschen ist, auf deren Vergebung vertraut und an einen liebenden, fürsorglichen Gott glaubt, dem er nachfolgt, ohne Angst zu haben, etwas falsch zu machen, was ihn um die Gunst Gottes bringen könnte.
Ein solcher Mensch ist vielleicht mein ältester Enkel. Er musste sich diese Woche in unserem Auto übergeben und schaffte es trotz seiner 14 Jahre nicht, den Sitz und die stoffbezogene Türe zu verschonen. Das Besondere: Ich stellte kein schlechtes Gewissen bei ihm fest, nur sein eigenes Leiden und später das Mitleid mit uns, dass wir jetzt ein übel riechendes Auto haben. Der Impuls stieg in mir auf, ihm ein schlechtes Gewissen zu machen, nachdem mich dessen Fehlen irritierte. Hätte ich das tun sollen? Was meinst du? Diskutiere mit uns darüber am nächsten Montag an der Livesendung.

 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 29. Oktober 2018

 

Weiterlesen
192 Hits

Info 17-08 "...und nachher fühle ich mich wirklich schlecht"

Gehörst du auch zu den Menschen, die mit sich nicht immer zufrieden sind? Bist du selber dein schärfster Kritiker? Dann bist du nicht allein. Ich höre immer wieder, wie Eltern sich schlecht fühlen, wenn sie «nicht vp» gehandelt haben. Das Forum ist voll von solchen Klagen.
Ich denke, es ist Zeit, dass wir einmal darüber nachdenken, warum so viele Menschen (zu) oft auf der Hut sind, es ja richtig zu machen - manchmal weniger aus Liebe zum Kind, sondern aus Angst, keine gute Mutter, kein guter Vater zu sein. Aus Angst, kritisiert zu werden. Manchmal sind die vermeintlichen Ankläger längst aus deinem Leben verschwunden und du hast dich entschieden, nicht mehr so zu denken und zu handeln wie sie. Was hingegen geblieben ist, ist vielleicht jener ungnädige Blick auf dich selbst.
Ich würde dir wünschen, dass du dich einbeziehst in den Kreis der Menschen, die du liebst, deren guten Willen du anerkennst und auf deren Versagen du mit Barmherzigkeit blickst. Es könnte nämlich sonst geschehen, dass von deinem ganzen Engagement sich vor allem die folgende Schlussfolgerung in deinen Kindern festsetzt: «Egal, wie man sich Mühe gibt, es reicht doch nie. Man muss sich immer schämen, dass man nicht perfekt ist.» Oder aber sie verwerfen alle Selbstkritik in Bausch und Bogen. (Das wäre dann die spiegelbildliche Kooperation.)
Dass wir uns recht verstehen: Ich bin nicht gegen das kritische Reflektieren des eigenen Tuns, aber es muss im Geist der Wertschätzung geschehen. Nicht mit dem Ziel, so einer drohenden Kritik zuvorzukommen.
Die Liebe gedeiht dort, wo Vertrauen herrscht, statt Angst. Das gilt in hohem Masse auch im Umgang mit sich selbst. Wie heisst es so schön? Hinfallen, aufstehen, die Krone richten - und weitergehen.

Talk über das Monatsthema

Livesendung vom 28. August 2017

    • Leidensdruck der Eltern, die sich sehr engagieren und sich grosse Mühe geben: Sie beklagen sich, dass sie in alte Muster zurückfallen. Ab einem gewissen Grad ist das an sich ein Problem, sich ständig selber anzuklagen.
    • Kinder sollen an Eltern aufschauen können. Dann fühlen sie sich geborgen und sicher. Dann können sie reifen. Das hat viel mit Hierarchie zu tun.
    • Sehr wichtig, dass die Hierarchie stimmt, und Kinder zu den Eltern hochschauen und sich gut dabei fühlen, nicht unterdrückt. Sie fühlen sich gut, wenn sie Eltern nachfolgen dürfen.
    • Aber wenn Eltern sich ständig kritisieren, dann ist es sehr schwierig für das Kind. Das Kind erträgt das nicht.
    • Es ist okay, wenn sich Eltern bei den Kinder entschuldigen - aber bei einem bestimmten Alter ist das kontraproduktiv.
    • Z. B. sich bei einem 3-Jährigen zu entschuldigen, hilft dem Kleinen nicht. Es wäre für das Kind besser, wenn du als Elternteil mit deiner Schuld zu jemand anderem gehen würdest. Es reicht, wenn man dem Kind z. B. sagt: «Ja, da war ich jetzt sehr streng.»
    • Wir sind die Antwort, wenn die Kinder zu uns aufschauen.
    • Wenn man es immer richtig machen will, dann kommt man in einen Stress. Kinder wollen zu jemandem aufschauen können, der es im Griff hat.
    • Es geht nicht darum, mein Verhalten als Eltern zu ändern, sondern unsere Gesinnung. Es geht von innen nach aussen.
    • Wenn man sich vorgefertigte Reaktionen/ Rezeptur aneignen möchte, aber nicht konsequent reagiert, dann fühlt man sich immer wieder als Versager.
    • Das Ziel ist nicht die Reaktionen zu überlegen, sondern den «Spirit» zu verinnerlichen. Es muss ins Herz gehen - unsere Handlungen zu überdenken, unser Kind anders zu sehen, unser Kind anders zu lesen - von innen heraus.
    • Es gibt nichts Schlimmeres als Eltern, die immer «wie auf Eiern» gehen aus Angst etwas Falsches zu machen.
    • Die Kinder brauchen uns Eltern, wir nicht unbedingt die Kinder.
    • Wenn das Kind seine Komfortzone nicht verlassen will, dann später nachfragen. Auch wir als Eltern haben manchmal Mühe, die Komfortzone zu verlassen.
    • Heinz stellte das Konzept vom Join-up-Gitter vor. Das ist ein neues Tool. Kurs: Kommunikation im Join-up.
    • Wir sollten als Eltern den Mut haben, klare Ansagen zu machen. Wir sind nicht abhängig von wohlwollenden Reaktionen von den Kindern. Oft so angstvolle Stimme als Eltern: «Könntest du bitte mir folgen?»
    • Eltern haben häufig das Gefühl, dass sie ausgenutzt werden. Darum dem Kind klar sagen, was wir von ihnen wollen.
    • Die Kinder auch echt nachfragen, z. B. «Warum konntest du heute Mittag nicht folgen?» So spürt das Kind, dass wir es ernst nehmen und aber auch erwarten, dass es gehorsam ist. Dürfen nicht aus einer Niederlage heraus gehorsam sein. Kinder sollten sich als Überwinder fühlen.
    • Oder z. B. fragen: Warum willst du den Tisch nicht decken? Möchtest du lieber in der Pfanne rühren? Kinder wollen oft etwas «Richtiges» machen - z. B. lieber Traktor fahren und nicht mit dem Rechen hinterher rechen. Kinder wollen die anspruchsvollen Arbeiten erledigen.
    • Richtig machen: Zwei Varianten:
      1. Aus Liebe zu meinem Kind (positive Motivation)
      2. Es gibt eine Motivation, es richtig machen zu MÜSSEN. Diese zweite Motivation ist keine gute Variante.
      Wir müssen versuchen, unsere inneren Ankläger abzuschütteln. Mit sich selber vertrauenspädagogisch umgehen. Niemand muss es immer richtig machen und perfekt sein. Aus Liebe handeln. Gnädig mit sich selber sein.
    • Wenn zwei Kinder streiten. Reaktion der Eltern sollte im Hinterkopf die Hierarchie im Blick haben. Kinder können ihre Probleme selber lösen. Aber wir Eltern können das oft nicht aushalten. Wenn der Ältere nicht im «Fürsorgemodus» ist, sondern im «Herrschermodus», dann können wir als Eltern auch eingreifen. Wichtig ist aber einzugreifen, bevor man wütend ist. Vielleicht den Älteren auch alleine kurz zur Seite nehmen und ihn coachen - aber es wäre gut, wenn er das Problem selber lösen könnte.

 

Weiterlesen
623 Hits

Anmeldung

Suchen

Spenden

Betrag eingeben

Joomla Paypal Donations Module

Nächste Livesendung April

Go to top