Infobriefe

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Refresher 18-07 «Au, das war wieder einmal nicht VP»

Es berührt mich immer ein bisschen zwiespältig, wenn ich eine solche Aussage höre. Es ist doch gut, wenn Eltern sich bemühen, ihrem Kind gerecht zu werden - oder? Sicher, aber für Kinder gibt es etwas noch Wichtigeres, als ob die Eltern immer richtig handeln: Sie brauchen Eltern, die mit ihren Kindern und mit sich selber einen entspannten - einen vertrauensvollen und vertrauten - Umgang haben. Kinder sollen sehen, hören und fühlen, wie es ihren Eltern geht - nicht so sehr, wenn sie traurig sind (die Kinder sollen ja nicht ihre Tröster sein), aber sicher, wenn sie frustriert sind. Frust auszudrücken, ohne aggressiv gegen Menschen zu werden, ist eine schöne Zielsetzung, aber Kinder haben volles Verständnis dafür, wenn das nicht immer gelingt. Mit der Erziehung ist es wie mit der Hygiene: Das richtige Mass ist nicht bei der Sauerei, aber auch nicht bei der Sterilität. Wenn wir gesund sein wollen, dürfen wir nicht im Reinraum leben. Unser Immunsystem braucht gewisse Herausforderungen. Genauso ist es mit den menschlichen Unzulänglichkeiten. Kinder von perfekten Eltern würden ganz viele wichtige Dinge nicht lernen, nämlich mit dem Versagen anderer umzugehen, Ungerechtigkeiten zu ertragen usw. Aber keine Angst, du darfst dich entspannen. Die Gefahr in dieser Ecke ist eher klein. Viel eher neigen wir zu Selbstvorwürfen und meist in der Folge zu Vorwürfen gegenüber unseren Lieben, wenn wir etwas verbockt haben.

 

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Info 17-11 «Schenken»

Wie weit bist du mit deinen Geschenken? Ist das für dich auch eine gewisse Last? In unserer Familie war es so, und so beschlossen wir gemeinsam, auf das Beschenken der Erwachsenen zu verzichten. Aber eigentlich ist das ja auch schade. Das Problem ist doch einfach, dass man einander früher einen Topf Honig, eine Flasche Wein oder auch ein Kleidungsstück schenken konnte - im Bewusstsein, dass damit viel Freude ausgelöst wurde. Heute sind wir mit all diesen Dingen oft mehr als nur eingedeckt.
Irgendwie bin ich in dieser Sache an die Geschichte mit der zweiten Meile erinnert. Nicht wahr, eigentlich wollen wir ja die Erwartungen unserer Liebsten nicht enttäuschen - namentlich nicht diejenigen der Kinder. Aber so richtiges weihnachtliches Kribbeln kommt ja bei den «bestellten», sprich «gewünschten» Geschenken nicht auf, noch weniger freilich bei Geldspenden oder Beteiligungen. Es sei denn, der Spielraum sei gross genug und der Mut Enttäuschungen auszuhalten auch. Es müssten irgendwie die Elemente der Überraschung und vor allem auch der Freiwilligkeit drin sein, das Engagement beim Aussuchen und das Sich-Einfühlen. Und da sind wir dann bald wieder beim Stress (wenn ich an meine 13 Enkel denke). Meine Frau erhielt jedes Jahr vom Götti ein weiteres Teil des grossen Silberbestecks. Das war wohl auch nicht sehr prickelnd. Aber - hm - das haben wir immer noch und freuen uns daran. Diese Gedanken haben bei Angela Indermaur letztes Jahr einiges ausgelöst. Im Talk erzählt sie uns davon. Sehr inspirierend. 

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 27. November 2017

 

 

 

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Info 17-06 "Aufschauen"

Gehörst du auch zu den Menschen, die sich ständig überlegen, ob sie auch alles richtig machen mit ihren Kindern? Die sich ständig hinterfragen und sich häufig bei ihren Kindern entschuldigen, wenn sie zum Schluss kommen, dass nicht alles korrekt war?

Wenn du diese Haltung im Umgang mit deiner Partnerin oder deinem Partner hast, dann mag das edel sein, solange du es nicht übertreibst.

Kinder hingegen haben ein anderes Bedürfnis. Sie wollen zu dir aufschauen, wollen glauben, dass du die beste Mami, der beste und erst noch stärkste Papi bist. Sie wollen zu dir aufschauen dürfen. Nur so fühlt sich Gehorsam gut an, nur so sind deine Ermutigungen wertvoll und deine Ermahnungen relevant.

Sei vielleicht ein bisschen weniger selbstkritisch, ein bisschen gnädiger und lockerer mit dir selber, ein bisschen entspannter. So fällt es deinen Kindern leichter zu dir aufzuschauen. Ja, und vielleicht solltest du selber zu jemandem aufschauen, der dich liebt und ein ganzes Ja zu dir hat.

Und vergiss eines nicht: Es geht Kindern selten besser als ihren Eltern. 

 

Livesendung vom 26. Juni 2017

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Info 17-04 "Komfortzone verlassen"

«Philipp, ich möchte, dass du die Spielsachen im Wohnzimmer aufräumst!» - «Wieso ich? Lara hat mit diesen Sachen gespielt.» Vielleicht kennst du diese und ähnliche Situationen, in denen Kinder nicht bereit sind, eine Aufgabe für andere zu übernehmen oder Verantwortung für andere zu tragen. Vielleicht geht die Geschichte so weiter: Philipp gehorcht zwar widerwillig, schleudert die Spielsachen seiner kleinen Schwester aber achtlos und unsortiert in eine grosse Kiste. Einzelne Teile zerbrechen oder verbiegen und alles landet irgendwo im Kinderzimmer anstatt am richtigen Ort.

«Was ist daran falsch», wirst du vielleicht denken, «wenn jeder in der Familie Verantwortung für seine eigenen Sachen übernimmt?» Im normalen Leben ist es doch auch so. Wer die Küche benutzt, räumt sie nachher auf. Wer einem Mitmenschen den Kaffee über das teure Jackett leert, bezahlt die Reinigung. Wer einen Unfall verursacht, kommt für den Schaden auf. So ist das Gesetz!

Es gibt aber weit Grösseres als das Gesetz. Jesus hat es uns vorgelebt. Er, der König der Welt, kam, um uns Menschen ohne Eigennutz zu dienen. Wie können wir unseren Kindern helfen, ihm ähnlich zu werden? Wie können wir ihnen Werte wie Liebe, Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein vermitteln? Wie können wir ihnen helfen, das freudlose «Verursacherprinzip» zu überwinden?

Zum einen haben Kinder ein Recht darauf, dass wir ihnen etwas zutrauen und zumuten. Sie dürfen und sollen die «Komfortzone verlassen». Zum zweiten haben Kinder - wie auch wir Erwachsenen - jeden Tag neu die Wahl, wie sie ihr Leben in den Dienst anderer stellen wollen: mit ständigem Jammern und dem stetigen Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, oder mit einem Gefühl der Freude. Ich wünsche uns allen, dass wir uns für die Freude entscheiden!

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 24. April 2017

Komfortzone verlassen

  • Es gibt Situationen, in denen wir als Eltern den Kindern Anweisungen geben oder sie bitten: «Könntest du bitte den Tisch decken?» und ein Widerwille vonseiten der Kinder kommt zurück.
  • Wie gehen wir als Eltern mit Widerwille um?
  • Als Eltern erledigen wir viele Arbeiten, welche wir wegen der Kinder tun müssen - sie haben z. B. die Unordnung verursacht - und das kann uns frustrieren.
  • Teilweise haben wir das Gefühl, dass wir den Kindern nicht zu viel zumuten dürfen und wollen ihnen Freiheit geben.
  • Wir haben oft Hemmungen, unsere Kinder einzubeziehen und ihnen eine Aufgabe zu geben, die sie erledigen können.
  • Wo fängt der Bereich an, wo das Kind die Komfortzone verlassen soll, wenn es eben eine Arbeit tun sollte, die ihm keinen Spass macht?
  • Wir müssen uns häufig selber dazu entscheiden, gewisse Arbeiten gerne zu erledigen. Denn wenn wir das nicht schaffen und auch unsere Kinder nicht, dann ist es schwierig, Dinge, die einfach zum Alltag dazugehören, zu erledigen. Dann haben wir ein Leben, wo wir ständig Dinge erledigen müssen, die wir nicht gerne machen.
  • Die Entscheidung, die Arbeit gerne zu machen, weil sie einfach zum Leben gehört, ist wichtig.
  • Wenn wir es schaffen, unseren Kindern zu vermitteln, dass sie ein Teil des Kollektivs bzw. der Familie sind und nicht einfach ein Gast oder Zuschauer, dass sie gebraucht werden, dann haben wir viel erreicht.
  • Wenn Kinder die Gemeinschaft spüren und wir ihnen Aufgaben anvertrauen, die sie auch erledigen können, dann erleben sie, dass sie ein Teil der Familie und wichtig für die Familie sind.

 

Fragen und Inputs

  • Wie findet man die Balance zwischen Dem-anderen-Dienen und Sich-selber-nicht-Vergessen?
    Jeder muss sich in der Familie wohlfühlen. Jeder hat aber auch seine Grenzen. Gerade als Eltern verzichten wir auf vieles und haben ein bisschen den Dienstmodus. Ich kann dem anderen keinen guten Dienst erweisen, wenn ich nicht auch zu mir schaue. Das müssen wir auch bei den Kindern beachten. Aber es gibt Raum, wo es jedem wohl sein muss. Wenn alle die Freiheit haben, zu tun und machen, was sie wollen, dann kann ich als Elternteil frustriert oder sogar gekränkt sein, es kann mir zu viel werden. Auch wir als Eltern brauchen Balance. Es geht nicht um Druck ausüben, sondern darum, ein Gefühl von Kollektiv weiterzugeben. Man kann nicht immer Spass haben bei allen Aufgaben, dann wird es schwierig, vielleicht auch später in der Arbeitswelt.
  • Teenager macht Aufgaben «oberschludrig». Wie kann man damit umgehen?
    Diese Thematik kommt ja häufig auch bei Kleinkindern vor. Was ist uns als Eltern wichtig? Die Schule nimmt einen wichtigen Platz ein. Die Eltern spüren Druck und geben ihn auch den Kindern weiter. Der Schuldruck kommt häufig nicht von den Lehrern, sondern vor allem von den Eltern. Den Eltern ist oft die Schule sehr wichtig. Sie wollen, dass die Kinder die Hausaufgaben erledigen. Und wenn dann das Kind kommt und sagt: «Oh, ich kann nicht helfen, ich muss noch Hausaufgaben erledigen!», dann kommen wir dem Kind oft entgegen und es entkommt der Aufgabe. Die Kinder nutzen das auch schnell aus, und so entkommen sie Aufgaben, die ihnen nicht besonders Spass machen. Hier müssen wir als Eltern überlegen, was uns wichtig ist. Was wollen wir unseren Kindern vermitteln? Wichtig ist, dass das Kind weiss, dass es ein Teil der Familie ist und es seinen Teil beiträgt. Es ist nicht nur Gast und alle anderen kümmern sich darum, dass es dem Kind gut geht. Wir wollen Kinder, die Verantwortung übernehmen können und fähig sind, auch Verantwortung für andere zu übernehmen. Wir sind es den Kindern schuldig, sie an Arbeiten heranzuführen, die sie ein Stück weit freiwillig und gerne machen, weil sie ein Teil der Familie sind und es zu einer Selbstverständlichkeit wird, dass jeder seinen Beitrag leistet. Es darf nicht demütigend sein. Wenn etwas «oberschludrig» gemacht wird, dann ist es meistens so, weil es eben gemacht werden muss, und nicht, weil es das Kind machen will, weil es sich als Teil des Ganzen sieht. Es geht dann einfach um Gehorsam. Wir sollen den Kindern zeigen, dass es schön ist, etwas miteinander zu machen. Es ist keine Strafe, sondern es ist schön, etwas zusammen zu erledigen und es gerne zu machen. Es wäre eine Illusion, dass es immer harmonisch und schön ist, aber das Ziel sollte sein, als Familie eine gute Zeit zu haben - auch bei Arbeiten, die weniger toll sind.
  • Macht es Sinn, einem Vierjährigen ein Ämtli zu übergeben? Oder ist das zu früh?
    Für ein vierjähriges Kind ist es noch schwierig, ein selbständiges Ämtli auszuführen. Es kann die Verantwortung dafür noch nicht tragen. Aber das Kind kann gut mit den Eltern zusammen Aufgaben erledigen. Dann kann man dem Kind punktuell Aufgaben geben.
  • Als Eltern sind wir ein grosses Vorbild, wie wir mit Aufgaben umgehen. Wie gehe ich mit meinen Aufgaben um? Was gebe ich meinen Kindern weiter? Wie sinnvoll sehen wir unsere Aufgaben? Jesus hat all seine Aufgaben aus Überzeugung gemacht. Was macht wirklich Sinn? In welchen Aufgaben können wir auch aufgehen? Welche Aufgaben machen wir aus Überzeugung?

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Info 17-03 "Zwei Nabelschnüre"

Die erste der beiden schneiden wir heutzutage eher zu früh als zu spät durch. Aber es gibt da eine zweite, eine mentale, die sich manchmal zwischen Eltern und Kind einrichtet, die so eigentlich nicht gedacht ist. Naturgemäss geht es meist um die Mutter-Kind-Beziehung. Oft ist diese Beziehung so intensiv und eng, dass Mütter Schmerzen, Ängste und Freuden ihrer Kinder fast so wahrnehmen, als wären es ihre eigenen. Das ist nicht unproblematisch, denn Kinder sollten in ihren Eltern eigentlich ein Korrektiv haben für ihre eigene Wahrnehmung, jemanden, der den Überblick hat und die Dinge einordnen kann. Viele Kinder spüren aber anstatt dessen die Resonanz ihrer eigenen Gefühle. Ihre Wut auf den Lehrer überträgt sich auf die Eltern, ihre Sorge um die Anerkennung in der Klasse ebenso und manchmal sogar der Liebeskummer.
Kinder haben ein Recht auf ihre eigenen Probleme und auf Eltern, die wie Felsen in der Brandung sind und die nicht mit ihnen in den Problemen untergehen.

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 27. März 2017

 

Zwei Nabelschnüre

Viele Eltern - besonders Mütter - verschmelzen mit den Emotionen und Gefühlen ihrer Kinder. Leiden die Kinder, leiden die Mütter in gleicher Weise mit. Das Gefühl des Kindes spiegelt sich in der Mutter und umgekehrt - es schaukelt sich auf.

Natürlich ist es unsere Aufgabe als Eltern, empathisch zu sein, das Gefühl der Kinder zu sehen und zu benennen - Kinder haben ein Recht auf ihre eigene Schwarz-Weiss-Betrachtung - aber wir sollten nicht selber von diesem Gefühl überwältigt werden.

Wir haben die Möglichkeit, andere Aspekte und Ansichten miteinzubeziehen. Wir sehen, wie die Lehrperson oder die Schulkameraden die Situation gesehen haben könnten. So können wir einem Kind helfen (zum Beispiel durch Fragen), das Geschehen richtig einzuordnen, wir können ihm Orientierung geben in einer schwierigen Welt und es trösten.

 

Diese Gedanken lassen sich gut auf die Beziehung zu Gott übertragen: Natürlich nimmt Gott Anteil an meinem Leben, aber er ist nicht Teil meines Problems. Er steht über der Sache, behält den Überblick und ist nicht selbst überfordert. Bei der Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist es genau gleich. Die Kinder sollen spüren: Die Eltern verstehen mein Problem, aber werden deswegen nicht aus der Bahn geworfen.

 

Nächsten Monat werden wir eine im Grunde ähnliche Thematik behandeln: Viele Eltern bringen es nicht über sich, Kinder «aus der Komfortzone zu schicken», weil sie selbst leiden, wenn das Kind leidet.

 

Fragen und Inputs

Denise: Sie reagiert selbst stark auf mobbingähnliche Szenen, obwohl sie sich zwischen fremden Menschen abspielen. Dies hat einen Zusammenhang mit ihrer eigenen Geschichte. Sie erlebt eine Art Wiederholung mit. Je besser sie die eigene Geschichte aufgearbeitet hat, desto besser kann sie in ähnlichen Situationen reagieren. Müssten erwachsene Personen nicht reagieren anstatt nur zuzusehen?

  • Empathie hat den Sinn, dass wir mit anderen Menschen mitfühlen können. Das ist etwas sehr Schönes und soll nicht angeprangert werden - im Gegenteil. Es gilt, mitzuschwingen und gleichzeitig unsere integrativen Funktionen zu behalten und auch andere Aspekte noch einbeziehen zu können: Was geht in den Kindern vor, die andere mobben usw.
  • Als ehemals Betroffene läuft man Gefahr, dass die eigenen alten Schmerzen auftauchen, dass man sich in der eigenen Geschichte wiederfindet. Aber wir Erwachsenen sollten vor allem die Emotionen der Kinder aufnehmen, spiegeln, den Kindern helfen, sie einzusortieren und damit umzugehen. Wenn die eigenen Gefühle aus der Erinnerung hochkommen, kann ich das nicht. Dann schaukeln sich die Gefühle - im Sinne der Resonanz - hoch.

 

Boris: Sohn (6) spricht respektlos: «Papi-Dummkopf, Mami-Dummkopf». Der Vater antwortet äusserlich ruhig: «Das stimmt nicht. Papi ist kein Dummkopf und fertig!», aber innerlich wird er zornig.

  • Es gilt, zwei verschiedene Situationen zu unterscheiden: Unwissenheit und Respektlosigkeit.
  • Weiss das Kind überhaupt, was ein Dummkopf ist? Hilfreich ist eine Erklärung, welche das Wirgefühl stärkt: «Weisst du, was du da sagst? Ich erkläre dir, was ein Dummkopf ist. Ich würde dieses Wort nie zu dir sagen. Es gibt Familien, die das Wort benutzen, aber wir möchten das nicht tun...»
  • Weiss das Kind, dass es ein Unterschied ist, ob Kinder dieses Wort untereinander oder gegenüber den Eltern verwenden? Auch unter Kindern ist es nicht in Ordnung, aber dass der Vater Dummkopf genannt wird, ist ein No-Go. Jedes Kind respektiert von Natur aus ältere bzw. erwachsene Menschen. Ist ein Kind aggressiv, kann es üble Wörter verwenden. Dadurch ehrt es seine Eltern aber nicht, wie es sollte. In solchen Situationen sollte man sich überlegen, wo man dem Kind falsche Signale sendet.
  • Ein letzter Gedanke - passend zum heutigen Thema: Wenn wir einem Kind eine schlechte Rückmeldung zu seinem Verhalten geben, riskieren wir, dass das Kind darunter leidet und unglücklich ist. Das dürfen und sollen wir zulassen. Kinder haben das Recht, auch mal frustriert und traurig zu sein.

 

Regula: Wie sollen Eltern damit umgehen, wenn einzelne Kinder - im Vergleich zu den Geschwistern - sehr viel häufiger korrigiert werden müssen?

  • Warum ein Kind häufiger korrigiert werden muss als andere, kann viele Ursachen haben. Wir alle wissen: Ab einer gewissen Häufigkeit nützen Korrekturen immer weniger und man sucht besser andere Wege.
  • Eine Korrektur aus dem Vorwurf bzw. der Anklage heraus löst in der Regeln nur Verteidigung und Gedanken der Abwehr aus.
  • Es ist generell besser, Kinder aus der Situation herauszunehmen und unter vier Augen zu versuchen, ihre Mitarbeit und ihr Mitdenken zu gewinnen. Besonders wichtig ist es, ältere Geschwister nicht vor den Ohren der jüngeren zu korrigieren (umgekehrt ist es weniger tragisch, aber dennoch nicht hilfreich). Das löst Scham und Gegenwille aus. Je häufiger Kinder öffentlich kritisiert werden, desto krasser ist der Effekt. Je intimer und privater die Situation ist bzw. je ruhiger Eltern sind, desto eher hat die Intervention Erfolg.

 

Regula: Es ist nicht möglich, das Kind (10) aus der Situation herauszunehmen.

  • Da die Situation nicht weiter bekannt ist, kann nur sehr allgemein auf diesen Umstand eingegangen werden: Wenn sich ein Kind nicht aus der Situation nehmen lässt, müssen wir warten.
  • Solange Eltern keine Kontrolle über das Kind haben, nützt auch die Intervention nichts.
  • Es sollte überlegt werden, wie solche Situationen vermieden werden könnten.

 

Kathrin: Die Tochter (4) hat diesen Sonntag von Gleichaltrigen das Wort «Scheisse» gelernt. Sie fand es spassig, das Wort immer und immer wieder zu gebrauchen. Sie weiss nicht, was es bedeutet.

  • Eine Erklärung könnte man ähnlich handhaben wie bei Boris’ Sohn (Erklärung verbunden mit einem Wirgefühl bzw. einer Identität).
  • Es gibt Wörter, die einfach Einzug in unsere Sprache halten. Früher waren Erwachsene zum Beispiel hell empört, wenn Kinder «Seich» sagten, heute ist es ein ganz normales Wort. Man muss unterscheiden können: Ein Wort, das in aller Munde ist, als unschicklich zu erklären, ist nicht ganz ohne. Man muss abwägen, ob sich ein Kampf dagegen lohnt.
  • Alternativ kann man das Wort gewichten bzw. ihm den richtigen Platz zuweisen: «Das Wort ‹Scheisse › braucht man, wenn man fest frustriert ist, aber nicht alle paar Minuten. Was sollen Leute, die das tun, sagen, wenn mal wirklich etwas schlimm ist?» Es kann quasi als «Extremwaffe» geduldet werden.
  • Bei Wörtern, die nicht so schlimm sind, haben manchmal selbst die Eltern gemischte Gefühle - einerseits sind sie etwas verblüfft oder lächeln darüber, wenn ein kleiner Kerl schon so ein «grosses» Wort verwendet, andererseits finden sie die Ausdrucksweise nicht ganz passend. Die Kleinen spüren dann diese heimliche Erheiterung. Kinder geniessen eine solche Form der Interaktion mit den Eltern. Meist verliert dieses Spiel mit der Zeit an Reiz.

 

Kathrin: Tochter (4) war den ganzen Tag mit anderen Kindern zusammen. Es wurde ihr zu viel und sie schlug zuerst ein gleichaltriges Kind, dann ein jüngeres.

  • Schlagen ist ein natürlicher Ausdruck von Aggression bei unreifen Kindern, also nichts Ungewöhnliches.
  • Kindern das Schlagen auszutreiben versuchen, macht keinen Sinn. Viel wichtiger ist es, dem Kind ein Ersatz-Tool anzubieten, z. B. so: «Mir ist lieber, wenn du schreist statt schlägst.»
  • Dem Kind soll vermittelt werden: Wut ist normal und richtig, aber du solltest so und so darauf reagieren.

 

Bettina: Das Kind lügt, z. B. wenn es ums Händewaschen oder die Schule geht.

  • Kleine Kinder sagen grundsätzlich die Wahrheit. Der Volksmund meint dazu: «Kinder und Narren sagen die Wahrheit.»
  • Erst wenn Kinder lernen, die Konsequenzen ihrer Handlungen auf weitere Sicht hinaus abzuschätzen, dann beginnt das Lügen.
  • Lügen ist auch eine Frage der Beziehung. Je vertrauensvoller die Beziehung ist, desto weniger wird das Kind versucht sein zu lügen.
  • Lügen dient in den meisten Fällen dazu, Scham zu vermeiden.
  • Es gibt eine Phase im Leben der Kinder, wo sie Lügen als «Problemlöser» einsetzen: Das Lügen empfinden sie weniger schlimm als das Getrenntsein von den Eltern bzw. die Vorwürfe, Beschämung oder Strafe. Kurzfristig verbessert eine Lüge deshalb scheinbar die Situation. Solche Kinder können noch nicht voraussehen, dass es auf lange Sicht schwierig ist und Konsequenzen hat.
  • Besser, als mit Strafen das Lügen zu verhindern, ist es, Druck wegzunehmen und das Schuldbewusstsein der Kinder zu entwickeln. «Es ist wichtig, dass ihr zu einem Fehler steht!»
  • Erst später, wenn das Schuldbewusstsein der Kinder vorhanden ist, kann eine Strafe dieses Schuldbewusstsein bedienen.

 

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