Infobriefe

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Refresher 19-07 «...weint mit den Weinenden!»

Stell dir einmal folgende Situation vor: Dein Kind kommt aus der Schule, knallt seinen Schulrucksack in die Ecke und schimpft: «Die Emma ist so verlogen und gemein. Alle Mädchen lädt sie zu ihrem Geburtstagsfest ein, nur mich nicht. Hinter meinem Rücken spricht sie schlecht über mich. Heute Nachmittag gehe ich nicht zur Schule. Es ist mir egal, wenn ich Ärger bekomme. Mit dieser Kuh will ich nichts mehr zu tun haben.»

Wurde dir auch schon einmal eine so geballte Ladung an Frust entgegengeschleudert? Oder wirst du im Alltag überraschend mit ähnlichen Gefühlsausbrüchen deiner Kinder konfrontiert? Dann gehen bei dir vielleicht alle inneren Alarmleuchten an und du fragst dich, wie du dein Kinder wieder beruhigen kannst. Vielleicht versuchst du es mit Strenge: «Jetzt reiss dich aber zusammen!» Oder vielleicht riskierst du es, deinem Kind eine andere Sicht schmackhaft zu machen: «Emma hat sicher nur vergessen, dich einzuladen.»

Natürlich gibt es Situationen, wo dein Kind eine andere Sicht, ein neues Ziel oder ganz praktische Hilfe braucht. Aber in den meisten Fällen würde ich dir raten, einen anderen Weg zu gehen: Versuche, das Herz deines Kindes zu spiegeln. Finde Worte für seinen Frust, seine Wut oder seine Angst. Lass zu, dass auch dein Gesicht diese Gefühle zeigt. Dein Kind wird sich verstanden fühlen und eure Bindung wird gestärkt. Du brauchst nicht zu schimpfen und zu korrigieren. Du und dein Kind, ihr bleibt gemeinsam auf der einen Seite, der Ärger auf der anderen. Und schliesslich sprichst du deinem Kind auch dein Vertrauen aus: Kinder sind meist viel kompetenter, als wir glauben.

 

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Info 18-02 «Gutes tun»

Woran denkst du, wenn jemand davon spricht, Gutes zu tun? Als Eltern denken wir vielleicht daran, die Kinder zu verstehen anstatt sie anzuklagen und zu verurteilen, oder daran, nicht nur ihren Körper, sondern auch ihr Herz zu nähren (Stichwort: 2. Meile). Wenn wir kleine Kinder haben, fällt uns vielleicht das Stillen nach Bedarf ein, das Familienbett oder das Tragen des Säuglings. Eltern wollen ihr Bestes geben und ihren Kindern einen optimalen Start ins Leben ermöglichen. Vertrauenspädagogisch erziehende Väter und Mütter legen dabei die Messlatte womöglich noch höher als andere.
Die Folge davon sind oft ausgelaugte Mütter und - eventuell in der Folge - gestresste Väter, deren Nervenkostüm ziemlich dünn ist und die chronisch das Gefühl haben, vieles falsch zu machen. Vor allem Mütter fühlen sich oft wie Zugpferde, denen eine immer grössere Last aufgeladen wird.
Wer vertrauenspädagogisch mit Kindern umgehen möchte, sollte darauf achten, mit sich selbst ebenso umzugehen. Säuglinge nach Bedarf zu stillen, sie womöglich windelfrei aufzuziehen, den Haushalt zu schmeissen, gesund zu kochen und nebenher noch ältere Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen, mag zwar schöpfungsgemäss und bedürfnisorientiert sein - für das Kind. Dass Mütter all diese Bedürfnisse alleine erfüllen sollten, ist hingegen kaum schöpfungsgemäss und deswegen auch für die Kinder nicht das, was sie brauchen.
Andere Kulturen wissen darum, dass es für die Erziehung eines Kindes «ein ganzes Dorf braucht». So ist ein funktionierendes Bindungsdorf nicht nur für unsere Kinder natürlich und bereichernd, sondern auch für Eltern eine immense Entlastung und ein Schritt in eine «artgerechte Elternschaft». Wir sind nicht dafür geschaffen, alles alleine zu schaffen! Warum also nicht gemeinsam mit anderen Müttern putzen oder die Grosseltern um Hilfe bitten, bevor wir völlig erschöpft sind? Auch Nachbarn stehen oft gerne für kleinere Hilfestellungen zur Verfügung. Und nicht zuletzt ist es auch für Kinder wichtig, dass sie sich nützlich machen dürfen.
Wenn du selber keine gestresste Mutter bist oder kein ausgelaugter Vater, dann könntest du dir vielleicht überlegen, ob du dich nicht einer solchen Familie als Hilfe anbieten könntest. Vielfach ist es ja für junge Mütter bzw. Familien in einer solchen Situation ganz schwer, Kontakte zu pflegen oder gar zu knüpfen und Hilfe zu holen. Dies umso mehr wir ja alle ein Problem gemeinsam haben:
Wir nehmen nichte gerne von anderen etwas an, wenn wir nichts Vergleichbares zurückgeben können. Aber du kannst sehr wohl das Umgekehrte tun: Etwas geben, ohne etwas zu erwarten. Es ist nämlich das Erfüllendste.
Möchtest du deinen Kindern etwas Gutes tun? Tu dir und deinem Partner bzw. deiner Partnerin etwas Gutes bzw. nimm es an, wenn andere es tun wollen. Was Kinder brauchen sind starke Eltern, denen es gut geht!
PS: Und denke daran: Deine Kinder vertragen gut mehrere Erziehungsstile.

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 26. Februar 2018

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Info 17-10 "Wegweiser Misstrauen!"

Möchten Sie auch lieber vertrauensvolle und harmonische Beziehungen als solche, die mit Misstrauen versehen sind? Misstrauen muss jedoch nicht per se negativ sein. So wie Tag und Nacht für ihre Gott gegebene Nützlichkeit stehen, hat auch «Misstrauen» seinen Nutzen. Misstrauensgefühle können Ihnen hilfreiche Wegweiser sein. Ein gesundes Mass an Misstrauen half schon das eine oder andere Mal, Schaden zu vermeiden. Wo also ziehen wir die Grenze? Aus dem Blickwinkel der Komplementarität betrachtet, wird Misstrauen nicht mehr als Feind von Vertrauen gesehen, sondern als ein ergänzendes Moment. Misstrauen assoziieren wir mit Argwohn, Befürchtungen, Besorgnis, Disharmonie, Eifersucht, Verdacht, Hintergedanken. All dies hat in guten Beziehungen nichts zu suchen - zumindest nicht über einen längeren Zeitraum. Gute Beziehungen bauen auf Transparenz, Offenheit, Loyalität, Integrität, Respekt und Wohlwollen auf und bilden dadurch eine Vertrautheit in den Beziehungen.
Kommen Gefühle des Misstrauens langanhaltend aus einer persönlichen Mangellage heraus, wirken sie beziehungsschädigend. Entstanden sie jedoch aus einer Wachsam- und Achtsamkeit der momentanen Ereignislage heraus, können sie gute Hinweise für eventuelle Gefahren oder Risiken sein.
Denken sie an Menschen, die zu vertrauensvoll Verträge unterschreiben und nachher in der Gefangenschaft des Kleingeschriebenen stehen. Oder an einen Berufspiloten, der zu vertrauensvoll daran glaubt, dass sein Flugzeug bereits vom Co-Piloten durchgecheckt worden ist.
Gesundes Misstrauen zeigt sich da, wo jemand Vertrauen zu sich und seinen Gefühlen hat. Vertraue ich mir selbst, bin ich in der Lage, Situationen angemessen zu klären, meine und andere Gefühle liebevoll aufzunehmen und deren Signale zu verstehen.
Ähnlich, wie der Wind weht, wo er will, werden auch Misstrauenserlebnisse spontan und situativ auftauchen. Sie sind nicht planbar, aber dafür wahrnehmbar und dadurch auch steuerbar.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen geschärften Blick dafür und einen achtsamen und liebevollen Umgang mit Ihren Misstrauensgefühlen.

Livesendung vom 30. Oktober 2017

 

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Info 11-12 "Was unterscheidet denn VP von 'normaler' Erziehung?"

Wüsstest du so schnell, was der Unterschied ist? Nun, so will ich hier ein paar Dinge auflisten, die dir vielleicht helfen:

  • VP geht davon aus, dass Kinder jenen (meistens) gehorchen, mit denen sie im Join-up sind. Wenn man Kinder mit Belohnungen und Bestrafungen, Beschimpfungen und Demütigungen zum Gehorsam zwingen will, vertreibt man sie aus dem Join-up. Viele Kinder fügen sich diesem Druck, solange sie klein sind (oder auch nicht), aber es entwickelt sich nicht jene Beziehung, die sie als junge Menschen so dringend brauchen. "Mein Freund will unbedingt mit mir schlafen." Mit wem wird eine 17-jährige darüber reden? Welch eine Gnade, wenn es die Eltern sind und nicht ihre "Freundinnen".
  • Weil die Kinder oft nicht im Join-up sind mit den Lehrkräften, orientieren sie sich an den Gleichaltrigen. Sie übernehmen deren Werte, deren Haltungen und auch deren Sprache. Viele Kinder fürchten sich mehr davor, in der Schule ausgegrenzt zu werden, als vor einem Konflikt mit dem Lehrer oder den Eltern.
  • Eltern, die loyal sind mit ihren Kindern und mit der Loyalität der Kinder rechnen und diese nicht durch Misstrauen, Druck und Beschämungen untergraben, helfen ihren Kindern, dass sie sich vor lauter Anpassung an die Gleichaltrigen nicht selber verlieren, sondern an ihren Werten festhalten können und bereit sind, für ihre Haltungen einzustehen, auch wenn sie dafür Opfer bringen müssen. 
  • Eltern, die VP umsetzen wollen, schimpfen nicht in pädagogischer Absicht, sondern höchstens, um allenfalls ihrem Ärger Luft zu machen. Sie wissen, dass Beschimpfungen Menschen nicht zur Einsicht und Umkehr führen, sondern zur Verteidigung und Rechtfertigung. Verhaltensänderungen sind meist sehr kurzlebig.
  • Sie beschränken sich in der Krise auf Schadensbegrenzung und nehmen dann Einfluss, wenn Friedenszeit ist, wenn die Herzen wieder offen sind.
  • Sie fühlen sich nicht verpflichtet, immer eine Lösung für ein Problem zu haben und allzeit alles im Griff zu haben. Wer liebt, muss bereit sein, auf Kontrolle zu verzichten. Das gilt nicht nur mit Kindern, sondern unter Menschen ganz allgemein.
  • Sie führen klar und mutig und sagen ihren Kindern, was sie denken, aber sie wissen, dass sie den Gehorsam letztlich nicht erzwingen können. Gott verzichtet auch darauf. Er hat deshalb Seinen Sohn auf die Welt gesandt und uns angeboten, mit IHM ins Join-up zu kommen. ER hat dafür die Voraussetzungen geschaffen, nicht wir.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gesegnete Weihnachtszeit, dass ihr Zeit und Musse findet, eure Familienbande wieder enger zu knüpfen, aber auch jene an unsern geliebten Herrn. Im Join-up mit IHM können wir die Angst loslassen, unsere Kinder könnten uns entgleiten...

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Info 11-04 "Macht Liebe blind?"

Fest steht, dass Hass blind macht. Macht Liebe auch blind? Die Idee ist etwa die, dass Verliebte einander mit einer Rosabrille anschauen und irgendwann - spätestens im verflixten siebenten Jahr - einer vermeintlichen Wahrheit ins Auge schauen. Ich meine, dass es genau umgekehrt ist. Ist es nicht so, dass wir als Verliebte für kurze Zeit unser Misstrauen ablegen und einander so sehen, wie wir vielleicht gerne wären? Ich könnte mir vorstellen, dass das der Wahrheit näher kommt als das, was wir üblicherweise wahrnehmen bzw. interpretieren.

Ich habe im Infobrief über Anklagen geschrieben und darüber, dass sie Menschen abbauen. Mit der Liebe und ihrer Neigung, die Schattenseiten des Gegenübers auszublenden, ist es genau umgekehrt. Die Liebe ruft in uns unsere besten Möglichkeiten ab. Verliebte helfen einander bei jeder Gelegenheit, ermutigen sich gegenseitig, machen einander Komplimente, vermitteln, dass sie wertvoll sind usw. Was macht das mit denen? Sie werden ein bisschen so, wie sie gesehen werden. Mindestens im Kontext dieser Beziehung. Die Umstehenden sehen es oft anders und sagen: "Er ist halt verliebt." Da ist jemand als leicht unzurechnungsfähig entschuldigt. Dabei ist er gerade dabei, seine besten Seiten zu entwickeln.

Irgendwann nimmt die Verliebtheit ab und dann interpretieren die Menschen das gegenseitige Verhalten vermeintlich objektiver, in Wahrheit pessimistischer bzw misstrauischer. Der "Normalzustand" holt sie wieder ein und damit die Blindheit dafür, dass wir alle - meistens - unser Bestes geben.

Vertrauenspädagogik fordert dich auf, deine Kinder wie ein Verliebter zu sehen. Mit Augen der Liebe eben, die im Zweifelsfall die bessere Variante vermuten und nachfragen statt zu "sehen, was vor Augen ist". Mit Augen der Hoffnung und nicht der Kritik, mit Augen, die leiten und nicht gängeln. Das verändert Mitmenschen, nicht nur Kinder. Wenn du das tust, dann hoffentlich nicht blauäugig, weil du meinst deine Kinder seien schon so, wie du sie siehst, sondern weil du sie mit den Augen Jesu sehen möchtest.

Dann wäre es dann in Wahrheit so: Wir sind sehend, wenn wir lieben, erblinden langsam mit dem Erkalten der Liebe und sind blind, wenn wir dem Hass Raum geben. Oder umgekehrt: Erst die Liebe öffnet die Augen.

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