Infobriefe

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Refresher 19-09 «Und wenn sie in die Lehre kommen?»

Kürzlich wurde mir eine interessante Frage gestellt: Wie geht es denn Kindern, die mit Vertrauenspädagogik aufwachsen und vielleicht sogar eine VP-Schule besuchen, wenn sie anschliessend in die Ausbildung und damit raus in die «raue» Welt kommen? In der Wirtschaft geht es ja nicht sehr vertrauenspädagogisch zu und her. Wie gehen solche Kinder damit um? Haut sie das nicht um? 

Nachdem ich bereits ein paar Familien beobachten konnte und nun auch selber zwei Kinder in der Ausbildung habe, kann ich sagen, dass diese Kinder sogar eher besser mit dem «rauen» Klima der Wirtschaft zurechtkommen als manch anderes. Warum das so ist, schreibe ich vor allem zwei Umständen zu: der persönlichen Reife und den Beziehungen innerhalb der Familie. Das eine hat natürlich auch mit dem anderen zu tun.

Kinder, die in einer hierarchischen Liebesbeziehung, also einer Join-up-Beziehung gross werden durften, haben gute Voraussetzungen zu reifen. Solche Jugendliche sind in der Lage, differenziert zu denken. Sie haben das Prinzip von Arbeit (sich heute engagieren für den Erfolg von morgen) verstanden und sie haben längst begriffen, dass sie für sich selbst lernen und nicht für die Lehrkraft. Mehr noch, oft ist in solchen Jugendlichen die Neugierde nicht verschüttet und sie sind in der Lage, aus echtem Interesse heraus zu lernen.

Die Beziehung ihrerseits schützt den Jugendlichen vor den oft knallharten und verletzenden Beurteilungen von aussen. Nicht, dass diese ihn gar nicht mehr verletzen, aber sie dringen nicht ins tiefste Innere vor. Weiter sind wir als Eltern durch so eine Beziehung auch in der Lage, unseren Jugendlichen zu coachen. Was ich damit meine, verrate ich gerne im Video.

 

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Refresher 19-07 «...weint mit den Weinenden!»

Stell dir einmal folgende Situation vor: Dein Kind kommt aus der Schule, knallt seinen Schulrucksack in die Ecke und schimpft: «Die Emma ist so verlogen und gemein. Alle Mädchen lädt sie zu ihrem Geburtstagsfest ein, nur mich nicht. Hinter meinem Rücken spricht sie schlecht über mich. Heute Nachmittag gehe ich nicht zur Schule. Es ist mir egal, wenn ich Ärger bekomme. Mit dieser Kuh will ich nichts mehr zu tun haben.»

Wurde dir auch schon einmal eine so geballte Ladung an Frust entgegengeschleudert? Oder wirst du im Alltag überraschend mit ähnlichen Gefühlsausbrüchen deiner Kinder konfrontiert? Dann gehen bei dir vielleicht alle inneren Alarmleuchten an und du fragst dich, wie du dein Kinder wieder beruhigen kannst. Vielleicht versuchst du es mit Strenge: «Jetzt reiss dich aber zusammen!» Oder vielleicht riskierst du es, deinem Kind eine andere Sicht schmackhaft zu machen: «Emma hat sicher nur vergessen, dich einzuladen.»

Natürlich gibt es Situationen, wo dein Kind eine andere Sicht, ein neues Ziel oder ganz praktische Hilfe braucht. Aber in den meisten Fällen würde ich dir raten, einen anderen Weg zu gehen: Versuche, das Herz deines Kindes zu spiegeln. Finde Worte für seinen Frust, seine Wut oder seine Angst. Lass zu, dass auch dein Gesicht diese Gefühle zeigt. Dein Kind wird sich verstanden fühlen und eure Bindung wird gestärkt. Du brauchst nicht zu schimpfen und zu korrigieren. Du und dein Kind, ihr bleibt gemeinsam auf der einen Seite, der Ärger auf der anderen. Und schliesslich sprichst du deinem Kind auch dein Vertrauen aus: Kinder sind meist viel kompetenter, als wir glauben.

 

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Refresher 18-12 «Ich freue mich auf den Heiligen Abend!»

An dieser Aussage ist im Grossen und Ganzen ja nichts Besonderes. Wenn wir sie aus dem Mund eines 16-jährigen Teenagers hören, aber irgendwie doch. Gerade die Weihnachtszeit ist voll von solchen «weichen» Dingen, die unsere Gefühle ansprechen, und ich finde das einfach super.
Unsere Kinder und Teenager brauchen ihre Gefühle und Emotionen, um reifen zu können. Sie brauchen weiche Herzen, Herzen, die verletzlich sind, weil es gerade diese verletzlichen Gefühle wie das Fühlen von Erfüllung, aber auch von Vergeblichkeit sind, die sie zur Reifung bewegen und auch zur viel diskutierten Resilienz.
Im rauen Schul- und Arbeitsalltag muss sich ein Kinderherz schützen oder panzern, wie wir das auch nennen. Das ist gut und wichtig so. Doch genauso wichtig ist es, dass das Herz zu Hause wieder weich werden kann. Dies ist möglich, wenn das Zuhause ein sicherer Ort ist und die Beziehung zu den Eltern von bedingungsloser Annahme geprägt ist. Ein Ort, wo sie nicht chronisch und im grossen Ausmass verletzt werden. Und wenn das so ist, kann auch ein sonst cooler Teenager sagen, dass er sich auf die schöne und gemütliche Weihnachtszeit freut. Und jeder Teenager, der so etwas sagen kann, ist ein Grund zur Freude, weil es eben zeigt, dass er in Kontakt mit seinen Gefühlen ist.
Ausserdem ist eine Beziehung zu einem fürsorglichen Erwachsenen der allerbeste Schutz vor Verletzungen, die von aussen kommen können. Eine Join-up-Beziehung ist das Beste, was wir für unsere Kinder tun können, und die allerbeste Voraussetzung für Reifung.
Natürlich sind diese Gefühle und Emotionen das ganze Jahr hindurch essenziell wichtig. Doch vielleicht kann gerade die Weihnachtszeit mit all ihren Besonderheiten eine Zeit sein, wo wir uns das besonders bewusst machen. Für oben erwähnten Teenager ist das auf jeden Fall so und das ist gut so.

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Refresher 18-09 «Spielen - Teil 2»

Wir haben uns letzten Monat damit beschäftigt, wie wichtig es ist, unseren Kindern echtes Spiel zu ermöglichen. Du erinnerst dich vielleicht noch an Angelas Bericht über die Familienferien in Schweden. Schule und Freizeitangebote buhlen mit den Medien um die wertvolle Zeit unserer Kinder. Oft bleibt dann fürs eigentliche Spiel (zu) wenig Zeit. Aber es gibt noch einen wichtigen inneren Feind des echten Spiels, nämlich die soziale Situation eines Kindes.
Kinder, die in Beziehungskonflikten stecken, sei es mit den Eltern, den Lehrkräften oder beiden, haben schlechte Karten, sich in wirkliches Spiel zu versenken. Sie werden eher nach Ablenkung durch Unterhaltung rufen. Aber selbst dort, wo es Kindern grundsätzlich gut geht und Raum für Kreativität und Engagement da wäre, steht oft die soziale Situation im Wege. Gehen wir zusammen auf einen Spielplatz. Geschieht hier echtes Spiel? Vielleicht im Sandhaufen, falls dort nicht ein Streit um die Werkzeuge oder um den «Bauplatz» vorherrscht. Viele andere Tätigkeiten bestehen im passiven Sich-bewegen-Lassen durch Schaukeln, Rutschbahnen und dergleichen. Auch den Bewegungsangeboten fehlt oft jener Aspekt, der beim Klettern auf einen Baum oder beim Klettern im Gelände den Reiz ausmacht: Das mutige Überwinden von Angst. Moderne Spielplätze tragen diesem Gedanken Rechnung. Sie erlauben wirkliches Spiel. Wenn viele Kinder dennoch nicht ins kreative Spiel finden und so das Eigentliche verpassen, liegt es vielleicht an anderen Kindern oder Erwachsenen, die ihnen im Weg stehen. Worin besteht es denn, das Eigentliche? Dass ein Kind aus Freude an der Sache selbst unterwegs ist und nicht deshalb, weil es anderen etwas beweisen will oder muss oder verhindern will, beschämt zu werden. Dieses eigentliche Spiel geschieht oft, wenn das Kind alleine ist, seltener mit guten Freunden, die eben ein «eingespieltes» Team sind.

 

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Livesendung vom 24.09.2018

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Refresher 18-08 «Spielen»

Wenn wir kleinen Kindern zuschauen, wie sie in ein Spiel vertieft sind, fühlt sich das in der Regel gut und richtig an. Wir sind uns wohl alle einig, dass Spielen für Kinder etwas Wichtiges ist. Doch wie ist es mit grösseren Kindern, Teenagern, Jugendlichen…? Vor einigen Jahren verbrachten wir einige Ferientage in einem schwedischen Nationalpark. Unsere Kinder (damals 14, 12 und 9) spielten stundenlang im Wald und wir Eltern staunten echt darüber, wie sie sich noch so ins Spiel vertiefen konnten. Noch heute erinnern wir uns gerne an diese ausserordentlich friedlichen Ferien.
Vor einiger Zeit begann ich mich vertiefter mit dem Thema Spielen auseinanderzusetzen und jene Tage im Nationalpark Tiveden wurden zu einem Schlüssel für mich.
Was machte es aus, dass die Kinder dort so ins Spiel finden konnten? Sie hatten viel (bildschirmfreie!) Zeit, einen sicheren Rahmen, Freiheit, Vergnügen und Sicherheit. Ihr Spiel war Spiel, keine Realität. Es kam aus ihnen heraus und es hatte nichts mit Arbeit zu tun. Das sind die Punkte, die eben echtes Spiel ausmachen.
In diesem Jahr fragte ich mich im Voraus, ob wir auch wieder solche Momente erleben würden. Und tatsächlich, es gab sie! Weitsprung im Sand, Steinhäuschen bauen beim Wandern, ein völlig chaotisches und lustiges Wasserballspiel usw. Was es dazu brauchte? Zeit, Natur und manchmal mitspielende Eltern.
Wir spürten, wie Spannungen abgebaut wurden. Auf diese Weise konnten Erlebnisse verarbeitet und Aggressionen herausgelassen werden. Emotionen kamen ins Fliessen, Kreativität entstand.
Spielen, echtes Spielen tut gut - auch uns Erwachsenen. Und ich wünsche unseren Kindern, Teenagern, Jugendlichen und auch uns Erwachsenen immer wieder Momente, in denen wir abtauchen und ins Spiel finden können.

Talk über das Monatsthema

 

Livesendung vom 27. August 2018

 

 

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