Infobriefe

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Refresher 20-10 «Wie lernen Kinder höflich zu sein?»

“Mama, hol mir ein Yoghurt!” Wie tönt das für dich? Komisch? Vielleicht auch nicht, vielleicht hast du dich daran gewöhnt, dass deine Kinder dir sagen, was du zu tun hast. Vielleicht wehrst du dich manchmal und sagst dann: “Hey, nicht in diesem Ton, bitte!”

Menschliche Gemeinschaft bilden Rangordnungen - genau gleich, wie es soziale Tiere tun. Schulklassen tun das, Familien, Vereinsvorstände - kurz, alle Gruppen, wo Menschen zusammenwirken. In Demokratien wählen wir Menschen an der Urne jene Leute, denen wir Einfluss auf unser Leben zugestehen bzw. auf das Leben unserer Mitmenschen... 

In unserer wichtigsten Gemeinschaft - in der Familie - ist die Rangordnung allerdings oft unklar oder sogar verkehrt, ohne dass das jemandem auffällt. 

Diesem Umstand habe ich in der siebten Auflage des Buches ein Kapitelchen gewidmet, hier der erste Abschnitt:

 

2.1 Das Join-up-Gitter

Wir alle spüren es sofort: Wenn sich ein Kind vor uns aufbaut und im Befehlston etwas einfordert, dann stimmt etwas nicht und wir fühlen uns berufen, das Kind in die Schranken zu weisen. Haben Sie sich auch schon darüber Gedanken gemacht, dass es genauso unangebracht ist, dass Sie sich als Mama oder Papa nicht getrauen, Ihrem Kind etwas zu befehlen? Wir Erwachsenen tun uns vielmehr ganz schwer mit Sätzen wie «Hole noch Mineralwasser aus dem Keller!» Wir sagen lieber: «Würdest du bitte Mineralwasser aus dem Keller holen?» Nachdem das eine höfliche Frage ist, sollten wir eigentlich bereit sein, ein Nein des Kindes zu akzeptieren. Diese Art der Formulierung gehört eigentlich zur Sprechweise jener, die sich unterordnen, weil sie sich bedürftig und abhängig fühlen wie jemand, der auf der Strasse nach dem Weg fragt. Niemand würde dort ja sagen: «Zeigen Sie mir den Weg zum Bahnhof!» Nein, wir würden uns ohne schlechte Gefühle unterordnen und darauf hoffen, dass wir im Gegenüber fürsorgliche Gefühle auslösen, die ihn dazu bringen, sich für uns einen Moment Zeit zu nehmen. Als Eltern benutzen wir diese Formulierung oft missbräuchlich, denn wir fragen in Wirklichkeit gar nicht, sondern wir wollen nur liebevoller befehlen, als es unsere Eltern und Lehrkräfte damals taten. Den wenigsten wird es bewusst sein, dass elterliche Unterordnung Kinder verwirrt, vor allem dann, wenn die Eltern frustriert auf ein Nein des Kindes reagieren, Vorwürfe machen oder gar drohen, wenn ein Kind eine höfliche Anfrage als solche wahrnimmt. Gerade kleine Kinder tun sich sehr schwer mit dem Interpretieren von verklausulierten Botschaften.

 

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Podcast des Monats


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter.

 

 

 

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Refresher 20-06 «Keine Lehre passt - Schule auch nicht - was bleibt?»

Die meisten SchulabgängerInnen haben ihre Entscheidungen gefällt, haben ihre Lehrstelle und freuen sich mit banger Erwartung, wie das denn sein wird, das richtige Leben. Für andere bleibt vieles beim Alten. Sie gehen weiter zur Schule mit ihren bekannten Regeln. Einige haben sich vielleicht entschieden, trotz Schulverleider das zehnte Schuljahr zu absolvieren oder sie haben eine Lehrstelle angenommen, die so gar nicht ihren Wünschen entspricht. “Etwas muss man ja machen!” Was für eine Herausforderung für die Jugendlichen und deren Eltern. Wieviel Sorgen und Ängste übernehmen da manchmal doch das Zepter. Da hat mir dieser Tage jemand ein Werbemail von “Time4” zugespielt, das mich aufhorchen liess und mir war schnell klar: Hier tut sich eine Chance auf für einige unter den vielen, für die nichts zu passen scheint. 

Um es vorweg zu nehmen, die Absolventen von Time4 haben am Schluss keinen klassischen Lehrabschluss, aber sie hangeln sich von Interessengebiet zu Interessengebiet, gecoacht von Erwachsenen und im Verbund mit anderen Jugendlichen, die einen ähnlich abenteuerlichen Weg gehen. 

Im Podcast habe ich mir von Michi Bösch erklären lassen, wie das ganze funktioniert. Mit Florian Knaus lernen wir einen jungen Mann kennen, der bereits ins Berufsleben eingestiegen ist und dankbar auf seine Lehr- und Wanderjahre bei Time4 zurückblickt. 

 

Hier gehts zum Podcast. 

Hier zur Webseite von Time4

 

 

Talk über das Monatsthema


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter, Michi Bösch und Florian Knaus.

 

Hotline mit Heinz Etter

Heinz Etter bestreitet jeweils am letzten Montag im Monat - das nächste Mal am 29. Juni 2020 - von 20:00 bis 21:00 Uhr die Hotline. Wie die Hotline funktioniert findest du hier.  

 

 

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Refresher 20-05 «Frauen, die Orientierung geben - eine Annäherung an Ron Davis»

Keine Angst, das wird kein feministischer Beitrag heute, auch wenn ich sehr viel von Frauen in Führungspositionen halte. Nein, heute geht es um eine andere Art der Orientierung. Vielmehr um das Phänomen der Desorientierung. Ich bin dem Begriff zum ersten Mal vor etwa 30 Jahren begegnet. Damals kam eine Mutter in unsere Sekundarschule mit dem Anliegen, Verständnis für ihren Sohn zu haben, denn der sei zwar intelligent und kreativ, könne aber kaum lesen und überhaupt nicht schreiben. Ob das an unserer Schule gehe. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich reagiert habe. Stimmt, richtig geraten, ich habe freudig zugesagt. Wie es dann kam, dass der Junge kurze Zeit später eine Woche bei der Frau eines Kollegen verbrachte, weiss ich nicht mehr, aber der spektakuläre Erfolg der Davis-Therapie ist mir noch gegenwärtig, wie wenn es gestern gewesen wäre. Mein Interesse war geweckt. 

Später nahm ich davon Kenntnis, dass Legasthenie nicht mehr therapiert wird. Auch von der Davis Methode hörte ich nichts mehr, obwohl mir das Buch von Ronald Davis “Legasthenie als Talentsignal” völlig einleuchtete. Erst vor wenigen Jahren erfuhr ich durch Monika Beer, eine VP Trainerin, dass Desorientierung nicht nur das Lesen erschwert, sondern auch mitverantwortlich ist für allerhand Verhaltensprobleme. Auf der anderen Seite stellt die Desorientierung z.B. für Architekten ein grosses Talent dar. Was ist das Desorientierung? Wir Normalos schauen von einem bestimmten Punkt aus. Es gibt aber Menschen, deren inneres Auge im Raum herum wandert. Wenn man von hinten schaut, ist plötzlich links nicht mehr links, sondern rechts und ein p unterscheidet sich nicht mehr von einem q. 

Das Buch über Verhaltensprobleme und Desorientierung, das Monika mir empfahl, begeisterte mich. Mein Interesse war neu geweckt und so kam es, dass ich Stephanie Reimann, auch VP Trainerin und neu verantwortlich für die Betreuung der Trainerinnen und Trainer. ermutigte die Davis-Ausbildung zu machen. Wie es ihr dabei ging erzählt sie uns im Podcast. Dort wird auch eine Mutter zu Wort kommen, die erzählt, wie sich ihr Sohn durch die Therapie bei Stephanie verändert hat. Ja, ich denke, du tust gut daran, dir den Names Ron Davis zu merken. Rund um das Thema Orientierung und Desorientierung gibt es einiges zu entdecken. (Nicht nur für Legastheniker und Leute mit ADHS). 

Wir haben in diesem Monat aber auch etwas anderes bereit für dich: Unser Webinar mit Heinz Lüscher über Ernährung und ihren Einfluss auf die Entwicklung unserer Kinder. Mehr Informationen findest du hier.

 

Talk über das Monatsthema


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter und Stephanie Reimann.

 

Hotline mit Heinz Etter

Heinz Etter bestreitet jeweils am letzten Montag im Monat - das nächste Mal am 25. Mai 2020 - von 20:00 bis 21:00 Uhr die Hotline. Wie die Hotline funktioniert findest du hier.  

 

 

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Refresher 20-03 «Aus aktuellem Anlass: Was tun mit den Kindern?»

Vielleicht geht es dir wie vielen Müttern und Vätern und du siehst dich mit der Situation konfrontiert, dass deine Kinder zuhause sind und nicht einmal die Grosseltern einspringen sollten, wenn du keine Zeit für sie hast. Was tun? Wie kaum je seid ihr als Eltern auf euch alleine gestellt. Da habe ich mir gedacht, ich möchte dir vielleicht aus vertrauenspädagogischer Sicht ein bisschen Hoffnung machen, damit aus diesem Elend vielleicht doch auch ein bisschen Segen erwächst.

Kinder können auch alleine...

Traue deinen Kindern zu, dass ältere jüngeren schauen können. Übertrage Verantwortung auf die älteren Kinder. Das wird sie aufbauen. Vergiss nicht, die Kleinen zu ermutigen bzw. zu ermahnen, dass sie auf die Grossen hören sollen.
Nimm lieber einige Verluste in Kauf, aber lass die Kinder kochen. (Vielleicht brauchen sie Hilfe beim Aufräumen…). Du dienst ihnen mehr, als wenn du versuchst, doch noch alles zu bewältigen.
Übertrage ihnen Arbeiten im Haushalt und geh du deiner Arbeit nach.
Wenn du das Glück hast, Zeit für deine Kinder zu haben, dann gilt das Obige gleichwohl. Für dich gibt es nämlich jetzt eine neue Chance.

Macht eine Freilernphase

Freilernen ist jene Lernform, wo Kinder sich selber Herausforderungen suchen - so wie sie es als Kleinkinder taten. Sie unterscheidet sich klar von Homeschooling. Dort übernehmen die Eltern in einem gewissen Sinn die Rolle von Lehrkräften - was freilich ganz verschieden aussehen kann. Vielleicht bekommen deine Kinder ja von der Schule Aufträge und die Gelegenheit ergibt sich nur in beschränktem Masse. So oder so wird es so sein, dass deine Kinder plötzlich jede Menge Zeit haben und du dich herausgefordert siehst, sie zu unterhalten bzw. mit ihnen etwas zu unternehmen. Dann möchte ich dich ermutigen, die Sache etwas anders anzugehen. 

Löse dich vom Gedanken, deinen Kindern etwas zu bieten, sie zu unterhalten und dergleichen.  Das dürfte gar nicht so einfach sein, denn die Kinder sind sich gewohnt, dass sie durch Schule und Freizeitangebote dauernd von aussen angeregt werden. Sie kommen fast nicht mehr dazu zu erfahren, was in ihnen selber steckt. Es ist also zu erwarten, dass sie über Langeweile klagen. Sprich mit ihnen darüber, dass du möchtest, dass sie sich jetzt selber beschäftigen... Verzichte auch darauf, eine Liste von Möglichkeiten zu erstellen. Überlasse es deinen Kindern. Halte es aus, dass viel Frustration auftreten wird. Es lohnt sich, denn die Chance ist gross, dass sie bald einmal aktiv werden.

«Wenn sie die ganze Zeit am Handy und am PC sind, dann gehts.»

Wie kannst du verhindern, dass Handy und PC in die Bresche springen und die kindlichen Gehirne unterhalten? Meine Gesprächspartnerin im Podcast spielt mit dem Gedanken, die Kinder einfach einmal open-end gamen zu lassen - einfach um zu sehen, ob da irgendwann eine Sättigung eintritt. Die Idee ist spannend. Wenn du das machst, sind wir gespannt auf deine Erfahrungen. Ich stelle den Refresher-Brief ja auch aufs Forum. Vielleicht ist es bei euch auch kein Problem, aber ich gehe davon aus, dass die Versuchung grösser ist als sonst, und es deshalb Sinn macht, klare Regeln zu haben. Nicht um die Kinder zu begrenzen, sondern um sie zu befreien. Hier braucht es offene Gespräche.Ihr könntet noch andere fixe Abmachungen treffen: Jeden Tag nach draussen gehen. Jeden Tag ein bisschen Sport und Bewegung. Kinder können auch die Frage diskutieren: Was wollten wir, was wollte ich schon lange einmal machen?

Dürfen sie? Oder lauert da die Angst, dass die Kinder doch unbedingt etwas lernen sollten, damit sie nicht in Rückstand geraten? Achte gut auf dich selber. Wenn das so ist, dann nimm diese Angst ernst und ziehe gewisse Zeiten am Tag durch, wo sie am Schulstoff arbeiten. Schlimm wäre, wenn du die Angst verdrängst und sie in Form von Druck, Unzufriedenheit und Stress den ganzen Tag aus den Ritzen deines Herzens kommt und die Freiheit vertreibt.

Und dann?

Entscheidend dabei wird sein, dass deine Kinder und ihr als Eltern euch bewusst seid, dass es unter Umständen zuerst Tage der Leere geben wird. Überlegt euch, wie ihr damit umgehen wollt, wenn der Frust zu Aggression führt. Vorsorgen ist besser als Heilen!

Wenn die Kinder dann aktiv sind, kann es sein, dass das Aufräumen zur Herausforderung wird. Mein Tipp: Beharre darauf, dass jeden Tag aufgeräumt wird - wie in den Werkstätten der Handwerker. Unordnung erstickt die Kreativität.  

Ich wünsche euch eine inspirierende Zeit mit euren "arbeitslosen" Kindern und dass ihr euch als Familie ganz neu entdeckt.

 

Talk über das Monatsthema


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter und Claudia Feierabend.

 

Hotline mit Heinz Etter

Die Live-Beratung über Skype hat zuwenig Interesse ausgelöst. Wir bieten dieses Angebot nur noch nach Absprache an. Bitte melde dich per Mail, fass du das wünschst. Heinz Etter wird stattdessen jeweils am letzten Montag im Monat - 30. März 2020 - von 20:00 bis 21:00 Uhr die Hotline bestreiten. Wie die Hotline funktioniert findest du hier.  

 

 

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Refresher 19-09 «Und wenn sie in die Lehre kommen?»

Kürzlich wurde mir eine interessante Frage gestellt: Wie geht es denn Kindern, die mit Vertrauenspädagogik aufwachsen und vielleicht sogar eine VP-Schule besuchen, wenn sie anschliessend in die Ausbildung und damit raus in die «raue» Welt kommen? In der Wirtschaft geht es ja nicht sehr vertrauenspädagogisch zu und her. Wie gehen solche Kinder damit um? Haut sie das nicht um? 

Nachdem ich bereits ein paar Familien beobachten konnte und nun auch selber zwei Kinder in der Ausbildung habe, kann ich sagen, dass diese Kinder sogar eher besser mit dem «rauen» Klima der Wirtschaft zurechtkommen als manch anderes. Warum das so ist, schreibe ich vor allem zwei Umständen zu: der persönlichen Reife und den Beziehungen innerhalb der Familie. Das eine hat natürlich auch mit dem anderen zu tun.

Kinder, die in einer hierarchischen Liebesbeziehung, also einer Join-up-Beziehung gross werden durften, haben gute Voraussetzungen zu reifen. Solche Jugendliche sind in der Lage, differenziert zu denken. Sie haben das Prinzip von Arbeit (sich heute engagieren für den Erfolg von morgen) verstanden und sie haben längst begriffen, dass sie für sich selbst lernen und nicht für die Lehrkraft. Mehr noch, oft ist in solchen Jugendlichen die Neugierde nicht verschüttet und sie sind in der Lage, aus echtem Interesse heraus zu lernen.

Die Beziehung ihrerseits schützt den Jugendlichen vor den oft knallharten und verletzenden Beurteilungen von aussen. Nicht, dass diese ihn gar nicht mehr verletzen, aber sie dringen nicht ins tiefste Innere vor. Weiter sind wir als Eltern durch so eine Beziehung auch in der Lage, unseren Jugendlichen zu coachen. Was ich damit meine, verrate ich gerne im Video.

 

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