Infobriefe

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Info 11-02 "Führen ohne Anklage - Teil 1"

Situation (aus einem Beratungsgespräch): Die Kinder dieser Familie müssen regelmässig Arbeiten aus einer Liste wählen und so ihren Beitrag an den Haushalt leisten. So haben es alle abgemacht. Die Idee ist, dass Kinder jene Arbeiten wählen, die sie mit Liebe tun können (das ist nicht das gleich wie „mit Spass“). Das entspräche dann VP.

Vorher (Rückfall in alte Muster): Du hast das Staubsaugen selber gewählt. Jetzt bist du nach fünf Minuten schon fertig. Geh noch Mal dran. (Widerstand, Diskussion, Konflikt, Druck, vielleicht sogar Beschimpfungen und Anklagen). Das Kind geht nochmals dran (vielleicht auch nur pro forma).

Nachher (VP): Du hast das Staubsaugen gewählt. Bist du zufrieden, so wie du die Arbeit gemacht hast? Ja, ich finde es sauber genug (eher trotzig.) Oha, da sind wir unterschiedlicher Meinung. Mama geht weg und lässt den Dingen ihren Lauf. Sie verzichtet im Moment auf eine Erklärung oder Begründung, weil sie den Widerstand des Kindes wahrnimmt.

Variante A: Das Kind geht nochmals dran. Dann wären die beiden – äusserlich gesehen – gleich weit wie „vorher“ ohne VP, aber eben: Welch ein Unterschied! Diesmal ohne Streit und erst noch mit der Energie des Kindes und nicht mir der Energie der Mutter. Vielleicht machte sich das Kind ganz wertvolle Gedanken und kam zu jenem Gehorsam, der Sieg ist, nicht Niederlage.

Variante B: Das Kind lässt es so, wie es ist. Dann ginge die Geschichte Tage später vielleicht etwa so weiter: Du möchtest staubsaugen? Mach lieber eine andere Arbeit. Wieso, ich möchte gerne. Bist du sicher? Ja, wieso meinst du? Letztes Mal war es mir zu wenig sauber. Dir schon. Mach lieber etwas anderes. Diesmal mach ich es bestimmt besser. Und was passiert, wenn wir wieder das gleiche Problem haben, wie letztes Mal? Dann geh ich nochmals ran. Ohne schlechte Gefühle? Ok, dann lass dir heute mehr Zeit und versuche nicht, möglichst schnell fertig zu sein. Der Staub braucht einfach seine Zeit, bis er sich aus dem Teppich löst. Da nützt es nichts, wenn du schnell bist mit der Staubdüse. Verstehst du das? Ja, sicher.

Hast du Zeit, die folgenden Zeilen zu lesen? Sie beschreiben eine Situation, die rein äusserlich nicht der Rede wert ist und doch markiert sie den Unterschied zweier Systeme. Gleichzeitig verdeutlichen sie, wie wichtig es gerade für uns Grosseltern ist, VP zu kennen.

J und wir Grosseltern haben einander sehr lieb, und trotzdem gab es immer wieder Situationen, in denen sie sich eigenartig verhielt. Wir erlebten, dass man sie sehr schnell "verlieren" kann, dass sie sich schnell innerlich zurückzieht, auf Widerstand geht, unberechenbar scheint, sich negativ verhält und Menschen dann vor den Kopf gestossen sein können. Seit wir und so auch ihre Eltern VP kennengelernt haben und praktizieren, spürt man eine Entlastung in der ganzen Situation. Folgende Erfahrung hat meine Beziehung zu J sehr gestärkt: Es war drei Tage nach dem ersten VP-Seminarabend. Wir hatten ja die Aufgabe bekommen, den Kindern und einander ohne Misstrauen zu begegnen. J und ihr kleiner Bruder D (2) waren an einem Nachmittag bei uns. Ich sass am Tisch, J stand/sass an/auf einem Stuhl neben mir, D stand zwischen uns. Wir waren irgendwas am Reden, ganz gelöste Situation. Da J eben nicht recht auf dem Stuhl sass, sondern so halb darauf lehnte, fiel der Stuhl mit ihr um und prallte dabei an D's Bein. D fiel auch um und begann sehr zu weinen. Dabei hielt er das Bein auf eine Weise, die  Schlimmes befürchten liess. Sofort nahm ich ihn zu mir, ging ins Bad und untersuchte das Bein. Es war dann aber schnell wieder gut, man musste nicht einmal kühlen. Als ich in die Stube zurückkam, bemerkte ich J's Unsicherheit. Sie wich mir aus. Mir war klar, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte. Und wirklich, früher hätte ich wahrscheinlich gesagt, sie solle das nächste Mal besser aufpassen und nicht so halb auf den Stuhl sitzen. Aber da war wie ein kurzer "Blitz" in meinem Kopf: "Vertrauen". So schaute ich J fest an und sagte: "J, du bist ja mit dem Stuhl umgefallen. Hat es dir denn nicht weh gemacht?" Da begann J zu strahlen und sagte: "Nein." Die Situation war gelöst. Ich bin auch sicher, dass J jetzt besser aufpassen wird, auch wenn ich nichts davon gesagt habe. Kurz nachher kam meine Tochter die Kinder holen. Ich war grad allein in der Küche. Da hörte ich J daherstürmen, sie rannte richtig auf mich zu und sprang an mir hoch, umschlang mich ganz fest und drückte sich an mich. Seit diesem Erlebnis spüre ich, dass J noch viel mehr verbunden ist mit mir, unsere Beziehung ist sehr schön. Sie ist im Join-up mit mir. Claudia

Ich denke, Claudia hat recht. Was für eine Chance, wenn Kinder solche Beziehungen haben dürfen. Was für eine Chance für Grosseltern! Viele Grosseltern entschuldigen sich bei mir, wenn sie an einen Kurs kommen, weil sie ja keine Kinder mehr hätten. Ihr könnt euch vorstellen, was ich ihnen sage. Also, ermutigt auch andere Grosseltern, sich mit VP zu befassen. Ihr tut euren Kindern etwas zuliebe.

Info 11-01 "Ermutigung"
Info 11-03 "Hierarchien"

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