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Refresher 20-08 «Die Bestrafung über die Beziehung»

In diesem und in den nächsten Refresher-Briefen möchte ich dir jene Artikel näherbringen, die erst in den neueren Auflagen des Buches “Erziehen im Vertrauen” Eingang gefunden haben. Es ist uns ein Anliegen, dass dieses Buch aktuell bleibt und die Kerngedanken der Vertrauenspädagogik enthält. Du hast wahrscheinlich eine frühere Ausgabe gelesen, in denen die einen oder anderen Gedanken noch nicht enthalten waren. 

Heute geht es um jenes Machtmittel, das amerikanische Kinderärzte Eltern empfehlen, um sie zu überzeugen, dass es ohne Körperstrafe geht. In der Tat ist es ein sehr mutiges Unterfangen, auf die Körperstrafe zu verzichten. Wenn man allerdings an der Idee festhält, man sei nur dann als Mama oder als Papa richtig, wenn wir das Verhalten der Kinder kontrollieren können, dann ist dieser Verzicht fatal und man kommt auf die Idee, die Anhänglichkeit der Kinder zu nutzen, um sie zu kontrollieren. Hier also der entsprechende Abschnitt aus dem Buch:

 

3.5 Die Bestrafung über die Beziehung

Manche Eltern nutzen die kindliche Abhängigkeit aus, um Kinder gefügig zu machen und Druck auf sie auszuüben. Es gibt ganze pädagogische Lehrbücher, die die kindliche Trennungsangst als Mittel gegen die elterliche Ohnmacht nutzen, die sich aus dem längst überfälligen Verzicht auf die Körperstrafe ergeben hat. Und es stimmt: Der stille Stuhl ist ein Ort, an dem sich fast jedes Kind sagt: «Ich will wieder lieb sein, wenn ich nur wieder bei meiner Mama sein darf.» Oft werden die Kinder gerade dann isoliert, wenn sie die Nähe der Eltern am meisten bräuchten – dann zum Beispiel, wenn sie sich daneben benommen haben und spüren, dass die Eltern frustriert sind. Abhängig zu sein, verkommt so zu einer demütigenden Situation und bekommt jenen bitteren Beigeschmack, der vielleicht als Gegenreaktion das humanistische Ideal der Selbstbestimmung begründet hat.

Wer spürt, dass seine Abhängigkeit als Macht- und Druckmittel gegen ihn verwendet wird, wird sich früher oder später dagegen auflehnen. Viele Jugendliche schütteln diese Abhängigkeit genau dann ab, wenn sie die Eltern dringend brauchen würden: in der Pubertät.

Dass Jugendliche nicht in erster Linie selbstbestimmt sein wollen, wissen alle, die mit ihnen zu tun haben. Sie suchen vielmehr Geborgenheit und Schutz in der Bindung an andere Menschen. Der Frage, warum das oft nicht mehr jene sind, die für sie Verantwortung tragen, wollen wir in den nächsten Kapiteln nachgehen.

Bindung ist das tiefste und stärkste Bedürfnis überhaupt. Nichts bringt uns Menschen so aus der Fassung wie der tatsächliche oder befürchtete Verlust unserer primären Bindungen. Es sind Gefühle wie Liebeskummer oder die Trauer um einen geliebten Menschen. Für Kleinkinder hat die Angst vor dem Verlust der Bindung eine lebensbedrohliche Dimension, denn sie spüren, dass sie selber nicht überleben können. In meinen Beratungen werde ich deshalb immer wieder mit einem kindlichen Verhalten konfrontiert, das ich nach Gordon Neufeld Defensive Dominanz nennen möchte.

 

Hier gehts zum Podcast. 

 

Podcast des Monats


Auch dieses Mal haben wir über das Thema des Monats einen Podcast aufgenommen. Hier findest du den Podcast mit Heinz Etter.

 

 

 

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