Infobriefe

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Refresher 18-07 «Au, das war wieder einmal nicht VP»

Es berührt mich immer ein bisschen zwiespältig, wenn ich eine solche Aussage höre. Es ist doch gut, wenn Eltern sich bemühen, ihrem Kind gerecht zu werden - oder? Sicher, aber für Kinder gibt es etwas noch Wichtigeres, als ob die Eltern immer richtig handeln: Sie brauchen Eltern, die mit ihren Kindern und mit sich selber einen entspannten - einen vertrauensvollen und vertrauten - Umgang haben. Kinder sollen sehen, hören und fühlen, wie es ihren Eltern geht - nicht so sehr, wenn sie traurig sind (die Kinder sollen ja nicht ihre Tröster sein), aber sicher, wenn sie frustriert sind. Frust auszudrücken, ohne aggressiv gegen Menschen zu werden, ist eine schöne Zielsetzung, aber Kinder haben volles Verständnis dafür, wenn das nicht immer gelingt. Mit der Erziehung ist es wie mit der Hygiene: Das richtige Mass ist nicht bei der Sauerei, aber auch nicht bei der Sterilität. Wenn wir gesund sein wollen, dürfen wir nicht im Reinraum leben. Unser Immunsystem braucht gewisse Herausforderungen. Genauso ist es mit den menschlichen Unzulänglichkeiten. Kinder von perfekten Eltern würden ganz viele wichtige Dinge nicht lernen, nämlich mit dem Versagen anderer umzugehen, Ungerechtigkeiten zu ertragen usw. Aber keine Angst, du darfst dich entspannen. Die Gefahr in dieser Ecke ist eher klein. Viel eher neigen wir zu Selbstvorwürfen und meist in der Folge zu Vorwürfen gegenüber unseren Lieben, wenn wir etwas verbockt haben.

 

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Info 13-08 "Zu sich selber stehen"

Ich bin auf der Rückfahrt von Parksville nach Vancouver, von wo ich morgen zurück in die Schweiz fliege. Vor allem aber bin ich am Verdauen des Intensivkurses III mit Gordon Neufeld. Das Thema waren diesmal nicht so sehr die Kinder, sondern wir als Erwachsene. Was liegt also näher, als das in diesem Infobrief zum Thema zu machen!

Eltern, die VP umsetzen wollen, klagen immer wieder etwa darüber, dass sie in gewissen Situationen wütend werden, herumschreien und manchmal sogar Lust haben, die Kinder zu schlagen. Passiert dir das auch? Dabei hast du dir vorgenommen, sie auch dann zu lieben, wenn sie sich daneben benehmen, mit den Geschwistern streiten usw. Mit uns selber sind wir vielleicht viel weniger barmherzig. Wir sind versucht, unsere Gefühle zu verbergen - vielleicht sogar vor uns selber, so nach der Devise, dass es nicht gibt, was es nicht geben darf.

Denken wir aber daran, dass unsere Kinder wohl nie so ganz glauben werden, dass sie mitsamt ihren üblen Seiten angenommen sind, wenn sie spüren, dass wir Erwachsene die Augen vor unseren Schattenseiten verschliessen. Es geht nicht darum, alles gutzuheissen, was in mir ist, aber es am Licht zu halten und barmherzig damit umzugehen. “Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat”, fordert uns Paulus im Römerbrief auf - da gehören auch wir selber dazu. Je besser wir als Erwachsene Wege finden, zu uns selber zu stehen, desto eher werden Kinder Vertrauen fassen, dass sie unsere Annahme weder verdienen können noch müssen.

Talk über das Monatsthema

Livesendung vom 26. August 2013

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Marion
Lieber Heinz, lieber Beat, danke für diesen Input und die hilfreiche Live-Sendung heute. Darum heisst es wohl auch Erziehen und ni... Read More
Montag, 26. August 2013 19:53
admin
Auf dem Hintergrund dieses Infobriefs möchte ich kurz ein Erlebnis weitergeben.Meine älteste Tochter (8J) hat eine geniale Fähigke... Read More
Mittwoch, 11. September 2013 08:34
Barbarella071
Unsere Kinder anzunehmen wie sie sind, wenn wir uns nicht angenommen haben, ist so effektiv, wie wenn wir versuchen, unseren Sch... Read More
Freitag, 13. September 2013 21:17
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Info 12-12 "Grenzen setzen - aber wie? Teil 4"

meine!

"Mami, spielst du mit mir Uno?" – eine alltägliche Frage, vielleicht auch in deinem Leben. Die Gedanken, die dir dabei kommen, sind indes hoch interessant. Vielleicht sagst du "ok" und spielst mit, obwohl es dir stinkt und du eigentlich viele Dinge vor dir herschiebst. Vielleicht ist die Frage aber auch eine willkommene Ablenkung von lästigen Pflichten. In beiden Fällen kann es sein, dass du zwar mitspielst, aber nur mit halbem Herzen und entsprechend wenig Begeisterung. Dein Kind wird das wahrnehmen und vielleicht in einen unangenehmen Zustand kommen, der zum einen deine Beklemmung spiegelt und zum andern sich etwa so anfühlt: "Mami spielt jetzt zwar mit mir, und ich sollte doch jetzt glücklich sein, aber irgendwie ist es doch nicht schön." Und es sieht keine Möglichkeit, an der Situation etwas zu ändern. Viele Kinder sind in solchen Situationen frustriert und reagieren plötzlich aggressiv. Das wiederum ärgert dich, und du sagst dir: "Da nehme ich mir Zeit, und dann wird man auch noch angemotzt. Mein Kind sollte jetzt doch dankbar und glücklich sein, wenn ich mich schon opfere." Und du nimmst dir vielleicht vor oder sagst es laut: "Das nächste Mal kannst du Uno spielen mit wem du willst!" Wie befreiend wäre dazu im Vergleich die folgende Antwort gewesen: "Oh, tut mir leid, jetzt habe ich gerade den Kopf so voll von andern Dingen. Da wäre ich ein übler Spielkamerad." Meine Enkel zum Beispiel haben erstaunlich viel Verständnis dafür, dass ich lieber Klavier als Playmo spiele. Ich habe mich entschieden, nur noch mit ihnen zu spielen, wenn ich ein ganzes Ja dazu finde. Manchmal muss ich mir zwar einen kleinen Schupf geben... Du weisst schon, wie ich es meine. Was dieser Gedanke mit Weihnachten zu tun hat, werden wir im Video thematisieren.

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Info 10-08 "Authentizität"

Für alle Nicht-Lateiner: Damit ist Echtheit gemeint bzw. die Übereinstimmung zwischen dem, was wir einander mitteilen (wollen), und dem innerem Zustand bzw. unsern Gedanken und Gefühlen. Im Idealfall geben sich Menschen so, wie sie sind. Manchmal aber sind wir alle froh, wenn Menschen nicht gerade alles aussprechen, was ihnen in den Sinn kommt. Nun, für Kinder ergeben sich oft Probleme, wenn Erwachsene nicht authentisch sind. Das kommt leider sehr häufig vor: Sie tun so, als würde ihnen die Zeichnung gefallen, als würden sie den Lärm locker ertragen, als mache es ihnen nichts aus, schnodderige Antworten zu bekommen, als sei zwischen Mami und Papi alles im grünen Bereich usw. In der Regel verschonen die Eltern die Kinder in der besten Absicht. Sie meinen zu wissen, was Kinder ertragen können und was zu viel ist. Was Kinder am allerwenigsten ertragen, sind Eltern, die sie nicht fassen können, die ihnen etwas vorspielen, und sie dann nicht wissen, ob sie auf die Worte oder auf die Gedanken reagieren sollen.

Ich möchte euch ermutigen, auch dann authentisch zu sein, wenn ihr vielleicht einmal nicht so vertrauenspädagogische Gedanken habt. Für die Kinder ist es viel einfacher, eine wütende Mama zu ertragen, als eine, die zwar innerlich kocht, aber äusserlich "Ruhe" bewahrt. Wie soll ein Kind auf so etwas reagieren? In der Regel provozieren sie dann so lange, bis die wahren Gefühle dann doch noch aufbrechen. Wieso denn nicht gleich? Also anstatt in süssem Ton: "Ui ui ui, da ist aber Mama ein bisschen traurig, dass das Geschirr noch nicht abgewaschen ist. Kommt, ich helfe euch." könnte man sagen: "Das macht mich jetzt echt sauer, diese Unordnung. Jetzt muss ich mich zusammennehmen, zu fragen anstatt auszuflippen: Wieso sieht das hier noch so aus?"

So sind die echten Gefühle auf dem Tisch. Das Kind kann sich darauf einstellen. Oft versteht es uns besser, wenn wir uns aufregen, als wenn wir scheinbar ruhig bleiben. Was allerdings bleiben sollte, ist die echte Frage, anstatt der vorschnelle Vorwurf.

Es ist für ein Kind kein Problem, wenn die Eltern sich nicht einig sind und ein Streitgespräch führen. Wie anders sollen sie lernen, auf gute Art zu streiten? Natürlich gibt es hier Grenzen, aber die Extreme sind häufig: Auf der einen Seite Kinder, die mitansehen, wie Eltern sich verletzen, und auf der andern Seite jene Eltern, die ihren Kindern den Prozess der Meinungsbildung vorenthalten, weil sie meinen, gute Eltern müssten sich immer einig sein. Diese Vorstellung stammt vielleicht aus dem militärischen Denken. Im Kampf muss man zusammenstehen, aber das Familienleben sollte ja eben kein Kampffeld sein.

Wenn du Lehrkraft bist, gilt das Obige umso mehr: Hier brodelt es ja auch oft nur unter der Oberfläche. Zeige deine Gefühle, sei echt, aber frage dennoch, bevor du in deinen Gedanken Schuldzuweisungen machst.

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