Infobriefe

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Info 15-04 "Beziehungsmacht nützen"

Gehörst du zu den Menschen, die den Kindern ihren Willen aufzwingen? Oder bist du jemand, der den Kindern möglichst ihren Willen lässt?
Ich möchte dich heute daran erinnern, dass VP weder den einen noch den andern Weg empfiehlt. Kindern ihren Willen zu lassen, ist oft richtig, aber ebenso oft brauchen Kinder unseren Einfluss, der sie auf eine andere Fährte führt. Wie diese Einflussnahme geschieht und worauf die Macht dazu beruht, das ist das Thema von VP: Es geht darum, unsere Kinder ins Join-up zu führen und so eine Beziehungsmacht aufzubauen, ja und dann müssen wir sie auch nutzen. Es kann durchaus passieren, dass unsere Kinder gar nicht einverstanden sind mit unseren Ideen. Das sollte uns nicht wundern und uns im Normalfall auch nicht vom Weg abbringen. Kinder müssen das Recht haben, ihre Befindlichkeit auszudrücken. Wenn wir ihnen das zugestehen, noch besser, wenn wir sie darin unterstützen, dann können wir die Art, wie das geschieht, beeinflussen. Ein Kind, das keine Lust hat, eine Arbeit zu verrichten, sollte das Recht haben, sein Missfallen angemessen auszudrücken. „Oh, ich sehe, das fällt dir jetzt gerade schwer. Das tut mir leid, aber das muss sein.“ Eine solche Botschaft ist hilfreicher als: „Wieso kannst du nicht ein einziges Mal ‘okay’ sagen? Immer dieses Gemotze.“ Manchen Kindern hilft es, wenn wir ihren Widerstand bereits einplanen und voraussehen. „Es wird dir vielleicht schwerfallen, aber heute musst du alleine kochen. Gib einfach dein Bestes. Ich komme erst um halb eins.“ Ein solches Kind fühlt sich ernst genommen und verstanden. Es ist ja dann immer noch frei zu sagen: „Kein Problem, das mach ich doch gerne…“

Livesendung vom 27. April 2015

b2ap3_thumbnail_Livesendung-27.04.2015.jpg

 

Markiert in:
Weiterlesen
1698 Hits

Info 14-05 "Die geheime Macht der Sorgen - Teil 2"

Die grösste Sorge der Kinder - nein, aller Menschen - ist jene um die Bindungen. Die Frage nämlich: "Gehöre ich dazu? Liebt man mich? Schiebt man mich zur Seite?"

Diese grosse Sorge der Menschen kann man dazu nützen, sie zu steuern: “Wenn du das und das tust bzw. nicht tust, gehörst du dazu, liebt und bewundert man dich usw., andernfalls...” Schon immer lassen und liessen Kinder sich auf diese Weise führen. Wichtig ist und war, dass sie ständig ein bisschen im Zweifel sind, ob sie denn nun wirklich angenommen sind, ob sie wirklich okay sind. Diese Art der Führung gibt es auch in der Wirtschaft. Es ist hilfreich, Menschen dauernd ein bisschen in Sorge um ihren Job zu halten, um Schlendrian vorzubeugen. Man kann auch im Ehepartner den Zweifel säen, ob da nicht eine andere Beziehung sei, um ein wohltuendes Werbeverhalten auszulösen.

Das Risiko dieser Art der Führung ist indes beträchtlich.

Zum einen kippt das “Sich-Mühe-Geben” plötzlich ins Gegenteil. Dem Kind ist es scheinbar egal, wenn sich die Beziehung zu den Eltern verschlechtert oder wenn der Lehrer unzufrieden ist. Der Arbeiter kündigt die Stelle, weil der Druck ihm zu gross wurde.

Zum anderen, und das ist die grosse Unbekannte: Kinder können ihr Potenzial nur entfalten, wenn sie ganz sicher gebunden sind. Wenn sie sich geborgen fühlen und unangefochten in ihrer Stellung. Menschen sind nur dann wirklich kreativ, wenn sie darauf vertrauen, dass sie es sich leisten können zu scheitern. Je unsicherer sie sind, desto mehr gilt ihre Aufmerksamkeit dem Überwinden eben dieser Unsicherheit. Das Vermeiden von Fehlern wird wichtiger als das Erforschen neuer Lernfelder.


Einem Kind das Bewusstsein der bedingungslosen Annahme zu vermitteln, setzt jene wichtige Energie frei, die es braucht zum Reifen und zum Entwickeln eigener Ideen und Pläne.

Talk über das Monatsthema

Livesendung vom 26. Mai 2014

b2ap3_thumbnail_Livesendung-26.05.2014.jpg

Weiterlesen
1900 Hits

Info 13-05 "Dienstleistungen herunterfahren?"

"Ich habe die Dienstleistungen schon ziemlich heruntergefahren, aber es bringt alles nichts." Das sagte letzthin eine Frau zu mir, die nicht verstand, warum ihre Tochter auf Oppositionskurs blieb. "Keine Join-up-Intervention funktioniert." Einmal mehr musste ich an jene Stelle im Buch denken, die man leicht missverstehen kann, und ich nahm mir vor, die Sache im nächsten Rundbrief zu thematisieren. Nun, wann soll man die Dienstleistungen herunterfahren? Dann, wenn ein Kind das Bewusstsein verloren hat, dass es die Eltern braucht, und sich innerlich von den Eltern distanziert hat, wie es oft vorkommt, wenn Kinder gleichaltrigenorientiert sind, wenn Druck und Gegendruck Alltag geworden sind, wenn es Eltern nicht gelingt, mit den Kindern überhaupt ins Gespräch zu kommen, ja, dann kann es sinnvoll sein, ein Zeichen zu setzen. Zum Beispiel so: "Bis wir uns einig sind, wie der Morgen sich abspielen soll, möchte ich dich nicht mehr wecken. Es ist für dich und für mich so nur eine Belastung." Solange aber das Gespräch möglich ist, ist eine solche Massnahme ziemlich sicher kontraproduktiv.

Es ist wichtig, dass wir die Eltern-Kind-Beziehung als Liebesbeziehung wahrnehmen. Wir alle haben ein Gefühl dafür, dass Liebesbeziehungen sich nicht mit gewissen Dingen vertragen. Drohungen zum Beispiel oder gar Ultimaten. Ganz allgemein ist es das Wesen von Liebesbeziehungen, dass es eben keinen Druck braucht. Druck beschädigt die Liebesbeziehung, genau so wie Beschimpfungen und Anklagen. Unter Erwachsenen ist uns das klar, namentlich unter Verliebten. Denken wir aber daran, dass es heute noch Kulturen gibt, wo es üblich ist, Frauen zum Gehorsam zu zwingen. So fremd uns das jetzt ist, so fremd sollte es sein, Kinder zum Gehorsam zu zwingen. Sobald wir uns bewusst sind, dass die Eltern-Kind-Beziehung eine Liebesbeziehung ist, bzw. sein sollte, wird es uns leicht fallen, gewisse Verhalten loszulassen.

Was  ist die Alternative zum Druck? In einer hierarchischen Liebesbeziehung, in einer Join-up-Beziehung also, gibt es sehr wohl Wege, einander zu beeinflussen: Ich gebe Anweisungen, äussere Wünsche, verbiete usw. Das Kind, das in richtiger Weise an mich gebunden ist, wird solches nicht leichtfertig übergehen. Und wenn doch? Ja, dann ist Beziehungsarbeit dran und nicht Druck. Dann ist die zweite Meile* dran und nicht das Herunterfahren der Dienstleistungen.

* siehe Infobrief 13-03

Weiterlesen
2831 Hits

Info 13-03 "Die zweite Meile!"

"Wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann gehe zwei Meilen mit ihm!" Diese Bibelstelle aus dem fünften Kapitel des Matthäus-Evangeliums ist eine von denen, die ich erst seit kurzem in ihrer Tiefe zu verstehen beginne. Erst seit ich mich intensiv damit auseinandersetzte, was es braucht, damit Beziehungen tiefer und fester werden können, statt langsam zu erodieren und im Zerbruch oder in der Gleichgültigkeit zu enden. Es geht in diesem Vers darum, was Beziehungen nährt. Die erste Meile, die ich mit ihm gehe, gibt ihm das, was er - zu Recht oder zu Unrecht - einfordert. Sie nährt die Beziehung nicht, sie verhindert, dass sie sich verschlechtert, und beugt somit allfällige Unannehmlichkeiten vor. Ganz anders die zweite Meile: Sie ist es, die ich freiwillig mitgehe. Sie nährt nicht nur mein Gegenüber, sondern auch mich selber. Dieses Prinzip, das Jesus mit dem Vers vom Rock und dem Mantel unterstreicht, liegt dem Reich Gottes zugrunde. Es ist das Prinzip der unverdienten Gnade, das vielleicht in unseren Kopf passt, aber für unser Herz nur schwer zu fassen ist, es sei denn, wir fangen an, unseren Alltag danach auszurichten. 

Wie oft reagieren wir Eltern auf das, was unsere Kinder fordern, und fühlen uns entsprechend unter Druck oder gar ausgenutzt. Hast du dir schon überlegt, wie es wäre, wenn du deinem Kinde mehr gibst als es einfordert? Wenn du spontan und aus eigenem Antrieb gibst? Einfach, weil du es willst und weil du spürst, wie gut das tut? Wenn du nachfragst, dir Zeit nimmst, bevor dein Kind darum bettelt oder sich resigniert zurückzieht, weil das Betteln so demütigend ist? Hast du dir schon überlegt, wie es sich anfühlen würde, mit deinem Mann oder deiner Frau die zweite Meile zu gehen? Wie könnte das konkret aussehen? Auf jeden Fall würde sich das Reich Gottes dadurch ausbreiten.

Weiterlesen
3634 Hits

Anmeldung

Suchen

Spenden

Betrag eingeben

Joomla Paypal Donations Module
Go to top