Infobriefe

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Info 13-04 "Neid und Eifersucht"

"Meine Kinder streiten viel. Jedes hat das Gefühl, zu kurz zu kommen." Solche Aussagen begegnen mir sehr häufig. Wir haben deshalb am Trainertreffen intensiv über das Phänomen Neid und Eifersucht nachgedacht. Hier ein paar Ergebnisse in Thesenform. Es sind keine gesicherten Erkenntnisse, vergleicht sie mit euren Erfahrungen und steigt ein in die Diskussion darüber in der Live Sendung nächsten Montag und im Facebook.

1. Je "gleicher" die Kinder sind, die zusammen sind, desto eher entwickelt sich Konkurrenz statt Kooperation und desto wahrscheinlicher ist das Auftreten von Neid und Eifersucht. Hört dazu den Bericht von Mirjam im Video.

2. Je sicherer die Bindungen zu den Eltern sind, desto weniger tritt Neid auf, oder umgekehrt: Je mehr Kinder das Gefühl haben, sich die Zuneigung der Eltern durch Wohlverhalten und Leistung sichern zu müssen, desto eher treten Neid und Eifersucht auf.

3. Je grösser das Wir-Gefühl ist, desto weniger tritt Neid auf. "Hilfst du mit? Wir kochen Rogers Lieblingsmenu. Er hat heute einen schweren Tag. Das tröstet ihn."

4. Je unreifer Kinder sind, desto eher neigen sie dazu, auf "Ungerechtigkeit" mit Neid zu reagieren.

5. Ältere Kinder und Erwachsene binden sich oft an Dinge anstatt an Menschen - das ist dann der Nährboden für Neid, Habgier und Ausbeutung. Sichere Bindungen an Menschen und an Gott, Annahme ohne Vorbedingungen bewirken mehr als das Beklagen oder Bekämpfen des Neides und seiner Geschwister.

6. Neid und Eifersucht kennen wir alle. Sprechen wir darüber, damit wir sie als Beziehungsanzeiger lesen lernen und entsprechend reagieren können.

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Info 11-11 "Wenn Remo (3) seine kleine Schwester schlägt und kneift"

Du erinnerst dich an den letzten Infobrief? Dort ging es darum, dass es in einer Krisensituation wenig Sinn macht, erziehen zu wollen. Dort geht es um Schadensbegrenzung. Aber im Einzelfall ist es oft nicht so einfach. Deshalb hier als Beispiel ein solcher Einzelfall: 

Remo (3) hat eben wieder die kleine Jael (halbjährig) gekniffen und geschlagen. Seine Mama kommt dazu. Normalerweise überfallen sie in einer solchen Situation aggressive Gefühle gegen Remo. Vor allem deshalb, weil es in letzter Zeit häufig vorkommt. Je mehr sie versucht, Einfluss zu nehmen, desto schlimmer wird es. Sie weiss ja, dass Schimpfen nichts nützt und deshalb sagt sie nur: "Remo, das tut Jael weh. Du darfst sie nicht plagen." Aber sie spürt, dass das keine Wirkung hat. Oft wiederholt sich das Ganze schon kurz danach. Was könnte sie denn tun? Was können wir ihr aus Sicht der Vertrauenspädagogik raten?

"Deine negativen Gefühle gegen Remo melden sich immer schon, bevor deine fürsorglichen Gefühle für Jael sich melden. Versuche, zuerst die fürsorglichen Gefühle für Jael zu aktivieren. Geh auf sie zu und sage vielleicht: 'Oh, habt ihr Streit gehabt? Wow, das ist traurig. Tut es dir fest weh?! Komm, Mama und Remo trösten dich... arme Jael.' Du hast recht gelesen. Man kann in einem solchen Fall den Aggressor sofort fürs Trösten gewinnen. Remo wird im Normalfall sofort deine fürsorglichen Gefühle aufnehmen und dich beim Trösten unterstützen. Für ein dreijähriges Kind ist das kein Problem. Er liebt Jael ja auch, aber wenn er sich über sie aus irgend einem Grund ärgert, dann verliert er das aus dem Fokus. Wenn du ihn beschimpfst, ruft das natürlich seine Liebe nicht ins Bewusstsein. Wenn du aber fürsorgliche Gefühle für Jael hast und dir über Remos Aggression zunächst keine Gedanken machst, wird die brüderliche Fürsorglichkeit ganz schnell aktiviert. Wenn dann die Kleine getröstet ist und Remo sich freut, dass ihr zwei so gut zusammengewirkt habt, dann ist der Moment gekommen zu fragen: "Was war denn los, Remo?" Dann kann es sein, dass du etwas erfährst, was ihn bewegt hat, sie zu schlagen. Wahrscheinlich weiss er es selber nicht mehr so genau. Dann lass die Belehrungen und sage höchstens: 'Gell, das ist so traurig, wenn du sie schlägst und kneifst.' Seine Zustimmung ist sehr wahrscheinlich." 

Wenn eine Mama so vorgeht, ist die Chance gross, dass sich die Situation bessert. Mir geht aber noch etwas anderes durch den Kopf. Eigentlich sollte die kleine Jael nur ausnahmsweise ausserhalb von Mamas Blickfeld mit Remo zusammen sein. Ihr bester Platz wäre im Tragetuch auf dem Rücken ihrer Mutter oder einer anderen erwachsenen Person. Dort wäre sie nicht immer im Zentrum der Aufmerksamkeit, wäre beim Arbeiten nicht im Weg und wäre gesättigt durch Nähe und Geborgenheit, die beste Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung. 

Und keine Angst, man kann ein Kind so nicht "verwöhnen". Es gibt nie ein Zuviel an Geborgenheit. Wenn Jael auf dem Rücken ist, dann ist vorne der Blick frei für Remo und für die Hausarbeit, die sie zusammen machen können, bevor dann in der Pause alle - gesättigt durch Nähe - eigene Wege gehen können. 

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