Infobriefe

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Info 12-02 "Wie kann man kleine Kinder führen?"

Kleine Kinder sind nicht loyal. Das heisst, sie tun das, was ihnen richtig erscheint. Das ist im Normalfall das, was die Eltern ihnen sagen. Oft aber auch nicht. Wenn man sie bedroht mit Strafen oder eine Belohnung in Aussicht stellt, ändert das für sie in der Regel die Sachlage, und sie verhalten sich wunschgemäss - oder auch nicht. Auf jeden Fall sind sie nicht in der Lage, um deinetwillen ihre eigenen Interessen hintanzustellen - eben loyal sein. Das werden Kinder erst mit etwa drei oder vier Jahren. Leider sind aber in diesem Alter viele Kinder schon so daran gewöhnt auf "Zuckerbrot und Peitsche" zu reagieren, dass die Loyalität gar nicht zum Tragen kommt. Es ist deshalb wichtig, die kleinen Kinder so zu führen, dass sie im Join-up bleiben. 

Wie aber soll man sie denn führen? Viele Eltern alarmieren ihre Kinder, indem sie ein energisches Nein sagen, wenn es etwas tut, was es nicht soll. Das soll einen Lernprozess auslösen. Oft weiss ein Kind dann aber nicht genau, wo das Problem ist. Mehrmalige Versuche des Kindes, Klarheit zu bekommen, was genau denn jetzt mit "nein" gemeint ist, interpretieren die Eltern dann oft als Provokation. "Er weiss genau, dass er die Kerze nicht anfassen darf, aber...". 

Hilfreicher ist es, dem Kind die richtigen Gefühle und Motive zu vermitteln - so quasi induktiv, ähnlich wie ich es beschrieben habe beim Trösten des Opfers im Infobrief 11-11. "Au, schau, diese Kerze darf man nicht herumtragen, sonst läuft der Wachs raus und tut dir weh." Verbunden mit den entsprechenden Gefühlsäusserungen von Besorgtheit um die Kerze und um das Kind, spürt ein Kind, wie kostbar, schön, aber auch gefährlich sie ist, selbst wenn es die Worte noch nicht versteht. Vielleicht darf es die Kerze auch einmal ganz vorsichtig mit dir zusammen halten.

Diese Art der Führung stärkt die Beziehung. Lass auch die Angst los, dass dein Kind gerade die Oberhand gewinnt, wenn du den Gehorsam nicht durchsetzen kannst. Löse dich von der unseligen Idee, "konsequent" sein zu müssen. Oder auch davon, immer sofort eine gute Lösung zu haben. Entspanne dich im Umgang mit deinem Kleinkind. Es ist jederzeit sofort bereit, mit dir über den eben verübten Blödsinn zu trauern. Das ist viel wertvoller als irgendwelche Strafreize zu setzen.

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Info 12-01 "Beziehungsfasten"

Das Wort stammt nicht von mir, und es steht auch nicht im Buch. Aber es gefällt mir. Ein junger Mann, der als Jungschileiter einen Kurs besucht hat, hat es spontan verwendet. Es gefällt mir deshalb, weil man merkt, dass es nicht das selbe ist wie die "Auszeit". Viele Eltern schicken ja ihre Kinder weg, um sie zu bestrafen, wenn sie sich nicht recht benehmen. Beziehungsfasten ist etwas anderes. Hier geht es darum, einem Kind, das im Widerstand ist, bewusst zu machen, dass die Beziehung ihm ja eigentlich etwas bedeutet. Beispiele:

  • Ein Kind, das das Gespräch verweigert, weil es sich der Abhängigkeit nicht mehr bewusst ist.
  • Ein Kind, das nicht motiviert ist, eine Lösung für ein Problem zu finden.

Für so ein Kind kann es sehr hilfreich sein, wenn die Eltern ihre Dienstleistungen und Hilfestellungen herunterfahren, immer aber mit diesen Worten und (!!) Gedanken: "Ich würde dir gerne bei den Hausaufgaben helfen, aber ich möchte, dass wir zuerst das Problem mit dem Facebook so regeln, dass es für beide stimmt." Natürlich muss das alles ehrlich gemeint sein. Also nicht so: "Ich helfe dir erst wieder, wenn du in Sachen Facebook klein bei gibst." Das sieht zwar äusserlich sehr ähnlich aus, ist aber in Wirklichkeit so verschieden wie Tag und Nacht. Ein Kind wird diese Haltung auch dann herausspüren, wenn man VP-Formulierungen gebraucht. So etwa müssten deine Gedanken sein:

  • Ich will wirklich ein Lösung, die auch für mein Kind stimmt. Je tiefer unsere Beziehung ist, desto mehr werden deine Argumente für das Kind Gewicht haben.
  • Meine "Dienstleistungen" sind für mich keine mühsame Pflicht, sondern Dinge, die ich meinem Kind "zu Liebe" tue. Der Verzicht darauf ist auch für mich ein Verzicht.
  • Ich zeige meinem Kind auf anderen Wegen, dass unsere Beziehung stärker ist als alle Schwierigkeiten und dass ich immer auf seiner Seite bin. So vielleicht: "Wir werden eine Lösung finden, aber wir wollen keine Instant-Lösung, die dann niemanden befriedigt."
  • Es ist hilfreich, das Beziehungsfasten nicht stur durchzuziehen. Ein Kind, das merkt, dass die Eltern sich ebenso freuen, bis es vorbei ist, wird in seiner Loyalität gefördert. Es geht eben gerade nicht darum, um jeden Preis konsequent zu sein. Das Kind soll sich nicht deshalb einklinken, weil der Druck zu gross ist, sondern weil es sich bewusst wird, wie wichtig ihm die Beziehung ist und dass es sich lohnt, dafür etwas zu investieren und Kompromisse einzugehen.

Wie du siehst, braucht es fürs Beziehungsfasten eine gewisse Reife. Mit Kindern unter drei bis vier Jahren sollte man grundsätzlich nicht auf Distanz gehen, bzw. sie zur Strafe wegschicken oder gar -sperren, höchstens einmal, um sie vor dem elterlichen Zorn zu schützen und so noch grösseren Beziehungsschaden zu vermeiden. Kleinkinder sind nicht in dem Sinn loyal, dass sie es uns recht machen wollen. Sie bauen unseren Wunsch in ihr Denken ein oder eben nicht, aber sie verzichten nicht aktiv auf etwas, um es uns recht zu machen. Kleine Kinder kann man beeinflussen, wenn sie spüren, dass es uns ernst ist und dass wir auf ihrer Seite sind, auch dann, wenn Kinder quer stehen und zornig sind. Je näher uns die Kinder sind, je tiefer die Bindung ist, desto besser werden sie reifen können. Wenn wir das Vertrauen der Kinder erhalten, bis sie etwa vier sind, beschenken sie uns mit ihrer Loyalität, ein Join-up auf einer neuen Ebene.

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