Infobriefe

Stöbern Sie hier im Archiv unserer Infobriefe. Wenn Sie etwas zu einem bestimmten Thema suchen, dann sind die Briefe einerseits in Kategorien geordnet, andererseits können Sie auch unter "Tags" nach Themeninhalten suchen. Viel Spass!

Info 14-06 "Was ist Qualitätszeit?"

Gehörst du auch zu den Müttern, die schnell ihren Haushalt erledigen, damit sie nachher Zeit haben für ihre Kinder? Vielleicht bist du berufstätig, dann ist die Gefahr noch grösser, dass du dich gedrängt fühlst, für möglichst viel “Qualitätszeit” mit deinen Kindern zu sorgen. Darunter versteht man dann gerne so etwas wie “Freizeit”. Ist das wirklich Qualitätszeit?

Das Wort Qualität macht erst Sinn, wenn wir Kriterien haben. Was meinst du zu diesen? Kinder wollen Zeit verbringen mit den Eltern, und zwar so, dass die Kinder spüren, dass sich die Eltern dabei wohl und entspannt fühlen - was die Beziehung zum Kind angeht. Sie wollen mit den Eltern zusammen Probleme lösen und sich dabei wertvoll fühlen. Sie brauchen eine Atmosphäre, wo es okay ist, Fehler zu machen, darüber zu sprechen und daraus zu lernen. Sie haben eine tief sitzende Erwartung, dass die Eltern ihnen das reale Leben zeigen. Kinder brauchen nämlich die Eltern nicht dazu, ihnen beim Spielen zu helfen oder sie zu unterhalten. Sie brauchen fürs Spielen einzig die Erlaubnis und einen sicheren Rahmen. Es braucht nicht einmal so viele Dinge. Kinder können mit fast nichts spielen, solange sie nicht das Gefühl haben, jemand anders als sie selbst sei für den Spass verantwortlich.

Also: Zusammen das Haus putzen, den Garten jäten, das Auto waschen, den Tiefkühler enteisen oder den Keller aufräumen kann perfekte Qualitätszeit sein, solange das Kind das Gefühl hat, dabei willkommen zu sein. Ein Kleinkind spielt dann vielleicht lieber Lego in der Küche, während du den Kühlschrank reinigst. Ein grösseres hilft nur mit, weil du es sagst. Aber auch das kann Qualitätszeit sein, solange du dem Kind nicht grollst, weil es lieber einen Fussballmatch schauen würde, anstatt mit dir Qualitätszeit zu verbringen... Es ginge so freilich noch besser: “Wollen wir den Match schauen und hier nachher fertig machen?” Wenn dir das so stimmig erscheint, kannst du nächstes Mal, wenn du von der Arbeit kommst, dich getrost mit einem Buch mitten in die Arbeit setzen und warten, bis die Kinder kommen und ein entspanntes Mami in die Arme nehmen können. (Sorry, ihr Männner, bitte passt den Text für euch sinngemäss an!)

Talk über das Monatsthema


Livesendung vom 30. Juni 2014

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Info 14-05 "Die geheime Macht der Sorgen - Teil 2"

Die grösste Sorge der Kinder - nein, aller Menschen - ist jene um die Bindungen. Die Frage nämlich: "Gehöre ich dazu? Liebt man mich? Schiebt man mich zur Seite?"

Diese grosse Sorge der Menschen kann man dazu nützen, sie zu steuern: “Wenn du das und das tust bzw. nicht tust, gehörst du dazu, liebt und bewundert man dich usw., andernfalls...” Schon immer lassen und liessen Kinder sich auf diese Weise führen. Wichtig ist und war, dass sie ständig ein bisschen im Zweifel sind, ob sie denn nun wirklich angenommen sind, ob sie wirklich okay sind. Diese Art der Führung gibt es auch in der Wirtschaft. Es ist hilfreich, Menschen dauernd ein bisschen in Sorge um ihren Job zu halten, um Schlendrian vorzubeugen. Man kann auch im Ehepartner den Zweifel säen, ob da nicht eine andere Beziehung sei, um ein wohltuendes Werbeverhalten auszulösen.

Das Risiko dieser Art der Führung ist indes beträchtlich.

Zum einen kippt das “Sich-Mühe-Geben” plötzlich ins Gegenteil. Dem Kind ist es scheinbar egal, wenn sich die Beziehung zu den Eltern verschlechtert oder wenn der Lehrer unzufrieden ist. Der Arbeiter kündigt die Stelle, weil der Druck ihm zu gross wurde.

Zum anderen, und das ist die grosse Unbekannte: Kinder können ihr Potenzial nur entfalten, wenn sie ganz sicher gebunden sind. Wenn sie sich geborgen fühlen und unangefochten in ihrer Stellung. Menschen sind nur dann wirklich kreativ, wenn sie darauf vertrauen, dass sie es sich leisten können zu scheitern. Je unsicherer sie sind, desto mehr gilt ihre Aufmerksamkeit dem Überwinden eben dieser Unsicherheit. Das Vermeiden von Fehlern wird wichtiger als das Erforschen neuer Lernfelder.


Einem Kind das Bewusstsein der bedingungslosen Annahme zu vermitteln, setzt jene wichtige Energie frei, die es braucht zum Reifen und zum Entwickeln eigener Ideen und Pläne.

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Livesendung vom 26. Mai 2014

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Info 14-04 "Führen ohne Gegnerschaft"

Heute möchte ich uns gerne an einen wichtigen Grundsatz erinnern, der ganz am Anfang stand: Was macht es aus, dass ein Kind sich gerne führen lässt? Erinnere dich an jene Leute, denen du gerne gefolgt bist. Was hat sie ausgezeichnet? Dass sie besonders klug, schön oder jung waren? Nein, es war wahrscheinlich ihre “natürliche Autorität”.

Sie beruht auf zwei grundsätzlichen Faktoren:

1. Du hast das Wohlwollen dieser Person gespürt. Du nahmst sie “auf deiner Seite” wahr.

2. Sie hat geführt. Will heissen, sie war sich ihrer Rolle als Leitungsperson bewusst und hat gesagt, wo es langgeht, ohne sich dabei schlecht zu fühlen. Das ist es, was wir wohl als “natürlich” wahrnehmen. Die Leiterschaft war nicht aufgesetzt, sondern entsprach einer Berufung.

Nun, Eltern sind berufen zu führen. Du brauchst dich also nicht irgendwie komisch zu fühlen, wenn du führst. Deine Kinder sind designed, dir zu folgen.

Wie aber bleibst du auf der Seite des Kindes, wenn du spürst, dass es dem Kind schwerfällt zu folgen? Oder wenn es sich gar offen widersetzt? Wenn du dann in Gegnerschaft oder gar in Feindlichkeit gerätst, wenn du Druck machst, laut wirst, ist das zwar normal, weil es frustrierend ist, wenn Kinder nicht tun, was wir sagen. Gleichzeitig ist es aber genau das, was die Beziehung abbaut.
Überlege, ob dein Kind grundsätzlich im Join-up ist, sonst arbeite an der Beziehung. Wenn du das Gefühl hast, dass die Beziehung eigentlich stimmt, das Kind aber dennoch oft nicht kooperiert, dann wäre vielleicht der folgende Vorschlag für dich hilfreich. 

Versuche deinem Kind bewusst zu machen, dass Führung und Gefolgschaft auch in seinem Interesse ist. Beispiel: “Ich lese aus dem Buch vor. In fünf Minuten fange ich an.” Versichere dich, dass deine Kinder das auch gehört haben und keinen Aufschub wünschen. Fange fünf Minuten später wirklich an, auch wenn noch niemand da ist. “So, ich bin bereits auf der letzten Seite des heutigen Abschnitts. Schade, dass du nicht dabei warst.” - “Aber jetzt komme ich ja nicht mehr nach!? Warum habt ihr nicht gewartet? Das ist gemein!” - “Ich fasse es für dich morgen kurz zusammen, wenn du ein bisschen vor der Zeit kommst.” Je liebevoller und fürsorglicher dieser Satz ist, desto mehr wird ein Kind fühlen, dass das unverdiente Gnade ist. Und desto mehr wird das Kind sich wohl vornehmen, nächstes Mal zur Zeit zu sein. 

Ein Kind zu führen, dient dem Kind, nicht in erster Linie den Eltern. Je mehr das Kindern bewusst ist, desto besser wird sich für sie der Gehorsam anfühlen.

Talk über das Monatsthema


Livesendung vom 28. April 2014

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Info 14-03 "Die geheime Macht der Sorgen - Teil 1"

Eine der edelsten Eigenschaften von uns Menschen ist die Fürsorglichkeit. Es ist der Impuls, für einen anderen Menschen da zu sein. Für jemanden zu sorgen, ist wohl das Erfüllendste, das es gibt. Es bedeutet nämlich, dass ich meinem Nächsten seine Sorgen abnehme. Wenn ich sie auf meine eigenen Schultern lade, haben sie einen völlig anderen Charakter als meine eigenen Sorgen. Ist das nicht etwas Sonderbares und auch Wunderbares?


“Wie soll ich nur…”, sagt jemand, ganz verzweifelt. “Ich kümmere mich darum, ich sorge dafür, dass… “ sagt jemand zu ihm, vielleicht mit einer liebevollen Berührung. Ein solcher Dialog nimmt dem einen die Sorgen ab. Sich um die Probleme eines andern zu kümmern, löst nicht etwa Kummer aus, sondern setzt Energie frei und fühlt sich gut an - es sei denn, ich habe den Mund zu voll genommen und bin plötzlich selber in sorgenvollen Gedanken gefangen. Dann ist es gut, wenn ich weiss, wohin ich mich wenden kann.
Sorgen lähmen, sie beflügeln nicht. Kinder in Sorge zu versetzen ist deshalb das Letzte, was liebende Eltern tun würden, wenn da nicht eine Lebenssituation wäre, die die Eltern ihrerseits mit lähmenden Sorgen erfüllt.
Mama ist besorgt, weil ihr Kind nicht in den Kindergarten will. Das Kind ist voller Sorge darüber, weil es im Kindergarten wieder…
Wenn die Mutter ihrer Fürsorglichkeit folgt, wird sie sich ganz anders fühlen, als wenn ihre eigenen Sorgen sie leiten. Ihre Fürsorglichkeit wird dann vielleicht so aussehen: “Komm, ich begleite dich. Ich wünsche dir, dass du den Mut hast, trotz aller Schwierigkeiten hinzugehen.” Oder auch: “Gehe du heute einmal zu Oma. Ich spreche dann mit Frau Ammann, was man da machen könnte.”
Wenn sie hingegen von ihren eigenen Sorgen beherrscht wird, werden ihre ersten Gedanken vielleicht diese sein: Wie stehe ich da, wenn…? Alle anderen Kinder gehen ja… Was habe ich falsch gemacht?
Welche Schiene wird sie wählen? Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Denkst du auch, dass die Begriffe “Sorgen” und “Vertrauen” für zwei gegensätzliche Lebenskonzepte stehen?  
Übrigens: Ob es um den Kindergarten oder um die Lehr- oder Arbeitsstelle geht, macht letztlich keinen grossen Unterschied.

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Livesendung vom 31. März 2014

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Info 14-02 "Gewalt unter Geschwistern - Strafen Teil 3"

Strafen in der Familie können nur dann hilfreich sein, wenn sie dem Ziel dienen, ein Klima zu schaffen, wo es ein Minimum an Druck, Angst und Sorgen gibt, weil die Würde aller geschützt wird vor verbaler und physischer Gewalt, vor Demütigungen und Ausgrenzungen.
Mit dieser These habe ich den letzten Teil beendet. Davon wollen wir heute ausgehen. Kinder brauchen einen geschützten Raum, deshalb sind Geschwister so geschaffen, dass sie sich gegenseitig lieben und achten. Leider wird dieses Potenzial oft nicht ausgeschöpft. VP versucht, hier Wege zu zeigen: 1. Geschwister sollen hierarchisch zusammenleben, geprägt von Fürsorglichkeit der Älteren und Gehorsam aus dem Vertrauen der Jüngeren. 2. Wir brauchen einen neuen Umgang mit Frustration: Viele Kinder werden ausserhalb der Familie derart mit Frust beladen, dass dieser zu Hause in Form von Geschwisterstreit ausgetragen wird. An dieser Situation lässt sich nur schwer etwas ändern, es sei denn, man sorgt für eine weniger frustrierende Schulsituation. Wenn wir diese Frustration bejahen und als gegeben hinnehmen, können wir anders damit umgehen. Es gilt, Verhalten einzuüben, die unserer Gesellschaft weitgehend fehlen: Aggression zeigen, ohne zu verletzen und somit den Frust den schwächeren Mitmenschen weiterzugeben. Erwachsene wie Kinder können es lernen: Man kann schreien ohne anzuschreien. Man kann Dinge schmeissen oder zerreissen, ohne jemandem damit wehzutun. Wenn Eltern vorangehen, stehen die Chancen gut. Aber es braucht auch einen gewissen Druck, wenn sich hier etwas ändern soll: Wer sich nicht an diese Regel hält, der sollte bestraft werden, so, wie es vereinbart ist, so, wie es alle mittragen können und wollen, und vor allem so, wie ein Kind es ertragen kann, ohne erneut frustriert zu werden. Es braucht aber auch die Bereitschaft zu vergeben, immer wieder neu anzufangen, und es braucht zuerst den Mut zu glauben, dass es anders geht. Nur weil wir uns daran gewöhnt haben, ist ein Übel noch lange nicht unabänderlich.

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Livesendung vom 24. Februar 2014

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Info 14-01 "Soll ich mein Kind strafen? Teil 2"

"Ich habe dich ohne Helm in der Stadt gesehen. Wie muss ich das interpretieren?" - "Wer aus unserer Klasse einen Helm trägt, wird ausgelacht und als Kriecher bezeichnet. Alle haben ihn an der Lenkstange." - "Und du, was denkst denn du?" - "Ich weiss schon, aber..." Dieses Gespräch mit dem Oberstüfler könnte dann in die Frage einmünden: “Was würde dir helfen, auch in der Gruppe das zu tun, was du für richtig hältst?” oder auch “Ich sehe, du schätzest die Gefahren anders ein als Mama und ich, aber du möchtest tun, was wir sagen. Was könnte dir dabei helfen?” Nun könnte man die Helmtragepflicht an eine Abmachung knüpfen: “Wenn du schwach wirst und nicht tust, was du selber okay findest, wird das Velo eine Woche lang aus dem Verkehr gezogen.” Schön wäre es, wenn es dann hiesse: “Meinst du nicht, eine Woche sei etwas viel? Würdest du es schaffen, diese Strafe auszuhalten, ohne Umgehungspläne zu schmieden?” - “Vielleicht wären drei Tage besser - nein, doch eine Woche! Wenn ich den Kollegen sagen kann, dass mir das Risiko zu gross sei, macht es die Sache einfacher.” Ein solcher Dialog ist Ausdruck der Join-up-Beziehung. Wenn das Kind im Widerstand gegenüber seinem Vater wäre, wäre eine solche Strafe ein weiterer Baustein der Gegnerschaft. Deshalb geht es immer zuerst darum, ins Join-up zu kommen.

Diese Abmachung kann ein Argument sein in einem Entscheidungsprozess. Für ein Kind, das sich schlecht steuern kann oder das einem unerträglichen Druck ausgesetzt ist, wäre diese Abmachung unfair und würde die Beziehung gefährden. Deshalb haben wir auch im letzten Infobrief betont, wie heikel es ist, Kleinkinder zu bestrafen. Sie können ihr Verhalten nur sehr beschränkt steuern.

Ich möchte diesen Infobrief schliessen mit der Aussicht auf einen dritten Teil, eine Art These, die wir gerne mit euch Lesern diskutieren würden: Strafen in der Familie können nur dann hilfreich sein, wenn sie dem Ziel dienen, ein Klima zu schaffen, wo es ein Minimum von Druck, Angst und Sorgen gibt, weil die Würde aller geschützt wird vor verbaler und physischer Gewalt, vor Demütigungen und Ausgrenzungen.

Livesendung vom 27. Januar 2014

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Info 13-12 "Soll ich mein Kind strafen? Teil 1"

Gerade in der Weihnachtszeit treffen sich oft Kinder, die sich vielleicht selten sehen, und bleiben erst noch länger wach als üblich. Die neuen Spielsachen machen das Zusammenwirken auch nicht einfacher. Wie schnell kommt es da zum Streit, und wir Erwachsenen kommen unter Druck zu reagieren.
Nachdem Weihnachten jetzt ja vorbei ist, haben wir Zeit darüber nachzudenken, und wie immer geht es darum zu verstehen, statt zu urteilen.
Bei Vorschulkindern gibt es meistens dann Probleme, wenn die Hierarchie nicht klar ist. Das ist bei Gleichaltrigen fast vorprogrammiert. Ob sich ein Kind gut einem älteren unterordnen kann, hängt ganz fest davon ab, wie das ältere Kind seine Rolle wahrnimmt. Wenn es mit dem Widerstand des kleineren rechnet und sich schnell mit Machtmitteln durchzusetzen sucht, wird es eher zu Konflikten kommen. Je klarer das ältere führen kann ohne gegnerisch zu werden, desto eher wird sich das jüngere unterordnen können ohne sich dabei schlecht zu fühlen. Manchmal geschieht das aus vielerlei Gründen trotzdem nicht und das kleinere setzt sich mit Schlägen durch. Diese kindlichen Verhalten sind in der Regel spontan und nicht die Folge einer kindlichen Überlegung. Die Aussicht auf eine Strafe hat deshalb wenig Einfluss auf die Entscheidungen.
Die wohl einzige “Strafe”, die in solchen Situationen Sinn macht, ist das vorübergehende Trennen der Kinder. Wichtig ist es, auf der Seite des Kindes zu bleiben und ihm zu helfen, das Geschehene richtig einzuordnen. “Bist du so wütend geworden….?” Je nachdem kann man nach kurzer Zeit einen neuen Anlauf nehmen. Kinder sind dann auch schnell dafür zu gewinnen, die Hand zu reichen und zu vergeben. Dann brauchen sie vielleicht ein bisschen Hilfe, damit das Spiel von Fürsorglichkeit und Unterordnung funktioniert. Vielleicht braucht es deine Autorität als Unterstützung: “Du darfst zuschauen, du musst das Büchlein halten. So geht es.”
Wenn keine Erwachsenen da sind, lösen Kinder solche Konflikte oft gut selber, vielleicht deshalb, weil sich das ältere Kind freier fühlt sich durchzusetzen. Wenn wir aber da sind, dann erwarten die Kinder zu Recht, dass wir für Gerechtigkeit sorgen.
Bei älteren Kindern sieht die Sache anders aus. Darüber wollen wir in einem späteren Infobrief nachdenken.

Talk über das Monatsthema

Livesendung vom 30. Dezember 2013

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Info 13-11 "Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen"

Eine der spassigen Ausflüchte für uns alle, die wir im stetigen Kampf stehen gegen die Überflutung mit Gegenständen. Es gibt eine seltsame Gesetzmässigkeit, dass ich eine Bindung eingehe mit Dingen, die ein paar Aufräumaktionen überstehen, wie wenn sie sagen würden: “Hallo, wieso darf ich nicht da bleiben? Ich liege hier ja schon seit Wochen!!” Irgendwie fallen sie mir auch nicht mehr auf.

Viele Kinder haben ein Problem mit der Fülle ihrer Spielsachen und Fundgegenstände. Wie schön, wenn sie Dingen Sorge tragen, aber es gibt auch ein Zuviel. Wieso nicht wie ein Museum verfahren, wo es ein Lager gibt und rollende Ausstellungen? In Montessori-Einrichtungen gilt das Prinzip bis heute: Versorge ein Material, ein Spiel oder was auch immer, bevor du ein neues zur Hand nimmst. Beachtet dazu auch den Abschnitt im Buch im Kapitel 5.2. (Kooperation durch Kompensation) und das Vorher-Video, das wir damals mit dieser Familie produzierten, nachgestellt zwar, aber 1 : 1 aus dem Leben gegriffen.

Josias Kolonnen

Ein paar Stichwörter, die wir im Talk diskutieren wollen: Ordnung ist nicht einfach etwas, was die einen brauchen, die andern nicht. Sie ist ein kulturelles Grundbedürfnis. Ohne Ordnung gibt es keine Schönheit. Die Ordnung oder die Unordnung um uns herum hat einen enormen Einfluss auf uns. Sie ist gewissermassen ansteckend. Wie traurig, dass das Wort “aufräumen” für viele Kinder einen so bedrohlichen Klang hat, obwohl der Wille zur Ordnung jedem Kind angeboren ist. Wer zum Beispiel hat Josia das beigebracht (vgl. oben)?
Was können wir als Eltern tun? Lieber täglich aufräumen als wöchentlich. Lieber zusammen mit andern als allein. Je weniger Dinge es sind, desto schneller sind sie versorgt.

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Livesendung vom 25. November 2013

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Info 13-10 "Wenn Kinder Eltern schlagen"

Es gibt grundsätzlich zwei völlig verschiedene Motive, Eltern und andere Erwachsene zu schlagen. Da ist zunächst das häufige Beschimpfen oder Schlagen der Eltern aus Wut und Verzweiflung und zum andern das Schlagen aus Übermut bzw. aus Spass. Diese beiden Phänomene sind zwar äusserlich irgendwie ähnlich, ab er es wäre fatal, sie zu verwechseln. So wenig wie man einen übermütigen Autofahrer, der sich freut über die Bodenhaftung seiner neuen Reifen und deshalb um die Mittelstreifen Slalom fährt, mit einem andern verwechseln sollte, der sein Auto nicht mehr kontrollieren kann. Den ersteren kann man zurechtweisen. Je ärgerlicher und schwächlicher (siehe Video) man das tut, desto eher wird es sich wiederholen - es sei denn, man macht so viel Druck, dass es sofort aufhört. Beim zweiten müsste man über die Ursachen nachdenken.

Kinder im Übermut kontrollieren sich nicht, sondern verlieren sich - so quasi spasseshalber - in einem unangemessenen Verhalten. Hier gilt es klar zu machen - aber eben nicht in einer ablehnenden oder feindlichen Haltung - dass wir das nicht mögen. Viele Erwachsene tolerieren unangebrachtes Verhalten von Kindern aus falsch verstandener Liebe. Andere stoppen es in feindlicher Weise und können so in einem Kind viel Frustration und auch Aggression auslösen, da es sich falsch verstanden fühlt. Nicht selten wird so aus dem Schlagen aus Übermut ebensolches aus Wut. Alles klar? Nein? Nun, dann geht es dir wie mir. Übermut ist ein sehr schwer zu verstehendes Phänomen. Gut, wenn wir einmal darüber ins Gespräch kommen.

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Livesendung vom 28. Oktober 2013

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Info 13-09 "Und wenn mein Kind nein sagt?"

Das Monatsthema bewege ich schon seit einiger Zeit. Darf man anordnen, befehlen, fordern? Ist das dann noch VP? Ja, sicher! Was tut ein Reiter auf einem Pferd anderes? Die Frage stellt sich anders: Was ist die Grundlage des Gehorsams? Ist es die Furcht deines Kindes vor deinem Zorn, wenn es nicht gehorcht? Wenn es seine simple Antwort ist auf deine fürsorgliche Alpha-Ausstrahlung, dann bist du auf dem richtigen Weg. Wie ein Geschenk des Himmels kam mir deshalb der folgende Forumseintrag vor:

Ich habe meinen Alltag besser strukturiert, habe feste Zeiten für Basteln, Hausarbeit, Kochen, Spielplatz, Spaziergang usw.
Strukturen schaffen Sicherheit für alle.

Das machen wir jeweils zusammen.

So verringert sie den Gegenwillen und bleibt doch im Alpha.

Zudem habe ich mein Verhalten soweit geändert, dass, auch für mich, die Rollenklarheit besser spürbar ist. Ich frage nicht immer bei den Kindern nach sondern bestimme den Tagesablauf, oder den Ablauf vom Einkauf o.ä. Unbewusst hat sich das nämlich stark eingebürgert bei mir:  weil ich freundlich sein will, frage ich… Jetzt weiss ich, ich kann auch freundlich sein, wenn ich bestimme… Ich bleibe auch klar dran, wenn’s mal eine Situation gibt, wo ich das Verhalten meiner Kinder nicht gutheisse. So gibts zwar kurz es “Gstürm” (berndeutsch für grosse Aufregung), aber sie merken, dass ich das ernst meine und richten sich meistens sofort danach.

Ich glaube die "Führung" ist jetzt klarer, und sie können sich mir so auch besser anschliessen… Weiss nicht, ob das jetzt alles VP ist, aber ich fühle mich so besser und die Kinder sind auch weniger "aufmüpfig".

Und ob das VP ist! Kinder brauchen Führung, aber eine, die sie nicht gegnerisch wahrnehmen, sondern als Führung von jemandem, der auf ihrer Seite ist, der für sie ist, auch und gerade dann, wenn es nicht rund läuft.

Wenn Kinder dann trotz klarer, liebevoller Führung nicht gehorchen können oder wollen, dann ist es Zeit, den eigenen Frust wahrzunehmen, innezuhalten und nachzufragen, statt Druck zu machen.

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Livesendung vom 30. September 2013

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ein spannendes und brisantes Thema. Der Videocast hat mir gefallen, allerdings geht es im Leben ja manchmal auch um andere Dinge a... Read More
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admin
Wenn wir die Zusammenarbeit der Kinder wirklich brauchen, dann ist Erntezeit. Das Säen geschieht dann, wenn wir nicht auf sie ange... Read More
Samstag, 19. Oktober 2013 20:58
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Info 13-08 "Zu sich selber stehen"

Ich bin auf der Rückfahrt von Parksville nach Vancouver, von wo ich morgen zurück in die Schweiz fliege. Vor allem aber bin ich am Verdauen des Intensivkurses III mit Gordon Neufeld. Das Thema waren diesmal nicht so sehr die Kinder, sondern wir als Erwachsene. Was liegt also näher, als das in diesem Infobrief zum Thema zu machen!

Eltern, die VP umsetzen wollen, klagen immer wieder etwa darüber, dass sie in gewissen Situationen wütend werden, herumschreien und manchmal sogar Lust haben, die Kinder zu schlagen. Passiert dir das auch? Dabei hast du dir vorgenommen, sie auch dann zu lieben, wenn sie sich daneben benehmen, mit den Geschwistern streiten usw. Mit uns selber sind wir vielleicht viel weniger barmherzig. Wir sind versucht, unsere Gefühle zu verbergen - vielleicht sogar vor uns selber, so nach der Devise, dass es nicht gibt, was es nicht geben darf.

Denken wir aber daran, dass unsere Kinder wohl nie so ganz glauben werden, dass sie mitsamt ihren üblen Seiten angenommen sind, wenn sie spüren, dass wir Erwachsene die Augen vor unseren Schattenseiten verschliessen. Es geht nicht darum, alles gutzuheissen, was in mir ist, aber es am Licht zu halten und barmherzig damit umzugehen. “Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat”, fordert uns Paulus im Römerbrief auf - da gehören auch wir selber dazu. Je besser wir als Erwachsene Wege finden, zu uns selber zu stehen, desto eher werden Kinder Vertrauen fassen, dass sie unsere Annahme weder verdienen können noch müssen.

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Livesendung vom 26. August 2013

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Marion
Lieber Heinz, lieber Beat, danke für diesen Input und die hilfreiche Live-Sendung heute. Darum heisst es wohl auch Erziehen und ni... Read More
Montag, 26. August 2013 19:53
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Auf dem Hintergrund dieses Infobriefs möchte ich kurz ein Erlebnis weitergeben.Meine älteste Tochter (8J) hat eine geniale Fähigke... Read More
Mittwoch, 11. September 2013 08:34
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Unsere Kinder anzunehmen wie sie sind, wenn wir uns nicht angenommen haben, ist so effektiv, wie wenn wir versuchen, unseren Sch... Read More
Freitag, 13. September 2013 21:17
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Info 13-07 "Wer die Wahl hat, hat die Qual!"

Kennst du jenen Werbeclip, der beschreibt, wie schwierig es heute sein kann, einen Kaffee zu bestellen? Nein? Dann schau dir vielleicht dieses Video auf YouTube an. Jetzt ahnst du, wie es meinem dreieinhalbjährigen Enkel letzte Woche ging. Wir waren im Spieleland bei Ravensburg und er auf jenem Karussell, wo Kinder die Gelegenheit haben, auf ein Dutzend verschiedener Tiere zu klettern, die dann im Kreis herumfahren. Er stand also da und konnte sich nicht entscheiden. Alle warteten ungeduldig, bis er soweit war. Es war nicht schwer, seine Gedanken zu lesen: “Wenn ich jetzt auf eine Gans klettere, dann verpasse ich alle andern Tiere!” Er konnte ja nicht wissen, dass wir bereit waren zu warten, bis er wirklich satt war vom Karussell Fahren. Du kennst diese Situation sicher aus eigener Erfahrung: Die moderne Multioptionalität ist auch für uns Erwachsene keine Bereicherung mehr, sondern oft ein Energiefresser. Die Produkte sind so vielfältig, dass sie kaum noch vergleichbar sind.

Muss das schon für Kinder so sein? Ich möchte in diesem Zusammenhang eine Diskussion anstossen. Ich vermute, dass Kinder schneller und besser lernen würden, unabänderliche Dinge hinzunehmen und sich in elterliche Entscheide zu schicken, wenn man ihnen generell weniger Optionen anbieten würde. Also weniger Auswahl an Spielsachen, Speisen und Getränken oder möglichen Unternehmungen. Und wenn eine Auswahl, dann nur zwei Dinge.

Dann wären vielleicht weniger verschiedene Speisen auf dem Tisch und viele Spielsachen müssten warten, bis wieder ihre Woche dran ist. Es würde vielleicht heissen: “Wir gehen einkaufen. Kommst du mit oder ohne Freude mit?” - "Ohne!” - "Oh, das tut mir leid für dich.” Jetzt braucht es meist ein bisschen Zeit - kein gut gemeintes Zureden - bis das Kind den Anpassungsprozess durchlaufen hat und dann meist frohen Mutes dabei ist.

“Genau so ist es!", sagte eben eine Probeleserin. "Wir haben in den Ferien mit einem einzigen Säcklein Lego mehr Spass gehabt als mit der grossen Legokiste zu Hause!” Manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

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Barbarella071
Weniger ist mehr Oder wer die Wahl hat, hat die Qual, spannendes Thema, danke Heinz, dass du immer wieder Worte findest für aktuel... Read More
Montag, 29. Juli 2013 11:26
Barbarella
mia schrieb im Forum:"hab grad den Infobrief gelesen...Viel Auswahl zu haben ist heraufordernd.. Ich möchte noch eine Beobachtung ... Read More
Freitag, 02. August 2013 08:06
Barbarella
Ein Zeitungsartikel zum Thema: https://docs.google.com/document/d/1N0KVVUizPwsOshl_Rf-kU23jit08KlDDSjflIKLSyXc/edit
Montag, 07. Oktober 2013 12:27
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Info 13-06 "Umarme keinen Kaktus!"

Jugendliche zwischen 13 und 16 sind oft so ausgeglichen wie ein Jojo und so zugänglich wie ein Kaktus. Wie sollen Eltern jetzt mit ihren Kindern klarkommen? Dieser Satz aus der Werbung für das bekannte Buch von Claudia Arp "Und plötzlich sind sie 13 oder Die Kunst, einen Kaktus zu umarmen" beschreibt viele Jugendliche perfekt. Es stimmt, dass Jugendliche unausgeglichen sind. Aber sie sind nicht notwendigerweise abweisend gegenüber den Eltern. Auch Jugendliche können in einer wunderbaren Join-up-Beziehung mit ihren Eltern leben, solange sie sich auch als unausgeglichene Wesen angenommen und respektiert fühlen. Wir alle sind manchmal in diesem unausgeglichenen Zustand. Wir alle sind manchmal dünnhäutig und gereizt. Jetzt kommt es darauf an, ob der Friede in der Familie von der Menge des Wohlverhaltens abhängt oder von der Menge der Gnade und Barmherzigkeit. Oder anders gesagt: Beruht unser Friede darauf, dass alle immer gut drauf sind, oder beruht er darauf, dass wir entschlossen sind, einander zu ertragen, wenn es uns schlecht geht?

Wenn Jugendliche diese Annahme spüren, dann sind sie vielleicht trotzdem unausgeglichen wie ein Jojo, aber sie werden nicht zum Kaktus. Jugendliche brauchen genauso viel Wärme und Annahme wie Kinder und Erwachsene. Viele sind unter enormem Druck der Gleichaltrigen und weisen Umarmungen deshalb ab. Aber sie geniessen die Momente der Nähe zu dir umso mehr.

Es ist eine Zeit der Selbstfindung. Manche wollen wissen, ob sie auch geliebt sind, wenn sie anderer Meinung sind als die Eltern. Und auch dann, wenn sie nicht mehr so lieb und hilfsbereit sind. Sie wollen wissen, ob die Eltern auch dann auf ihrer Seite sind, wenn sie schräge Dinge tun. Je sicherer Jugendliche an die Eltern gebunden sind, desto weniger w erden sie diese Versicherungen nötig haben. Alle aber müssen herausfinden: "Lese ich selber gerne oder tue ich es nur, weil Mami das so toll findet?" "Bin ich eigentlich selber für den Umweltschutz oder laufe ich einfach meinen Eltern hinterher?" Wenn sie dann plötzlich andere Meinungen vertreten, dann begreife das aus diesem Prozess heraus. Je weniger du sie auf den "richtigen" Kurs zurück zwängen willst, desto früher werden sie sich zu eigen machen, worin sie geprägt wurden. Oder aber - und betrachte das als Chance - sie zeigen dir, dass manche Prägung es nicht wert ist, übernommen zu werden (davon aber mehr im nächsten Infobrief).

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Info 13-05 "Dienstleistungen herunterfahren?"

"Ich habe die Dienstleistungen schon ziemlich heruntergefahren, aber es bringt alles nichts." Das sagte letzthin eine Frau zu mir, die nicht verstand, warum ihre Tochter auf Oppositionskurs blieb. "Keine Join-up-Intervention funktioniert." Einmal mehr musste ich an jene Stelle im Buch denken, die man leicht missverstehen kann, und ich nahm mir vor, die Sache im nächsten Rundbrief zu thematisieren. Nun, wann soll man die Dienstleistungen herunterfahren? Dann, wenn ein Kind das Bewusstsein verloren hat, dass es die Eltern braucht, und sich innerlich von den Eltern distanziert hat, wie es oft vorkommt, wenn Kinder gleichaltrigenorientiert sind, wenn Druck und Gegendruck Alltag geworden sind, wenn es Eltern nicht gelingt, mit den Kindern überhaupt ins Gespräch zu kommen, ja, dann kann es sinnvoll sein, ein Zeichen zu setzen. Zum Beispiel so: "Bis wir uns einig sind, wie der Morgen sich abspielen soll, möchte ich dich nicht mehr wecken. Es ist für dich und für mich so nur eine Belastung." Solange aber das Gespräch möglich ist, ist eine solche Massnahme ziemlich sicher kontraproduktiv.

Es ist wichtig, dass wir die Eltern-Kind-Beziehung als Liebesbeziehung wahrnehmen. Wir alle haben ein Gefühl dafür, dass Liebesbeziehungen sich nicht mit gewissen Dingen vertragen. Drohungen zum Beispiel oder gar Ultimaten. Ganz allgemein ist es das Wesen von Liebesbeziehungen, dass es eben keinen Druck braucht. Druck beschädigt die Liebesbeziehung, genau so wie Beschimpfungen und Anklagen. Unter Erwachsenen ist uns das klar, namentlich unter Verliebten. Denken wir aber daran, dass es heute noch Kulturen gibt, wo es üblich ist, Frauen zum Gehorsam zu zwingen. So fremd uns das jetzt ist, so fremd sollte es sein, Kinder zum Gehorsam zu zwingen. Sobald wir uns bewusst sind, dass die Eltern-Kind-Beziehung eine Liebesbeziehung ist, bzw. sein sollte, wird es uns leicht fallen, gewisse Verhalten loszulassen.

Was  ist die Alternative zum Druck? In einer hierarchischen Liebesbeziehung, in einer Join-up-Beziehung also, gibt es sehr wohl Wege, einander zu beeinflussen: Ich gebe Anweisungen, äussere Wünsche, verbiete usw. Das Kind, das in richtiger Weise an mich gebunden ist, wird solches nicht leichtfertig übergehen. Und wenn doch? Ja, dann ist Beziehungsarbeit dran und nicht Druck. Dann ist die zweite Meile* dran und nicht das Herunterfahren der Dienstleistungen.

* siehe Infobrief 13-03

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Info 13-04 "Neid und Eifersucht"

"Meine Kinder streiten viel. Jedes hat das Gefühl, zu kurz zu kommen." Solche Aussagen begegnen mir sehr häufig. Wir haben deshalb am Trainertreffen intensiv über das Phänomen Neid und Eifersucht nachgedacht. Hier ein paar Ergebnisse in Thesenform. Es sind keine gesicherten Erkenntnisse, vergleicht sie mit euren Erfahrungen und steigt ein in die Diskussion darüber in der Live Sendung nächsten Montag und im Facebook.

1. Je "gleicher" die Kinder sind, die zusammen sind, desto eher entwickelt sich Konkurrenz statt Kooperation und desto wahrscheinlicher ist das Auftreten von Neid und Eifersucht. Hört dazu den Bericht von Mirjam im Video.

2. Je sicherer die Bindungen zu den Eltern sind, desto weniger tritt Neid auf, oder umgekehrt: Je mehr Kinder das Gefühl haben, sich die Zuneigung der Eltern durch Wohlverhalten und Leistung sichern zu müssen, desto eher treten Neid und Eifersucht auf.

3. Je grösser das Wir-Gefühl ist, desto weniger tritt Neid auf. "Hilfst du mit? Wir kochen Rogers Lieblingsmenu. Er hat heute einen schweren Tag. Das tröstet ihn."

4. Je unreifer Kinder sind, desto eher neigen sie dazu, auf "Ungerechtigkeit" mit Neid zu reagieren.

5. Ältere Kinder und Erwachsene binden sich oft an Dinge anstatt an Menschen - das ist dann der Nährboden für Neid, Habgier und Ausbeutung. Sichere Bindungen an Menschen und an Gott, Annahme ohne Vorbedingungen bewirken mehr als das Beklagen oder Bekämpfen des Neides und seiner Geschwister.

6. Neid und Eifersucht kennen wir alle. Sprechen wir darüber, damit wir sie als Beziehungsanzeiger lesen lernen und entsprechend reagieren können.

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Info 13-03 "Die zweite Meile!"

"Wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann gehe zwei Meilen mit ihm!" Diese Bibelstelle aus dem fünften Kapitel des Matthäus-Evangeliums ist eine von denen, die ich erst seit kurzem in ihrer Tiefe zu verstehen beginne. Erst seit ich mich intensiv damit auseinandersetzte, was es braucht, damit Beziehungen tiefer und fester werden können, statt langsam zu erodieren und im Zerbruch oder in der Gleichgültigkeit zu enden. Es geht in diesem Vers darum, was Beziehungen nährt. Die erste Meile, die ich mit ihm gehe, gibt ihm das, was er - zu Recht oder zu Unrecht - einfordert. Sie nährt die Beziehung nicht, sie verhindert, dass sie sich verschlechtert, und beugt somit allfällige Unannehmlichkeiten vor. Ganz anders die zweite Meile: Sie ist es, die ich freiwillig mitgehe. Sie nährt nicht nur mein Gegenüber, sondern auch mich selber. Dieses Prinzip, das Jesus mit dem Vers vom Rock und dem Mantel unterstreicht, liegt dem Reich Gottes zugrunde. Es ist das Prinzip der unverdienten Gnade, das vielleicht in unseren Kopf passt, aber für unser Herz nur schwer zu fassen ist, es sei denn, wir fangen an, unseren Alltag danach auszurichten. 

Wie oft reagieren wir Eltern auf das, was unsere Kinder fordern, und fühlen uns entsprechend unter Druck oder gar ausgenutzt. Hast du dir schon überlegt, wie es wäre, wenn du deinem Kinde mehr gibst als es einfordert? Wenn du spontan und aus eigenem Antrieb gibst? Einfach, weil du es willst und weil du spürst, wie gut das tut? Wenn du nachfragst, dir Zeit nimmst, bevor dein Kind darum bettelt oder sich resigniert zurückzieht, weil das Betteln so demütigend ist? Hast du dir schon überlegt, wie es sich anfühlen würde, mit deinem Mann oder deiner Frau die zweite Meile zu gehen? Wie könnte das konkret aussehen? Auf jeden Fall würde sich das Reich Gottes dadurch ausbreiten.

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Info 13-02 "Eine gute Investition!"

"Wann thematisierst du wieder einmal etwas für ältere Kinder?", fragte mich kürzlich eine Frau. "Unsere Kinder sind Teenies!" Hier also ein Thema, das für uns alle ist, Erwachsene inklusive - und es geht an den eigentlichen Kern von VP heran: Wenn wir Menschen führen wollen, dann müssen wir in die Beziehung investieren. Unser Ziel darf es also nicht länger sein, das Verhalten unseres Kindes zu beeinflussen, sondern die Beziehung zum Kind zu vertiefen.

Heute Morgen hat mich Tabea Lüthi angesprochen und mir von einer faszinierenden Erfahrung berichtet. Und zwar hat ihre VP Gruppe - inspiriert durch die Lektüre des Buches von Gordon Neufeld - versucht, den Tag auf eine neue Weise zu starten. Anstatt die Kinder zu wecken, sie gleich anzuleiten, anzuspornen oder gar anzutreiben, sich einfach einmal Zeit nehmen für das Kind, so quasi bevor noch der Tag mit seinen Anforderungen beginnt. Dies, um die Beziehung statt die Anweisungen in den Vordergrund zu stellen. Wie genau das zu und her ging, erzählt uns Tabea in unserem aktuellen Vidocast, den ihr unten anklicken könnt.

Bei älteren Kindern ist das vielleicht nicht eins zu eins zu übernehmen, aber auch hier gilt: Es ist viel besser, die Energie in die Beziehungspflege zu investieren, als in die Steuerung der Kinder. Wenn sie im Join-up sind mit uns, wird Gehorsam sich für sie gut anfühlen, ja und sie werden auch mal etwas tun, wozu sie gar keine Lust haben, einfach "weil du es bist". Das gleiche gilt auch in der Ehe. Was investieren Eheleute doch manchmal in lange Auseinandersetzungen, wo jedes die eigenen Bedürfnisse kommuniziert und den Frust darüber, dass der Partner oder die Partnerin diese meine Bedürfnisse zu ignorieren scheint. Wie wäre es mit einer unerwarteten Einladung zu einem Nachtessen zu zweit? Wie wäre es mit dem Erfüllen eines längst weggesteckten Wunsches? Kleine Zeichen wirken manchmal Wunder. Auch eine gute Gebetszeit miteinander. Es reicht ja nicht, die gegenseitigen Bedürnisse zu kennen, es braucht auch den tiefen Wunsch, diese über die eigenen zu stellen, und den kann man nicht herbeidiskutieren. Er ist immer ein Geschenk.

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Info 13-01 "Verwöhnen ist nicht gleich Verwöhnen"

Die Erziehung ohne Zuckerbrot und Peitsche ist nicht immer einfach. Was machen wir denn, wenn ein Kind uns nicht gehorcht? Es einfach lassen? Hat das keine Konsequenzen? Die skeptischen Blicke von anderen Eltern, Freunden und Verwandten sind uns gewiss. Der Vorwurf, wir würden unsere Kinder verwöhnen, wird bald laut. Tatsache ist, dass wahrer Gehorsam aus dem tiefen Herzen heraus eine Frage der Beziehung und der Reifung ist. Ein Kind wächst in den Gehorsam hinein, wenn es eine tiefe Beziehung zu den Eltern hat (oder einfach: wenn es im möglichst dauerhaften Join-up ist) und wenn es verständiger geworden ist und gelernt hat, wie bedeutsam Gehorsam ist. Von deiner Seite her sind zwei Dinge notwendig:

  1. Liebe und - als besondere Form davon - Geduld
  2. Gespräche mit dem Kind über den Gehorsam, bei denen du das Kind coachst darüber, wie wichtig Gehorsam ist. Besprich auch Situationen, in denen es mit dem Gehorchen nicht so geklappt oder eben geklappt hat.Bedenke dabei aber, dass möglichst viel Freiraum für das Kind hilfreich ist, um selbständig zu werden. Gib also keine Anweisungen, die nicht zwingend nötig sind.

Bis dein Kind so reif ist, dass du es über Gehorsam unterrichten kannst, lass es möglichst gar nicht zum Ungehorsam kommen. Dabei reicht es meist aus, dass du sicher führst und dass die Frage, wer wen braucht, geklärt ist.In Fällen, in denen das nicht ausreicht, ist es schön, wenn du so kreativ bist, dass es gar nicht zur Auseinandersetzung kommt. Das Kind lässt die teure Vase nicht in Ruhe? Stell sie auf einen Schrank. Dein kleiner Schatz kommt nicht, wenn du zum Essen rufst? Schau, was er gerade macht, bestimmt ist er total ins Spiel vertieft und sieht die Notwendigkeit zum Essen nicht. "Bis du den Legoturm fertig gebaut hast, können wir schon noch warten." Es ist nicht nötig, nun ernst und streng zu werden. Im Gegenteil: Je seltener du für dein Kind als "Gegnerin oder Gegner" auftrittst, desto früher wird reifer, echter und freiwilliger Gehorsam die Frucht davon sein.

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Info 12-12 "Grenzen setzen - aber wie? Teil 4"

meine!

"Mami, spielst du mit mir Uno?" – eine alltägliche Frage, vielleicht auch in deinem Leben. Die Gedanken, die dir dabei kommen, sind indes hoch interessant. Vielleicht sagst du "ok" und spielst mit, obwohl es dir stinkt und du eigentlich viele Dinge vor dir herschiebst. Vielleicht ist die Frage aber auch eine willkommene Ablenkung von lästigen Pflichten. In beiden Fällen kann es sein, dass du zwar mitspielst, aber nur mit halbem Herzen und entsprechend wenig Begeisterung. Dein Kind wird das wahrnehmen und vielleicht in einen unangenehmen Zustand kommen, der zum einen deine Beklemmung spiegelt und zum andern sich etwa so anfühlt: "Mami spielt jetzt zwar mit mir, und ich sollte doch jetzt glücklich sein, aber irgendwie ist es doch nicht schön." Und es sieht keine Möglichkeit, an der Situation etwas zu ändern. Viele Kinder sind in solchen Situationen frustriert und reagieren plötzlich aggressiv. Das wiederum ärgert dich, und du sagst dir: "Da nehme ich mir Zeit, und dann wird man auch noch angemotzt. Mein Kind sollte jetzt doch dankbar und glücklich sein, wenn ich mich schon opfere." Und du nimmst dir vielleicht vor oder sagst es laut: "Das nächste Mal kannst du Uno spielen mit wem du willst!" Wie befreiend wäre dazu im Vergleich die folgende Antwort gewesen: "Oh, tut mir leid, jetzt habe ich gerade den Kopf so voll von andern Dingen. Da wäre ich ein übler Spielkamerad." Meine Enkel zum Beispiel haben erstaunlich viel Verständnis dafür, dass ich lieber Klavier als Playmo spiele. Ich habe mich entschieden, nur noch mit ihnen zu spielen, wenn ich ein ganzes Ja dazu finde. Manchmal muss ich mir zwar einen kleinen Schupf geben... Du weisst schon, wie ich es meine. Was dieser Gedanke mit Weihnachten zu tun hat, werden wir im Video thematisieren.

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Info 12-11 "Grenzen setzen - aber wie? Teil 3"

Eine Grenze gesetzt zu bekommen, ist für uns alle immer wieder frustrierend. Unsere Pläne werden durchkreuzt. Auch Kinder haben ihre Pläne und Absichten. Sie zu durchkreuzen sollte für uns nicht Routine sein. Je tiefer die Bindung des Kindes an uns ist, desto eher lassen Kinder das zwar zu, aber wir alle sollten die Zahl solcher Aussensteuerungen auf ein Minimum beschränken. Wenn wir das im Gefühl tun, vom Kind ein Opfer zu verlangen, und dieser Gedanke unseren Tonfall prägt, wird das deinem Kind nicht entgehen. "Tut mir wirklich leid für dich, aber jetzt müssen wir gehen." Es hat die Chance, seinen Gehorsam als "Verzichtsleistung" zu begreifen anstatt als Niederlage. 

Erkenne umgekehrt, wenn du dich gedrängt fühlst, dich durchzusetzen, dich auf einen Machtkampf einzulassen, weil du Angst hast, die Kontrolle zu verlieren. 

Rituale sind so hilfreich. Ein Kind, das weiss, dass es Nachtessen gibt, wenn der sechs Uhr Bus um die Ecke fährt, braucht nicht herbeigepfiffen zu werden. Es kommt, weil es seine eigenen Pläne dieser Struktur anpassen konnte. Besprich doch den Tagesablauf immer wieder mit deinen Kindern. Je mehr sich Kinder mit den Strukturen identifizieren, desto leichter fällt es ihnen, sich darauf einzustellen. Nimm möglichst jene Dinge weg, die von aussen eure Abläufe beherrschen wollen. Ein DVD-Player z. B. zeigt seine Geschichten, wann ihr es wollt. Beim Fernseher ist es umgekehrt.

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