Bruno Bettelheim

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7 Jahre 3 Monate her #5303 von schbananas
Frage
Ich lese gerade ein Buch von Bruno Bettelheim (Liebe allein genügt nicht), darin erklärt er wie wichtig es ist, Bedürfnisse der Kinder zu stillen. Vorab muss ich sagen, es geht um extreme Situationen - aber die Grundlinie ist die die mich interessiert.
Ich bin noch nicht ganz durch, aber ich frage mich, wie manche Dinge umsetzbar sind.
Jeden Wunsch erfüllen geht nicht, alles durchgehen lassen, auch nicht immer.
Wie erkenne ich die wichtigsten Bedürfnisse, wenn schon etwas, was für mich als Kleinigkeit durchgeht, für das Kind aber sehr sehr wichtig sein kann?

Kennt jemand dieses Buch?

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7 Jahre 3 Monate her #5305 von Heinz Etter
Antwort
Liebe Schbananas
Ich kenne das Buch nicht, hingegen kenne ich Bettelheim ein bisschen. Das, was ich von ihm weiss, hat mich sehr beeindruckt. Er behandelte als Psychiater schwerst psychotische Menschen, indem er genau hinsah, wie sie sich verhielten. Er nahm die Leute sehr ernst und unterstützte sie in allem, was sie taten. Er liebte sie so, wie sie eben waren und interpretierte ihr Verhalten als ihren Versuch, mit dem Leben klar zu kommen. Ganz viele seiner Patienten fanden den Weg zurück ins normale Leben.

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7 Jahre 3 Monate her - 7 Jahre 3 Monate her #5306 von schbananas
Antwort
Er schreibt in den ersten Seiten dieses Buches darüber, das wir eher laufend Nein sagen oder den Kindern auf die Finger schlagen, statt das Umfeld für das Kind gerecht zu gestalten. Sprich, wir geben zB. dem Kind zu verstehen uns seien die Bücher im Regal wichtiger als das Kind, wenn wir es schelten, wenn es an das Regal geht und Bücher ausräumt.

"Die Sache wird erst kompliziert, wenn wir und fragen, was wir denn eigentlich meinen, wenn wir von Liebe sprechen. Geht es dabei wirklich nur ums Liebkosen und um die vielbesprochene elterliche Billigung oder ist die Liebe eine weniger dramatische Bereitwilligkeit, es sich einige Mühe kosten zu lassen, auf die ausgesprochenen oder unausgesprochenen Bedürfnisse des Kindes einzugehen?

Mal abgesehen von den wirklich extremen Fällen die er beschreibt, die Grundlinie ist sehr interessant. Ich habe selber überlegen müssen, wie oft nehme ich mein Kind in den Arm weil ich es brauche oder weil es das für sich braucht?

Ich bin ohne Strafen gross geworden, wenn ich was verbockt habe, dann hat meine Mutter geschimpft, ja, sie hat auch gebrüllt wie ein Löwe, wenn es schlimm war, sie hat aber auch im gleichen Atemzug gesagt, wie ich das wider gutmachen kann. Ob ich das dann tat oder nicht, war mir überlassen. Liebesentzug oder andere Strafen gab es dennoch nicht. Und mir war immer klar, ob das was ich mache gut oder schlecht ist - mir war aber nicht immer klar, welche Konsequenzen meine Taten für andere nach sich ziehen, das kam erst später, als ich reifer war.
Wieso also ein Kind strafen für etwas wo es die Folgen nicht einschätzen konnte?
Keins von uns hatte je Stubenarrest oder wurde ins Zimmer geschickt, stiller Stuhl etc kannten wir nur von der Schule. Ich würde nicht sagen, das wir deshalb schlechter geraten sind als andere Kinder. Auch wenn das Andere jetzt vielleicht für antiautoritär halten.

Bettelheim beschreibt auch, das sie in dieser Schule alle Bedürfnisse der Kinder versuchen zu decken. Das zB. Daumenlutschen okay ist, egal wie alt das Kind ist. Man spricht gar nicht drüber, weil das Kind das jetzt eben braucht und man ihm dieses Bedürfnis nicht abspricht.
Bei manchen Sachen, denke ich, ist es so, das man das in einer solchen Einrichtung machen kann, es aber zuhause auf Dauer zu Kräfte zehrend wäre.
Mir hilft diese Lektüre unheimlich bei Phasen die die Kinder durchlaufen, da ich mir jetzt sage, sie brauchen das eben noch oder wieder oder grade jetzt, auch, wenn es nicht mehr altersentsprechend ist.
Last edit: 7 Jahre 3 Monate her by schbananas.

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7 Jahre 3 Monate her #5307 von Heinz Etter
Antwort
Deine Beschreibung von Bettelheims Position verwundert mich nicht. Ein wirklich grosser Mann, der es verdienen würde, bekannter zu sein. Das täte der Menschheit wirklich gut.
Deine eigene Erziehung entspricht in manchen Punkten dem, was wir VP nennen. Wiedergutmachung statt Strafe. Allerdings: Anschreien ist für ein unreifes Kind nur schwer zu ertragen. Selbst dann, wenn es die Sache schnell vergisst, prägt sich die Botschaft ein: Wenn ich lieb bin, ist auch die Mama lieb, sonst...

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