Wer bringt das Kind ins Bett?

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6 Jahre 10 Monate her #5560 von Sonnenblume85
Frage
Meine Tochter ist nun 17 Monate alt und ich stille sie nur noch abends vor dem Schlafen gehen. Sie schläft nicht mehr an der Brust ein, da wir danach noch die Zähne putzen. Lange Zeit habe ich sie immer ins Bett gebracht und gewartet bis sie den Schlaf gefunden hat. Ich habe mich auch wirklich sehr darum gerissen und es auch genossen. Doch eines Tages kam der Wunsch auf, dass mein Mann mich entlasten könnte da es mir manchmal einfach zuviel wurde (bin 100% Mami, also arbeite nicht auswärts). Sie verstehen, manchmal braucht man einfach Abstand...Nun die Kleine weint immer, wenn ihr Papi sie ins Bett bringt. Es nützt auch nichts, wenn wir es bereits beim Nachtessen erwähnen. Diese Trennung ist für mich jeweils sehr schwierig, weil ich ihr praktisch sage jetzt gibt es keine Mami mehr für den Moment. Dies spürt sie natürlich auch, dass ich nicht 100% hinter meiner Entscheidung stehe. Ich bin wirklich überzogen, dass mein Mann dies gut macht und genauso gut kann wie ich. Wie sollen wir mit dieser Thematik umgehen? Soll das Kind entscheiden dürfen, wer es ins Bett bringt? Sie ist auch sehr kuschelig, wenn wir beide zu Hause sind jedoch nur mit mir :-( Dies tut mir dann auch so leid für meinen Mann.....Wie kann ich bewirken, dass die Bindung zwischen meinem Mann und ihr stärker wird? Wir schauen auch, dass mein Mann öfters mit ihr alleine etwas unternimmt z. B. Dies klappt dann super, einfach abends wenn es ums schlafen geht wird es schwierig....

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6 Jahre 10 Monate her - 6 Jahre 10 Monate her #5561 von Nurith
Antwort
Liebe Sonnenblume85,

♥-lich willkommen im Forum!

Dies spürt sie natürlich auch, dass ich nicht 100% hinter meiner Entscheidung stehe.


Diese Entscheidung kann euch leider niemand abnehmen, und doch ist sie so wichtig. Du kennst die Vor- und Nachteile beider Varianten. Bringst du dein Kind weiterhin selbst ins Bett, ersparst du ihm Unsicherheit, Frust, Trennung… Dafür bis du innerlich vielleicht ausgepowert und hast keine Geduld mehr. Hast du selbst genug Aus- und Ruhezeiten, bist du möglicherweise die geduldigere Mutter. Wenn es dir gut geht, kannst du auch besser für deine Lieben da sein, dafür muss deine Tochter das Zubettbringen durch den Papi lernen.

Wie du schreibst, hängt deine Tochter besonders abends an dir. Das scheint mir irgendwie logisch. Wenn ich müde bin, halte ich selbst auch nicht mehr so viel aus, kann mich weniger beherrschen usw. wie wenn ich topfit bin… Gibt es vielleicht Alternativen, die beide Anliegen - deine eigenen und die Bedürfnisse deines Kindes - unter einen Hut bringen? Vielleicht findest du jemanden (Mutter, Schwester, Freundin, Nachbarin), der dir tagsüber eine Ruhepause verschafft?! Oder vielleicht ist der Samstagnachmittag "dein Tag", wo dein Mann sich alleine um euer Töchterchen kümmert?

…jetzt gibt es keine Mami mehr für den Moment.


Hast du zufälligerweise den Thread von SchoCo mitverfolgt? Sie verweist dort auf einen spannenden Artikel von Jesper Juul. Er schreibt unter anderem:

«Die Tatsache, dass sie (die Kleinkinder) Gewohnheitsmenschen sind, ist nichts Emotionales, sondern liegt in der Art begründet, wie sich das Gehirn entwickelt. Geformte Muster und Verbindungen im Gehirn können verändert werden, allerdings nicht ohne Frustration. Denken Sie daran, dass gute, stabile Gewohnheiten Sicherheit bedeuten und somit das Gegenteil von Unsicherheit sind. Versuchen Sie die Situation aus den Augen ihrer Tochter zu betrachten: ‹Mein ganzes Leben lang wurde ich zum Einschlafen gestillt. Und was passiert denn jetzt?› Genau das ist die Kindheit – gefüllt mit intensiven Lernprozessen, die in Frustration resultieren. Deshalb sollten sie, vielleicht so bald wie möglich, ihren Traum darüber, dass sie niemals wütend wird und sich beschwert, gut verstauen. Vorzugsweise an einem Ort, wo sie ihn nicht wiederfinden. […] Der Schlüsselfaktor ist ‹ ein gutes Gewissen›. Je mehr Sie sich sicher sind, dass Ihre Tochter das bekommt, was sie braucht, umso besser gelingt es Ihnen zu unterscheiden, was sie will. Wenn Sie sich schuldig fühlen oder Angst vor Konflikten haben, werden diese vermehrt auftreten. Mehr als notwendig. Sie sind nicht die einzige Mutter, der es schwerfällt, ihre eigenen Bedürfnisse (um eine gute Mutter zu sein) von jenen der Kinder zu trennen. Das Wichtigste ist, dass Sie nach und nach den Unterschied erkennen lernen.»

Ich finde, mit diesem Text spricht er so einige Grundsätze von VP an:

Führe sicher!
Sei innerlich überzeugt von dem, was du machst. Wenn du unsicher bist, wird dein Kind es spüren. Also lieber mal in vollster Überzeugung einen Fehler machen, als permanent unsicher das Richtige zu tun.

Richte nicht!
Unterstelle deinem Kind keine schlechten Absichten und keine Manipulation, wenn es weint. Habe Verständnis für seine in seinen Augen unverständliche und schwierige Situation.

Nimm seinen Frust wahr!
Kennst du den Frustkreisel? Wenn dein Kind Frust hat, begleite es (bzw. lass es begleiten), versuche, Verständnis dafür zu haben und zusammen mit ihm zu trauern. Das hilft ihm, die neuen Umstände hinzunehmen.

Wie kann ich bewirken, dass die Bindung zwischen meinem Mann und ihr stärker wird?


Je kleiner und unreifer Kinder sind, desto polarer sind ihre Bindungen (manchmal nur an eine Person). Das ist in gewisser Weise ein Schutzmechanismus, dass Kinder sich ganz auf die Seite der Menschen stellen, die für sie sorgen. Du schreibst ja, dass dein Mann und dein Töchterchen es oft sehr gut zusammen haben. Heinz erzählte am Seminar folgendes Beispiel: Wenn die Oma ein Kind nach dem Nachmittagsschlaf aus dem Bett holt, kann es vorkommen, dass es im ersten Moment die Mutter wegstösst. Dieses Wissen um die Polarität von Bindungen hilft uns, die oft brüsken und manchmal verletzenden Reaktionen der Kleinen einzuordnen und nicht persönlich zu nehmen.

Hast du die Bücher «Erziehen im Vertrauen» oder «Vertrauen - von Anfang an» schon gelesen?

Liebe Grüsse und viel Freude mit eurer Tochter!
Nurith
Last edit: 6 Jahre 10 Monate her by Nurith.

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6 Jahre 10 Monate her #5581 von Sonnenblume85
Antwort
Herzlichen Dank für den äusserst wertvollen und hilfreichen Beitrag!

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6 Jahre 10 Monate her #5582 von Sonnenblume85
Antwort
Herzlichen Dank für den äusserst wertvollen und hilfreichen Beitrag!

Ja, ich habe beide Bücher gekauft. "Vertrauen von Anfang an" bereits gelesen:-)

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6 Jahre 9 Monate her #5614 von Franiel
Antwort
Genau das Problem habe ich heute noch mit meinem 4 jährigen Sohn. Und es ist für mich nochmal hilfreich die tolle Antwort von Nurith gelesen zu haben. Bei unserem mittlerweile natürlich älteren Sohn ist es immer hilfreich, wenn der Papa die Beziehung bewusst aktualisiert, um ihn ohne Theater ins Bett bringen zu können. Bei uns klappte auch immer das zu Bett gehen mit Papa ohne Probleme wenn das Kind wusste dass ich nicht zu Hause bin. Bei unserer Tochter (18 Monate) hilft dies auch schon gut wenn der Papa mit ihr noch ein wenig spielt und sie mich dann schon nicht mehr sieht, ich mich dann quasi schon zurückziehe. Sie schauen dann zusammen Bücher an und sie liebt es dann vom Papa in den Schlaf gestreichelt zu werden. Das kuriose ist dass es bei unserem 2. Kind viel besser klappt, da ich nämlich zu 100% dann auch dahinter stehe, dass der Papa sie ins Bett bringt, da ich mich dann nämlich bewusst um unseren Sohn kümmern möchte. Ich muss aber auch sagen, wenn unsere kleine lange weint dann gebe ich auch nach, weil ich das Gefühl habe gerade weil meine tochte eben zu mir momentan noch die innigste Beziehung hat, dass es eben Tage gibt wo sie es braucht von mir ins Bett gebracht zu werden, auch wenn das gerade der Tag ist wo wir uns was anderes vorgenommen haben. Zum Bsp. wenn Sie am zahnen ist....

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